1788 Infizierte: Wie der Virus das Leben im Hotspot Heinsberg verändert hat

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#CoronCare: 1788 Infizierte: Wie der Virus das Leben im Corona-Hotspot Heinsberg verändert hat

Montag, 11.05.2020, 14:39

Es ist der 15. Februar 2020. Eine Karnevalssitzung in der Gemeinde Gangelt im Kreis Heinsberg. Ein mit Covid-19 infiziertes Ehepaar befindet sich mit 300 weiteren Personen im gleichen Saal. Rund zwei Wochen später hat Heinsberg bereits sechs bestätigte Corona-Fälle.

Im Kreis werden daraufhin Kindergärten und Schulen geschlossen, Fußball-Spiele werden abgesagt. 400 Menschen müssen in häusliche Qurantäne. Der Kreis Heinsberg gilt ab sofort als Hotspot der Pandemie in Deutschland. War der Name „Heinsberg“ zuvor noch kaum einem Menschen in Deutschland ein Begriff, so kennt ihn nun fast jeder. Rund 1788 Personen haben sich seither im Kreis mit Covid-19 angesteckt (Stand 11. Mai 2020).

Über zwei Monate ist der Ausbruch in Heinsberg nun her. Mittlerweile haben Tirschenreuth und Greiz den Kreis als Hotspots abgelöst. Doch wie geht es den Menschen in Heinsberg heute? FOCUS Online hat mit vier Einwohnern darüber gesprochen, wie sie den Ausbruch erlebt haben und wie das Virus das Leben im Kreis verändert hat.

“Heinsberg war die Pilot-Gegend”

Die Anfangstage seien von großer Unsicherheit geprägt gewesen, sagt Klaus Froitzheim (60), Inhaber der Dom-Apotheke in Heinsberg. „Wir waren sozusagen die Pilot-Gegend. Als sich das Virus dann auch in den anderen Gegenden Deutschlands ausgebreitet hat, wussten die Menschen durch unseren Ausbruch zumindest etwas besser Bescheid. Für uns war das alles dagegen komplett unbekannt, komplett neu.“

Elke Weishaupt (53), Restaurantinhaberin vom Alten Brauhaus Heinsberg, ergänzt: „Als wir unseren ersten Infizierten hier im Krankenhaus hatten, waren wir überrascht. Und natürlich gab es dann eine große Verunsicherung.“

Und dennoch sei über die gesamte Zeit der Pandemie in Heinsberg nie eine Panik ausgebrochen: „Man war nervös, aber alle sind ruhig geblieben. Die Leute haben sich hier mit der Situation arrangiert, diese Krise von Anfang an angenommen“, sagt der Apotheker. Das sieht auch Hausfrau Regina Freesen so: „Die Menschen haben das hier sehr schnell begriffen. Wir hatten schon sämtliche Maßnahmen getroffen, bevor die Politik sie überhaupt beschlossen hatte“, sagt die 55-Jährige.

Heinsberger enttäuscht von der Berichterstattung

In der Anfangszeit der Corona-Krise in Deutschland ist der Kreis Heinsberg fester Bestandteil einer jeden Nachrichten-Sendung. Die dort lebenden Menschen können noch heute die Art und Weise der Berichterstattung nicht nachvollziehen: „Das wurde in der Presse komplett übertrieben dargestellt. Ich hatte immer das Gefühl, es wird der Eindruck vermittelt, dass bei uns in der Stadt und auf den Straßen lauter Leichen lagen. Das war natürlich kompletter Quatsch“, erklärt Weishaupt.

„Die Leute waren von den Medien enttäuscht und genervt”, sagt Froitzheim. “Es hieß oft, dass wir die Krankheit nach Deutschland gebracht hätten, der Karneval in Gangelt an allem Schuld sei. Auch Freunde von mir haben plötzlich abwertend auf den Kreis geschaut. Autos mit dem KFZ-Kennzeichen HS wurden an anderen Orten zerkratzt, beschädigt. Da hat die Presse durchaus ihren Teil beigetragen.“

Anders stellte sich die Lage vor Ort dar: Die Krise habe die Heinsheimer zusammengeschweist, sagt der Apotheker. Der Satz „HS Be Strong“ sollte den Bürgern schnell Halt geben. Später wurden T-Shirts mit dem Spruch bedruckt. „Das war Wahnsinn. Wir haben in unseren beiden Apotheken freitags immer die T-Shirts mit „HS Be Strong“ getragen. Das haben ganz viele gemacht”, sagt Froizheim. “Es ging darum, die Menschen aufs Wochenende einzustimmen, ihnen zu zeigen, dass sie in dieser Zeit nicht alleine sind.“ Mittlerweile gibt es sogar einen Song mit dem Namen „HS Be Strong“.

Freesen spricht von „zahlreichen weiteren Aktionen“, von einem unglaublichen Miteinander in dieser schwierigen Zeit. Heike Knoben (56), Leiterin, des Städtischen Kindergartens Buschheide, sagt: „Es war schwierig zu Beginn, aber es hat sich hier ein echtes „Wir-Gefühl“ entwickelt.“ Heinsberg ist durch die Krise zusammengerückt.

Auswirkungen auf die Arbeit

Beruflich hatte die Krise ganz unterschiedliche Auswirkungen. „Die Eltern haben viel gefragt, wie es weitergeht. Wir hatten aber oft keine Antworten”, berichtet Knoben. Seit zwei Wochen gibt es nun auch in der Kita in Heinsberg eine Notbetreuung für Kinder von Eltern mit systemrelevanten Berufen. “Aktuell haben wir 14 von ursprünglich 94 Kindern bei uns. Andere Eltern sind noch sehr vorsichtig, finden andere Lösungen.“ Mit so wenigen Kindern habe sich der Alltag im Kindergarten verändert.

Die Dom Apotheke Heinsberg hatte im März viel zu tun. Die Apotheken wurden zu Kommunikationszentren für die Menschen. “Wir haben die Leute über das richtige Verhalten aufgeklärt, sie über die aktuelle Situation informiert”, sagt der Apotheker Froizheim. “Wir konnten beruhigen und damit teilweise auch helfen. Das war definitiv unser positiver Beitrag in der Krise. Da haben die meisten Apotheken in Deutschland sehr gute Arbeit geleistet.“

Hausfrau Regina Kreesen ist kreativ geworden: „Ich habe Masken angefertigt. Wenn jemand in der Nachbarschaft gefragt hat, habe ich die Nähmaschine rausgeholt und produziert.“ Sie selbst war mit ihrem Mann zu Beginn verunsichert. Beide sind Risikopatienten. Doch in ihrem Haus und Garten konnte das Ehepaar ein „halbwegs“ normales Leben führen.

Viele Gastronomen fürchten deutschlandweit wiederum um ihre Existenz. Weishaupt und das Alte Brauhaus in Heinsberg geht es zum Glück besser. „Als wir schließen mussten, hat unser Lieferdienst uns zumindest dahingehend geholfen, die Kosten zu decken. Das konnten wir aber auch nur, weil uns die Stammkunden unterstützt haben, uns treu geblieben sind”, sagt Gastronomin Weishaupt. “Das war wirklich unglaublich, wie auch hier zusammengehalten wurde. Dazu war die Soforthilfe natürlich wichtig. Dass der Staat uns da so schnell unterstützt hat, war sensationell.“

Apotheker Froizheim und Gastronomin Weishaupt hoffen nun, dass mit den Lockerungen wieder mehr Menschen in ihr Geschäft und Restaurant kommen. „Wir dürfen nun endlich wieder öffnen. Allerdings gibt es einiges vorzubereiten”, sagt Weihaupt. “Wir blicken noch nicht ganz durch, welche Regeln es alles gibt. Wann genau müssen wir den Mundschutz tragen? Darf ich ganz normal Wein ausschenken? Wie muss ich mit Lebensmitteln umgehen? Wie groß ist der Abstand zwischen den Tischen?“

Heinsberger Stolz

Eines eint alle vier Personen aus der Region: Der Stolz auf die Menschen im Kreis Heinsberg. So sagt der Apotheker: „Die Leute haben das sensationell gemacht und machen das noch immer super. Man geht viel sozialer miteinander um. Das ist anders als vor der Krise, nicht so fordernd, etwas entspannter. Die Leute haben begriffen, was wirklich wichtig ist.“

Die Situation in Heinsberg ist im Vergleich zu Anfang März anders. Die Bürger des Kreises haben viel aus dieser Phase mitgenommen, viel Positives. Froitzheim hat nun einen Wunsch: „Man weiß jetzt in Deutschland, wo Heinsberg liegt. Vielleicht können wir davon in Zukunft profitieren.“

 

 
 

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