75. Todestag: So verliefen die letzten Tage Adolf Hitlers im Führerbunker

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Der Abend bricht gerade herein, als am 26. April 1945 ein Fieseler Storch auf der Ost-West-Achse am Brandenburger Tor landet. Dass überall zahlreiche Kugeln und Geschosse herumschwirren, dass die Luft im Zentrum der deutschen Hauptstadt rauchgeschwängert ist, dass unten vielleicht schon Soldaten der Roten Armee auf der Lauer liegen, um das kleine einmotorige Flugzeug abzuschießen – das alles schreckt die Frau am Steuerknüppel nicht.

Hanna Reitsch, die berühmteste Pilotin des Dritten Reiches, hat Hitlers beste Flugzeuge geflogen, um sie auf ihre Tauglichkeit für den Kriegseinsatz zu testen; sie wurde schwer verletzt, doch hat sie sich wieder zusammenflicken lassen. Denn sie ist eine große Bewunderin des „Führers“.

Als Hitler ihren Lebensgefährten, Generaloberst Robert Ritter von Greim, in den Führerbunker, sein unterirdisches Hauptquartier im längst heiß umkämpften Zentrum Berlins ruft, ist es für Reitsch keine Frage, dass sie mit ihm fliegt.

Doch im Anflug auf Berlin passiert es: Über Neukölln, im Süden der Stadt, wird Greim von einem Geschoss schwer am Bein verletzt. Reitsch greift sich den Steuerknüppel und fliegt die kleine Maschine bis zum Brandenburger Tor im Zentrum. Sie schleppt sich mit ihrem verletzten Mann einige hundert Meter bis zum Führerbunker weiter. Hitler ist beeindruckt. Er empfängt seine Lieblingspilotin mit den Worten: „Sie tapfere Frau!“.

Die Reichskanzlei liegt in Trümmern

Hitler, der sich in seinem „Führerbunker“ unter dem Garten der Reichskanzlei im Regierungsviertel verschanzt hat, will Greim zum Nachfolger Hermann Görings als Chef der Luftwaffe berufen. Seinem einstmals zweiten Mann, der sich nach Bayern abgesetzt hat, wirft er Verrat vor.

Es ist eine der letzten Amtshandlungen des Mannes, der gerade wenige Tage zuvor seinen 56. Geburtstag gefeiert hat und Deutschland seit gut zwölf Jahren regiert. Doch seine überdimensionale Reichskanzlei im Berliner Regierungsviertel ist längst zum Sinnbild geworden für den Zustand des angekündigten „tausendjährigen Reichs“: Sie liegt in Trümmern, zerbombt von den Flugzeugen der alliierten Kriegsgegner.

Und auch Hitler selbst spiegelt den Zustand des „Dritten Reiches“ wider. Gebeugt von der Last der drohenden Niederlage schleicht er durch die Räume des unterirdischen Führerbunkers. Reitsch ist daher wenig angetan beim Anblick ihres „Führers“; sie ist entsetzt über das Äußere des Mannes, dessen Stärke sie einst so bewunderte. In ihren Memoiren erinnert sie sich später: „Seine Gestalt war jetzt stark vornübergebeugt, beide Arme zitterten ununterbrochen und sein Blick hatte etwas gläsernes Fernes“.

Eva Braun folgte dem „Führer“ in den Bunker

Hitler ist drei Monate zuvor, am 16. Januar, in die Hauptstadt zurückgekehrt, wo er nach der offiziellen NS-Propaganda den „Endkampf um Berlin“ leitet. Zunächst wohnt er noch in der Reichskanzlei, aber nachdem diese bei einem schweren amerikanischen Luftangriff am 3. Februar zerstört wird, zieht er dauerhaft in den Führerbunker um.

Eva Braun, seine langjährige, vor der Öffentlichkeit verborgen gehaltene Geliebte, ist ihm am 7. März gefolgt. Am 22. April ziehen auch Joseph Goebbels mit seiner Frau Magda und ihren sechs Kindern ein. Ebenso lebt ständig Hitlers Vertrauter Martin Bormann im Bunker.

Hier unten sind Hitler und seine Entourage vor dem Bomben- und Kugelhagel sicher. Der Hauptbunker hat eine Sohltiefe von 8,50 Meter, eine Raumhöhe von 2,85 bis 3,05 Meter und Innenmaße von 15,50 mal 18,50 Meter. Die Deckenplatten haben eine Stärke von vier Metern. Der Bunker verfügt über ein eigenes Stromaggregat und Luftschleusen mit gasdichten Türen.

Goebbels nimmt seine sechs Kinder mit

Neben Hitler, der auch ein Arbeitszimmer hat, verfügen unter anderem Eva Braun und Propagandaminister Joseph Goebbels über eigene Räume. Magda Goebbels und ihre Kinder werden im Vorbunker untergebracht. Ebenso befindet sich hier die Telefonzentrale und der Kartenraum. Andere Insassen wie Hitlers Sekretärinnen sind im Bunker unterhalb der Reichskanzlei untergebracht, der durch einen unterirdischen Gang mit dem Führerbunker verbunden ist.

Hitler weigert sich, Berlin zu verlassen

Am 22. April hatte Hitler verkündet, dass für ihn der Krieg verloren sei. Seitdem haben sich prominente NS-Führer wie Hermann Göring, Heinrich Himmler und Rüstungsminister Albert Speer aus Berlin abgesetzt. Speer kommt am 23. April ein letztes Mal in den Bunker und versucht, wie so viele andere vor ihm auch, Hitler zur Flucht zu bewegen.

Doch Hitler weigert sich. Er hat sich entschieden, im Bunker zu bleiben und sich selbst das Leben zu nehmen, bevor russische Soldaten eindringen und ihn gefangen nehmen können. Er fordert Eva Braun auf, mit einem der letzten Flugzeuge aus der eingeschlossenen Stadt zu fliehen, doch zum ersten Mal verweigert sie sich seinem Befehl. Sie erklärt, sie wolle bleiben und mit ihm in den Tod gehen.

Eva Braun weiß, dass sie keine Aussicht hat, ihr zukünftiges Leben in Freiheit zu verbringen, und so erscheint ihr ein schneller Tod als die bessere Lösung. „Ich bin gekommen, um hier Schluss zu machen“, berichtet sie Albert Speer.

Von denjenigen, die im Bunker zurückbleiben, warten einige sehnsüchtig auf den von Hitler inzwischen angekündigten Selbstmord. „Alles drehte sich nur noch um zwei Fragen: Wann würde sich Hitler umbringen? Wann stand der Russe in der Bunkertür“, berichtet Rochus Misch, der bis zuletzt im Führerbunker die Telefonanlage bedient. Weil die Nummer der Reichskanzlei im Telefonbuch steht, rufen ständig ganz normale Berliner an, die wissen wollen, in welchen Straßenzügen gerade die Frontlinie verlaufe.

Einmal ruft eine Frau an, die verzweifelt am Telefon um Hilfe bittet. Misch ruft Goebbels an das Telefon und die Frau berichtet, dass im Nebenraum eine Nachbarin gerade von russischen Soldaten vergewaltigt werde. Dann wird die Telefonverbindung gestört.

„Wir lachen, weil wir nicht weinen können“

Die Atmosphäre im Bunker ist gespenstisch. „Niemand von uns findet Schlaf. Wie Schatten irren wir durch die Räume und warten. Manchmal schleichen wir hinauf in das Treppenhaus, warten auf eine Feuerpause der Artillerie und sehen mit Entsetzen, wie sich die Verwüstung immer mehr ausbreitet“, schreibt Hitlers Sekretärin Traudl Junge in ihren Erinnerungen.

Um den Bunker und die Reichskanzlei stehen nur noch Ruinen und Häuserreste. „Aber ich bin stumpf geworden, ganz ausgehöhlt komme ich mir vor. Nichts ist mehr echt und natürlich an uns. Wir sind gleichgültig und gelassen, lachen, weil wir nicht weinen können“, so Junge.

Erschießen oder vergiften? – Diskussionen im Bunker

Ein beliebtes Thema in diesen letzten Tagen ist im Bunker die Frage, auf welche Weise man sich am besten umbringen könne. Hitler verteilt an einige Bunkerinsassen Giftampullen. Er selbst will sich erschießen und nur für den Fall, dass der Schuss nicht tödlich sein würde, auch Gift bei sich haben. Eva Braun bevorzugt die Ampulle.

Ein unterirdischer Gang verbindet den Führerbunker mit dem Keller der Reichskanzlei, der längst als Operationsraum für verletzte Soldaten und Zivilsten genutzt wird. Unter primitiven Bedingungen kämpfen Ärzte und Schwestern bis zum Umfallen um das Leben der Verletzten. Überall ist Blut und überall stehen Eimer mit abgetrennten menschlichen Gliedmaßen herum.

In einem Bunkerraum nebenan singen betrunkene Soldaten alte deutsche Kampflieder. Vom Kämpfen selbst haben sie genug. Die Kämpfe oben rücken derweil immer näher, selbst ein kurzer Ausflug in den Garten der Reichskanzlei ist gefährlich. Niemand ist mehr sicher vor herumfliegenden russischen Kugeln oder Geschossen. Unten im Bunker wird berichtet, dass Rotarmisten deutsche Frauen beim Vorrücken als Kugelfang benutzen, um sich selbst zu schützen.

Nothochzeit im Führerbunker

Hitler hat, seit er am 22. April quasi offiziell die Niederlage eingestanden hat, nichts mehr zu tun – keine Regierungsgeschäfte rufen mehr und Lagebesprechungen sind nutzlos. Immerhin rafft er sich zu einer Entscheidung auf: Er entschließt sich, seine langjährige Geliebte Eva Braun zu heiraten. „Nur mein Hund und Fräulein Braun halten mir die letzte Treue“, sagt er zu Goebbels.

Mit einem Schützenpanzer wird ein Standesbeamter herbeigeholt, der die Trauung gegen Mitternacht vollzieht. Eva Braun trägt ein dunkelblaues Seidenkleid und um die Schulter eine graue Pelzstola. Kurz danach, der 29. April hat gerade begonnen, gibt das frischgebackene Ehepaar ein kleines Essen für einige der Bunkerinsassen.

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Hitler schleicht in diesen letzten Tagen seines Lebens oft durch die Flure und wirkt auf die anderen Bunkers-Insassen vollkommen lethargisch. Sein Gesundheitszustand ist besorgniserregend und nichts ist mehr vom aufbrausenden Führer zu spüren, der früher seine Umwelt erbeben ließ.

Nur einmal, am 28. April, lebt er nochmals auf. Über den abgehörten feindlichen Funkverkehr erfährt er, dass SS-Chef Heinrich Himmler, der sich nach Norddeutschland abgesetzt hat, über den schwedischen Diplomaten Graf Bernadotte versucht, mit den West-Alliierten einen Sonderfrieden abzuschließen – hinter dem Rücken seines Chefs. Hitler ist wütend und befiehlt, Himmler zu verhaften. Mit dieser Aufgabe betraut er Greim. Reitsch gelingt am 29. April das Husarenstück: Sie startet mit einem kleinen Schulungsflugzeug und gelangt erneut mitten durch das Flammenmeer und den Flakbeschuss aus Berlin heraus.

Hitler diktiert sein Testament

Am Abend dieses Tages ruft Hitler Traudl Junge zu sich in sein kleines Arbeitszimmer mit dem Porträt des Preußen-Königs Friedrich dem Großen an der Wand, weil er ihr etwas diktieren will. „Hitler steht an seinem gewohnten Platz an der Breitseite des Tisches, stützt beide Hände auf und starrt auf die leere Platte, die heute keine Landkarten, keine Stadtpläne mehr bedecken. Wenn nicht der Beton wie eine Membrane jeden Einschlag, jeden Schuss unbarmherzig und verstärkt erschallen ließen, könnte man sekundenlang nur das Atmen von zwei Menschen hören“, so Traudl Junge. Dann wirft er die ersten Worte in den Raum: „Mein politisches Testament“.

Junge ist gespannt bis zum Äußersten – jetzt, so glaubt sie, kommt endlich das, worauf sie seit Tagen gewartet hat: die Erklärung für all das, was geschehen ist während der vergangenen zwölf Jahre. Doch Hitler gibt wieder einmal nur die gewohnten Plattitüden von sich. Erstaunt ist Junge, als er Goebbels zu seinem Nachfolger als Reichskanzler und Großadmiral Karl Dönitz, den Oberbefehlshaber der Kriegsmarine zum Reichspräsidenten und Oberbefehlshaber der Wehrmacht bestimmt.

Ohne Zweifel begeht Hitler Selbstmord

Am folgenden Tag bittet Hitler nach dem Mittagessen die Insassen des Bunkers zu sich. Die Zeit drängt. Am Tag zuvor hat ihm Wilhelm Mohnke, der Oberbefehlshaber der Truppen, die das Regierungsviertel verteidigen sollen, angekündigt, dass der Bunker bestenfalls noch 24 Stunden zu verteidigen sei. Danach hat Hitler sich entschlossen, an diesem 30. April seinem Leben ein Ende zu bereiten. Nach einer kleinen Verabschiedungszeremonie zieht er sich gemeinsam mit Eva Braun in sein Arbeitszimmer zurück.

Über das, was in den folgenden Minuten passiert, gibt es unterschiedliche Angaben der Bunkerbewohner. Die einen behaupten, einen Schuss aus seinem Arbeitszimmer gehört zu haben, andere sagen, das sei wegen der lauten Belüftungsanlage gar nicht möglich gewesen. Auch die genaue Uhrzeit des Selbstmordes ist nicht bekannt, sie liegt irgendwann zwischen 15.15 Uhr und 15.50 Uhr.

Klar ist, dass Hitler sich erschießt und seine Frau die Giftampulle schluckt. Möglicherweise zerbeißt auch Hitler selbst zusätzlich eine Giftkapsel. Und entgegen allen späteren Mythen ist etwas ebenfalls ohne jeden Zweifel klar: dass Adolf Hitler an diesem Tag stirbt.

Aus der rechten Schläfe tropft Blut

Im Bunker herrscht eine bedrückende Atmosphäre. Während oben der Gefechtslärm zu hören ist, öffnen Hitlers persönlicher Adjutant Otto Günsche und der Kammerdiener Heinz Linge die Tür zu Hitlers Raum. Der tote „Führer“ sitzt nach vorne gesunken auf seinem Platz, die Unterarme ruhen auf den Oberschenkeln. Aus der rechten Schläfe tropft nach Günsches Angaben Blut. Eva Hitler, sitzt ihrem Mann gegenüber mit hochgezogenen Beinen in der Ecke des Sofas. Günsche verkündet den letzten Getreuen: „Der Führer ist tot“.

Wie von ihm vor dem Tod befohlen, werden die beiden Leichen im Garten der Reichskanzlei mit Benzin übergossen und verbrannt. Sein Tod wird am 1. Mai im Rundfunk bekanntgegeben – er sei im Kampf um Berlin an der Spitze seiner Soldaten gefallen, heißt es offiziell. Wenige Stunde vor seinem Tod hat er Goebbels gegenüber klargemacht, was er jenseits aller Propaganda wirklich von den Deutschen hielt: „Wenn der Krieg verloren geht, ist es vollkommen egal, wenn das Volk mit untergeht. Ich könnte dadurch noch keine Träne weinen, denn es hätte nichts anderes verdient“.

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