Airbus: Flugzeugbauer will mit “unkaputtbarer” Spinnenseide Boeing schlagen

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“Die Seide ist das Überlebensmittel der Spinne. Und diese ist schon einige Millionen Jahre länger auf der Welt als der Mensch – sie hat also ganz schön lange durchgehalten”, erklärt Jens Klein, CEO von Amsilk, “Die Seide hat besondere Eigenschaften: zum Beispiel große Elastizität und Reißfestigkeit.” Spinnenseide war schon über viele Jahre hinweg ein Produkt, das Wissenschaftler und Unternehmen brennend interessierte – der “heilige Gral der Materialwissenschaften”, wie Klein sagt. Allein: Spinnen zu melken, um an das begehrte Erzeugnis zu kommen, war nicht zielführend. Klein: “Spinnen sind kannibalisch. Man kann sie nicht züchten – sie würden sich gegenseitig fressen.”

Amsilk schließlich gelang es als einem der ersten Unternehmen weltweit, Spinnenseide industriell herzustellen. Bis heute hat die Ausgründung aus der Technischen Universität München nur wenige Wettbewerber – dafür aber umso mehr Förderer. Die Sprüngmann-Brüder, Life Sciences-Investoren der ersten Stunde, sind unter anderem beteiligt. Amsilk produziert das organische Material im Labor und macht es erstmals in großen Mengen auch der Wirtschaft zugänglich. “Bakterien stellen in einem Fermentationskessel die Basis der Seide her, ein weißes Pulver”, erklärt der CEO. “Aus diesem wiederum kann man unterschiedlichste Materialien mit exzellenten Eigenschaften generieren.”

Unterschiedlichste Anwendungsgebiete für die Spinnenseide

Fragt man Klein, was die Seide kann, wird schnell klar, warum das Material als so wertvoll erachtet wird. Im Bereich Kosmetik zum Beispiel sorgt Spinnenseide im Shampoo dafür, dass das gewaschene Haar über den Tag hinweg Duftstoffe freisetzt. Weiteres Anwendungsgebiet ist die Medizintechnik: Implantate bargen bisher das Problem, dass an ihnen Bakterien anhafteten, es zu Entzündungen kam. Tunkt man künstliche Hüften oder Knie in flüssige Spinnenseide, erhalten diese dadurch eine Beschichtung, die dem Körper signalisiert, dass es sich nicht um einen Fremdkörper handelt: Entzündungen bleiben aus. Zudem rutschen Bakterien an den Implantaten einfach ab.

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Eben diese Eigenschaft der Seide ist auch für den Handel interessant: Stoffe, an denen Bakterien nicht haften, riechen nicht. T-Shirts mit Spinnenseide als Faser garantieren also, dass auch nach der Bergtour oder dem Marathon kein unangenehmer Geruch entsteht. Ein gutes Argument für Sportartikelhersteller. Und diese profitieren doppelt von der Seide: Ihre Elastizität macht auch den Laufschuh angenehmer zu tragen.

Airbus suchte den Kontakt zu Amsilk

Spannend ist das Material aber auch für eine ganze andere Branche: Seit 2014 arbeitet Amsilk mit dem Flugzeugbauer Airbus zusammen. Dabei musste der Kleine nicht etwa zum Großen kommen: “Wir werden angefragt. Unsere Technologie ruft die Entwicklungsabteilungen der Firmen auf den Plan”, erklärt Klein. Im Fall der Flugzeugbauer war Airbus nicht der einzige, der angeklopft hat. Gegenüber dem Wettbewerber Boeing setzten sich die Europäer vor allem wegen der geografischen Nähe durch. “Vielleicht kam noch etwas Patriotismus und Europäismus hinzu”, lacht Klein.

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Detlev Konigorski, Innovation Manager im Bereich Emerging Technologies bei Airbus, hat die Kooperation mit Amsilk angestoßen. Er erklärt, was der Flugzeugbauer sich erhofft: “Das Produkt kann dann vielfältig eingesetzt werden: Spinnenseide hat zum Beispiel eine sehr hohe Energie-Absorption, das macht das Material geeignet für alle Gebiete, bei denen wir es mit dem Aufprall von Fremdkörpern auf die Flugzeugoberfläche zu tun haben – Vogelschlag zum Beispiel.” Die Hoffnung: Spinnenseide verhindert direkte Haarrisse nach einem Aufprall. Demnach müssten Teile nicht mehr so häufig ausgetauscht werden, das Flugzeug stünde weniger lange am Boden, Kosten würden sinken.

“Die klassischen Materialien im Flugzeugbau sind endlich”, sagt Konigorski. “Es geht also darum, das neue Material zu finden, das tollste Eigenschaften hat: nichts wiegt, nichts kostet und unkaputtbar ist. Wir haben uns also auf die Suche nach neuen Weidegründen gemacht und sind bei Amsilk fündig geworden.”

Von der Partnerschaft erhofft Airbus sich den entscheidenden Vorsprung gegenüber Wettbewerbern. “Wir wollen ganz konkret einen Wettbewerbsvorteil schaffen und eben nicht nur wettbewerbsfähig bleiben. Volkswagen ist wettbewerbsfähig, Ferrari hat einen Wettbewerbsvorteil: Ich habe noch nie einen Ferrari im Sale gesehen, Volkswagen hingegen macht das dauernd.

Auch die aktuelle Coronavirus-Krise soll die Partnerschaft nicht gefährden. Konigorski: “Wir haben einen laufenden Vertrag, warum sollten wir daran etwas ändern? Dass wir mit Amsilk arbeiten, hat mit technischen Notwendigkeiten und Problemen zu tun, die weiterhin existent sind, egal welcher Art sich Post-Corona-Szenarien darstellen.”

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Ziel ist es, die Verspätungen im Kooperationsfahrplan, die wegen der Krise entstanden sind, schnell aufzuholen. Konigorski ist aber zuversichtlich: “Wir kommen gut voran. Und auch ohne Corona hätten wir jetzt nicht im Sommer einen 30 Meter langen Flugzeugflügel aus Spinnenseide gebaut.” Vielmehr gehe es darum, die Faser zu nutzen, um daraus Prototypen von Halbzeugen herzustellen – aus diesen Vorprodukten können dann langfristig Bauteile werden.

Airbus und Amsilk werden weiter zusammenarbeiten, bis zu zehn Jahre dauert der Entwicklungszyklus eines neuen Flugzeugs – im Spinnenseide-Airbus nach Mallorca fliegen, bis dahin wird also noch etwas Zeit vergehen. Aber langfristig verspricht das Material Großes. Und sieht man sich seine eigentliche Mutter an, die Spinne – wie Klein schon sagt: Sie überlebt dank ihrer Seide seit Millionen Jahren.

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