Als Patriarch Schuh-Riesen übernahm, streckte Granatsplitter in seinem Hals

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TV-Kolumne „Die Deichmann-Story“: Als Heinz-Horst Deichmann die Firma übernahm, streckte Granatsplitter in seinem Hals

Die Doku „Deutschlands große Clans: Die Deichmann-Story“ zeigt, wie Unternehmensgründer und Patriarch Heinz-Horst Deichmann bei sich selbst sparte und seine Mutter einst die Firma rettete.

Heinz-Horst Deichmann sei ein „umtriebiger Doktor“ gewesen, sagen die Mitarbeiter. Und wenn ihm manchmal etwas nicht gepasst habe, habe er „sehr scharf und korrekt“ reagierte. Sein Sohn Heinrich, der die Firma Deichmann heute leitet, erinnert sich: „Mein Vater war sehr temperamentvoll. Bei zu hohen Preisen konnte er grantig werden.“ Bis zu seinem Tod im Jahr 2014 hatte sich Horst-Heinz Deichmann „Modische Schuhe zu kleinen Preisen“ auf die Werbe-Fahne geschrieben und machte so aus einem kleinen Schusterladen in Essen die größte Schuh-Handelskette Europas. Das Unternehmen des Doktor Deichmann, der selbst 50 Paare im Schrank stehen hatte, verkaufte vergangenes Jahr 183 Millionen Paar Schuhe. Deichmann unterhält 4000 Filialen in 30 Ländern.

Granatsplitter im Kehlkopf

Man könnte jetzt meinen, dass der Welterfolg der Deichmanns eine reine Männersache war. Stimmt aber nicht. Eher muss die Familiengeschichte umgeschrieben werden. Denn ohne Julie Deichmann, der Mutter von Horst-Heinz, hätte der Essener Schusterladen in den Kriegsjahren wohl für immer geschlossen. Julie hatte das Geschäft übernommen, als Gatte Heinz 1940 mit 52 Jahren an einem Schlaganfall starb, und es geschickt durch die Zeit gebracht. Etwa hatte die Witwe gute Schuhe in Münster versteckt und tauschte diese nun gegen Ware ein. Im Sommer 1945 stand plötzlich Sohn Heinz-Horst im Laden. Ein Granatsplitter steckte ihm im Kehlkopf, aber er hatte den Krieg überlebt.

Schuhverkäufer im Arztkittel

Dankbar, dass er seiner Kriegsverletzung nicht erlegen war, wurde Heinz-Horst Deichmann später Arzt und wollte auch sein Schuh-Unternehmen nach christlichen Grundsätzen führen. Damals hatten sich Schuh-Händler sogar Arztkittel übergestreift, nur um an Deichmann im Krankenhaus persönlich heranzukommen und ihm Angebote zu unterbreiten. In der Mangelwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Deichmann seine wichtigste Idee. Er fällte im Garten eines Freundes Bäume und ließ aus dem Holz und alten Fallschirmriemen Sandalen anfertigen. Diese tauschte er den Kunden gegen alte Schuhe. Das Geniale: Er hatte nun das Leder der alten Schuhe und zugleich nachweislich 5000 Kunden in der Kartei, für die er wiederum eine offizielle Lederzuteilung erhielt.

Perfektes Paar

Der Film lässt keinen Zweifel daran, dass Heinz-Horst Deichmann ein Patriarch war. Ohnehin hatten Frauen damals viel zu arbeiten, aber wenig zu sagen. Bislang unveröffentlichte Filmaufnahmen und Weggefährten der Essener Schuhmacherfamilie belegen aber auch, dass sich Julie und Heinz-Horst zum perfekten Paar ergänzten. Julie wusste sich mit klaren Ansagen in Firma und Ehe zu behaupten. Der Aufbau eines solchen Dynastie wäre ohne eine tatkräftige Ehefrau auch gar nicht möglich gewesen. Zumal das erwirtschaftete Geld nicht in den Wohlstand, sondern gleich wieder ins Unternehmen floss.

Der Chef singt

Zum 60. Firmenjubiläum ließ Heinz-Horst Deichmann für die Belegschaft zwar Stars wie Roberto Blanko und Rex Guildo antanzen. Für den eigenen 60sten aber war ihm ein Zelt auf heimischer Terrasse und billige Häppchen lieber als ein Caterer aus München, der für die Festivität 100.000 D-Mark berechnet haben soll. „Diese Summe war völlig undenkbar“, sagt Sohn Heinrich, der 1991 zu Aldi ging, um die Prinzipien des Discounters zu erlernen. Die erste weibliche Gebietsleiterin ernannte Vater Heinz-Horst übrigens erst in den Jahren nach dem Mauerfall. Die erinnert sich, wie die ostdeutsche Belegschaft damals eilig „Tochter Zion“ übte, weil der christliche Chef auf Weihnachtsfeiern gerne Weihnachtslieder anstimmte.

Schattenseiten der Deichmanns

Gut tut der Doku, dass zum Ende hin auch noch die Schattenseiten der Deichmanns zur Sprache kommen. Zur Familiengeschichte gehört nämlich auch, dass der „Aldi der Schuhindustrie“ seit den 1980er-Jahren in Billiglohnländern mit geringem Arbeiterschutz produziert und zudem in einen Immobilienfonds investierte, der sich als Steuersparmodell für Superreiche erwies. Stellt sich die Frage: Wie passt das zu einer Familie, die ihr Unternehmen nach christlichen Werten führt und ein Vermögen von geschätzten 8,5 Milliarden Euro besitzt?

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