Amokfahrt in Berlin: Hat Polizei mit arabischem Beamten Schlimmeres verhindert?

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Schon 2016 wurde Berlin zum Schauplatz eines islamistischen Terroraktes. Auf dem Breitscheidplatz fuhr damals Anis Amri mit einem Lkw in eine Menschenmenge auf dem dortigen Weihnachtsmarkt. Zwölf Menschen starben.

Nun trifft es die Hauptstadt erneut. Am Dienstagabend rammt ein Iraker auf der Berliner Stadtautobahn mit seinem Wagen mehrere Fahrzeuge und verletzte dabei sechs Menschen, drei davon schwer. Dabei hat der Angreifer “quasi Jagd” auf Motorradfahrer gemacht, wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, sagte. Ein Motorradfahrer erleidet chwerste Verletzungen an Kopf und Wirbelsäule.

Nach der Crashfahrt droht der Mann mit einer vermeintlichen Munitionskiste, in der später nur Werkzeug gefunden wird. Der Täter ruft nach Aussage der Generalstaatsanwältin Margarete Koppers zudem mehrfach “Allahu Akbar” und sagt auf Arabisch, dass alle sterben würden. Dann spricht ein Streifenpolizist mit arabischer Herkunft den Täter an, zieht ihn von seinem Fahrzeug weg und nimmt ihn schließlich fest.

“Dass der Streifenpolizist Arabisch sprach, war tatsächlich Zufall und keine strategische Maßnahme“, erklärt Thilo Cablitz, Sprecher der Polizei Berlin, gegenüber FOCUS Online. Dennoch sei es hilfreich, wenn in solchen Extremsituationen auch in der Muttersprache von Attentätern kommuniziert werden könne.

Berliner Amokfahrt: Sprache und Diversität der Polizei sind wichtige Instrumente zur Deeskalation

Wie wichtig ist aber Sprache für die Deeskalation bei Polizeieinsätzen? Können durch Sprachkompetenz interkulturelle Barrieren abgebaut werden?

Für die Berliner Polizei ist diese Herausforderung alles andere als neu, weswegen sich die Diversität der Hauptstadt auch in der Struktur ihrer Polizei niederschlägt. „Wir achten bei unserem Einstellungsprozess verstärkt auf Diversität“, erklärt Cablitz. Im Umgang mit einer multikulturellen Gesellschaft sei das essenziell wichtig. Dementsprechend hoch ist der Migrationsanteil bei der Berliner Polizei: Knapp 40 Prozent aller Polizeianwärter haben dort derzeit ausländische Wurzeln.

Die dadurch gewonnenen Sprachkenntnisse helfen bei den Einsätzen in den unterschiedlichen Milieus Berlins – gerade in brenzligen Situationen, um zu deeskalieren. Auch die Behörden wissen das und richten ihre Einsatz-Zuteilung entsprechend aus, sagt Polizei-Pressesprecher Cablitz. „Natürlich versuchen wir, wenn es notwendig ist, Polizisten mit den entsprechenden Sprachkenntnissen vor Ort zu haben.”

Polizei: Gezielter Sprachunterricht nicht umsetzbar

Bei etwas mehr als einer halben Million Straftaten in Berlin jährlich ist das jedoch bei Weitem nicht immer möglich. Und expliziten Sprachunterricht in Arabisch gibt es bei der Polizei in Berlin auch noch nicht.

Das sei zwar ein hehrer Gedanke, mache aber kaum Sinn, sagt Bettina Zietlow. Die Psychologin arbeitet am Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen und bereitet angehende Beamte auf die psychischen Extremsituationen im Berufsalltag eines Polizisten vor. Zietlow glaubt, es bringe nichts, sich bei der Ausbildung der Beamten auf eine Sprache zu konzentrieren. “Schließlich ändern sich Kriminalitätsphänomene ständig – mit welcher Sprache sollte man also anfangen?“

Dass Berlins Polizisten neben ihren Tagesaufgaben zusätzlich Fremdsprachen pauken, könnte zudem etwas viel verlangt sein. „Das würde den Anforderungsrahmen sprengen“, meint die Expertin.

Nicht alle Täter schöpfen durch Muttersprache Vertrauen

Welche Wirkung Sprache bei brisanten Einsätzen wie auf der Berliner A100 entfalten kann, dazu hat Zietlow mehrere Gespräche mit Polizeibeamten geführt. Das Ergebnis fällt zweigeteilt aus, denn nicht immer reagiere das Gegenüber gleich auf die Ansprache in der Muttersprache, berichtet Zietlow. „Während manche Vertrauen schöpfen, fühlen sich andere provoziert und schätzen den Polizisten in diesem Fall als Verräter der eigenen Kultur ein“, erklärt sie. Sprache sei somit keineswegs nur ein verbindendes Element, wie es der Fall von Berlin auf den ersten Blick vermuten lässt.

Und auch die Beamten selbst gilt es zu berücksichtigen. Werden immer wieder dieselben Einsatzkräfte zu den immergleichen Einsätzen geschickt, bleibt das nicht immer folgenlos. „Teilweise wird es von den Einsatzkräften als belastend empfunden, wenn sie sich auf ihre Herkunft und Sprachkenntnisse reduziert fühlen“, berichtet Zietlow. Eine enge Abstimmung sei deswegen immer geboten.

Trotzdem zeigt der jüngste Vorfall auf der Berliner Autobahn, dass sich Diversität auch bei der Polizei ausbezahlt. Sprache muss nicht, kann aber durchaus in Extremsituationen deeskalierend wirken. Die Berliner Polizei hat dieses Potential nach eigenen Angaben schon vor den tragischen Ereignissen auf dem Breitscheidplatz erkannt und die Einstellung von Polizeianwärtern mit Migrationshintergrund intensiviert. Jetzt hat es sich offenbar ausgezahlt.

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