Auto-Kaufprämie: Experten sind dagegen – VW und Audi erhöhen schon Preise

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Mächtige Autolobby will noch mehr Staatshilfen: Streit um Autoprämie: Experten dagegen – VW und Audi erhöhen schon die Preise

Kurz vor den für Dienstag geplanten Beratungen über ein neues Konjunkturpaket der Bundesregierung läuft die Diskussion um eine sogenannte Auto-Kaufprämie auf Hochtouren. Besonders bizarr: Die Lust der Deutschen auf ein neues Auto nimmt sowieso schon wieder zu – ohne Prämie und trotz Corona-Krise.

Die Diskussion um eine sogenannte Auto-Kaufprämie geht weiter. Markus Söder, Ministerpräsident des Autolandes Bayern, bekräftigte in der „Welt am Sonntag“ seine Forderung nach Kaufanreizen für Neuwagen: „Wir nehmen damit alte Autos vom Markt und ersetzen sie durch saubere Fahrzeuge der neuesten Generation.“

Die Forderung nach einer Kaufprämie als Konjunkturstütze in der Corona-Krise kommt vor allem von den Autobauern und den Autoländern Niedersachsen, Baden-Württemberg und Bayern. Unabhängige Experten hingegen lehnen die Prämie ab.

Ifo-Institut: Auto-Kaufprämie würde nur ein „Strohfeuer“ entfachen

Das Ifo-Institut etwa veröffentlichte am Montag eine Studie zu den möglichen Auswirkungen einer Abwrackprämie. Ihr Fazit: Sie wäre keine Hilfe, sondern würde lediglich ein „Strohfeuer“ entfachen: „Abwrackprämien kurbeln zwar kurzfristig die Autoverkäufe an, mittelfristig werden aber kaum mehr Fahrzeuge abgesetzt.“

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Für die Untersuchung haben die Experten 15 Untersuchungen zu Abwrackprämien in Deutschland, Spanien, den USA und weiteren Ländern ausgewertet. Fast alle Studien zeigten demnach, dass viele Verbraucher damals aufgrund der Prämie einfach Autokäufe vorgezogen hätten, die ohnehin geplant waren.

„Auf die Party folgte der Kater“

„Unter dem Strich geben die meisten Studien keinen Hinweis, dass durch die Prämien mehr Autos verkauft werden“, erklärte Studienleiter Felix Rösel in Dresden. Das sei zum Beispiel bei der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 zu beobachten gewesen: „Die Abwrackprämien haben zumindest kurzzeitig den Autoabsatz belebt, das ist sicher belegt. Auf die Party folgte jedoch der Kater.“

Kaufprämien für Autos können außerdem unbeabsichtigte Nebenwirkungen für andere Branchen haben, so die ifo-Forscher weiter. „Wer den Autokauf vorzieht, hat in dem Moment weniger Geld für Möbel“, sagt Rösel. „Das Plus der Autobranche kann deshalb schnell zum Minus anderer Sektoren werden.“

Kraftstoff- und CO2-Einsparungen nicht belegt

Nicht eindeutig belegt sind außerdem die Auswirkungen von Kaufprämien für die Umwelt. In den USA sank durch die Abwrackprämie der CO2-Ausstoß, da vor allem kleine und sparsame Autos gefördert wurden. In Deutschland und Europa konnten Kraftstoff- und CO2-Einsparungen hingegen nicht nachgewiesen werden. Umweltverbände lehnen Kaufprämien ohnehin ab. Besonders umstritten ist, ob Diesel und Benziner gefördert werden sollten. Für Elektro- und Hybrid-Pkw gibt es bereits Kaufprämien.

Söder will mit der – von Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen – vorgeschlagenen „Innovationsprämie“ moderne Autos fördern, die weniger CO2 produzieren. „Zudem könnten wir die Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität fördern, indem der Staat 50 Prozent der Kosten für private Ladepunkte übernimmt“, erklärte der CSU-Politiker.

Umfrage zeigt: Deutsche wollen sowieso wieder Autos kaufen

Doch selbst der Maschinenbauverband VDMA ist skeptisch. So warnte Präsident des VDMA, Carl Martin Welcker, in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“: „Kaufprämien für Autos und vergleichbare Einzelsubventionen wirken selektiv, diskriminieren andere Produkte und erzeugen Mitnahmeeffekte.“ Sinnvoller wären andere Maßnahmen, wie eine Förderung von Forschung und Entwicklung sowie steuerliche Entlastungen, um die Nachfrage anzukurbeln.

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Fest steht: Auch ohne neue Kaufanreize schwindet die in der Corona-Krise starke Zurückhaltung der Deutschen, ein neues Auto anzuschaffen. Das zeigt eine Befragung von 1000 Bürgern durch die Unternehmensberatung McKinsey. Demnach verfolgen von 100 Personen, die vor der Covid-19-Pandemie ein neues Auto kaufen wollten, derzeit 79 weiterhin diesen Plan. Anfang April hatten nur 58 Prozent der Kaufinteressenten ihren Plan zum Erwerb eines neuen Autos weiterverfolgt, Mitte April waren es 68 Prozent.

Wirtschaftsexperten kritisieren Macht der Auto-Lobby

Bereits am Samstag waren weitere Gegenstimmen laut geworden, auch aus der Union: Falls die Autoprämie komme, sei sie „ein Paradebeispiel dafür, wie sich eine Lobby in Deutschland durchsetzt“, sagte der Chef der Mittelstands- und Wirtschaftsunion von CDU und CSU, Carsten Linnemann, der „Welt“. Auch Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus wandte sich dagegen – der Druck von Unternehmen, Gewerkschaften und Ministerpräsidenten sei aber sehr groß, sagte er.

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Der Wirtschaftsexperte Frank Riemensperger machte am Sonntag auf negative Folgen für die Digitalisierung aufmerksam. „Im Vergleich zu anderen Ländern sind wir in der digitalen Infrastruktur fünf bis zehn Jahre zurück“, sagte der Deutschland-Chef der Unternehmensberatung Accenture der Deutschen Presse-Agentur. Riemensperger sieht die Politik in der Verantwortung: „Das ist eine Frage der Industrie- und der Wirtschaftspolitik. Subventioniert man den Kauf von Autos oder subventioniert man die Digitalisierung von 10.000 Unternehmen in Deutschland.“

„Sind erpressbar“: Wirtschaftweise will Autolobby lieber entmachten

Gerade die Autoindustrie liefere ein Beispiel für die Defizite: „Da kann man sehen, was es bedeutet, wenn man die Digitalisierung teilweise verschlafen hat.“ Die Branche habe es besonders getroffen, weil die Abhängigkeit vom direkten Kundenkontakt groß sei. „Autos werden hierzulande noch immer über Autohäuser verkauft.“ Riemensperger sprach sich nicht gegen Hilfen für die Autoindustrie aus: „Aber ich glaube, es wäre schlau, nicht das ganze Geld dorthin zu geben.“

Zuvor hatte die neue Wirtschaftsweise Monika Schnitzer mit ähnlichen Argumenten vor einer Fehlkonstruktion der Wirtschaftshilfen gewarnt. „Die größte Gefahr eines falsch konzipierten Konjunkturprogramms besteht darin, dass es den notwendigen Strukturwandel aufhält“, sagte die Münchner Professorin der „Wirtschaftswoche“.

Außerdem bräuchten die Autobauer angesichts hoher Rücklagen keine Hilfen. Deshalb lehnt Schnitzer eine Kaufprämie für Autos entschieden ab: „Die ist aus so vielen Gründen falsch, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll.“ Stattdessen forderte Schnitzer, die Abhängigkeit von der Autoindustrie zu reduzieren: „Sie macht uns in gewisser Weise erpressbar, und das ist fatal.“

Autohersteller erhöhen noch schnell die Preise

Der Industrieverband BDI hingegen stellt sich hinter die Autohersteller. BDI-Präsident Dieter Kempf forderte in der „Welt am Sonntag“ eine solche Prämie sowohl für E-Autos als auch für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Bei der Förderung müsse es im Kern um Investitionen und Klimaschutz gehen. „Deshalb ist es durchaus sinnvoll, hierbei auch Fahrzeuge mit modernen und effizienten Verbrennungsmotoren zu fördern, wenn dadurch bestehende Anreize für Elektromobilität nicht verwässert werden.“

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Die Hersteller selbst sind mit Kaufanreizen einer anderen Erhebung zufolge momentan zurückhaltend. Zu diesem Schluss kommt die regelmäßige Rabattstudie des Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen für den Monat Mai. Unmittelbar vor dem Berliner Spitzengespräch um ein großes Konjunkturprogramm verhielten sich die Hersteller abwartend, beschreibt Studienleiter Ferdinand Dudenhöffer die Lage. Audi hat es der Konzernmutter VW gleich getan und sogar noch kurzfristig die Preise erhöht.

„Kundenschnäppchen in der Corona-Krise sind Fehlanzeige“

Die Rabatte für Neuwagen seien in der Jahresfrist auf breiter Front gesunken, heißt es in der Studie. Das gelte sowohl für die Preisnachlässe bei Internet-Händlern, die offen beworbenen Sonderaktionen oder die Zulassung von Autos auf eigene Rechnung, um sie später mit Preisnachlässen zu vermarkten. „Kundenschnäppchen in der Corona-Krise sind Fehlanzeige“, folgerte Dudenhöffer. Für Autokäufer lohne sich der Weg zum Händler derzeit kaum. „Das Motto lautet Abwarten.“

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pom/mit dpa


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