Börse: Weltwirtschaft nach IWF in Rezession – EZB rät Banken von Dividenden ab

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+++ News-Ticker zum Corona-Crash+++: EZB rät Banken zu Verzicht auf Dividenden in Virus-Krise

Die rasante Ausbreitung des Coronavirus hat die Börsen weltweit auf eine Achterbahnfahrt geschickt. Genauer gesagt: Eine Fahrt mit vielen steilen Gefällen, nach oben ging es nur bedingt. Derweil schnüren Politiker und Banken immense Hilfspakete, um den Schaden zu begrenzen. Verfolgen Sie alle Entwicklungen im News-Ticker von FOCUS Online.

EZB rät Banken zu Verzicht auf Dividenden in Corona-Krise

Topmeldung (22.59 Uhr): Die Europäische Zentralbank hat die Banken im Euroraum gebeten, während der Corona-Pandemie keine Dividenden an ihre Aktionäre zu zahlen. Die Empfehlung gelte mindestens bis zum 1. Oktober 2020 und betreffe Ausschüttungen für die Geschäftsjahre 2019 und 2020, teilte die Notenbank am Freitag mit. In diesem Zeitraum sollten die Kreditinstitute auch keine eigenen Aktien zurückkaufen. Ziel der Empfehlung sei es, die Fähigkeit der Banken zu stärken, Verluste zu verkraften sowie die Kreditvergabe an private Haushalte und an Unternehmen zu unterstützen.

Der Bundesverband deutscher Banken hält die EZB-Empfehlung in der aktuellen Krisensituation für vertretbar. “Banken müssen in dieser außergewöhnlichen Krise an der Seite ihrer Kunden stehen”, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, Christian Ossig. “Dazu gehört auch, dass die Institute verantwortungsvoll mit ihren Kapitalreserven umgehen.” Es müsse sich bei der Vorgabe der Bankenaufsicht aber um eine Ausnahme handeln. Bereits am Dienstag hatte die Finanzaufsicht Bafin Banken zur Zurückhaltung bei der Ausschüttung von Dividenden und Boni aufgefordert.

Trump will General Motors zur Produktion von Beatmungsgeräten zwingen

Topmeldung (21.16 Uhr): Um den Autobauer General Motors zur Produktion von Beatmungsgeräten zu zwingen, hat US-Präsident Donald Trump ein Kriegswirtschaftsgesetz aktiviert. General Motors (GM) habe in der Corona-Krise “Zeit verschwendet”, so Donald Trump am Freitag. Er setze deswegen den sogenannten “Defence Production Act” ein. Das Gesundheitsministerium könne damit von General Motors verlangen, Regierungsaufträge für Beatmungsgeräte “anzunehmen, auszuführen und ihnen Vorrang einzuräumen”.

Das Gesetz wurde 1950 während des Koreakriegs beschlossen. Mit ihm kann die US-Regierung in Krisenzeiten Unternehmen verpflichten, bestimmte Aufträge anzunehmen. Trump hatte das Gesetz bereits vor zehn Tagen ins Gespräch gebracht, war vor einer tatsächlichen Anwendung zunächst aber zurückgeschreckt.

Zuletzt war der Druck auf den Präsidenten gewachsen, dieses Mittel angesichts des Mangels an medizinischem Material einzusetzen. Trump ist wiederholt vorgeworfen worden, nicht entschlossen genug gegen die Pandemie vorzugehen.

“Das heutige Vorgehen wird helfen, eine schnelle Produktion von Beatmungsgeräten sicherzustellen, die Leben von US-Bürgern retten werden”, erklärte Trump am Freitag. Bisherige Verhandlungen mit GM seien zwar “produktiv” gewesen; der Kampf gegen das Coronavirus sei aber zu dringlich, um bei der Auftragsvergabe weiterhin den “normalen Weg” zu gehen.

IWF: Globalkonjunktur bereits in Rezession

Topmeldung (17.45 Uhr): Die Weltwirtschaft befindet sich nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) wegen der Coronavirus-Pandemie schon in einer Rezession. Die Wirtschaft in den USA und weiteren reichen Ländern schrumpfe bereits, sagte IWF-Chefin Kristalina Georgiewa am Freitag. Die Weltwirtschaft werde wegen des Virus in diesem Jahr eine “schwere” Rezession erleben, warnte Georgiewa. Im kommenden Jahr werde die Wirtschaft wieder wachsen, sagte sie.

Der IWF könne bis zu einer Billion US-Dollar (900 Mrd Euro) einsetzen, um Mitgliedsstaaten mit Krediten zu unterstützen, sagte Georgiewa. Dafür gebe es bereits 81 Anfragen von Entwicklungs- und Schwellenländern.

Der IWF hatte bereits am Montag gewarnt, dass die Weltwirtschaft dieses Jahr eine Rezession erleben werde, die mindestens so schlimm sein werde wie jene infolge der globalen Finanzkrise 2008/09. Eine Rezession wird normalerweise als zwei Quartale negativen Wachstums definiert. Der IWF will im April detailliertere Prognosen zur globalen Wirtschaftsentwicklung vorstellen.

Lesen Sie alle weiteren Informationen im Ticker:

Tui bekommt Staatskredite in Milliardenhöhe

18.09 Uhr: Der Reisekonzern Tui soll im Kampf gegen den Einbruch seines Geschäfts wegen der Corona-Pandemie staatliche Hilfskredite über 1,8 Milliarden Euro bekommen. Man habe nach der Beantragung nun eine entsprechende Zusage der Bundesregierung erhalten, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Das Darlehen laufe über die Förderbank KfW. Mit dem Geld soll eine weitere Kreditlinie des Konzerns im Wert von 1,75 Milliarden Euro aufgestockt werden. Weil hierzu auch bestehende Verträge geändert werden müssen, sei noch die Zustimmung weiterer Banken nötig, hieß es.

“Tui hat sich zur Beantragung des KfW-Kredits entschlossen, um die beispiellosen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie abzufedern, bis der normale Geschäftsbetrieb wieder aufgenommen werden kann”, betonte der weltgrößte Touristikanbieter. Das Unternehmen dürfe während der Laufzeit des neuen Darlehens keine Dividenden auszahlen. Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums in Berlin sagte, er könne bestätigen, dass die Bundesregierung den ersten großvolumigen Kreditantrag aus dem KfW-Sonderprogramm bewilligt habe.

In den vergangenen Tagen hatte sich die Staatshilfe für Tui bereits angedeutet, der Konzern wollte dem Vernehmen nach aber noch die formelle Zustimmung von Bundestag und Bundesrat zu den Programmen der Regierung abwarten. Am Freitag hatte nun auch die Länderkammer grünes Licht gegeben.

Dax fällt um 3,68 Prozent – Wochenplus von Prozent

17.50 Uhr: Vor dem Wochenende sind die Anleger am deutschen Aktienmarkt nach der jüngsten Erholung vom Corona-Crash wieder vorsichtiger geworden. Die Anleger scheuten am Freitag das Risiko, so dass der Dax 3,68 Prozent tiefer bei 9632,52 Punkten schloss. Die 10.000-Punkte-Marke, die der deutschen Leitindex am Vortag noch hinter sich gelassen hatte, rückte nun wieder in die Ferne.

Auf Wochensicht ergibt sich für den Dax gleichwohl ein Plus von 7,88 Prozent. Es ist der größte Wochengewinn seit Dezember 2011. Für den MDax der mittelgroßen Werte ging es am Freitag um 3,77 Prozent auf 20.618,22 Zähler nach unten.

Die Marktteilnehmer seien weiter sehr nervös, sagte Experte Andreas Lipkow von der Comdirect Bank. In den USA und damit in der größten Volkswirtschaft der Welt befinde sich die Coronavirus-Pandemie noch in der Beschleunigungsphase und führe zu hohen Infektionszahlen. Die schwache Wall Street spiegele dies wider und diesem Trend könne sich auch der deutsche Finanzmarkt nicht entziehen.

Bayer plant reine Online-Hauptversammlung

17.31 Uhr: Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer plant, seine Hauptversammlung am 28. April nur online abzuhalten. Die Dividende von 2,80 Euro je Aktie soll indes pünktlich und in voller Höhe ausgezahlt werden. Normalerweise werden Dividenden in den Tagen nach der Hauptversammlung ausgezahlt, ein Bezugsrecht hat ein Aktionär aber nur, wenn er die Aktie spätestens zum Stichtag – dem Tag der Hauptversammlung – im Depot hat.

Dutzende Länder fragen Kredite beim IWF an

16.57 Uhr: Rund 80 Länder haben sich beim Internationalen Währungsfonds (IWF) wegen der Coronavirus-Pandemie nach möglichen Notkrediten erkundigt. Aus rund 60 Entwicklungs- und Schwellenländern gebe es bereits konkrete Kreditanfragen, die übrigen prüften ihre Optionen noch, sagte IWF-Chefin Kristalina Georgiewa am Freitag. Die Weltwirtschaft werde wegen des Virus in diesem Jahr eine “schwere” Rezession erleben. Bislang habe sich das Virus vor allem in reicheren Ländern ausgebreitet, doch die wirtschaftlichen Folgen würden bald auch ärmere Staaten treffen, betonte Georgiewa.

Der IWF könne bis zu einer Billion US-Dollar (900 Mrd Euro) einsetzen, um Mitgliedsstaaten mit Krediten zu unterstützen, sagte Georgiewa. Die Entscheidungen nun seien wichtig, um den Weg für eine Erholung der Weltwirtschaft im kommenden Jahr zu bereiten.

Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof bittet um Staatshilfen

16.49 Uhr: Der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof hat nach einem Zeitungsbericht Staatshilfen beantragt, um die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Krise abfedern zu können. Wegen der zur Bekämpfung der Pandemie angeordneten Schließung der Warenhäuser befinde sich ein Großteil der Filialbeschäftigten inzwischen in Kurzarbeit null, berichtete die “Lebensmittel Zeitung” am Freitag unter Berufung auf Insider. Ein Unternehmenssprecher wollte den Bericht nicht kommentieren.

Die angeordneten Ladenschließungen für die meisten sogenannten Non-Food-Geschäfte stellen zurzeit viele deutsche Handelsketten vor große Probleme, weil plötzlich der Umsatz fehlt, die Kosten aber weiterlaufen.

Zu Art und Umfang des angefragten, möglichen staatlichen Hilfspakets machte die Zeitung keine Angaben. Das Geschäft in den Warenhäusern ruht zum großen Teil, aber nicht komplett. Rund 50 Lebensmittelabteilungen des Unternehmens sind noch offen. Auch extern vermietete Lebensmittel- und Drogerie-Flächen, die separat gut zugänglich sind, sind weiterhin geöffnet. Außerdem arbeiten die Abteilungen, die aus den Filialen heraus Waren für den Online-Shop verschicken.

Volkswagen verschiebt Hauptversammlung

16.08 Uhr: Auch der Autohersteller Volkswagen verschiebt wegen der Corona-Krise seine Hauptversammlung. Das teilte der Konzern am Freitagnachmittag mit. Ein neuer Termin werde bereits gesucht, hieß es weiter. Geplant war das Aktionärstreffen für den 7. Mai.

Mit der Absage reiht sich Volkswagen in eine Reihe von Unternehmen ein, die ihre Aktionärstreffen wegen der Coronakrise ebenfalls abgesagt haben – darunter etwa die Dax-Konzerne Daimler ,Deutsche Telekom , Merck KGaA und Beiersdorf und Henkel.

Krise kostet VW jede Woche Milliarden – “machen keinen Umsatz außerhalb Chinas”

16.01 Uhr: VW-Konzernchef Herbert Diess hat vor möglicherweise noch länger anhaltenden Folgen und hohen Kosten der Corona-Pandemie für den Autobauer gewarnt. “Wir gehen aus einer starken Position in diese Krise”, sagte er in der ZDF-Sendung “Markus Lanz”. “Aber unsere Verkäufe weltweit stehen. Wir machen keinen Absatz, wir machen keinen Umsatz außerhalb Chinas.” Am Freitag richtete sich Diess mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Dieter Pötsch und Betriebsratschef Bernd Osterloh in einem Brief an die Mitarbeiter. “Wir werden die Gesundheit unserer Belegschaft wirtschaftlichen Zielen nicht unterordnen”, schrieben sie. Allen im Unternehmen müsse aber klar sein, dass “die derzeitige Ausnahmesituation eine akute wirtschaftliche Gefahr” darstelle.

Durch den Nachfrageeinbruch nehme die Liquidität stark ab – Diess sprach von bis zu zwei Milliarden Euro pro Woche. Ende 2019 hatte der Konzern im Kerngeschäft 21,3 Milliarden Euro in der Kasse. Finanzchef Frank Witter hält staatliche Hilfe derzeit für nicht nötig. Zur Unterstützung des Gesundheitswesens stellt VW eigene Beschäftigte mit einer medizinischen Qualifikation bei Fortzahlung des Gehalts für bis zu drei Wochen frei. Auch Medizinprodukte werden gespendet.

Michigan-Konsumklima trübt sich so stark ein wie seit 2008 nicht mehr

15.38 Uhr: Angesichts der Verschärfung der Corona-Krise hat sich die Stimmung der US-Verbraucher im März extrem eingetrübt. Das von der Universität Michigan erhobene Konsumklima fiel gegenüber dem Vormonat um 11,9 Punkte auf 89,1 Zähler, wie die Universität am Freitag auf Basis einer zweiten Schätzung mitteilte. In einer ersten Schätzung war noch ein Wert von 95,9 Punkten ermittelt worden. Volkswirte hatten für die zweite Schätzung mit 90,0 Punkten gerechnet.

Der Rückgang im März war der stärkste seit Oktober 2008 – also zu Beginn der Finanzkrise. Regelrecht eingebrochen sind die Erwartungen der Verbraucher. Die Lagebeurteilung gab ebenfalls deutlich nach, befindet sich aber auf einem höheren Niveau. Die Daten wurden bis zum 24. März erhoben, als die Virus-Krise begann, auch mit voller Wucht auf die USA durchzuschlagen.

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