Bolsonaro entlässt Gesundheitsminister mitten in Corona-Krise | Aktuell Amerika | DW

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“Sechzig Tage Gefecht, das macht müde”, erklärte Brasiliens Gesundheitsminister Luiz Henrique Mandetta (Artikelbild) am Mittwoch im Interview der Zeitschrift Veja. Das Gespräch mit den Journalisten fand nach einer Pressekonferenz statt, in der Mandetta seine Differenzen mit Präsident Jair Bolsonaro gestand und sagte, er habe mit Kabinettschef Walter Braga Netto bereits die Suche nach einem Nachfolger für sich diskutiert.

Während Mandetta nur nach Kapitulation klang, schaffte Bolsonaro am späten Donnerstagnachmittag (Ortszeit) Fakten: Mitten in der Corona-Krise entließ er den populären Minister. Dies teilte Mandetta nach einem Treffen mit Bolsonaro im Präsidentenpalast via Twitter mit. Sein kurzes Statement schloss er mit der Zeile “Ich bete zu Gott und zur Muttergottes von Aparecida, dass sie unser Land segnen möge”. Aus Protest gegen die Entlassung Mandettas traten in vielen brasilianischen Städten Menschen an die Fenster und schlugen laut auf Töpfe und Pfannen.

Während Bolsonaro die Corona-Pandemie lange Zeit stark verharmlost hatte, hielt sich Mandetta an die internationalen Empfehlungen eines aggressiven Vorgehens im Kampf gegen die Verbreitung des Virus. Der rechtspopulistische Bolsonaro hatte wiederholt eine “Hysterie” in der Bekämpfung angeprangert. Auch bezeichnete er die von dem Erreger ausgelöste Lungenkrankheit COVID-19 als “kleine Grippe”, was ihm selbst im eigenen Land zunehmend Kritik einbrachte. Mandetta warf er unterdessen vor, sich zum “Star” aufzuspielen. Dies lasse er sich nicht gefallen, wetterte Bolsonaro, denn “ich bin der Präsident”.

Corona Auswirkungen weltweit | Brasilien | Jair Bolsonaro und Luiz Henrique Mandetta (picture-alliance/AP Photo/A. Borges)

Amtshilfe: Gesundheitsminister Mandetta hilft Präsident Bolsonaro beim Desinfizieren der Hände (Archivbild)

Der so genannte “Star” konnte sich trotz des in der Öffentlichkeit ausgetragenen Streits noch lange im Amt halten, weil er in den Politzirkeln der Hauptstadt Brasilia gut vernetzt ist. Mandetta stammt aus einer politisch einflussreichen Familie. Genau wie sein Vater schlug er zuerst eine Karriere als Mediziner ein, bevor er in die Politik ging. Nach dem Medizinstudium wurde er zunächst Arzt beim Militär, später dann Chef einer großen Gesundheitsgenossenschaft.

Drei von vier Brasilianern gaben Mandettas Gesundheitsmanagement gute Noten. Seine Zustimmungswerte waren zuletzt doppelt so hoch wie die von Präsident Bolsonaro. Geholfen hat ihm das alles nichts. Nachfolger im Amt wird der Onkologe Nelson Teich, der an den geltenden Abstandsregelungen im Land vorerst nichts ändern will. Nach Angaben von Bolsonaro sei mit Teich aber abgesprochen worden, das Land wieder schrittweise zu öffnen und die von den Gouverneuren und Bürgermeistern verhängten Quarantänemaßnahmen zu beenden.  

djo/mak (afp, ap, efe)



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