Botschafter: Das deutsche Verhalten hinterlässt in Italien keinen guten Eindruck

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Interview mit Luigi Mattiolo: Botschafter: Das deutsche Verhalten hinterlässt in Italien keinen guten Eindruck

Der italienische Botschafter Luigi Mattiolo warnt vor Verzögerungen im Lieferverkehr zwischen Italien und Deutschland aufgrund der neu eingeführten Kontrollen, die die italienische Bevölkerung verunsichern könnten. Er selbst befindet sich nach einer Dienstreise in Isolation.

FOCUS: Herr Botschafter, wie ist die Lage in Ihrer Heimat?

Luigi Mattiolo: Ich bin vor kurzem von einer Dienstreise in Rom nach Berlin zurückgekehrt, und konnte also letzte Woche die Situation in der Hauptstadt, direkt vor Ort, erleben. Gemäß den Empfehlungen der deutschen Behörden befinde ich mich daher nun in vorsorglicher Selbstisolation. Den Italienern ist inzwischen sehr deutlich geworden, was auf dem Spiel steht. Sie unterstützten die Maßnahmen der Regierung, die dem Schutz der öffentlichen Gesundheit auch um den Preis großer Opfer jedes Einzelnen dienen.

Wie würden Sie die Stimmung in der italienischen Bevölkerung beschreiben?

Mattiolo: Nachdem die Öffentlichkeit die anfängliche Verwirrung überwunden hat, fühlt man sich jetzt verpflichtet, durch diszipliniertes Verhalten dazu beizutragen, dass eine Ausbreitung der Ansteckung eingedämmt wird. Die Krankheit ist nach wie vor beängstigend, das zu leugnen wäre sinnlos. Man hat aber Vertrauen in die Wirksamkeit der von der Regierung ergriffenen Maßnahmen, auch wenn wir wissen, dass sie nicht sofort Wirkung zeigen können.

Kontakte werden so weit wie möglich auf Distanz beibehalten. Wir finden uns auch ohne physische Nähe zusammen und ermutigen uns gegenseitig. Die im Land um sich greifenden Flashmobs sind ein Beweis dafür. Die erfolgreichen Unterschriftenkampagnen bekannter Influencer und die von Show- und Sportgrößen im Netz gestarteten Aufrufe, die Bewegungen im öffentlichen Raum so weit wie möglich einzuschränken, sind Beispiele für eine Mobilisierung des Bewusstseins im positiven Sinn. Sie strafen Klischees über die Oberflächlichkeit junger Leute und die mangelnde Sensibilität der so genannten „Netzbewohner“.

Das italienische Gesundheitssystem scheint vollkommen überfordert…

Mattiolo: Die Situation des italienischen Gesundheitssystems ist unter Kontrolle, dank des heroischen Einsatzes Tausender Gesundheitsfachkräfte im ganzen Land und der ständigen Suche nach neuen personellen und materiellen Ressourcen zur Steigerung der Kapazitäten. Damit die wachsende Notlage nicht das System überfordert, muss der Verlauf der Epidemie jedoch verlangsamt werden, so dass die Kapazitäten für eine Intensivbehandlung der schwersten Krankheitsfälle nicht überschritten werden. Dies ist der Grund für die drakonischen Maßnahmen, die in unserem Land in Kraft sind.

War es Ihrer Ansicht nach richtig, die deutsche Grenze im Süden zu schließen? Was bewirkt dieser Schritt?

Mattiolo: Meines Wissens sind die Grenzen Deutschlands nicht geschlossen, vielmehr wurden die Grenzkontrollen vorübergehend wieder eingeführt, um den Personenverkehr auf das nachweislich notwendige Maß zu beschränken. Das ist eine harte Maßnahme, sie entspricht aber der gleichen Logik, die man in ganz Italien verfolgt, um Personenbewegungen nur auf den objektiven Bedarf zu beschränken.

Was in diesen Stunden die größten Probleme schafft, ist die restriktive Auslegung verschiedener Maßnahmen durch einige Unternehmer. Beispielsweise unterliegt jetzt in Deutschland die Ausfuhr von wichtigen Gesundheitsgütern zur Rettung von Menschenleben einem Genehmigungsverfahren, vergleichbar von Rüstungsgütern.

Trotz der Anpassung dieser Maßnahmen zugunsten der EU-Mitgliedstaaten, ist das Ergebnis, dass der Transport von Gütern zur Rettung von Menschenleben und zum Infektionsschutz, wie beispielsweise dringend benötigte Masken, von Deutschland nach Italien oft dramatisch verlangsamt wird. Sie können sich vorstellen, welchen Eindruck diese Verlangsamung der Lieferungen in der italienischen Öffentlichkeit hinterlässt.  

Was wünscht sich Italien in dieser Situation von Deutschland und von Europa?

Mattiolo: Von Deutschland und Europa, deren Vertreter eine große Nähe zum italienischen Volk gezeigt haben, erwarten wir eine schnelle, starke und koordinierte Reaktion auf die Pandemie. Das gilt sowohl für die gemeinsame  Entwicklung von Strategien und medizinischen Ressourcen zur Eindämmung  des Virus als auch für die Initiativen, die ergriffen werden müssen, um die gravierenden wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen der Krise zu bewältigen, um nicht nur die nationalen Volkswirtschaften, sondern auch die europäische Wirtschaft wieder zu beleben.

In der jüngsten Vergangenheit tat sich Europa schwer – denken wir an die Finanzkrise und an die Migrationskrise – und tut sich immer noch schwer zu erkennen, dass es sich nicht um Probleme dieses oder jenes Mitgliedstaates handelt, sondern um Probleme Europas, die europäisch angegangen werden müssen. Ich möchte hoffen, dass wir in dieser so offensichtlich europäischen Krise anders vorgehen werden.

Dies ist die Stunde der Not für alle Europäer. Wenn wir nicht in der Lage sind, die Not aller Europäer als unsere eigene Not zu betrachten, wird die Krise viel länger dauern, und danach – fürchte ich – werden wir nicht mehr in der Lage sein, uns als Europäer zu betrachten.

Zur Person

Luigi Mattiolo, geboren 1957 in Rom, ist seit Ende 2018 der italienische Botschafter in Deutschland. Zuvor war er unter anderem Botschafter in der Türkei und Israel, außerdem hat er Stationen als Gesandter bei der EU-Kommission, dem UN-Hauptquartier in New York sowie beim Nordatlantikrat in Brüssel hinter sich.

Glauben Sie, dass in Deutschland eine ähnliche Situation wie in Italien bevorsteht?

Mattiolo: Ich bin kein Arzt und kann daher die Entwicklung der Pandemie in Europa nicht vorhersagen.  Wie von Bundeskanzlerin Merkel angekündigt, werden in den nächsten Tagen ähnliche Maßnahmen wie in Italien auch in Deutschland gelten.

Wie geht Ihre Botschaft mit der aktuellen Lage um? Welche Konsequenzen haben Sie für Ihre Arbeit gezogen?

Mattiolo: In der Botschaft und den italienischen Konsulaten in Deutschland haben wir uns so organisiert, dass wir den Bedürfnissen der Bürger nachkommen und uns zugleich so organisieren, Ansteckungsmöglichkeiten weitgehend einzuschränken. Wir setzen also so weit wie möglich Home Office ein und haben einen Schichtdienst für die Präsenz im Büro organisiert. So können wir beide Ziele erreichen.

Und Sie selbst?

Mattiolo: Meine Residenz liegt direkt neben der diplomatischen Kanzlei, so dass ich meinen Arbeitsplatz auf kürzestem Weg und ohne zwischenmenschliche Kontakte erreichen kann.

Das wird die Kanzlerin gleich im TV den Deutschen mitteilen


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