Brexit: Großbritanniens stolzes Pfund verkommt zur Schwellenland-Währung

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Einst stolze Leitwährung: Drohender No-Deal-Brexit: Das britische Pfund steigt zur Schwellenland-Währung ab

Wertstabil und verlässlich – diesen Status hatte das britische Pfund einst. Mittlerweile zuckt der Kurs immer erratischer hin und her. Profis sind der Meinung, dass die einst stolze Währung mehr und mehr der eines Schwellenlands gleicht. Schuld daran trägt vor allem der drohende No-Deal-Brexit.

Der Status von Währungen, und mögen sie auf eine noch so lange und ehrwürdige Tradition zurückblicken, ist nicht in Stein gemeißelt. Davon zeugte in den 1990ern bereits das Duell des Hedgefonds-Milliardärs George Soros mit der Bank of England. Letztlich gewann Soros, und das britische Pfund (Kürzel: GBP) taumelte weit bergab.

Nun steht die über ein Jahrtausend alte Währung erneut vor Turbulenzen – und verliert am Ende womöglich sogar ihren Status als eine der westlichen Leitwährungen. Schuld daran trägt vor allem der Brexit, der Großbritannien ja überhaupt erst zu alter Stärke verhelfen sollte, so zumindest die Argumentation seiner Befürworter.

Britisches Pfund / Euro (GBP/EUR)
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Außerbörslich

Zwischenzeitlich hat sich das Pfund zwar wieder stabilisiert. Nach dem Einbruch Ende März stieg der Wert wieder über 1,1400 Euro. Seitdem aber zehrten die Brexit-Sorgen am Kurs. Zuletzt war das Pfund nur noch 1,1003 Euro wert. Ein Euro kostete damit 0,9087 Pfund. Damit setzt sich ein jahrelanger Trend fort.

Noch vor dem Brexit-Votum kostet das Pfund noch gut 1,40 Euro, in den frühen 2000ern sogar knapp 1,65 Euro. Im Corona-Tief schien sogar die Parität zum Euro wahrscheinlich. Damals sank das Pfund bis auf einen Kurs von 1,0525 Euro ab.

Pfund droht der Absturz zur Schwellenland-Währung

Für eine Währung ist diese Volatilität enorm – und zeigt, wie das Pfund zum Spielball der Märkte verkommt und gar auf den Rang einer Schwellenland-Währung zurückfällt. Zu diesem Urteil kamen jüngst auch Analysten der Bank of America (BofA). Den Experten zufolge spricht eigentlich schon die Tiefe des Pfund-Markts gegen solche Schwankungen. „Doch das war zuletzt nicht der Fall, und unserer Auffassung nach wird der Brexit die Sicht der Anleger auf das Pfund nachhaltig verändern“, schreiben die Analysten in einem Kommentar. Als Grund führen die Devisenexperten einen Einbruch in der Liquidität an.

Für jedes Asset, auch Devisenpaare, gilt: Je liquider der Markt, umso glatter und schwankungsärmer verläuft der Handel unter normalen Umständen. Geringe Liquidität begünstigt indes wilde Preisausschläge, da es oft einen Überhang auf einer Seite des Handels gibt – wenige Käufer treffen auf viele Verkäufer, oder umgekehrt. Liegen die An- und Verkaufsvorstellungen dann auch noch weit auseinander, kommt es zu volatilen Kursen.

Die BofA-Analysten vermuten, dass sich die Liquidität des GBP-Markts bis zum Jahresende – dem Ende der Brexit-Übergangsphase – weiter verschlechtern wird. Das Pfund gleiche deshalb weniger einer G10-Währung, sondern eher der Währung eines Schwellenlands. Die Experten weisen dabei auch darauf hin, dass die Schuldensituation des Landes mehr und mehr der eines Schwellenlandes gleicht – mit enorm hohen Defiziten im Außenhandel, welche tendenziell für eine Abwertung sprechen.

Die Zeit beim Brexit drängt: Großbritannien verzichtet auf längere Übergangsphase

Ähnlich pessimistisch ist auch Commerzbank-Devisenanalystin Thu Lan Nguyen im Hinblick auf das Pfund. Auf Jahressicht sei die Performance eine der schlechtesten unter den G10-Währungen. Der große Faktor dafür ist auch Nguyens Ansicht nach der Brexit. Denn viel Zeit hat Großbritannien nicht mehr, um mit der EU noch einen Deal für die Zeit nach der Übergangsphase auszuhandeln.

„Die Übergangszeit wird Ende dieses Jahres enden. Theoretisch hätten sich die beiden Seiten auf eine Verlängerung einigen können, allerdings ließ die britische Regierung die Juni-Frist für den entsprechenden Antrag verstreichen, da es für sie nicht infrage kam, den Ausstieg aus dem EU-Binnenmarkt noch länger hinauszuzögern“, merkt Nguyen hierzu in ihrer Analyse an.

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Das Problem dabei: Die Verhandlungen über ein Abkommen nach dieser Phase treten auf der Stelle. Eine Einigung auf ein Abkommen bis Ende des Jahres erscheine daher zunehmend unwahrscheinlich, so die Commerzbank-Expertin. Ohne Deal wird es für die Briten ungemütlich: „Ohne ein solches Abkommen würde der Handel ab dem kommenden Jahr nach WTO-Regeln abgewickelt, was realwirtschaftlich für beide Seiten ein herber Einschnitt wäre, jedoch vor allen Dingen für die britische Wirtschaft, für die die EU der weitaus größere Handelspartner ist als andersrum.“

Märkte glauben nicht mehr an Bluff Johnsons

Laut Nguyen glaubte der Markt bisher an einen Bluff der Regierung unter Premier Boris Johnson. Ein Indiz dafür: „Johnson hatte schon im vergangenen Jahr hoch und heilig versprochen, dass das UK Ende Oktober aus der EU ausscheiden würde. Quasi in letzter Sekunde beantragte er dann doch eine Verschiebung des Austrittstermins auf Ende Januar.“ Abwegig sei es daher nicht, hier lediglich von politischen Manövern der Briten auszugehen, um Druck auszuüben.

Nun, sagt Nguyen, sei sich der Markt nicht mehr sicher, ob Johnson einen No-Deal-Brexit „um jeden Preis“ verhindern wird. Vorbereitungen für eine harte Trennung laufen bereits. Laut EU-Chefverhandler Michel Barnier werden die Kapazitäten für Zollkontrollen aufgebaut, während Großbritannien den Firmen nochmals sechs Monate Zeit geben will, ehe Zölle fällig werden, so Nguyen.

Insgesamt, resümiert die Expertin, seien die Chancen auf einen Deal oder zumindest ein Teil-Abkommen zwar weiterhin hoch – keine Seite sei daran interessiert, insbesondere in der aktuellen Lage, sich ohne Freihandelsabkommen zu trennen. „Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit für einen No-Deal Brexit deutlich gestiegen. Aus diesem Grund prognostizieren wir kurzfristig ein anhaltend schwaches Pfund und eine nur sehr moderate Erholung im weiteren Verlauf des Jahres“, fügt die Expertin an.

Die Prognosen sehen das Pfund daher im September auf dem aktuellen Niveau von 0,90 Pfund je Euro. Im kommenden Jahr dürfte das Pfund dann wieder etwas an Boden gutmachen, sodass ein Euro zur Jahresmitte 2021 nur noch 0,87 Pfund wert ist.

Brexit-Verhandlungen gehen in die nächste Runde

Doch diese Prognosen kommen nicht ohne Warnung: „Tatsächlich ist das Risiko hoch, dass das Pfund aufgrund steigender Brexit-Risiken zwischenzeitlich sogar deutlich herbere Rückschläge erleidet als unsere Prognosen nahelegen.“ Laut Nguyen droht vor allem zum Jahresende, wenn sich Großbritannien endgültig aus dem EU-Binnenmarkt verabschiedet, eine erhöhte Volatilität im Wechselkurs.

Klar scheint auch: Sollte es bis dahin allen Bemühungen zum Trotz nicht zu einem Deal kommen, wären Nguyens Prognosen hinfällig. Dann würde das Pfund vermutlich noch stärker schwanken und seinen Status als stabile Hartwährung endgültig einbüßen.

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Ob es wirklich dazu kommt, bleibt natürlich abzuwarten. Weitere Hinweise auf das Schicksal des Abkommens aber dürften nicht lange auf sich warten lassen, denn gerade in dieser Woche erst ist der britische Unterhändler David Frost wieder nach Brüssel gereist – für eine weitere Runde Verhandlungen.

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