Chaos am Ölmarkt: Trumps Versagen macht China zum heimlichen Gewinner

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Negativer Ölpreis der Sorte WTI: Chaos am Ölmarkt: Trumps Versagen macht China zum heimlichen Gewinner

Die Turbulenzen am Öl-Markt gehen weiter. Kurzeitig fiel der Preis unter die Marke von null Dollar. Was dahinter steckt – und warum die Probleme von Donald Trump damit wachsen.

Das Nordseeöl Brent ist am Dienstag erstmals seit 2001 unter die Marke von 20 Dollar je Barrel gefallen. Zwischenzeitlich kostete damit das 159-Liter-Fass des schwarzen Goldes nur noch 18,10 Dollar.

Doch gegen den Preisverfall beim US-Öl am Montag ist das gar nichts. Das Chaos am Terminmarkt dort strafte die Vorstellung Lügen, dass ein Preis nicht unter Null fallen kann. 20 Dollar, 10 Dollar, 0 Dollar, schließlich minus 10 Dollar, minus 20 Dollar, und letztlich, zum sogenannten Settlement, fiel der Preis für WTI-Öl zur Lieferung im Mai auf unglaubliche minus 37 Dollar.

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Im Vergleich zum ersten Preis des Tages rauschte Öl um über 300 Prozent ab, und die Verkäufer des Öls mussten drauflegen, damit ihnen das schwarze Gold abgenommen wird – zumindest in der Theorie. Was am Montag geschah, war eine (bislang) einmalige Marktanomalie. Doch wie konnte es dazu kommen, und was heißt das für den globalen Markt?

So manövrierte sich der Markt ins Minus

Die negativen Preise für Öl sind längst nicht der erste Rekord dieses Marktes im laufenden Jahr. Auch die bislang größten Preissprünge und -stürze an nur einem Tag hat Rohöl gerade erst hinter sich. Das Abwürgen der weltweiten Wirtschaft durch die Coronavirus-Pandemie zieht die Preise mittlerweile seit Monaten nach unten, denn keiner braucht derzeit Rohöl. Der Preis des US-Öls WTI fiel dadurch bereits um gut 75 Prozent seit Januar 2020.

Das Ölkartell Opec sowie Verbündete, darunter Russland und Mexiko („Opec+“), einigten sich darum kürzlich auf eine Förderkürzung, um zumindest das Überangebot zu reduzieren. Darauf reagierten auch die Preise außerhalb des Kartells, wie Brent und WTI, positiv. Für viele Anleger sah es wie ein gefundenes Fressen aus, denn wie könnte der Preis jetzt noch tiefer fallen?

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Außerbörslich

Das Problem: Die Spekulation über Futures ist keine reine Cash-Angelegenheit. Zumindest bei Rohstoffen finden die Termingeschäfte regelmäßig noch physisch statt. Heißt: Endet die Laufzeit eines Kontrakts, sind die zwei Parteien verpflichtet, das Geschäft zum Settlement-Preis auch um vereinbarten Termin durchzuführen – unabhängig davon, ob sie über das Öl oder den nötigen Lagerplatz überhaupt verfügen.

Diese Möglichkeit schienen die Spekulanten bei den Mai-Kontrakten vollkommen vergessen zu haben. Viele kauften den Kontrakt in der Hoffnung, ihn rechtzeitig vor dem Settlement gewinnreich abzustoßen. Doch die Nachfrageseite spielte nicht mit, und die Trader stießen ihre Kontrakte letzlich zu jedem – wirklich jedem – Preis ab. Am Ende eben auch negative Preise. Zum Settlement notierte der Preis bei minus 37 Dollar je Barrel.

Die Lager sind schon voll

Beim physischen Settlement werden je Kontrakt 1000 Barrel Rohöl an den Umschlagplatz Cushing in Oklahoma geliefert. Doch dort sind die Lager – mit Kapazitäten von immerhin 76 Millionen Barrel – praktisch voll. Und anderswo, schon gar nicht erst daheim, lässt sich eine solche Menge schlicht nicht lagern, allein schon aus gesundheitlichen und umweltrechtlichen Gründen.

Daher schmierten die Preise für den Mai-Kontrakt derart massiv ab – ein massives Überangebot traf auf volle Lager und unerfahrene Spekulanten. Gänzlich unerwartet kam diese Entwicklung nicht. Rohstoffanalyst Damien Courvalin von Goldman Sachs sagte schon vor gut einem Monat negative Ölpreise voraus, und die Chicagoer Terminbörse CME selbst machte vergangene Woche klar, dass zum Null- oder Negativpreis gehandelt werden kann und darf.

Ob die Anleger aus dem gestrigen Debakel gelernt haben, wird sich noch zeigen. Der Juni-Kontrakt jedenfalls handelt derzeit bei 20,32 Dollar je Barrel, und damit in ganz normalem Territorium. Eine Wiederholung dieses „Super-Contangos“, wenn der Front-Month-Preis (Mai) Dimensionen unterhalb des nächsten Kontrakts (Juni) handelt, dürfte es vermutlich nicht noch einmal geben.

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Trotzdem rechnet Goldman Sachs damit, dass auch die Juni-Kontrakte crashen könnten, etwa durch nun verunsicherte Trader, oder wenn sich die Lagersituation bis zum Settlement nicht wieder entspannt.

In jedem Fall zeigten die negativen Preise auf, in welch tiefer Krise die US-Ölindustrie steckt. Zwar dürften die Haushalte dort dank der billigen Preise im Monat etwa 150 bis 175 Dollar an Spritkosten sparen, wie Reuters schätzt. Doch das wiegt den Schaden für die US-Volkswirtschaft nicht auf, zumal Autofahren in der aktuellen Situation ohnehin ein seltenes Vergnügen ist.

Denn die USA, einst gewichtiger Netto-Importeur von Rohöl, haben ihre eigene Industrie in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut, vor allem das sogenannte Fracking. Die umstrittene Fördermethode erschließt zwar neue Reserven, ist aber auch teuer.

Einer aktuellen Umfrage der Federal Reserve in Dallas zufolge braucht es WTI-Preise von mindestens 30 Dollar je Barrel, damit die laufenden Kosten bereits existierende Bohrlöcher zumindest gedeckt sind. Für neue Bohrlöcher sind indes Preise von mindestens 49 Dollar je Barrel nötig, auskömmlich wird es erst in Richtung 60 USD je Barrel.

Warum die Krise Trump trifft

Jegliches Wachstum in dem Sektor ist also ausgeschlossen. Stattdessen dürften die niedrigen Preise eine weitere Welle an Insolvenzen in der Ölbranche auslösen. Schon 2019 gab es mit 42 Pleiten fast 50 Prozent mehr als im Vorjahr, wie Reuters berichtete – ein Trend, der sich bei der aktuellen Situation praktisch nur beschleunigen kann.

Der Einfluss auf die Gesamtwirtschaft der USA ist dabei nicht zu vernachlässigen. Dem Branchenverband API zufolge macht die Öl- und Erdgasindustrie fast acht Prozent des US-Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus und stellt 10,3 Millionen Arbeitsplätze zur Verfügung, von denen derzeit nicht wenige bedroht oder gar schon weggefallen sein dürften.

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Als ob das für US-Präsident Donald Trump – der die Verfassung des Arbeitsmarkt zu gerne als Maßstab für seine Erfolge heranzieht – nicht schon genug wäre, so erhält seine Partei seit den 1990ern den Großteil der politischen Spenden aus der Ölindustrie. Für den diesjährigen Wahlkampf dürften die Spenden weit dürftiger ausfallen.

Was Trump also braucht, ist ein höherer Preis für das heimische Öl. Wie genau der Präsident den Markt aber retten will, ist unklar – bis jetzt beförderte die von den US-Konservativen favorisierte „unsichtbare Hand des Marktes“ den Ölpreis in die falsche Richtung. Seine Beihilfe zum Deal der Opec+-Nationen jedenfalls kann Trump nun nicht mehr als Sieg feiern.

Deutsche Verbraucher profitieren nicht

An der Zapfsäule hierzulande dürfte indes kaum ein Verbraucher das Chaos am US-Ölmarkt spüren. Der Preis des Nordseeöls Brent notiert mit rund 26 Dollar je Barrel weiter auf einem „normalen“ Niveau. Ein Großteil des Benzin- und Dieselpreises entfällt ohnehin auf Steuern. Auch das Opec-Öl handelt mit derzeit etwa 18 Dollar je Barrel mit dem wegen der schlechteren Qualität üblichen Abschlag zu Brent.

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Außerbörslich

Ein ähnlicher Sturz ins Negative ist bei Brent- und Opec-Rohöl ohnehin kaum denkbar. Im Gegensatz zu WTI lässt sich das Öl aus der Nordsee und aus den Opec-Staaten leicht in Tankern lagern, während das US-Öl erstmal aus der Prärie an die Küste gepumpt werden muss und weit stärker auf Tanks auf dem Land angewiesen ist.

Da viele Förderer, auch außerhalb der USA, beim derzeitigen Preisniveau nicht nachhaltig wirtschaften können, sind mittel- und langfristig wieder steigende Preise wahrscheinlich, allein schon, wenn die Pandemie-Beschränkungen gelockert werden oder genügend Förderer pleitegehen und sich dadurch das Angebot und die Nachfrage wieder auspendeln.

Der einsame Gewinner: China

Einsamer Gewinner der Krise des Marktes ist übrigens ausgerechnet Trumps Nemesis China. Das Reich der Mitte ist der größte Öl-Importeur der Welt. Laut Bloomberg importierte China im vergangenen November täglich mehr als 11 Millionen Barrel und brach damit sogar den Importrekord der USA aus dem Jahr 2005.

Problematisch für China ist derzeit allenfalls die langsam ausgereizte Lagerkapazität der heimischen Raffinerien. Nachschub steht indes schon bereit: Einem Bericht der „Welt“ zufolge warten aktuell Tanker mit 160 Millionen Barrel Rohöl auf See auf den richtigen Zeitpunkt für die Auslieferung. Und vermutlich nicht ein Fass davon dürfte aus den USA stammen.

So kommentieren FOCUS Online-Leser den Beitrag:

“Chaos am Ölmarkt? Wie kann denn das sein? Ein Genie im Weißen Haus hatte sich doch mit all seiner Kompetenz um den Ölpreis gekümmert. Anfang des Jahres trommelte Trump für einen unbedingt niedrigeren Ölpreis. Dann erzählten ihm die Lobbyisten seiner maroden Fracking-Industrie, dass diese Idee doch nicht so klasse war. Letzte Woche feierte er also seine Telefonate mit den lieben Freunden Putin und Salman über eine Opec-Förderbegrenzung als “greatest deal ever”. Doch der Ölpreis rauscht noch mehr ab, denn die Nachfrage geht weiter in den Keller, auch weil Trump mit dem Coronavirus nicht klar kommt. Nun steht der stabil geniale Dealmaker blamierter da als jemals zuvor. Wann endlich erkennen die Amerikaner, dass dieser Mann nichts zu bieten hat als Prahlerei, Lügen und wüste Drohungen.”

“Trump macht Weltpolitik und die Anderen laufen nur hinterher? Was machen denn die Russen und Chinesen den ganzen Tag, nur auf die Fehler von Trump warten? Kann es sein, dass Trump von der Deutschen Presse massiv überschätzt wird? Man sollte sich die Entscheidungsbefugnisse eines Trump innerhalb der USA mal anschauen und diese mit dem Bundespräsidenten vergleichen … da ist kaum ein Unterschied. Wir Deutschen sollten uns nicht an Trump aufarbeiten sondern schauen, dass wir durch diese Krise kommen!”

“Trump füllt immerhin die strategischen Reserven des Landes zu einem unglaublich günstigen Preis. Sollte Deutschland vielleicht auch in Erwägung ziehen.”

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