Chaos in NRW: GEW wirft Landesregierung Gesundheitsgefährdung vor

0
120
Werbebanner

“Dieser Schnellschuss ist verantwortungslos”: Chaos in NRW: Prüfungen abgesagt, Lehrer wütend – aber die Schulen sollen öffnen

Der Beschluss der schwarz-gelben Landesregierung, am 23. April die Schulen in Nordrhein-Westfalen teilweise wieder zu öffnen, hat zu Chaos und Protest geführt. Lehrer, Schüler und Eltern machen sich Sorgen um ihre Gesundheit und fordern, die Entscheidung zurückzunehmen. Die Zentralen Abschlussprüfungen in der 10. Klasse wurden erstmals abgesagt.

In einem offenen Brief greift die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) die Landesregierung von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet scharf an: „Wir sind entsetzt darüber, dass die Landesregierung die Gesundheit der Lehrkräfte, der Schüler sowie deren Familien fahrlässig gefährdet. Dieser Schnellschuss ist verantwortungslos“, heißt es in dem Brief, der FOCUS Online vorliegt. „Wir haben sehr viele besorgte Mails von Lehrern bekommen“, sagt die Kölner GEW-Geschäftsführerin Eva-Maria Zimmermann. FOCUS Online liegen diese Mails vor. (Anm. d Red. Ungeachtet des Offenen Briefes der GEW werden wir die Namen der Pädagogen nicht veröffentlichen.)

Entsetzen über Hygienebedingungen

So schreibt eine Lehrerin einer Kölner Grundschule, in der ab kommenden Montag die Klassen für die Rückkehr der Schüler vorbereitet werden müssen: „Ich halte die langsame Öffnung der Schulen für sinnvoll, bin aber völlig entsetzt, dass die Hygienebedingungen nicht im Sinne des Personalschutzes umgesetzt werden. Jeder Lehrer besorgt sich selbst Masken und Reinigungsmittel und arbeitet dann in zu engen Klassen! Das kann es nicht sein.“ Eine Kollegin berichtet, dass es in der gesamten Schule nur zwei Desinfektionsspender gebe. „Und zwar hinter den verschlossenen Türen der Lehrer/innen-Toiletten. Also für Schüler nicht zugänglich.“

Alle News zur Coronavirus-Pandemie im Live-Ticker 

Nicht an allen Schulen machten sich die Lehrer Sorgen, sich mit Corona anzustecken, sagt GEW-Frau Zimmermann. „Einige berichten uns, dass ihre Schule gut aufgestellt sind“. Was bedeutet: Genug Desinfektionsmittel und Masken, große Räume Abstände können eingehalten werden. „Das ist jedoch eine kleine Minderheit“, so die GEW-Geschäftsführerin. Die überwiegende Mehrheit der Lehrerinnen und Lehrer an NRWs Schulen sieht sich für die Wiedereröffnung nicht gerüstet. Vor allem aus einem Grund: der mangelnden Hygiene an Kölner Schulen.

Konzepte für Wiedereröffnung fehlen

Die Lehrer berichten in ihren Mails von ihren Erfahrungen aus den Zeiten vor Corona. Die Schreiben offenbaren große Missstände. So schreibt eine Lehrerin, die an verschiedenen Grund- und weiterführenden Schulen in Köln gearbeitet hat: „An allen Schulen habe ich unzureichende bis katastrophale hygienische Zustände vorgefunden. Keine Seife, keine Tücher, kein ausreichender Putzdienst, kein Toilettenpapier.“ Laut Eva-Maria Zimmermann kein Einzelfall. „Die Lehrer trauen den Schulen und vor allem den Schulämtern und Kommunen nicht zu, dass die Missstände der letzten Jahre innerhalb von drei Tagen beseitigt werden können.“

Laut GEW fehlt es derzeit an Hygiene-, Gesundheits- und Raumkonzepten für Schule in Corona-Zeiten. Auch die Chancengleichheit für Schüler aus Risikogruppen oder benachteiligten Familien sei nicht gewährleistet. Defizite, die nicht nur Grundschullehrer, sondern auch Pädagogen an Gymnasien bestätigen: „Die in dem offenen Brief enthaltene Auflistung der Dinge, die gewährleistet sein müssen, damit die Schule gefahrlos wieder geöffnet werden kann, fasst die Zustände an meiner Schule zusammen.“

 

Seit Jahren prangert die GEW die Missstände an, jetzt träten sie offen zutage. Bereits am 3. April schrieb die Gewerkschaft, dass es in den Schulen, Kindertagesstätten und weiteren Bildungseinrichtungen „am Nötigsten“ fehle. „Angefangen bei Seife und Papierhandtüchern über Toilettenpapier und hygienische Sanitäranlagen bis hin zu Gebäuden, die in marodem Zustand sind und einer Infrastruktur, die den heutigen Standards nicht genügt. Angesichts dieser chronischen Missstände fordern wir, dass die Maßnahmen zur Bewältigung der Covid-19-Krise zur dauerhaften Verbesserung der Lern- und Lehrbedingungen führen werden.“

GEW: Keine Schulöffnungen nächste Woche

Die GEW fordert daher heute: „Keine Schulöffnungen die gesamte nächste Woche! Der Gesundheitsschutz der Schüler und Lehrkräfte muss an erster Stelle stehen!“ Die Schulen sollten erst geöffnet werden, wenn für Gesundheit und Hygienemaßnahmen garantiert werden könne, so die GEW.

Stärkstes Gegenargument der Landesregierung waren bis gestern Abend die Abschlussprüfungen. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sagte gestern: „Ab dem 12. Mai sind in NRW Abiturprüfungen. Wir haben den Abschluss der Mittleren Reife. Die Prüfungen und Prüfungsvorbereitungen der Abschlussklassen dieses Schuljahres sollen deswegen ab der kommenden Woche wieder stattfinden.“

Am Donnerstagabend dann eine überraschende Wende: Die Zentralen Abschlussprüfungen (ZAP) für die zehnten Klassen fallen in NRW erstmals seit 2007 aus. Der Grund: Prüfungen unter diesen Bedingungen seien unfair und würden einige Schüler benachteiligen. “Ein Unterricht kann für diesen Jahrgang nicht in üblichem Maße – also in vollem Umfang mit den ihnen vertrauten Lehrkräften und im üblichen Klassenverband erfolgen”, heißt es auf der Homepage des Schulministeriums NRW.

Unklarheit über Ermittlung der Abschlussnoten

Anstelle der Prüfungen, die für den 12. Mai und 19. Mai in den drei Hauptfächern Deutsch, Englisch und Mathematik vorgesehen waren, treten jetzt normale Klassenarbeiten. Anspruchsvolle Analysen von Kurzgeschichten oder umfangreiche Texte in Englisch bleiben den Schülern darin vermutlich erstmals seit 2007 erspart. Die Arbeiten können auch nach den ursprünglichen Prüfungsterminen geschrieben werden. Gesetzliche Grundlage für diese massive Änderung in den Prüfungsbedingungen bildet das neue Infektionsschutzgesetz in NRW. Wie die Abschlussnoten ermittelt werden, steht nach Recherchen von FOCUS Online indes noch nicht fest. 

Viele Lehrer fragen sich aber nun, warum sie am 23. April und nicht erst am 4. Mai in die Schule kommen sollen, wenn die Prüfungen ohnehin ausfallen. Eine Stellungnahme seitens des Schulministeriums gab es dazu nicht mehr.

GEW: „Das ist ein solches Chaos“

„Das ist ein solches Chaos“, sagt Eva-Maria Zimmermann. Sie kritisiert vor allem die Kommunikation der Landesregierung. „Bei der Schulschließung war es ein Hauruck-Verfahren, jetzt ist es genau das Gleiche. Wir wünschen uns eine verlässliche und rechtzeitige Information.“ Dass die Zentralen Abschlussprüfungen entfallen, findet sie richtig. Für das Abitur müssten jedoch die gleichen Ausnahmeregelungen gelten. Die GEW fordert daher, dass auch die Abiturprüfungen in diesem Jahr ausfallen und die Vornote für den Abschluss gelte. Alles andere wäre ebenso ungerecht und gesundheitsgefährdend. „Gesundheit ist wichtiger als eine Prozentzahl hinter dem Komma im Abi-Schnitt.“

Lesen Sie auch zum Thema: Bund und Länder einigen sich: Schulen in Deutschland sollen schrittweise ab 20. April öffnen

Deutschlands bewegendster Corona-Song: “Victoriam” – Hören Sie rein, wir unterstützen damit den guten Zweck

 

Mundschutz aus Stoff oder Papier basteln – so klappt es ganz ohne Nähen

[Coustom ad_2]
Dieser Beitrag ist ein öffentlicher RSS Feed. Sie finden den Original Post unter folgender Quelle (Website) .

Krypto-Nachrichten ist ein RSS-Nachrichtendienst und distanziert sich vor Falschmeldungen oder Irreführung. Unser Nachrichtenportal soll lediglich zum Informationsaustausch genutzt werden.

Werbebanner

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

zwei × fünf =