Christian Drosten mit radikalem Vorschlag, um Lockdowns zukünftig zu verhindern

0
125
Werbebanner

Steigende Infektionszahlen, Quarantäne-Dauer, Maskendebatte – in seinem ersten NDR-Podcast nach der Sommerpause hat sich der Berliner Virologe Christian Drosten vieldiskutierten Corona-Themen gewidmet.

Drosten sprach sich unter anderem für eine Verkürzung der Quarantänezeit für Menschen mit Verdacht auf eine Coronainfektion von 14 auf 5 Tage aus. Ein radikaler Vorschlag, wie er selbst einordnet.

Virologe Christian Drosten: “Schon eine steile These”

Mit diesem Vorschlag gehe er “bis an die Schmerzgrenze der Epidemiologie”, sagte er am Dienstag in seinem ersten NDR-Podcast nach der Sommerpause. “Das ist schon, sagen wir mal, eine steile These, dass man sagt, nach fünf Tagen ist eigentlich die Infektiosität vorbei”, so Drosten. Die Überlegung sei aber: “Was kann man denn in der Realität machen, damit man nicht einen de-facto-Lockdown hat?”, erklärte er. “Es nützt ja nichts, wenn man alle möglichen Schulklassen, alle möglichen Arbeitsstätten unter wochenlanger Quarantäne hat.”

Drosten regte zudem an, die fünf Tage nicht für Tests zu “verschwenden”, sondern erst nach Ablauf zu testen, ob die Betroffenen infiziert waren und noch infektiös sind.

Drosten: “Die jetzigen Zahlen sind schon real”

1218 neue Corona-Fälle hatte das RKI zuvor am Dienstagmorgen gemeldet. Im Vergleich zum Mai und Juni sind die Fallzahlen in Deutschland relativ hoch – damals lagen die Zahlen teilweise bei unter 500, auch nach den ersten Lockerungen machten sich keine extremen Anstiege bemerkbar. Drosten erklärt im ersten NDR-Podcast nach der Sommerpause, was die neuen Zahlen zu bedeuten haben.

“Die jetzigen Zahlen sind schon real”, sagt er, “wenn man sie im Verhältnis zu den bisherigen Entwicklungen sieht”. Allerdings müsse man bei der Bewertung der positiven Fälle betrachten, wer den Erreger in sich trage. “Es ist jetzt eine andere Art von Patienten, die sich infiziert”, betont Drosten. Nach der ersten Welle habe es zwar eine geringe Inzidenz gegeben, jedoch wurden vor allem ältere Personen und Menschen mittleren Alters positiv getestet. Diese hätten häufig starke Symptome und schwere Verläufe gehabt.

Jetzt hingegen gebe es viel mehr milde Infektionen, immer mehr Jüngere infizierten sich – etwa, weil sie auf Partys oder im Urlaub waren.

Eine Dunkelziffer schließt der Virologe damit jedoch nicht aus. Drosten vermutet, dass sich auch viele Jüngere infizierten, ohne den Arzt aufzusuchen und die Krankheit diagnostizieren zu lassen – etwa wegen eines schlechten Gewissens, weil sie auf einer Party gewesen waren.

Surftipp: Alle Neuigkeiten zur Corona-Pandemie finden Sie im News-Ticker von FOCUS Online

Virologe warnt: Test ist nicht gleich Test

Drosten weist außerdem auf die Schwierigkeit in der Bewertung der positiven Reiserückkehrertests hin. “Die Menschen haben sich an den unterschiedlichsten Orten ganz unterschiedlich verhalten”, betont er. Nicht alle seien Urlauber, andere seien eher Familienbesucher, hatten Kontakt zu viel mehr Menschen. In anderen Ländern gebe es zudem häufig ein anderes Verständnis der Gefährlichkeit der Pandemie.

Zudem mache es einen großen Unterschied, ob sich jemand im Ausland infiziert und dort seine Infektion durchgemacht habe. Dann liege das Quellcluster auch im Ausland, die Person sei häufig gar nicht mehr infektiös und könne, zurück in Deutschland, gar niemanden mehr anstecken. “Den muss man anders betrachten als einen frisch symptomatischen, der vor wenigen Tagen auf einer großen Grillveranstaltung war”, betont Drosten. Beide seien nach PCR-Test positiv – hätten jedoch eine andere Bedeutung für das Infektionsgeschehen.

“Der Faktor Mensch ist schwer zu erfassen”, erklärt der Virologe. Demnach könnten die Reiserückkehrertests die aktuellen Infektionszahlen beeinflussen. Es gebe Schwankungen – die Entwicklung selbst sei jedoch nicht falsch. “Die Zahlen sind das Beste, was wir haben. Und wir können uns daran orientieren”, sagt Drosten.

 

Zweitinfektion nach Genesung: “Nicht die medizinische Normalität”

Auch zur Frage der Immunität äußerte sich Drosten im Podcast. Studien hatten darauf hingewiesen, dass einmal gebildete Antikörper wieder verschwinden könnten. “Das kann sein, ich glaube aber nicht, dass das die hauptsächlichen Fälle sind”, meint Drosten.

Ein Patient aus Hongkong soll sich zum zweiten Mal infiziert haben. Am Ende der Pandemie könnten derartige Fälle gut ein bis vielleicht sogar fünf Prozent der Infektionen ausmachen – für die gegenwärtige Situation, für die Gefährlichkeit und das Ausmaß der Pandemie seien diese jedoch nicht von großer Bedeutung. Das hieße außerdem nicht, dass ein möglicher Impfstoff nicht wirken werde, das beschreibe “nicht den Normalfall und die medizinische Normalität”.

Die Corona-Trends des Tages – Grafiken zeigen große Corona-Kluft zwischen Deutschland und den Nachbarländern 

Stoffmaske als Schutz: “Trifft einen nicht direkt”

Immer wieder gebe es Diskussionen um die Effektivität der Alltagsmasken. Offensichtlich sei jedoch, dass selbst eine einfache Stoffmaske Tröpfchen, die beim Spucken in die Luft geraten abfange.

Aber auch bei der Übertragung durch Aerosole spielen die Stoffmasken laut Drosten eine entscheidende Rolle – selbst, wenn sie von einer schlecht sitzenden Maske nicht abgefangen werden könnten.

Drosten vergleicht einen Infizierten, der Aerosole ausstößt etwa mit einer Person, die Mundgeruch hat. Der Geruch, unter anderem versursacht durch Gase, ließe sich mit einem Aerosol vergleichen. “Stellen Sie sich vor, Sie sprechen in der gleichen Entfernung zu jemandem mit Mundgeruch. Wenn Sie beide eine Maske tragen, werden Sie es vielleicht gar nicht bemerken, dass Ihr Gegenüber Mundgeruch hat.” Das lasse sich auf die Gefahr einer Infektion übertragen. Zwar gelangten auch Aerosole an der Maske vorbei – “aber es trifft einen nicht direkt”.

Mehr Corona-News:

In Corona-Zeiten sollte ein Mund-Nasen-Schutz unser treuer Begleiter sein. Doch manche ziehen ihn bei Bedarf aus der Hosentasche, andere tragen ihn unterm Kinn oder lassen ihn lose am Handgelenk baumeln, wenn er nicht gebraucht wird. Dabei bleibt die Hygiene oft auf der Strecke. Wie lange schützt so eine Maske?

Forscher identifizieren eine Variante von Sars-CoV-2, die wohl weniger schlimme Verläufe der Krankheit verursachen als andere. Alle Betroffenen von dieser Mutation benötigen keine Beatmung – und sie zeigen auch keine übermäßige Immunreaktion. Was diese Erkenntnisse für die Pandemie bedeuten.

Zahlen, Daten, Fakten: In den Monaten der Krise hat sich die Corona-Pandemie auch zum Informationsdschungel entwickelt. FOCUS Online will Ihnen Orientierung geben. Deshalb zeigen wir Ihnen jeden Morgen die wichtigsten, aktuellen Trends zu Sars-CoV-2.

 

[Coustom ad_2]
Dieser Beitrag ist ein öffentlicher RSS Feed. Sie finden den Original Post unter folgender Quelle (Website) .

Krypto-Nachrichten ist ein RSS-Nachrichtendienst und distanziert sich vor Falschmeldungen oder Irreführung. Unser Nachrichtenportal soll lediglich zum Informationsaustausch genutzt werden.

Werbebanner

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

9 + sechzehn =