Clanmitglieder geben sich als Kammerjäger aus und zocken Seniorin 1000 Euro ab

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Als Heike M. Anfang Juni ihr Gartenhäuschen betritt, schlägt ihr ein unfassbarer Gestank entgegen. Schnell entdeckt sie den Ursprung des strengen Geruchs: Ratten haben ein Loch in den Holzfußboden genagt und in den Erdgängen ein Nest gebaut. Schnellmöglich möchte die Hamburgerin die Schädlinge loswerden und sucht im Internet nach einem Kammerjäger.

Dort wird sie auf der Webseite „kammerjaeger-24.de“ fündig. „Die Seite machte einen professionellen Eindruck“, berichtet sie im Gespräch mit „Hamburger Abendblatt“. Eine positive Bewertung, die ein angeblicher Kunde hinterlassen hatte, bestärkte die 73-Jährige, den Anbieter zu kontaktieren. Sie vereinbart einen Termin.

Zwei “Kammerjäger” verlangen fast 1000 Euro für Rattenbekämpfung

Am 13. Juni fahren dann zwei Männer in einem weißen Transporter vor. Sie sehen südländisch aus, sind einigermaßen freundlich und sprechen akzentfrei Deutsch. Noch ehe sie sich an die Arbeit machen, halten sie der Othmarscherin ein Auftragsformular unter die Nase. Dort sind die Kosten für die Einsatzpauschale (69,95 Euro), das Bio-Pestizid (79,95 Euro je 100 Milliliter) und die Lohnkosten (29,90 Euro je 15 Minuten) aufgelistet.

Dann machen sich die beiden Männer an die Arbeit und füllen das Loch im Holzfußboden mit Silikon auf. Pestizide kommen nicht zum Einsatz – konträr zu der Behauptung der Männer. Denn die geben nach 15 Minuten Arbeit an, 900 Milliliter Pestizid verwendet zu haben. 975,08 Euro soll die Hamburger Seniorin dafür blechen, sofort und mit EC-Karte.

Eingeschüchtert willigt M. ein und bezahlt. Wenige Sekunden später merkt sie, dass sie Betrügern auf den Leim gegangen ist und stürmt auf die Straße. Sie stellt sich den Männern in den Weg, die bereits im Transporter sitzen – doch es ist zu spät. Die Abzocker geben kräftig Gas und fahren davon.

Hamburger Seniorin erstattet Anzeige – doch Internetseite der Firma ist gelöscht

Am nächsten Tag erstattet die Hamburgerin laut „Abendblatt“ Anzeige – gegen eine Firma, die gar nicht existiert. Denn wie sich herausstellt, ist das Unternehmen „Hugt24h“ frei erfunden. Auch die Internetseite ist gelöscht, die Anrufe der angegebenen Handynummer laufen ins Leere.

Kaum verwunderlich, dass auch er im Impressum angegebene Ansprechpartner, angeblich ein Berliner Ingenieur, fiktiv ist. Name, Telefonnummer – alles gefälscht. Denn tatsächlich hockt am anderen Ende der Leitung ein ahnungsloser Mann, der laut „Abendblatt“ in den vergangen zwei Monaten bereits von 15 Menschen angerufen wurde, die ein ähnliches Schicksal wie die Hamburger Seniorin ereilte.

Spur der Betrüger lässt sich nach Essen verfolgen – Clan steckt hinter dem Betrug

Die Schneise des Betrugs lässt sich nach Essen zurückverfolgen. Das NRW-Lagebild „Clankriminalität 2019“ berichtet zwar nur von „Schlüsseldiensten, die von Clanangehörigen betrieben werden“ – allerdings scheinen die Kriminelle auf weitere Notdienste expandiert zu haben.

„Im Moment soll es vermehrt zu Fällen in Verbindung mit Schädlingsbekämpfern kommen“, sagt Hamburgs Polizeisprecher Daniel Ritterskamp im Gespräch mit „Abendblatt“.

Deutscher Schädlingsbekämpfer-Verband: Lieber regional ansässige Kammerjäger wählen

Das kann auch Steffi Klotz vom Deutschen Schädlingsbekämpfer-Verband (DSV) bestätigen: „Seit zwei Jahren registrieren wir verstärkt Beschwerden aus dem gesamten Bundesgebiet“, sagt sie gegenüber „Abendblatt“. Die von Heike M. beschriebene Masche und die Firma Hught24h seien ihr bekannt.

Auch der DSV vermutet Clans aus dem Ruhegebiet hinter den Betrugstaten, die mittlerweile zu einem Schaden im „Milliardenbereich“ geführt haben.

Um die Kunden vor Betrügern zu schützen, hat der DSV auf seiner Homepage eine List mit zertifizierten Kammerjägern publiziert. Außerdem empfiehlt der Verband, lieber regional ansässige Anbieter mit Festnetzanschluss zu kontaktieren – und nicht den ersten Schädlingsbekämpfer, den die Suchmaschine anzeigt.

Kammerjäger: Betrüger erkaufen sich gutes Google-Ranking

Schließlich würden sich die Kriminellen oft ein gutes Google-Ranking erkaufen. Telefonisch wären die Betrüger nur über das Callcenter, eine 0800-Nummer, erreichbar.

Das Center, das laut Klotz nicht für die Vermittlung des Auftrags haftbar gemacht werden könne, würde dann den Anruf an die betrügerischen Kammerjäger durchstellen. Diese würden alle paar Tage ihre Handynummer wechseln. Eine Verfolgung der Kriminellen ist somit fast unmöglich.

Diese Erfahrung hätte Heike M. lieber ausgelassen. Ihre 1000 Euro sind futsch – der Transfer konnte, da durch EC-Karte getätigt, nicht storniert werden. „Für das Geld hätte ich mir gleich drei neue Gartenschuppen kaufen können“, sagt sie.

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