Das Schlimmste kommt noch: Chinas Virus-Loch trifft uns erst im April so richtig

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Engpässe und hohe Preise drohen: Das Schlimmste kommt noch: Erst im April trifft uns Chinas Corona-Loch so richtig

Die Produktion ist in China infolge der Corona-Krise im Februar erstmals gesunken. Deutschland als Exportweltmeister wird das auch zu spüren bekommen, denn kaum ein deutsches Produkt wird noch zur Gänze aus hierzulande gefertigt. Im April dürften das auch die Verbraucher zu spüren bekommen.

Die Folgen der Coronavirus-Epidemie in China werden in den nächsten Wochen verstärkt Deutschlands Industrie und Handel treffen. Da viele chinesische Fabriken über Wochen stillstanden und auch derzeit nur eingeschränkt arbeiten, fehlen Vorprodukte, Teile oder komplette Erzeugnisse, die hierzulande verarbeitet beziehungsweise verkauft werden. Betroffen ist unter anderem die Elektronikbranche. Gestört sind nicht nur Importe, sondern auch Lieferungen nach China.

Eigentlich wollten die EU-Handelsminister am Donnerstag über das Thema beraten, doch das Treffen ist abgesagt. Die durchschnittliche Transportdauer von China nach Europa auf dem Seeweg beläuft sich auf sechs Wochen, über Land per Güterzug auf der Neuen Seidenstraße sind es etwa drei Wochen. Daher schlagen die Auswirkungen des chinesischen Corona-Stillstands nun mit Verzögerung auf Produktion und Handel in Europa durch.

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„Etliche Unternehmen berichten über Störungen“

Mit Importen von 52 Milliarden Euro sei China der „mit Abstand größte ausländische Lieferant für den deutschen Elektromarkt“, sagt Andreas Gontermann, der Chefvolkswirt des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). „Die Lieferschwierigkeiten betreffen die Branche nicht flächendeckend“, sagt er. „Etliche Unternehmen berichten aber über Störungen in den Liefer- und Produktionsketten.“

Gontermann beziffert das Volumen der aus China nach Deutschland gelieferten Vorleistungsprodukte auf einen Wert von 10 Milliarden Euro im Jahr. „Wie viel davon liefergefährdet ist, lässt sich schwer abschätzen“, sagt Gontermann.

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Lieferengpässe und steigende Preise erst im April

Doch damit ist es noch nicht getan: „Hinzu kommt, dass Vorleistungen aus anderen Ländern ebenfalls chinesische Vorleistungen enthalten können“, erklärt er. So laufen auch die japanische und die südkoreanische Wirtschaft derzeit nur gebremst, beide Länder sind sehr wichtig für die Elektronikbranche.

Auch die Verbraucher werden aller Voraussicht nach die Auswirkungen in den Elektromärkten spüren. „Aktuell lassen sich noch keine Lieferengpässe durch die Restriktionen des Coronavirus feststellen, derzeit rechnen wir für April mit ersten möglichen Lieferengpässen und steigenden Wareneinstandspreisen“, sagt Alexander Maier, Senior Vice President bei Ingram Micro, einem im Münchner Vorort Aschheim ansässigen Großhändler für Elektro- und Elektronikerzeugnisse. „Wir arbeiten aktuell an Strategien, um auf diese Auswirkungen schnell reagieren zu können und unseren Kunden auch weiterhin die bestmögliche Warenverfügbarkeit zu bieten.“

„Entwicklung nicht abzusehen“

Besorgt ist auch die Autoindustrie. „Derzeit läuft die Produktion an allen Standorten“, sagt eine Audi-Sprecherin in Ingolstadt. „Es ist natürlich nicht abzusehen, wie sich die Lage mittelfristig – insbesondere mit Blick auf die Lieferkette – entwickeln wird. Eventuell drohende Engpässe versuchen wir durch gezielte Maßnahmen abzufedern.“

Audi sitzt in Bayern, wo die Unternehmen besonders abhängig vom Ausland sind und mehr als die Hälfte ihrer Umsätze außerhalb der deutschen Grenzen erwirtschaften. „Lieferketten zwischen China und Bayern sind unterbrochen und werden aus heutiger Sicht in den kommenden Wochen noch stärker unterbrochen, wenn zum Beispiel Vorkrisenprodukte verarbeitet sind und keine weiteren nachkommen“, sagt Bertram Brossardt, der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw).

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Pharma-Gigant Indien stoppt Ausfuhr von Paracetamol und Antibiotika

Die wichtigsten Importgüter aus China für die bayerische Wirtschaft sind Datenverarbeitungsgeräte, elektronische und optische Erzeugnisse, elektrische Ausrüstungen und Maschinen. „Wir erwarten eine Unterbrechung der Lieferketten in etwa proportional zum Volumen der einzelnen Warengruppen“, sagt Brossardt. Das dürfte analog für Unternehmen im Rest der Republik gelten, die aus China beliefert werden.

Für Außenstehende nicht abzuschätzen sind die Auswirkungen auf die Versorgung mit Medikamenten. Nach Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn gibt es derzeit keine Coronavirus-bedingten Engpässe. Doch hat Indien – wo viele Nachahmermedikamente für den Weltmarkt hergestellt werden – vergangene Woche die Ausfuhr 26 gängiger Wirkstoffe begrenzt, darunter Paracetamol und mehrere Antibiotika.

Der Pharmaverband Progenerika erklärt, man gehe nicht davon aus, „dass es bis zum Sommer 2020 aufgrund von Corona zu Engpässen in der Versorgung in Deutschland kommt“. Was dann kommt? „Derzeit noch nicht abzusehen.“

Update: Industrieproduktion in China sinkt erstmals seit drei Jahrzehnten

ln Folge der Coronavirus-Pandemie ist in China die Industrieproduktion erstmals seit drei Jahrzehnten geschrumpft. Die Produktion sank im Januar und Februar um 13,5 Prozent im Vergleich mit dem entsprechenden Vorjahreszeitraum, wie aus am Montag veröffentlichten Zahlen des Nationalen Statistikbüros hervorgeht. Die Einzelhandelsumsätze gingen in diesem Zeitraum um 20,5 Prozent zurück – auch dies war die schlechteste Bilanz seit Jahrzehnten.

Die chinesischen Behörden hatten auf den Ausbruch des neuartigen Erregers mit drakonischen Reisebeschränkungen und anderen Restriktionen reagiert, welche Produktion und Absatz von Produkten empfindlich trafen. Inzwischen geht die chinesische Regierung davon aus, dass der Höhepunkt der Corona-Krise in der Volksrepublik überwunden ist. Sie hat die Restriktionen deswegen teilweise etwas gelockert. Von einer Rückkehr zur gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Normalität ist China aber noch weit entfernt.

Insgesamt gab es laut den offiziellen Zahlen in China – von wo die Pandemie im Dezember ihren Ausgang genommen hatte –  mehr als 80.800 bestätigte Corona-Infektionsfälle. Die amtliche Zahl der Todesopfer in der Volksrepublik liegt bei 3213. 

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pom/dpa


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