Deutschland: Warum die Menschen in der Krise so gelassen bleiben

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Kommentar: Vernunft statt plumper Gehorsam: Deutsche Gelassenheit ist ein Erfolg der Demokratie

Samstag, 18.04.2020, 01:12

Deutschland hat sich seine Demokratie hart erkämpft. Zwei Weltkriege und das DDR-Regime überwand das Land auf seinem Weg zu Freiheit und Rechtsstaatlichkeit. In der Coronakrise bleiben die Deutschen aber erstaunlich gelassen – trotz massiver Einschränkungen ihrer Freiheitsrechte. Wer dahinter jedoch ein historisches Obrigkeitsdenken vermutet, der irrt.

Die Deutschen bleiben in Corona-Zeiten gelassen. Ohne großes Murren werden Ausgangsbeschränkungen und Kontaktsperren befolgt. Reisen werden storniert und Besuche abgesagt. Für ein Land, in dem vor 30 respektive 75 Jahren staatlicher Ungehorsam rigoros verfolgt wurde, wirkt das im ersten Moment bedenklich. Sind wir zu unkritisch, zu folgsam oder gar gleichgültig, wenn es um die Einschränkung unserer persönlichen Freiheit geht?

Müsste es in einer demokratischen Gesellschaft auch angesichts der schweren gesundheitlichen Krise nicht mehr Reibung geben, wenn Freiheitsrechte derart umfangreich eingeschränkt werden?

Das Gegenteil ist der Fall. Stattdessen zeigt sich, auf welchem soliden Fundament die Demokratie in Deutschland gebaut ist.

Die Menschen haben ein immenses Interesse und hören auf die Wissenschaft

„Obrigkeitsdenken beginnt dort, wo die Menschen auf ihr eigenes Urteilsvermögen verzichten“, sagt Soziologe Hartmut Rosa von der Universität Jena gegenüber FOCUS Online. Entscheidend sei die Basis, auf der sie ihre Entscheidungen treffen. Rosa: „Bleiben sie Zuhause, weil es Ihnen der Staat vorschreibt oder weil sie selbst das Coronavirus als gesellschaftliches Problem erkannt haben?“

Um diese Frage zu beantworten, lohnt ein Blick auf das Rednerpult der Bundespressekonferenz in den vergangenen Wochen. Seit Ausbruch der Coronakrise sprechen dort, frei von politischem Kalkül, vor allem Wissenschaftler.

Deutschlands Politiker, gerade aber seine Bürger hören dann interessiert zu, wenn der Chef des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, oder Virologe Christian Drosten über Themen wie Infektionszahlen oder exponentielles Wachstum sprechen.

Drostens NDR-Sendung „Coronavirus-Update“ gehört seit Wochen zu den beliebtesten des Landes. Ende März verzeichnete der Podcast bereits über 15 Millionen Aufrufe. Das Interesse dürfte seitdem kaum nachgelassen haben.

Ein Großteil der Deutschen weiß also bestens Bescheid, auf welcher Grundlage die Politik ihre Entscheidungen trifft, selbst wenn sich nicht jeder naturwissenschaftliche Fakt bis ins Kleinste verstehen lässt. Das braucht es aber auch nicht.

Vielmehr werden die teils drastischen Maßnahmen der Politik toleriert, weil sie hauptsächlich auf wissenschaftlichen Empfehlungen beruhen. Und das ist nicht obrigkeitshörig, sondern vernünftig.

In dieser Dreiecksbeziehung aus Staat, Bürger und Wissenschaft „hat die Bevölkerung nicht das Gefühl, bevormundet zu werden, sondern sieht die Politik als ausführenden Arm eines gemeinsamen Interesses“, sagt Soziologe Rosa. Nämlich die Ausbreitung des Virus zu stoppen.

Demokratische Staaten müssen ihre Bürger überzeugen – in Deutschland ist das gelungen

Ganz von allein geschieht so etwas freilich nicht. Gerade in Krisenzeiten müssten Demokratien ihre Bürger immer wieder überzeugen und ihr Vertrauen gewinnen, sagt Rosa. Gelungen sei das in Deutschland durch transparente und konsistente Entscheidungen, über welche die Bürger frühzeitig und unaufgeregt informiert wurden.

 

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Wozu das führt: Die Beziehung zwischen Bürgern und Politik scheint mehr als intakt. Dabei handelt es sich nicht nur um ein bloßes Gefühl, auch die Zustimmungswerte für die Krisenmanager lassen darauf schließen.

Statt plumpem Gehorsam sind es also nachvollziehbare Argumente und Politikvertrauen, die die Menschen zur Gelassenheit bewegen. Kein schlechter Zustand für die Demokratie in Deutschland.

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