Die Grenzen bleiben offen: Der Tag, an dem Angela Merkel ihr wahres Wesen zeigte

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Margarete van Ackerens Berliner Woche: Die Grenzen bleiben offen – der Tag, an dem Angela Merkel ihr wahres Wesen zeigte

Heute ist es genau fünf Jahre her, dass die Bundeskanzlerin entschied: Die Grenzen bleiben offen. Hunderttausende Flüchtlinge kamen nach Deutschland. Mancher wunderte sich über Angela Merkel. Der Blick zurück lehrt: Sie zeigte nicht ein neues, sondern ihr wahres Gesicht.

Der Krimiautor Martin Walker hat es schon ein paar Mal erzählt. Er hat einem seiner Hühner den Namen Angela Merkel verpasst – es ist das Huhn, das „die meisten Eier legt“, plauderte der Schriftsteller neulich erst wieder aus. Über besagtes Huhn ist weiter nicht viel bekannt. Aber, wenn es weitere Ähnlichkeiten mit der Namensgeberin aufweist, gackert es vermutlich auch etwas weniger als die Mithühner.

„Und, wie ist sie denn nun wirklich?“ Wer auch immer schon einmal länger als zwei Minuten mit Angela Merkel gesprochen hat, muss auf diese Frage gefasst sein. Die Kanzlerin gilt zu Recht als eher spröde und betont sachlich. Mittlerweile aber hat sich auch rumgesprochen, dass die Frau, die Deutschland seit fast 15 Jahren führt, auch ausgesprochen witzig sein kann. Sie ist sehr neugierig, konditionsstark und – ja – ihre Launen sind ihr manchmal anzumerken.

Nur: So richtig in die Seele blicken lässt sie sich fast nie.

 

Eine Nacht sagt mehr als 1000 Analysen

Wie also tickt diese Frau jenseits der Fragen von Mandaten, Mehrheiten, Koalitionen und anderen Eckpunkten der Macht? Eine Nacht sagt hier mehr als 1000 Langzeit-Analysen. In diesem Fall ist es die Nacht vom 4. auf den 5. September 2015, im zehnten Jahr ihrer Kanzlerschaft.

Am Ende kam es auf sie an. Auf sie alleine. Gut eine Woche vorher wurde in Österreich ein Lastwagen mit 71 Leichen entdeckt. Die Menschen waren erstickt auf einer Fahrt, die sie in ein besseres Leben bringen sollte. Wiederum zwei Tage vorher waren die Bilder von einem kleinen Jungen am Strand in der Türkei um die Welt gegangen. Aylan Kurdi. Er war nicht älter als drei Jahre geworden. Merkel haben die Bilder und Nachrichten jener Tage regelrecht fertig gemacht, erzählten damals Vertraute.

Als Orbán Merkel hängenließ

Angela Merkel hatte wenige Tage zuvor vor den Berliner Journalisten locker verkündet „Wir schaffen das“. Nur spürte sie an diesem 4. September immer mehr, dass in einem entscheidenden Punkt von „Wir“ erstmal keine Rede sein konnte. Die Flüchtlingskrise sei kein europäisches, sondern ein deutsches Problem hatte Ungarns Regierungschef Viktor Orbán zuvor süffisant mitgeteilt. Und an diesem Tag zeigte er ganz konkret, was das bedeuten sollte. Merkel hatte die Bilder gesehen von tausenden Menschen am Bahnhof in Budapest.

In akuten Notlagen geht alles oft so schnell, dass keine endlosen Betrachtungen angestellt werden können. Da zählen Reflexe. Und an diesem Tag zeigte die Bundeskanzlerin, dass ihre funktionieren.

 

Mit Schlagstöcken Menschen abwehren?

Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann hatte sie um Hilfe gebeten. Menschen hatten sich von Budapest aufgemacht Richtung Westen, stapften zu Fuß über die Autobahn. Flüchtlinge mit Gewalt aufhalten? Mit Reizgas und Schlagstöcken Menschen abwehren? Merkel sprach mit vielen an diesem Tag; ihren Innenminister Horst Seehofer (CSU) konnte sie nicht erreichen.  Ganz am Ende aber musste sie diese Frage ohnehin vor allem mit sich selbst ausmachen. Kurz nach Mitternacht war die Sache klar: Die Grenzen bleiben offen.

Merkel habe „die Bilder“ von Toten und Verletzten gescheut. So ist oft zu hören und zu lesen. Bei genauer Betrachtung ist das eine ziemlich zynische Analyse. Die Kanzlerin wollte – und darauf deutet alles hin, was in jenen dramatischen Tagen in ihrem Umfeld zu hören war – nicht die Bilder verhindern, sondern vor allem die humanitäre Katastrophe.

 

Der politische Preis ist hoch

Seither fällt Angela Merkels Kanzlerschaft in zwei Teile: davor und danach. Ihr Land hat sich gespalten: dafür und dagegen.

Während ehrenamtliche Helfer den „Neuen“ die Sprache beibrachten, Wohnungen und Fahrräder organisierten oder ihnen die Untiefen der deutschen Bürokratie zu erklären versuchten, machten andere mobil. „Merkel muss weg“ wurde zum Schlachtruf einer wütenden Masse. Die AfD startete einen beispiellosen Siegeszug, eroberte zahllose Sitze in den Parlamenten.

Das Trauma der Silvesternacht

Der politische Preis für Merkels Schlüssel-Entscheidung also war extrem hoch. Für sie selbst und für das Land. Auch durch Europa geht seither ein tiefer Graben, von dem bis heute niemand sagen kann, wie er denn zu schließen wäre.

Schon zum Jahreswechsel 2015/2016 zeigte sich in aller Krassheit, dass die Integration der Neuankömmlinge – allein in den beiden Jahren sollten es über eine Million Menschen werden – in Teilen extrem schwierig werden würde. Etwa 600 Frauen klagten nach der Silvesternacht über sexuelle Übergriffe auf der Kölner Domplatte – junge Männer, vor allem aus dem nordafrikanischen und arabischen Raum, hatten sie offenbar übel belästigt.  

Was Merkel für den größten Fehler hält

Manches läuft mittlerweile in geordneteren Bahnen. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) belegt, dass immer mehr Asylbewerber einen Arbeitsplatz gefunden haben. Viele Flüchtlingskinder fühlen sich wohl in deutschen Schulen, in Vereinen aber engagieren sie sich nur zögernd.

Das Bild in der Gesamtschau also: sehr gemischt.

Auch Merkel sieht die Mängel, die Fehler und die Gefahren. Sie selbst hält es für ihren größten Fehler, dass sie nicht vor der Eskalation der Fluchtkrise aktiver geworden ist.

Erst die Rettung, dann der Rest

Seit der Nacht auf den 5. September 2015 ist allen, die schon immer hinter der Mimik der Sphinx die wahre Merkel suchten, klar: Im entscheidenden Moment funktionieren ihre Instinkte. Um einen Ertrinkenden zu retten, zieht man sich auch nicht vorher sorgsam einen Badeanzug an oder überlegt, ob später genügend Handtücher für den nassen Kerl da sind: erst die Rettung, dann der Rest.

Vieles, was auf die dramatischen Stunden folgte, war zu langsam, naiv, schlampig, in Teilen sogar riskant. Die erste Reaktion aber musste genau so ausfallen, wie sie dann ausfiel. In diesem Sinne hat Angela Merkel in jener Nacht richtig gehandelt. Um nicht zu sagen: Die Entscheidung war alternativlos.

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