Dieter-Nuhr-Video-Skandal: Dahinter verbirgt sich der Umbruch der Klimaforschung

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Im Sommerloch passieren seltsame Dinge. Wer hätte gedacht, dass ein Video auf der Internetseite der DFG mal einen Skandal produziert würde? Es ist jedoch mehr als eine harmlose Posse. Hinter dem Wirbel verbirgt sich der Umbruch der Klimaforschung.

Inzwischen ist das Video des Kabarettisten Dieter Nuhr wieder online, und die DFG hat sich zerknirscht für die zwischenzeitliche Entfernung des Beitrags entschuldigt. Wer die Erklärung liest, möchte auf mildernde Umstände plädieren. Die DFG ist eine Bastion professoraler Ernsthaftigkeit, ein großer Geldtopf für Spitzenforschung mit weltweiter Ausstrahlung und ein ausgeklügeltes Organ wissenschaftlicher Selbstkontrolle. Öffentlichkeitsarbeit ist nicht ihre Kernkompetenz und Umgang mit Kabarettisten erst recht nicht. Die DFG kann alles außer Humor.

“Folgen” und “Führen”: nationale Unterschiede bei der Wortwahl?

Nuhrs Video ist weniger als eine Minute lang und ganz und gar nicht krawallig. Die Aufregung dreht sich um einen Seitenhieb: Wer „Folgt der Wissenschaft“ ruft, habe Wissenschaft nicht verstanden. Das zielte offenkundig auf eine entsprechende Bemerkung der Klimaaktivistin Great Thunberg. Aber was soll man von dem Satz tatsächlich halten?

Thunberg stammt aus Schweden, und das ist in diesem Fall nicht unwichtig. Das Reden über „Folgen“ und „Führen“ ist in Deutschland ziemlich verkrampft, seit das deutsche Volk Hitler in den Untergang folgte. Wenn britische Schulen auf Exkursionen gehen, sagen die Lehrer frohgemut: „Follow the leader“. Als Deutscher möchte man das nicht mal übersetzen.

Es läuft deshalb nicht zwangsläufig auf blinden Expertenglauben hinaus, wenn Thunberg der Wissenschaft folgen will. Das kann auch ein Appell sein, Forschung als Kompass in einer komplizierten Welt ernst zu nehmen, und hier liegt das Problem. Die Klimaforschung ist im Umbruch und damit ihre Funktion in der Klimadebatte.

Wissenschaft als Kompass betrachten

Klimaforschung ist seit den achtziger Jahren ein internationales Großprojekt. Dabei stand zunächst die Diagnose im Mittelpunkt: Gibt es einen vom Menschen gemachten Klimawandel? Und falls ja: Ist er so groß, dass man sich darüber Sorgen machen müsste? Jahrzehntelang wurden Daten gesammelt, Zusammenhänge geklärt, Modelle entwickelt. Es wurde zu einer der großen Erfolgsgeschichten der modernen Wissenschaft.

Abertausende von Menschen aus verschiedenen Disziplinen und Ländern arbeiteten zusammen, und sie konnten sich auf eine eindeutige Diagnose verständigen: Klimawandel ist real, und er hat dramatische Folgen. Es ist der Idealfall, wenn man Wissenschaft als Kompass betrachtet. Klare Frage – klare Antwort.

Klimaforschung weitaus mehr als nur Naturwissenschaft

Weiterhin arbeiten Forscher daran, um die Modelle zu verfeinern und laufende Messungen aus aller Welt zu verarbeiten. Aber die wachsende Gewissheit der Diagnose führte zu neuen Fragen, die zunehmend im Zentrum der Klimaforschung stehen: Was soll man tun? Eine solche Frage kann Naturwissenschaft jedoch nicht alleine beantworten. Da geht es um Energie und Landwirtschaft, um Lebensstile und Interessen, um Wirtschaft und demokratische Entscheidungen. Wissenschaftler können sagen, welche Folgen eine bestimmte Entscheidung hat. Sie können nicht sagen, ob man diese Entscheidung treffen sollte.

Es ist also nicht die Frage, ob man der Wissenschaft folgen sollte oder nicht. Man sollte vielmehr akzeptieren, dass sie nicht Antworten auf alle Fragen liefern kann. Die heutige Klimaforschung bietet Klarheit über einen Korridor, in dem sich verantwortliche Entscheidungen bewegen können. Danach beginnt das politische Gespräch. Und das ist auch gut so.

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