Dollar verliert an Wert – und der starke Euro wird zur Gefahr für die Wirtschaft

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Schädliche Nebenwirkungen: “Weitere Aufwertung nicht tragbar”: Starker Euro wird zur Gefahr für die Wirtschaft

Gegenüber dem Euro verliert der Dollar immer mehr an Wert. Das ist auf der einen Sicht ein Vertrauensbeweis für die Eurozone, kann auf der anderen für die Wirtschaft zu einem Problem werden.

Vor etwas mehr als einem Jahr deutete Christine Lagardes Vorgänger an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, in einer Rede eine Lockerung der Geldpolitik an – und prompt folgte eine Twitter-Tirade von Donald Trump. Denn dem US-Präsidenten war der Euro einfach zu schwach, und der Dollar damit umgekehrt zu stark.

Trumps Vorwurf: „Mario Draghi hat gerade neue Stimuli verkündet, weshalb der Euro sofort gegen den Dollar fiel, was ungerechterweise den Wettbewerb mit den USA erleichtert.“ Laut Trump seien die Euro-Länder „jahrelang damit davongekommen“, wie auch Trumps Lieblings-Erzfeind, China.

Jetzt hat Donald Trump das, was er sich so lange gewünscht: einen stärkeren Euro und einen schwächeren Dollar. Das hat Trump sogar fast allein geschafft, wenngleich eher versehentlich und auf unrühmliche Weise.

Die Euro-Aufwertung ist noch nicht an ihrem Ende angelangt

So hat der Euro in diesem Jahr zum Dollar rund 5,3 Prozent an Wert gewonnen. Das klingt nach einem marginalen Zugewinn. Doch bei zwei so bedeutenden und stabilen Währungen sind das bereits Welten. Aus seinem Tief im März heraus hat der Euro sogar um 10,8 Prozent aufgewertet.

Euro / US Dollar (EUR/USD)
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Außerbörslich

Damit ist ein Euro mittlerweile 1,18 Dollar wert, die Gemeinschaftswährung ist damit so teuer wie seit Mai 2018 nicht mehr – und könnte noch teurer werden. In einer Analyse wies Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer jüngst darauf hin, dass die US-Notenbank Federal Reserve nach den Notfall-Zinsschnitten nicht einfach wieder aus der ultralockeren Geldpolitik aussteigen könne, wie sie es 2015 nach der Finanzkrise tat.

„Dieses Bild einer grundsätzlich zum Ausstieg fähigen Fed bröckelt. Die Fed wird immer mehr zur EZB“, so der Experte. Damit steigt der Druck auf den amerikanischen „Greenback“ weiter: „Eine weichere Fed wird den Dollar weiter schwächen, der gemessen an der Kaufkraftparität ohnehin stark überbewertet ist“. Für Krämer hat der Euro damit noch weiteres Aufwärtspotenzial – an der Kaufkraft bemessen wären Kurse bis zu 1,40 Dollar je Euro nicht undenkbar.

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Die EU stellt Milliardenhilfen, während die US-Regierung noch hadert

Die lockere US-Geldpolitik ist nicht der einzige Grund für den starken Euro. Daneben zählt auch, dass der Euro zum neuen „sicheren Hafen“ avanciert ist. Wenngleich der Dollar seine Bedeutung als Leitwährung damit nicht verliert, flüchteten viele Anleger in der Pandemie lieber in den Euro statt in den Dollar.

Der Grund dafür ist, dass die EU die Krise besser gemanagt hat. Mit 5,75 Millionen SARS-Cov-2-Infizierten sind die USA der US-Universität John Hopkins zufolge weiterhin trauriger Spitzenreiter in der Pandemie. Je eine Million Einwohner haben die USA zudem mittlerweile 523 Tote zu beklagen, womit sich das Land bei dieser Raten schlimm getroffenen Ländern wie Italien oder Spanien annähert, zeigen Daten der Universität Oxford.

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Dabei hätten die USA noch im Frühjahr effektiver gegen die Pandemie vorgehen können, Trump aber spielte die Gefahren herunter. Das mangelhafte Krisenmanagement des Weißen Hauses ist damit für den schwachen Dollar mitverantwortlich. Gleichzeitig hadert der US-Kongress damit, weitere Hilfsmaßnahmen (HEALS-Act) auf den Weg zu bringen, während die Maßnahmen des CARES-Act wie etwa das Moratorium gegen Mieter-Zwangsausräumung und zusätzliche Arbeitslosenhilfen auslaufen.

Starker Euro bremst Exportkraftwerk Deutschland aus

Das alles drückt den Dollar-Kurs und stärkt den Euro-Kurs – was zu einer Hürde für den Aufschwung unserer von Ausfuhren abhängigen Wirtschaft wird. Deutschland ist noch immer ein Exportkraftwerk. Im Jahr 2019 lag der Außenhandelsüberschuss bei 227 Milliarden Euro, wie Daten der Außenhandelsagentur GTAI zeigen. Dabei waren die USA einmal mehr Hauptabnehmer für die deutschen Güter.

8,9 Prozent der deutschen Exporte gingen auf die andere Seite des Atlantiks, weitere 7,3 Prozent nach China. Wenngleich das Reich der Mitte damit im vergangenen Jahr noch hinter dem Handelspartner Frankreich (8,0 Prozent) lag, so deuten neuere Zahlen des Statistischen Bundesamts an, dass die Exporte außerhalb der EU immer wichtiger werden. So sanken die Exporte im Juni in EU-Staaten Corona-bedingt um elf Prozent zum Vorjahr, in Länder außerhalb der EU aber nur um 7,4 Prozent. Die Ausfuhren nach China stiegen gar um 15,4 Prozent.

Und genau hier schmerzt der starke Euro. Generell hilft eine schwächere Währung dem Export und dämpft den Import. Deutschland galt darum jahrelang als größter Nutznießer des fragilen Euroraums. Gerade jetzt, wo ein schwächerer Euro die Erholung nach dem rekordhohen Einbruch im zweiten Quartal begünstigen könnte, fehlt er.

Zehn Prozent Aufwertung gegenüber dem Dollar kosten 0,4 Prozent BIP-Wachstum

Wie viel der starke Euro die Unternehmen kosten wird, lässt sich beziffern. „Die Daumenregel besagt, dass eine Aufwertung des Euros um zehn Prozent 40 Basispunkte [0,4 Prozent] beim jährlichen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts kostet“, sagte der Ökonom Dean Turner von der Vermögensverwaltung der UBS Ende Juli gegenüber Reuters. Immerhin: Turner merkte dabei auch an, dass sich dieser Prozess nicht unendlich fortsetzen kann.

Irgendwann wird die Euro-Aufwertung derart am Wachstum zehren, dass sich der Trend verkehrt. Bis dahin aber könnte es, wie es die Analyse von Commerzbank-Chefökonom Krämer andeutet, noch etwas dauern. Und solange wird der starke Euro am Geschäft deutscher und europäischer Konzerne zehren. Dem Anlagestrategen Marco Mossetti von der Credit Suisse zufolge kostet jede Aufwertung um zehn Prozent etwa sechs Prozent des Gewinns je Aktie.

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Nicht alle Branchen trifft die Euro-Aufwertung dabei gleich. Wechselkurseffekte treten nur dann auf, wenn Erlöse in einer Fremdwährung auf Kosten in eigener Währung und umgekehrt treffen. Wer vor Ort produziert und abrechnet, wie beispielsweise die Großkonzerne der Chemiebranche, hat damit kein Problem, wie das „Handelsblatt“ jüngst anmerkte.

Zwei deutsche Schlüsselindustrien besonders betroffen

Herausfordernder ist die Situation indes für den Maschinenbau. Hier sind die etwa US-Konzerne im Bereich der Bau- und Landmaschinen und der Chemietechnik beim Buhlen um die ohnehin wenigen Aufträge im Vorteil, so das Blatt. „Unsere Branche wird dies auch mit Blick auf die ohnehin angespannte wirtschaftliche Situation zu spüren bekommen“, kommentierte der Chefvolkswirt des Branchenverbands VDMA, Ralph Wiechers, die Lage.

Mit der Automobilbranche ächzt zudem noch eine zweite Schlüsselindustrie Deutschlands unter dem starken Euro. Für Volkswagen, Daimler und BMW sind China und die USA die mit Abstand wichtigsten Außenmärkte. Allein in die Staaten verschicken die Hersteller dem jährlich 650.000 Pkw. Deren Kosten werden in Euro abgerechnet, der Umsatz in Dollar – was einer Analyse des Bankhauses Metzler zufolge im kommenden Jahr zu „Fehlbeträgen von 200 bis 500 Millionen Euro“ bei den Autobauern führen dürfte.

Natürlich gibt es Instrumente, um die Währungsrisiken zu begrenzen. BMW etwa vermeldete, zumindest in diesem Jahr abgesichert zu sein. Doch dieses „Hedging“ kostet letztlich Geld, und ist nicht zu 100 Prozent verlässlich. In jedem Falle also werden die deutschen Konzerne den starken Euro unterm Strich spüren.

Der nächste Schock für die Wirtschaft droht bereits

Auf der anderen Seite bleibt zweifelhaft, wie stark die US-Wirtschaft vom schwachen Dollar profitiert. Die größte Volkswirtschaft der Welt ist beim Außenhandel notorisch defizitär. Der Konsum der Amerikaner stützt sich schlicht zu stark auf den Import. Ob ein schwacher Dollar hier wirklich förderlich ist, wie US-Präsident Trump glaubt, wird sich noch zeigen.

Die Gefahren für den Aufschwung der deutschen und europäischen Wirtschaft, den es jetzt so dringend braucht, zeichnen sich viel klarer ab. Das alles bringe zudem noch ein weiteres Risiko mit sich, warnte der Chefökonom Robin Brooks vom Institute of International Finance (IIF) gegenüber dem „Handelsblatt“.

Laut Brooks droht durch den starken Euro ein deflationärer Schock: „Die Inflationsrate in Europa ist ohnehin sehr niedrig und steht aktuell durch den gesunkenen Ölpreis unter Druck. Außerdem ist die Wirtschaft in Europa längst nicht ausgelastet – vor allem in den Peripherieländern. Eine größere Aufwertung des Euros wirkt wie ein deflationärer Schock, der die Preise noch weiter abrutschen lässt.“

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Damit wären die Anstrengungen der EZB der letzten Jahre, die Inflation endlich anzuheizen, vergebens. Für die Konjunktur wiederum wäre eine Deflation ein weiterer Hammer, der letztlich in der berüchtigten Deflationsspirale gipfeln könnte: Sinkende Preise zehren an Unternehmensgewinnen, was wiederum Arbeitsplätze kostet und Investitionen hemmt, wodurch die Konsumlust schwindet und die Preise weiter fallen – ein teuflischer Kreislauf.

“Eine weitere Aufwertung des Euros halte ich für nicht tragbar”, sagt Brooks. Dem Ökonomen zufolge gibt es eine Institution, die etwas unternehmen könnte – die EZB. „Sie kann den Euro-Kurs durchaus steuern, das hat sich in der Vergangenheit gezeigt“, merkte Brooks an . “Im Jahresverlauf 2015 beispielsweise ist der Kurs des Euros über den Sommer stark gestiegen. Der damalige EZB-Chef Mario Draghi hat dann gesagt, dass das Inflationsbild in der Euro-Zone alarmierend sei. Daraufhin ist der Euro-Kurs prompt wieder gefallen. Vor allem die Kommunikation und die Anleihekäufe sind wichtig. Die EZB muss sehr klar kommunizieren, wie es mit dem Inflationsbild aussieht.”

Dollar bleibt trotz Schwäche die Leitwährung

Die Vormachtstellung des Dollar sieht Brooks trotz der Schwäche der US-Währung aber nicht gefährdet. “Ich teile diese Meinung überhaupt nicht”, sagte er in dem Interview. “Natürlich hat Amerika auch Probleme. Aber der Dollar geht gestärkt aus der Krise hervor. Es hat sich gezeigt: Wenn es hart auf hart kommt, kaufen die Leute  Dollar – auch weil die Alternativen nicht klar sind. Das wird sich so schnell nicht ändern.”

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Update: Eurokurs kaum verändert bei 1,18 US-Dollar

Der Euro hat sich am Montag nur wenig bewegt. Am Morgen wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,1794 US-Dollar gehandelt und damit etwa zum gleichen Kurs wie am Freitagabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Freitagnachmittag auf 1,1769 Dollar festgesetzt.

Damit hat der Euro die deutlichen Kursverluste vom Freitag vorerst nicht weiter fortgesetzt. Ende der vergangenen Woche war die Gemeinschaftswährung nach enttäuschenden Konjunkturdaten unter Druck geraten und der Kurs etwa einen Cent gefallen. Im August hatte sich die Stimmung der Einkaufsmanager in der Eurozone überraschend eingetrübt. Damit dürfte die seit Mai anhaltende konjunkturelle Erholung ins Stocken geraten.

Im weiteren Tagesverlauf rechnen Marktbeobachter mit einem eher impulsarmen Handel. Es stehen keine wichtigen Konjunkturdaten auf dem Programm, an denen sich die Anleger orientieren könnten.

Auch spannend:

So kommentierten die Leser von FOCUS Online den Text

  • “Von einem schwachen Euro profitieren nur ein paar Aktionäre und exportgetriebe Firmen. Für die große Mehrheit der Deutschen hat ein starker Euro Vorteile. Da werden die iPhones und Samsung Handys günstiger, der neue TV oder der Toyota. Russland und China handeln Rohstoffe bereits in Euro, dann können wir das Putinsche Erdgas doch auch in Euro bezahlen! Starker Euro, billiges Gas.”
  • “Die Aufwertung des Euro ist nur marginal und relativ. Als der Euro über 1,50 Dollar kostete, hatten wir eine völlig andere Konstellation und der Wirtschaft ging es trotzdem ganz passabel. Währungsschwankungen von 5-6% sind eher unauffällig. Außerdem spiegelt die Währung auch immer ein Stück der Wirtschaftsleistung wider. So wird nun mal versucht, Ungleichgewichte auszugleichen. Oder wären Strafzölle genehmer?”
  • “Die EZB sollte mal lieber ihren Job machen. Auch die D-Mark war früher hoch bewertet. Dadurch war Deutschland immer gezwungen innovativ zu sein. Das werden wir doch nicht verlernt haben. Oder? Der derzeitige Job der EZB ist viel gefährlicher.”

Lanz bohrt beim Thema Masken immer wieder nach und liefert sich Wortgefecht mit Spahn


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