Euro: “Geld- & Wirtschaftssystem befindet sich im Endspiel”, warnt Crash-Prophet

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Interview mit Marc Friedrich: “Unser jetziges Geld- und Wirtschaftssystem befindet sich im Endspiel”

2019 prophezeiten Marc Friedrich und Matthias Weik in dem Bestseller „Der größte Crash aller Zeiten“ einen sicheren Systemzusammenbruch. Schon jetzt lässt der Corona-Crash Anleger bluten und treibt Unternehmen in die Pleite. Im Interview mit der BÖRSE am Sonntag erklärt Friedrich, warum die geplanten Soforthilfen nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind

Der Text erschien zuerst bei Börse am Sonntag.

BÖRSE am Sonntag: In Ihrem Beststeller „Der größte Crash aller Zeiten“ prophezeien Sie der Wirtschaft 2023 einen Systemzusammenbruch. Nun könnte die Weltwirtschaft schon im Jahr 2020 kollabieren. Haben Sie sich geirrt? 

Marc Friedrich: Nein, ganz im Gegenteil. Ich habe im Buch geschrieben, dass bis spätestens 2023, aufgrund unserer Recherche, Analysen und Modellen, der Crash kommt. Richtig lag ich im Buch auch mit dem Start der Krise: 2020, beginnend mit einer Rezession.

“Auch gesunde Unternehmen geraten in Schieflage”

BÖRSE am Sonntag: Milliardenhilfen und ein Nachtragshaushalt sollen den Absturz der Wirtschaft abwehren und das Gesundheitssystem schützen, sagt Finanzminister Scholz zum Hunderte Milliarden schweren Rettungspaket. Der Bund will 156 Milliarden neue Schulden machen. Etwa ein Drittel davon ist für Hilfen für Soloselbständige und Kleinstunternehmen vorgesehen. Kommen wir damit durch die Krise?

Friedrich: Ich würde es mir wünschen aber ich denke nicht. Wenn innerhalb der nächsten zwei bis vier Wochen ein Gegenmittel gegen das Coronavirus gefunden wird oder auf wundersame Art und Weise das Virus gestoppt wird, dann wäre dies eventuell möglich, aber die Chancen schwinden mit jedem Tag.

Parallel steigert sich der Rattenschwanz an Kollateralschäden in Milliardenhöhe. Man darf nicht vergessen, dass neben Einkommenseinbußen auch die Steuereinnahmen drastisch zurück gehen werden. Zudem wird der längst überfällige Reinigungsprozess stattfinden und viele Zombieunternehmen Pleite gehen – aber auch andere und gesunde Firmen geraten in Schieflage.

Spannend, aber gerade keine Zeit?

BÖRSE am Sonntag: Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier kündigte an, dass die Soforthilfen für Kleinunternehmen schnell ausgezahlt werden sollen. Kleinbetriebe mit bis zu fünf Beschäftigten sollen 9.000 Euro für drei Monate bekommen, Betriebe mit bis zu zehn Beschäftigten 15.000 Euro. Über welchen Zeitraum können Einkommensverluste damit kompensiert werden?

Friedrich: Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Dieses Geld könnte man sich eigentlich gleich sparen. Wichtiger wäre Steuerstundung, Steuerrückerstattung u.a. der Steuervorausszahlung, Absenkung der Mehrwertsteuer und Erlass der Gewerbesteuer. Bei Gastronomie oder Einzelhandel reicht diese Summe gerade mal für ein bis zwei Monate Miete.

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“Wir werden eine gigantische Pleitewelle sehen”

BÖRSE am Sonntag: Je nach Szenario könnte die deutsche Wirtschaft um 7,2 bis 20,6 Prozentpunkte schrumpfen. Laut dem ifo-Institut würde dieser Rückgang Kosten in Höhe von 255 bis 729 Milliarden Euro entsprechen. Welcher Wert ist realistisch?

Friedrich: Ich denke der volkswirtschaftliche Schaden beträgt jetzt schon weit mehr als 1 Billion Euro und steigt täglich. Wann zu unserer Lebzeit haben die großen Automobilkonzerne Daimler, BMW und VW die Produktion eingestellt?

Wir werden eine gigantische Pleitewelle sehen, auch bei den Zulieferern. Selbst wenn wir in zwei bis drei Wochen wieder in Normalbetrieb übergehen würden, wissen wir nicht, welche Unternehmen noch da sind, wie die Lieferketten beschädigt sind und wie unsere Partnerländer sich entwickeln. Wenn das Virus sich in unseren wichtigen Exportmärkten weiter ausbreitet, haben die Menschen dort andere Sorgen als zu konsumieren und deutsche Autos oder Motorsägen zu kaufen. Was wir gerade erleben, ist Geschichte und absolutes Neuland. Die Krise ist jetzt schon heftiger als alles zuvor.

BÖRSE am Sonntag: Der DAX ist im Krisenmodus. Sollten Anleger davon ausgehen, dass mögliche Schreckensszenarien mittlerweile in die Kurse eingepreist sind oder könnte es weiterhin steil bergab gehen?

Friedrich: Wir sind in einer Rezession und sind schon in der Deflation. Wenn daraus eine globale Depression werden sollte mit vielen Arbeitslosen, dann haben wir das Ende der Fahnenstange in den Aktienmärkten noch nicht gesehen. Dann ist auch ein DAX unter 5000 Punkten möglich – oder sogar tiefer. Weltweit senken die Notenbanken die Zinsen und schießen aus allen Rohren. Ob das die Märkte beruhigt und zu einem Melt up führt steht noch in den Sternen.

 

 
 

BÖRSE am Sonntag: Es scheint, als hätten wir die großen Probleme der Finanzkrise 2008 nicht gelöst. Privatanleger fürchten deshalb um ihr Geld. Was raten Sie ihnen?

Friedrich: Wir haben die Probleme nicht gelöst, sondern lediglich mit einem historischen Notenbankexperiment aus niedrigen Zinsen und unglaublich viel Geld in die Zukunft verschoben, wo sie sich weiter aufgestaut und potenziert haben.

Daher braucht man als eine Art Gegengewicht, als eine Lebensversicherung für die Kaufkraft und das Vermögen, Werte, die durch die Natur oder durch die Mathematik limitiert sind. Ganz vorne stehen hier Edelmetalle wie Gold und Silber, Diamanten, Grund und Boden, eine abbezahlte Immobilie, Unternehmensbeteiligungen, Whisky aber auch Bitcoin.

“Sachwerte werden in der kommenden Inflation Stärke zeigen”

BÖRSE am Sonntag: Sie arbeiten nicht nur als Autor, sondern auch als Investmentberater. Der Fonds, den Sie beraten, setzt schwerpunktmäßig auf Sachwerte. Dazu gehören derzeit Goldbarren, Goldminen-Aktien oder auch ein Silber-ETF. Doch in den vergangenen Wochen hat sich der Fonds ähnlich wie ein handelsüblicher Misch- oder Multi-Asset-Fonds verhalten. Heißt: Seit Ende Februar hat er rund 20 Prozent an Wert verloren. Warum sind selbst Sachwerte unsicher?

Friedrich: Wir sind in der Deflation und da wird alles abverkauft. Geld und Gold sind dann ein Muss. Im Fonds ist daher eine hohe Cash Quote und Gold. Daher hat Deutschlands erster Sachwertfonds weniger verloren als der Markt. Sachwerte werden in der kommenden Inflation und Hyperinflation ihre Stärke zeigen.

BÖRSE am Sonntag: Neben all den dramatischen Entwicklungen: Sehen Sie auch eine Chance in der Krise?

Friedrich: Immer. Wie im Buch beschrieben ist jede Krise eine Chance. Jetzt haben wir eine große Krise und damit auch eine enorme Chance für uns als Menschheit. Ich bin davon überzeugt, dass wir aus den Fehlern der Vergangenheit lernen. Denn der Mensch lernt durch scheitern. Jetzt werden wir grandios scheitern, weil wir 2008 nicht den Mut hatten, dem System den Stecker zu ziehen.

Durch die kommende Krise, die eine Katharsis ist, werden wir auf neues Bewusstseinslevel katapultiert werden. Wir werden erkennen, was falsch und was richtig war – und wir werden aus der Matrix austreten. Vieles wird sich als Illusion entpuppen. Ungesundes wird kollabieren und Neues wird entstehen. Da halte ich es mit Schumpeters kreativer Zerstörung. Wir werden ein besseres, demokratischeres, faires und vor allem menschlicheres System etablieren.

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“Werden in neuer Welt aufwachen”

BÖRSE am Sonntag: Wie sollte das Wirtschaftssystem nach der Corona-Krise wiederaufgebaut werden?

Friedrich: Wir stehen vor dem größten Paradigmenwechsel der letzten 100 Jahre. Wir werden in wenigen Wochen in einer komplett neuen Welt aufwachen. Unser jetziges Geld- und Wirtschaftssystem befindet sich im Endspiel. Wir werden wieder ein gedecktes und digitales Geldsystem bekommen.

BÖRSE am Sonntag: Wer kann, arbeitet im Homeoffice. Wie sieht ihr Arbeitsalltag derzeit aus?

Friedrich: Aus der persönlichen Honorarberatung ist jetzt eine komplett digitale geworden. Heißt: Wir telefonieren und halten viele Videokonferenzen ab. Da wir allerdings weltweit Kunden haben, hat sich nicht wirklich viel für mich verändert. Auch die Videos für den YouTube-Kanal werden weiterhin im Studio produziert.

Das Gespräch führte Florian Spichalsky.

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