Euro: Wir müssen uns große Sorgen um unser Geld machen, warnt Top-Ökonom

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Mit immer mehr Schulden versuchen die Staaten, die Folgen der Corona-Epidemie zu mildern. Daneben entwickelt sich die Euro-Zone zu einer Transferunion. Der Ökonom Thomas Mayer analysiert im Interview mit FOCUS Money die Situation und erklärt, was auf Sparer zukommt.

FOCUS-MONEY: Herr Mayer, Bundeskanzlerin Angela Merkel ist nun doch umgefallen und hat grünes Licht gegeben für noch mehr Vergemeinschaftung der Schulden in Europa. Ist Merkels 500-Milliarden-Euro-Geschenk ein Dammbruch?

Thomas Mayer: Man kann das durchaus als Dammbruch bezeichnen. Wenn es nach dem Willen von Paris und Berlin geht, darf die Europäische Union jetzt enorme Schulden machen. Das Geld fließt dann als Transfers an bedürftige Länder. Das ist eine neue Dimension. Bisher galt ja immer der Grundsatz, dass die Europäische Union (EU) keine eigenen Schulden machen darf. Und Transfers gab es nur begrenzt und in geordneten Kanälen.

Über den Autor

Thomas Mayer ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institute. Davor war er bis 2012 Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Außerdem war er einige Jahre für den Internationalen Währungsfonds und Goldman Sachs tätig.

“Es wird ein ganz großer Topf aufgemacht, der Transfers finanzieren soll”

MONEY: Wie gefährlich ist es, dass es sich beim sogenannten EU-Wiederaufbaufonds nicht um klassische Darlehen handeln soll, sondern um Zuschüsse?

Mayer: Transfers gab es beispielsweise schon im Rahmen der Strukturhilfe-Programme. Aber das war doch im Umfang sehr begrenzt und auf konkrete Projekte bezogen. Jetzt wird ein ganz großer Topf aufgemacht, der Transfers finanzieren soll, deren genauen Zweck man nicht einmal kennt.

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MONEY: Finanzieren wir Deutschen also bald komplett Italiens Schulden?

Mayer: Das wurde bisher nicht beschlossen. Es wurde ja schon lange über Euro-Bonds debattiert, kürzlich auch über Corona-Bonds. Darauf drängten die Staatschefs der Südländer, einschließlich Frankreichs. Interessanterweise rechnet sich Frankreich wohl inzwischen zu Südeuropa und sieht sich nicht mehr als Teil des Zentrums oder des Nordens. Die Franzosen haben darauf gedrängt, dass wir gemeinsame Anleihen einführen. Das ist bis jetzt nicht passiert. Stattdessen hat man die EU vorgeschoben. Sie soll jetzt Geld aufnehmen.

Und da ist die entscheidende Frage: Wer haftet für wie viel? Wird dann jedes Land entsprechend seinen Beiträgen zum europäischen Budget haften? Oder aber gibt es eine Haftung für die Gesamtschulden? Alle diese Dinge sind noch nicht geklärt.

Spannend, aber gerade keine Zeit?

“Diese Geschichte ist so alt wie der Euro selbst”

MONEY: Lässt sich der Schuldenwahn noch stoppen?

Mayer: Es gibt starken Widerstand von der Gruppe der Sparsamen: Österreich, Niederlande, Dänemark und Schweden beispielsweise. Es gibt noch Hoffnung, dass dieses Vorhaben vernünftig gestaltet wird. Aber Stand heute: Man wird wohl einen faulen Kompromiss suchen und finden.

FOCUS-MONEY – Unser Geld geht kaputt. Die Corona-Schuldenbombe

Die Corona-Schuldenbombe tickt und die Kanzlerin setzt noch einen obendrauf mit ihrem 500-Milliarden-Geschenk: Thomas Mayer, Ex-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, macht sich große Sorgen um unser Geldsystem und vergleicht den Euro mit einem windschiefen Haus, das jederzeit einfallen könnte. Wie brandgefährlich zudem die EZB agiert – die komplette Analyse im PDF-Heft.

MONEY: Aber wie gefährlich ist es, wenn sich jene Länder, die schon bis über beide Ohren verschuldet sind, jetzt auf Kosten der guten Bonität von Deutschland viel billiger verschulden können, als es ihnen zusteht?

Mayer: Natürlich ist das gefährlich. Wir haben ja nach der Finanz- und Euro-Krise gesehen, dass neue Schulden dazu dienen, dass man notwendige Anpassungen verschiebt. Politiker kaufen sich damit Zeit, um unangenehme Dinge in die Zukunft zu schieben. Je mehr Schuldentöpfe man aufstellt, umso geringer ist der Druck zur notwendigen Anpassung.

MONEY: Also bewegen wir uns in die falsche Richtung?

Mayer: Diese Geschichte ist so alt wie der Euro selbst. Als die Gemeinschaftswährung eingeführt wurde, konnten sich die Südländer wie Spanien, Italien, Griechenland, aber auch andere im Norden wie Irland, zu extrem niedrigen Zinsen verschulden. Die notwendigen Reformen zur Anpassung blieben aus. Dann kam die Euro-Krise, ausgelöst durch die von den USA ausgehende transatlantische Schuldenkrise. Statt die Anpassung zu erzwingen, hat man die privaten Schulden durch öffentliche Schulden über die ganzen Euro-Hilfsfonds ersetzt. Und jetzt macht man wieder neue Töpfe auf.

Italien, Spanien und Griechenland brauchen flexiblere Arbeitsmärkte und weniger Bürokratie

MONEY: Welche Anpassungen müssten wir erzwingen?

Mayer: Italien, Spanien und Griechenland brauchen dringend Deregulierung, also beispielsweise flexiblere Arbeitsmärkte und weniger Bürokratie. Die Infrastruktur, das Bildungssystem und das Gesundheitswesen müssen verbessert werden und die Unternehmen müssen mehr in neue Technologien investieren.

MONEY: Aber warum verhindern Macron und Merkel das und schütten alles mit neuen Schulden zu?

Mayer: Bei den Franzosen scheint man zu meinen, durch die Krise herabgestuft worden zu sein. Frankreich wurde durch die Pandemie stärker getroffen als Deutschland. Die französische Wirtschaft stürzt stärker ab – ähnlich wie die italienische und die spanische. Das sehen wir jetzt schon an den Daten zum Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal. Frankreich fühlt sich jetzt mehr als Teil Südeuropas und begegnet Deutschland nicht mehr auf Augenhöhe.

“Wichtig ist, dass wir die Demokratie nicht aufgeben, um den Euro zu retten”

MONEY: Lässt sich das Schuldenrad jetzt noch zurückdrehen?

Mayer: Es gibt leider schon lange die Tendenz bei den europäischen Institutionen, ihre Kompetenzen immer mehr auszuweiten. Und der Europäische Gerichtshof hat dem nicht nur zugestimmt, sondern auch dabei mitgemacht. Es muss aber klar sein: Die EU ist kein Bundesstaat. Das hat das Bundesverfassungsgericht deutlich gemacht und damit den Europäischen Gerichtshof mindestens so hart in die Schranken verwiesen wie die EZB.

Die Souveränität liegt bei den Völkern Europas, die sich in der EU zusammengeschlossen haben. Dort wurden bestimmte Kompetenzen auf die EU-Ebene übertragen, und die Behörden haben sich gefälligst an diese Kompetenzen zu halten. Wichtig ist, dass wir die Demokratie nicht aufgeben, um den Euro zu retten. Das kann nicht sein!

MONEY: Lässt sich der Euro überhaupt noch retten?

Mayer: Ich weiß nicht, ob der Euro noch zu retten ist. Er ist auf alle Fälle in bedrohlicher Schieflage. Als die Europäische Währungsunion (EWU) geschaffen wurde, ging man davon aus, dass er für eine kleine Gruppe von Ländern gelten würde. Man dachte an Frankreich, Deutschland und die Benelux-Länder, und man dachte, diese Länder würden so etwas wie einen optimalen Währungsraum darstellen.

Einen Währungsraum, in dem man nur die gemeinsame Geldpolitik bräuchte, aber keine zusätzlichen Fiskaltransfers. Dann kamen aber neue Länder dazu wie Spanien, Italien und sogar Griechenland. Die EWU wurde immer breiter und komplizierter. Die ursprüngliche Idee wurde verwässert bis zur Unkenntlichkeit. Die EWU ist alles andere als ein optimaler Währungsraum.

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“Der Euro ist wie ein windschiefes Haus. Er könnte bald einfallen”

MONEY: Das klingt nach einem Schrecken ohne Ende …

Mayer: Es kommen durch die Pandemie weitere Spannungen und Druck in den Euro-Raum. Und jetzt kommt auch noch das Bundesverfassungsgericht und sagt, die EZB sollte diese Probleme nicht so einfach durch frisch gedrucktes Geld übertünchen. Mir kommt der Euro vor wie ein windschiefes Haus: Es wackelt und steht noch, könnte aber bald einfallen.

MONEY: Hand aufs Herz: Wie lange geben Sie dem Euro noch?

Mayer: In den kommenden Jahren werden wir entweder grundlegende Veränderungen in der Währungsunion erleben – also den Rückbau auf das Niveau, das ursprünglich angedacht war. Eine gemeinsame Währung für Länder, die das auch tatsächlich schaffen. Oder der Euro-Raum fliegt auseinander! Aber ob das jetzt fünf Jahre sein werden oder mehr oder nur drei, das kann man als Ökonom seriös nicht prognostizieren.

MONEY: Noch gefährlicher könnte die Corona-Schuldenbombe werden: Wie gefährlich ist denn diese Staatsverschuldung, die jetzt noch mal obendrauf kommt?

Mayer: Die Schulden sind eine enorme Belastung für die jüngeren Generationen. Denn es ist ja nicht so, dass wir diese Schulden durch vorhandene Ersparnisse finanzieren würden. Wir haben keine Berge von Geld aufgetürmt wie Apple  und Amazon . Die könnten eine solche Notlage mit ihren Cash-Reserven überbrücken. Wir haben nicht vorgesorgt, wir hatten ja nicht mal genug Schutzmasken. Deshalb verschieben wir die Sparleistung durch Verschuldung in die Zukunft.

“Künftige Generationen müssen ihren Konsum einschränken, damit Schulden zurückbezahlt werden können”

MONEY: Aber es muss doch einen Ausweg geben außer immer noch mehr Schulden, oder?

Mayer: Der Ausweg wäre, in der Zukunft mehr zu sparen, um die Schulden wieder abzubauen. Durch Kreditvergabe schaffen wir jetzt neues Geld. Diesen höheren Geldbeständen steht aber keine höhere Wirtschaftsleistung gegenüber. Das heißt: Wenn wir in die Zukunft schauen, dann müssen die Steuerzahler ihre Ansprüche zurückfahren, also selbst weniger konsumieren, weiterhin aber sehr viel produzieren, um diese Geld-Ersparnisse sozusagen im Nachhinein mit Gütern zu decken. Das ist eine gewaltige Belastung für die künftigen Generationen. Die müssen ihren Konsum einschränken, damit diese Schulden zurückbezahlt werden können.

MONEY: Aber wie soll das funktionieren: sparen, ohne dabei die Wirtschaft komplett abzuwürgen?

Mayer: Das ist genau das Problem. Man sollte bekanntlich in der guten Zeit sparen, damit man in der Not etwas hat. Das haben wir aber nicht gemacht. Jetzt schaffen wir in der Notzeit notgedrungen neues Geld, dem keine zusätzliche Produktion gegenübersteht.

MONEY: Droht dann als noch schlimmere Option eine Hyperinflation?

Mayer: Mit dem Begriff der Hyperinflation muss man vorsichtig umgehen. Hyperinflation gab es 1923 in Deutschland unter ganz extremen Umständen. Aber in der Tat: Wenn jetzt nicht gespart und das neu geschaffene Geld nicht dazu verwendet wird, die Produktionskapazitäten zu erweitern, dann haben wir ein Problem. Klassischerweise wird ja über Kreditvergabe neues Geld für einen Kreditnehmer geschaffen, der es zur Erweiterung des Kapitalstocks nutzt. Dadurch werden neue Produkte erzeugt, durch die das neue Geld gedeckt wird. Das ist momentan aber nicht der Fall. Ich habe nirgendwo gesehen, dass die Investitionen in die Höhe schießen. Es wird also neues Geld geschaffen, während die Kapazitäten in der Krise wahrscheinlich sogar schrumpfen.

MONEY: Was passiert dann konkret?

Mayer: Wenn das zusätzlich geschaffene Geld auf das gleiche oder ein niedrigeres Angebot trifft, müssen die Preise steigen. Nur so werden das reale Angebot und die reale Nachfrage wieder ausgeglichen. Das bedeutet also höhere Inflation.

Höhere Inflation entwertet das neu geschaffene Geld

MONEY: Worauf müssen sich Sparer konkret einstellen?

Mayer: Folglich wird es wohl darauf hinauslaufen, dass wir dieses neu geschaffene Geld durch höhere Inflation entwerten. Ich vermeide aber den Begriff Hyperinflation, denn diese entstand in Deutschland in einer ganz spezielle Situation.

MONEY: Was war anders als heute?

Mayer: Beim sogenannten Ruhr-Kampf marschierten Anfang 1923 französische und belgische Truppen ins Ruhrgebiet ein, um den Forderungen nach Reparationen Nachdruck zu verleihen. Das Deutsche Reich rief in der Folge zu passivem Widerstand auf. Die Arbeiter in der Kohle- und Stahlindustrie legten also für eine gewisse Zeit die Arbeit nieder. Die wirtschaftliche Aktivität wurde unterbrochen.

Aber die Arbeiter mussten natürlich weiterhin mit Geld versorgt werden, damit sie ihren Lebensunterhalt bestreiten konnten. Also hat das Deutsche Reich die Löhne bezahlt und dafür frisches Geld drucken lassen. Die Folgen kennen wir: Durch die Finanzierung der Löhne über die Druckerpresse der Reichsbank erreichte die Hyperinflation 1923 ihren Höhepunkt.

MONEY: Und das lässt sich dieses Mal ausschließen?

Mayer: Die Lage ist heute nicht so schwierig wie 1923. Die Inflation wird vielleicht nicht in den nächsten Monaten, vielleicht sogar noch nicht mal im nächsten Jahr merklich steigen. Aber in der mittleren Frist dürfte das der Fall sein. Dadurch verringert sich die Kaufkraft des geschaffenen Geldes und wir können wieder den Ausgleich von Angebot und Nachfrage in der Realwirtschaft herbeiführen.

EZB-Politik ist aus zwei Gründen brandgefährlich

MONEY: Auf der einen Seite haben wir die Enteignung der Sparer in den letzten Jahren durch die niedrigen Zinsen. Und jetzt droht dann noch heftige Inflation. Wie gefährlich ist die Politik der EZB konkret?

Mayer: Aus meiner Sicht ist die Politik der EZB aus zwei Gründen brandgefährlich. Zum einen hat die EZB aus meiner Sicht ihre Kompetenzen überschritten. Sie konzentriert sich nicht mehr nur auf die Geldemissionen, sondern mischt sich immer mehr in die Politik ein. EZB-Chefin Christine Lagarde hat für die Pläne von Paris und Berlin zu einem europäisches Rettungsprogramm geworben. Das ist doch nicht ihre Aufgabe.

Zum anderen kann die EZB die von ihr angepeilte Inflation von genau zwei Prozent nicht erzwingen. Dieses Ziel hat sie sich selbst gegeben. In den letzten Jahren hat sie das Ziel für die Verbraucherpreise nicht erreicht, aber die Preise außerhalb der Verbraucherpreise, beispielsweise für Immobilien und Aktien, enorm nach oben getrieben. Die EZB tritt also Preiswellen los, die sie weder steuern noch kontrollieren kann. Nach der Finanzkrise sahen wir diese Welle in den Vermögenspreisen. Jetzt droht die Welle bei den Konsumentenpreisen.

Man muss sich große Sorgen um unser Kredit-Geldsystem machen

Eine neue Geld-Ordnung?

MONEY: Sie sind generell Kritiker unseres Geldes und haben schon öfter eine neue Ordnung des Geldes gefordert. Ist unser Geld kaputt?

Mayer: Ich glaube, ja. Man muss sich große Sorgen um unser Kredit-Geldsystem machen! Dort wird Geld dadurch erzeugt, dass die Banken Kreditnehmern den Darlehensbetrag als Giralgeld gutschreiben. Es ist nicht mehr wie früher an Gold oder einen anderen realen Wert gebunden. Weil immer mehr Kredite vergeben und die Verschuldung gesteigert wurde, kommt es an das Ende seiner Leistungsfähigkeit.

Anfang der 1980er-Jahre ließ sich die massive Inflation, die durch übermäßige Geldschaffung in den 1970er-Jahren erzeugt wurde, noch durch enorm hohe Zinsen von bis zu 20 Prozent einbremsen. Das ist heute unmöglich. Später folgten dann die Blasen an den Finanzmärkten, die unter der Führung des ehemaligen US-Notenbankchefs Alan Greenspan durch immer neue Geldspritzen erzeugt wurden. Es kam zur Finanzkrise, dann zur Euro-Krise und jetzt entsteht durch die Corona-Krise eine neue Kreditwelle. In den USA ist die kurzfristige Einlagen umfassende Geldmenge MZM Mitte Mai um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen.

Gold statt Geld – Absicherung bei einer Währungsreform

MONEY: Kann man jetzt sein Geld noch auf dem Konto liegen lassen? Oder können sich die Politiker hinstellen und über Nacht den Euro für wertlos erklären?

Mayer: Eine Währungsreform oder einen Schuldenschnitt kann man nicht ausschließen. Dagegen gibt es aber eine Absicherung: Gold. Nicht umsonst ist der Goldpreis in den letzten Monaten deutlich gestiegen.

Goldpreis (Spot)
1.727,50
USD

Außerbörslich

MONEY: Das Problem ist, die Alternative Gold kennen natürlich auch die Politiker. Halten Sie grundsätzlich ein Goldverbot für möglich?

Mayer: Ich glaube nicht daran. Sonst würde jeder erkennen, dass unser Geldsystem am Ende ist. Das würde ein politisches Erdbeben sondergleichen auslösen und die bestehenden politischen Verhältnisse umkrempeln. Dann würden Parteien an die Macht kommen, die eine ganz andere Politik verfolgen würden. Deshalb glaube ich nicht, dass man sich an ein Goldverbot traut.

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MONEY: Wie schaffen es denn Anleger in diesen turbulenten Zeiten, ihr Vermögen zu schützen?

Mayer: Ein breit diversifiziertes globales Aktienportfolio halte ich für eine gute Basis. Denn wenn der globale Aktienmarkt komplett abstürzen würde, müssten wir den ganzen Planeten abschreiben – das wird nicht passieren. Dazu kommen stabile Währungen. Und da steht natürlich Gold obenan. Es ist eine der ältesten und stabilsten Währungen der Welt. Ansonsten würde ich auf Währungen setzen, die eine lange Tradition haben und tief verwurzelt sind. Dazu gehört auch der US-Dollar, der schon einiges überstanden hat und Ansprüche auf eine immer noch eine recht robuste Wirtschaft verkörpert.

Gold brachte in der Hyperinflation 1923 die perfekte Absicherung

MONEY: Wie hat sich Gold eigentlich historisch in Phasen mit hoher Inflation geschlagen?

Mayer: Grundsätzlich sehr gut. Denken Sie an die deutsche Hyperinflation von 1923. Da brachte Gold – und der damals ans Gold gebundene US-Dollar – die perfekte Absicherung. Oder denken Sie an die inflationären 1970er-Jahre. Da brachte nur Gold eine brauchbare Absicherung, weil US-Präsident Nixon die Golddeckung des Dollar 1971 aufgehoben hatte.

MONEY: Wie eignen sich Immobilien für den Schutz des Vermögens?

Mayer: Grundsätzlich gehören Immobilien zur Vermögensklasse der realen Werte. Man kann sich also gegen die Inflationierung des Geldes schützen. Das ist schon mal eine sehr gute Eigenschaft. Man muss allerdings bedenken, dass die Politik Immobilien ins Auge fassen könnte, wenn es darum geht, Geld abzuschöpfen. Denken Sie an die Mietpreisbremse. Denken Sie an die Debatte über die Enteignung großer Wohnungsgesellschaften in Berlin. Das ist eine politisch aufgeladene Asset-Klasse.

Nachfrage nach Gewerbeimmobilien schwächer wegen Home-Office

MONEY: Fallen letztlich die Immobilienpreise?

Mayer: Wer sich für Immobilien interessiert, muss sicherlich genau aufpassen, welche Veränderungen die Krise jetzt in dieser Vermögensklasse auslöst. Das Home-Office ist ein großer Erfolg. Möglicherweise arbeiten künftig mehr Menschen von zu Hause aus und meiden das Büro. Das heißt, die Nachfrage nach Gewerbeimmobilien könnte schwächer werden. Das Gleiche gilt für Verkaufsflächen. Wahrscheinlich haben viele während der Quarantäne gemerkt, dass es doch ganz bequem ist, online einzukaufen.

Werden die Leute künftig noch so oft in die Stadt fahren und mit Mundschutz einkaufen, wenn es doch auch über Internet-Dienstleister geht? Also wird der Online- Handel stärker bleiben und der lokale Handel wahrscheinlich weiter schrumpfen. Darunter würden Gewerbeflächen leiden. Dann kommt noch dazu, dass viele Leute vielleicht gemerkt haben, dass ein Apartment in einer hippen Großstadt doch nicht das Nonplusultra ist. Vielleicht ist mehr Wohnraum mit Garten doch eine bessere Lösung. Vielleicht zahlt man dann nicht mehr Spitzenpreise für die Innenstadtlage.

Im Video: EZB: Erst kommt die Inflation, dann eine neue Geldordnung – was das für Sparer heißt

Mario Lochner


Coronacare

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