Explosion in Beirut: “Man kann die Explosion auch als ‘Wake-up-Call’ sehen”

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Am Tag nach der gewaltigen Detonation in Beirut wandern die Menschen über Scherben und Trümmer. Tausende haben ihre Unterkunft verloren. Aus anderen Ländern reisen Ärzte-Teams und Katastrophenhelfer an, um nach verschütteten Opfern zu suchen. Die Zeit drängt. Die weiteren Entwicklungen im im News-Ticker auf FOCUS Online.

Deutsche in Beirut: “Man kann die Explosion auch als ‘Wake-up-Call’ sehen”

07.06 Uhr: “Ein gigantischer Feuerball”, “eine große Druckwelle”: Birgit Schäbler, Direktorin des Orient-Instituts in Beirut, saß in ihrer Wohnung, als die Katastrophe über Beirut hereinbrach. Gegenüber dem “Stern” erzählt Schäbler nun, wie die Stimmung in der Stadt ist: “Es macht sich eine Stimmung der Resignation breit. Dieses Land ist im Augenblick sehr gebeutelt. Wir haben mehrere sich überlagernde Krisen. Wir haben eine schwere ökonomische Krise, eine Währungs- und Finanzkrise. 60 Prozent der Libanesen sind arbeitslos geworden in den letzten Monaten. Die Corona-Krise teilen wir mit der Welt. Und jetzt haben wir zusätzlich diese riesige Explosion.”

Sie hoffe, dass das Land nun nicht komplett abrutsche. Man könne die Explosion auch als “Wake-up-Call” sehen, sagt Schäbler. “Auch wenn die Ursachen für diese Explosion nicht bekannt sind, so ist in jedem Fall Staatsversagen zu konstatieren.” Die nicht ausreichende Sicherung des Ammoniumnitrats sei ja “ein Skandal”, so Schäbler. “Die Empörung darüber ist wirklich sehr groß.” Die Widerstandskraft der Menschen in Beirut sei groß, aber derzeit mache sich schon sehr viel “Depression, Erschöpfung, Enttäuschung und auch Wut” bemerkbar. Sie wünsche sich nun endlich den Wandel. Die Eliten, die sich Jahrzehnte lang bereichert haben, “müssen Platz machen für neue Kräfte und es müssen Reformen passieren”. Auf den Schrecken könne die Hoffnung folgen, “dass es nicht einfach so weitergehen kann wie bisher.”

Geste des Mitgefühls trotz Krieg: Libanesische Flagge erstrahlt am Rathaus von Tel Aviv

Donnerstag, 06. August, 05.22 Uhr: In einer Geste der Solidarität nach der verheerenden Explosion im Hafen Beiruts ist am Mittwochabend die libanesische Flagge auf das Rathaus im israelischen Tel Aviv projiziert worden. “Menschlichkeit ist wichtiger als jeder Konflikt”, schrieb Bürgermeister Ron Huldai im Kurzbotschaftendienst Twitter. “Unsere Herzen sind beim libanesischen Volk.” Die Aktion stieß jedoch nicht bei allen Israelis auf Zuspruch – offiziell befinden beide Länder sich im Krieg.

Israels Minister für Jerusalem-Angelegenheiten, Rafi Peretz, von der nationalreligiösen Siedlerpartei Jüdisches Heim verurteilte die Reaktion auf die Katastrophe in Beirut, bei der mindestens 113 Menschen ums Leben kamen und rund 4000 verletzt wurden. Humanitäre Hilfe sei eine Sache, die Flagge eines feindlichen Landes im Herzen Tel Avivs zu zeigen aber sei “moralische Verwirrung”. 

Israel und der Libanon befinden sich formal noch immer im Kriegszustand. In den vergangenen Wochen nahmen die Spannungen nach Schusswechseln an der Grenze wieder zu. 2006 bekämpften sich Israel und die vom Iran unterstützte schiitische Hisbollah-Miliz in einem monatelangen Krieg. 1200 Libanesen wurden getötet, die meisten davon Zivilisten. Auf israelischer Seite starben 160 Menschen, die meisten davon Soldaten.

Trumps Verrenkung: Explosion könnte doch Unfall gewesen sein

03.35 Uhr: US-Präsident Donald Trump hat eingeräumt, dass entgegen seinen vorherigen Angaben die verheerenden Explosionen in Beirut doch durch einen Unfall ausgelöst worden sein könnten. Es könne sich um einen “Unfall” oder um einen “Angriff” handeln, sagte Trump am Mittwoch bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus. Zum jetzigen Zeitpunkt wisse dies “niemand”. 

Am Vortag hatte Trump mit der Aussage für Wirbel gesorgt, bei den Explosionen habe es sich mutmaßlich um einen “furchtbaren Angriff” mit einer “Art von Bombe” gehandelt. Dies hätten ihm seine Generäle nahegelegt. Dem widersprach jedoch wenig später US-Verteidigungsminister Mark Esper. “Ich informiere mich über das, was passiert ist”, sagte Esper bei einer Online-Diskussionsveranstaltung. “Die meisten Menschen denken, dass es ein Unfall war.”

US-Verteidigungsminister spricht nach Explosion im Libanon von Unfall

21.56 Uhr: Die verheerende Explosion in der libanesischen Hauptstadt Beirut ist nach Einschätzung von US-Verteidigungsminister Mark Esper ein Unfall gewesen. Die verfügbaren Informationen erlaubten noch kein abschließendes Bild, die “meisten” Quellen gingen aber von einem Unfall aus, sagte Esper am Mittwoch. “Es ist natürlich eine Tragödie.” Die US-Regierung sei im Gespräch mit dem Libanon, um zu sehen, wie die USA helfen könnten, sagte Esper per Video beim Aspen-Forum für Sicherheitspolitik.

US-Präsident Donald Trump hatte am Dienstagabend (Ortszeit) unter Berufung auf seine “Generäle” erklärt, es habe sich vermutlich um einen Anschlag gehandelt. Seine Berater “scheinen zu denken, dass es ein Anschlag war, dass es eine Art von Bombe war”, sagte Trump im Weißen Haus. Trumps Bemerkung sorgte für Irritationen, weil er damit auch den Angaben der libanesischen Behörden widersprach.

Hisbollah lagerte in Deutschland große Mengen Ammoniumnitrat

19.25 Uhr: Auch in Deutschland lagerten offenbar über längere Zeit größere Mengen Ammoniumnitrat – im Auftrag der libanesischen Terrormiliz Hisbollah. Das berichtete die „Zeit“ im Mai unter Berufung auf ein Papier des Bundesinnenministeriums datiert auf Ende März. Demnach hätten zwischen 2012 und 2016 ammoniumnitrathaltige Kältepacks in den Räumen einer Speditionsfirma in Süddeutschland.

Jener Fund begründete das von der Bundesregierung erlassene Betätigungsverbot gegen die Hisbollah. Laut dem Bericht enttarnten allerdings nicht die deutschen Behörden selbst das Lager. Der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad habe ihnen entscheidende Informationen geliefert, berichtete die „Zeit“ unter Berufung auf israelische Medien. Auch die „Times of Israel“ schrieb Anfang Mai, der Mossad habe Deutschland Medienberichten zufolge Informationen über Lagerhäuser im Süden des Landes gegeben, in denen die Hisbollah Hunderte Kilogramm Ammoniumnitrat lagerte. Die Substanz wird unter anderem zur Herstellung von Sprengstoff verwendet. Ob und inwiefern Anhänger der Hisbollah in Deutschland noch Zugriff auf Ammoniumnitrat haben, ist unklar. Es wird vermutet, dass die Substanz die verheerende Explosion am Hafen in Beirut ausgelöst haben könnte.

Kreuzfahrtschiff sinkt nach Explosionen in Beirut

19.01 Uhr: Nach der Explosion im Hafen von Beirut ist das Kreuzfahrtschiff “Orient Queen” gesunken. Zwei Besatzungsmitglieder seien ums Leben gekommen, sieben weitere verletzt worden, teilte die libanesische Kreuzfahrtgesellschaft Abou Merhi Cruises mit, wie die staatliche Nachrichtenagentur NNA am Mittwoch meldete. Das 1989 fertiggestellte und rund 121 Meter lange Schiff fuhr unter der Flagge der Bahamas und hatte nach Angaben des Dienstes “Marine Traffic” Ende Juni in Beirut angelegt.

“Leider wurde das Schiff, das im Hafen von Beirut anlegte, vor dem Eindringen des Wassers schwer beschädigt. Alle Rettungsbemühungen waren erfolglos”, zitierte die NNA aus einer Erklärung des Eigners Mari Abu Merhi. Er trauere um die Opfer auf dem Schiff und um andere, die bei der Explosion gestorben seien.

Opferzahl in Beirut steigt immer weiter: 135 Tote, 5000 Verletzte

18.18 Uhr: Die Zahl der Opfer nach der verheerenden Explosion in Beirut steigt immer weiter. Dabei seien in der libanesischen Hauptstadt mindestens 135 Menschen getötet und weitere 5000 verletzt worden, sagte Gesundheitsminister Hassan Hamad laut einem Bericht des Fernsehsenders MTV am Mittwoch. Zuvor war nach offiziellen Angaben von mindestens 113 Toten und etwa 4000 Verletzten die Rede.

Augenzeugen-Videos zeigen Explosion aus unterschiedlichen Blickwinkeln

 

Libanesische Regierung ruft zweiwöchigen Ausnahmezustand für Beirut aus

17.10 Uhr: Nach den verheerenden Explosionen in Beirut hat die libanesische Regierung einen zweiwöchigen Ausnahmezustand für die Hauptstadt ausgerufen. Wie Informationsminister Manal Abdel Samad am Mittwoch ankündigte, wurde die Verantwortung für die Sicherheit in der Stadt mit sofortiger Wirkung der Armee übertragen. 

Die Regierung rief die Militärführung auf, die für das Unglück verantwortlichen Beamten unter Hausarrest zu stellen. Die Maßnahme müsse für alle gelten, die für die Lagerung des Ammoniumnitrats im Hafen von Beirut zuständig gewesen seien.

“Schwimmende Bombe”: Schon 2014 gab es erhebliche Sicherheitsbedenken

16.10 Uhr: Große Mengen Ammoniumnitrat könnten die Explosionen in Beirut mit mindestens 100 Toten und Tausenden Verletzten ausgelöst haben. Womöglich hätte das Unglück verhindert werden können. Wie der „Spiegel“ berichtet, hätten große Mengen der Chemikalie bereits seit 2015 in einer kaum gesicherten Anlage gelagert. Zudem seien Anträge, die Ladung wegzuschaffen, ignoriert worden.

So gab es laut Bericht zwischen 2014 und 2017 mehrere Anträge, die Fracht aus dem Hafen wegzuschaffen. Sie sollte laut den Antragsstellern entweder an den Entsender zurückgeschickt oder an eine auf Sprengstoffe spezialisierte Firma verkauft werden. Doch offenbar geschah nichts.

Mehreren Berichten zufolge hatten libanesische Behörden im Jahr 2013 einem Frachtschiff die Weiterfahrt wegen verschiedener Mängel untersagt, das von Georgien nach Mosambik im Süden Afrika unterwegs war. Der Besatzung gingen Treibstoff und Proviant aus, der Inhaber gab das Schiff dann offenbar auf. Der Crew wurde nach einem juristischen Streit schließlich die Ausreise genehmigt.

In einem Bericht des Monitordienstes FleetMon vom Juli 2014, der dem „Spiegel“ vorliegt, ist bereits die Rede von einer „schwimmenden Bombe“. 2015 sei das Gefahrengut an Land gebracht worden.

Explosion in Beirut: Moldau weist Mitverantwortung zurück

14.58 Uhr: Nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut hat die Ex-Sowjetrepublik Moldau eine Mitverantwortung für den Vorfall zurückgewiesen. Die Behörden des osteuropäischen Landes reagierten damit am Mittwoch auf Berichte, wonach das möglicherweise explodierte Ammoniumnitrat mit einem Schiff unter moldauischer Flagge in den Libanon transportiert wurde. Es stehe seit sieben Jahren nicht mehr unter der Flagge des Landes, teilte die Seeschifffahrtsbehörde mit.

“Es spielt auch keine Rolle, unter welcher Flagge es fuhr”, sagte der Behördenleiter der russischen Agentur Interfax zufolge. Entscheidend sei vielmehr, dass die Fracht nicht richtig im Hafen gelagert worden sei. Daran sei nicht das Schiff schuld.

Moldau selbst habe vor sieben Jahren die Regeln für die Zulassung von Schiffen geändert, meinte er. Daraufhin seien Dutzende Schiffe nicht mehr unter der Flagge des Landes gefahren. Moldau selbst hat einen für Seeschiffe tauglichen Donauhafen.

Zyprischer Bürgermeister: “Haben die Explosion gespürt”

14.15 Uhr: Die Druckwelle der verheerenden Explosion in Beirut wurde auch auf der mehr als 200 Kilometer westlich von Libanon liegenden Mittelmeerinsel Zypern gespürt. “Wir haben die Explosion gespürt und gehört”, sagte der Bürgermeister der zyprischen Hafenstadt Limassol, Νikos Nikolaides, dem griechischen Fernsehsender Skai am Mittwoch. Einige Menschen dachten, es sei ein Erdbeben gewesen. Andere erinnerten sich an eine schwere Munitionsexplosion, die 2011 in der Nähe der Hafenstadt Larnaka 13 Menschenleben forderte, sagte der Bürgermeister weiter.

Mehrere Zyprer hatten bereits am Vortag Kommentare in der Homepage des Europäischen Mittelmeerzentrums für Erdbeben (EMSC) eingetragen. Das Erdbebenzentrum hatte die Explosion als einen Erdstoß der Stärke 3,3 gemessen. “Es gab einen Krach und dann einen Druck nach unten”, schrieb ein Einwohner von Zyperns Hauptstadt Nikosia, die 242 Kilometer westlich von Beirut liegt. 

Bundesregierung bereitet Hilfen für den Libanon vor

14.05 Uhr: Nach den verheerenden Explosionen in der libanesischen Hauptstadt Beirut bereitet die Bundesregierung Hilfsmaßnahmen vor. Auf Bitten der libanesischen Regierung könnte noch am Mittwoch eine 47-köpfige Einsatzeinheit des Technischen Hilfswerks nach Beirut starten, um bei der Bergung von Verschütteten zu helfen, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums in Berlin. Zudem werde ein Botschaftsunterstützungs-Team entsandt, das zur Arbeitsfähigkeit der deutschen Vertretung vor Ort beitragen soll. 

Zur genauen Zahl der verletzten Deutschen konnte die Bundesregierung weiterhin keine Angaben machen. “Wir haben Hinweise auf einzelne verletzte Deutsche und viele Hinweise auf schwere Sachschäden”, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts. Eine “belastbare Zahl” der Verletzten könne aber noch nicht genannt werden. “Die Lage vor Ort muss als chaotisch bezeichnet werden”, sagte er. Insgesamt gebe es “eine erhebliche Anzahl von Deutschen”, die im Libanon leben.

Das Auswärtige Amt richtete nach Angaben des Sprechers einen Krisenstab ein, der am Mittwochvormittag zum ersten Mal tagte. Drei Themen stünden im Zentrum: die Lage der Deutschen vor Ort, die Hilfsersuchen der libanesischen Regierung sowie die Lage und Arbeitsfähigkeit der deutschen Botschaft. 

Die Kanzlei der Botschaft sei beschädigt worden, sagte der Sprecher. Die deutsche Vertretung habe aber auf eine andere Liegenschaft ausweichen können, so dass die Arbeitsfähigkeit gewährleistet sei. Inwieweit die alten Liegenschaften noch genutzt werden könnten, müsse zunächst statisch und brandschutztechnisch geprüft werden.

Macron reist am Donnerstag nach Beirut

13.41 Uhr: Nach der Explosion in Beirut mit mindestens 100 Toten will der französische Staatschef Emmanuel Macron am Donnerstag in die libanesische Hauptstadt reisen. Das verlautete am Mittwoch aus Kreisen des Pariser Präsidialamtes. Nach ergänzenden Informationen der Nachrichtenagentur AFP will der 42-Jährige seinen libanesischen Amtskollegen Michel Aoun und Regierungschef Hassan Diab treffen.

Macron hatte bereits unmittelbar nach der Katastrophe im Hafen von Beirut Unterstützung zugesagt. Frankreich schickt nach früheren Angaben des Élyséepalastes zwei Militärflugzeuge mit 55 Angehörigen des Zivilschutzes in das Land. An Bord wird auch tonnenweise Material zur Behandlung von Verletzten sein. Etwa ein Dutzend französische Notärzte sollen zudem so rasch wie möglich nach Beirut entsandt werden, um Krankenhäuser vor Ort zu unterstützen.

Der Libanon war früher Teil des französischen Mandatsgebiets im Nahen Osten, die beiden Länder sind immer noch eng verbunden.

Explosion trifft die halbe Stadt: Bis zu 300.000 Menschen in Beirut jetzt obdachlos

13.02 Uhr: Fast die Hälfte Beiruts ist nach Angaben der libanesischen Behörden von den Schäden durch die Explosionen betroffen. Bis zu 300.000 Menschen in der Hauptstadt seien obdachlos geworden, sagte Gouverneur Marwan Abud am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Nach Angaben des libanesischen Roten Kreuzes wurden durch die Explosionen mindestens hundert Menschen getötet und mehr als 4000 weitere verletzt.

Nach den Worten des Büroleiters der Friedrich-Naumann-Stiftung im Libanon muss die internationale Gemeinschaft dringend medizinische Hilfe leisten. Die Krankenhäuser in Beirut seien “an ihren Kapazitätsgrenzen”, sagte Kristof Kleemann am Mittwoch von Beirut aus in einem Telefoninterview der Nachrichtenagentur AFP. Im Zentrum der libanesischen Hauptstadt zeige sich ein “Bild der Zerstörung”.

Schon vor der Corona-Pandemie seien die Krankenhäuser in Beirut “völlig überlastet” gewesen, sagte Kleemann. Nach der Doppelexplosion am Dienstag seien “zum Teil gar keine Patienten mehr angenommen” worden. Wichtig sei, dass die internationale Gemeinschaft nun schnell Medikamente und medizinische Ausstattung in den Libanon liefere, betonte er. 

Durch die Explosion seien auch zehn Container mit wichtigen medizinischen Gütern und Medikamenten zerstört worden, die im Hafen von Beirut gelagert worden seien, sagte Kleemann weiter. “Das macht die Lage noch dramatischer.” Hinzu komme, dass viele Krankenhäuser wegen der verheerenden Wirtschaftskrise in den vergangenen Monaten Personal hätten entlassen müssen. 

Selbst verfeindetes Israel bietet nach Explosion Hilfe an – doch Beirut lehnt ab

10.13 Uhr: Nach der verheerenden Explosion im Hafen der libanesischen Hauptstadt Beirut hat ein Krankenhaus im Norden Israels Hilfe bei der Versorgung von Verletzten angeboten. Der Direktor des Galiläa-Krankenhauses in der nördlichen Stadt Naharija, Massad Brahum, sagte am Mittwochmorgen im Armee-Radio Unterstützung zu. “Wir wollen nur eine helfende Hand reichen”, sagte er auf Arabisch. Jeder werde behandelt und das Krankenhaus gesund verlassen.

Zuvor hatte die israelische Regierung ein Hilfsangebot über internationale Kanäle unterbreitet. Präsident Reuven Rivlin drückte via Twitter dem Libanon sein Mitgefühl aus. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wies den Vorsitzenden des Nationalen Sicherheitsrates, Meir Ben-Schabat, an, mit dem UN-Nahostbeauftragten Nikolaj Mladenow weitere Möglichkeiten der Unterstützung auszuloten.

Von libanesischer Seite wurden die Hilfsangebote aus Israel jedoch zurückgewiesen. Darauf angesprochen sagten Regierungsvertreter: “Wir nehmen keine Hilfe von einem feindlichen Staat an.” Der Libanon und Israel haben keine diplomatischen Beziehungen. Offiziell befinden sich die beiden Nachbarländer noch im Krieg. Libanesen sind jegliche Kontakte mit Israelis verboten. An der Grenze kommt es immer wieder zu Spannungen zwischen der israelischen Armee und der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah.

Frankreich schickt Militärflugzeuge mit Helfern nach Beirut

8.38 Uhr: Nach der Explosion in Beirut schickt Frankreich zwei Militärflugzeuge in den Libanon. Sie werden unter anderem 55 Angehörige des französischen Zivilschutzes und tonnenweise Material zur Behandlung von Verletzten befördern, wie der Élyséepalast mitteilte. Etwa ein Dutzend französische Notärzte soll zudem so rasch wie möglich nach Beirut entsandt werden, um Krankenhäuser vor Ort zu unterstützen.

Der französische Staatschef Emmanuel Macron hatte bereits am Dienstag Unterstützung zugesagt. Der Libanon war früher Teil des französischen Mandatsgebiets im Nahen Osten, die beiden Länder sind immer noch eng verbunden.

Ausmaß der Zerstörung sichtbar: Video zeigt den Moment nach der Explosion in Beirut

 

Rotes Kreuz: Mindestens 100 Tote durch Explosionen in Beirut

08.01 Uhr: Nach den schweren Explosionen hat das libanesische Rote Kreuz die Zahl der Toten auf mindestens 100 beziffert. Mehr als 4000 weitere Menschen seien verletzt worden, teilte die Organisation am Mittwoch mit. “Unsere Teams setzen die Such- und Rettungsaktivitäten in den umliegenden Gegenden fort.” Das Gesundheitsministerium hatte die Zahl der Todesopfer zuletzt mit 78 angegeben und von knapp 4000 Verletzten gesprochen.

Trump: “Sieht wie ein furchtbarer Angriff aus”

06.36 Uhr: US-Präsident Donald Trump hat die Explosionen in Beirut als mutmaßlichen “Angriff” mit einer “Art von Bombe” bezeichnet. “Es sieht wie ein furchtbarer Angriff aus”, sagte Trump am Dienstag bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus. Auf Nachfrage führte der Präsident aus, seine Generäle hätten ihm gesagt, dass es sich allem Anschein nach nicht um einen Unfall, sondern um einen Angriff gehandelt habe. 

“Es war eine Art von Bombe, ja”, sagte Trump. Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums wollte die Äußerungen des Präsidenten auf Anfrage zunächst nicht kommentieren.

Konkrete Belege, um seine Aussage zu untermauern, lieferte Trump nicht. Er  nannte aber die Art der Explosion als Begründung. Auch waren seine Formulierungen teils sehr bestimmt, teils aber sehr vage: “Ich habe einige unserer großartigen Generäle getroffen, und sie schienen das Gefühl zu haben, dass es das (ein Angriff) war”, sagte Trump. “Das war, es scheint ihnen zufolge zu sein – und sie wissen es besser als ich – aber sie scheinen zu glauben, dass es ein Angriff war.”

US-Verteidigungsexperten widersprachen Trump prompt. Es gebe keinen Hinweis auf einen Angriff in Beirut. Sie wüssten nicht, wovon der Präsident sprach, berichtet „CNN“ unter Verweis auf US-Beamte. Wenn es tatsächlich Anzeichen dafür gebe, dass irgendjemand in der Region einen Angriff dieser Größenordnung verübe, würde dies automatisch einen höheren Schutz für die US-Truppen in der Region zur Folge haben – aus Sorge vor Vergeltungsangriffen.

Ein Sprecher des Pentagon betonte, es gebe widersprüchliche Berichte über die Ursache der Explosion. Denkbar sei ein Großbrand in einem Lagerhaus für Feuerwerkskörper in der Nähe es Hafens.  

Hafen von Beirut: Vor Jahren beschlagnahmte Schiffsladung könnte Explosion verursacht haben

5. August, 06.16 Uhr: Eine sehr große Menge Ammoniumnitrat könnte nach Einschätzung des libanesischen Ministerpräsidenten Hassan Diab die Detonation in Beirut mit Dutzenden Toten und Tausenden Verletzten verursacht haben. Es sei “unvertretbar” dass eine Ladung von schätzungsweise 2750 Tonnen der Substanz in einer Halle am Hafen gelagert worden sei, sagte Diab in der Nacht zum Mittwoch dem Präsidialamt zufolge. Der Stoff sei dort sechs Jahre lang ohne Sicherheitsvorkehrungen gelagert worden.

Zuvor hatte es bereits entsprechende Spekulationen gegeben. Berichten zufolge hatten libanesische Behörden im Jahr 2013 einem Frachtschiff die Weiterfahrt wegen verschiedener Mängel untersagt, das von Georgien ins südafrikanische Mosambik unterwegs war. Der Besatzung gingen Treibstoff und Proviant aus, der Inhaber gab das Schiff dann offenbar auf. Der Crew wurde nach einem juristischen Streit schließlich die Ausreise genehmigt. Das Schiff blieb zurück mit der gefährlichen Ladung, die in einem Lagerhaus untergebracht wurde.

Ammoniumnitrat, das auch zur Herstellung von Sprengsätzen dienen kann, kann bei höheren Temperaturen detonieren. Die Substanz dient zum Raketenantrieb und vor allem zur Herstellung von Düngemittel. Die farblosen Kristalle befanden sich auch in dem Gefahrgutlager der chinesischen Stadt Tianjin, wo 2015 nach einer Serie von Explosionen 173 Menschen getötet wurden. In Deutschland fällt die Handhabung von Ammoniumnitrat unter das Sprengstoffgesetz.

“Heute ist was schreckliches passiert”: Deutsche Studentin schildert Moment der Detonation

 

“Beirut wurde gerade von einer gewaltigen Explosion verschlungen”

Aktuelle Situation (Stand 4. August, 23.11 Uhr): In der libanesischen Hauptstadt Beirut ist es am Dienstag zu einer schweren Explosion gekommen. Eine Reporterin der Deutschen Presse-Agentur berichtete von einer starken Erschütterung im Stadtzentrum und von großen Schäden.

Durch die Wucht der Explosion, die sich am Hafen der Küstenstadt ereignete, gingen zahlreiche Fenster zu Bruch. Über der Stadt stieg eine große Rauchwolke auf. Teils gab es Berichte über zwei aufeinanderfolgende Explosionen. Ein Bewohner Beiruts schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter von “bebenden Gebäuden”. Ein anderer schrieb: “Beirut wurde gerade von einer gewaltigen, ohrenbetäubenden Explosion verschlungen. Ich habe es in meilenweiter Entfernung gehört.” Ein anderer Augenzeuge sagte laut “Die Presse“: “Es war wie eine Atombombe”. Beim TV-Sender Al-Jazeera International erklärte Sami Nader, der Leiter des Levantinischen Instituts für Strategische Angelegenheiten: “Das ist die größte Explosion, die es im Libanon je gegeben hat, nach meiner Erfahrung und meinem Wissen. Die Zerstörungen im Hafengebiet sind stark”. 

Explosion in Beirut: Tote und Verletzte

Über die genau Zahl der Opfer und das Ausmaß der Schäden herrschte zunächst Unklarheit. Das libanesische Rote Kreuz erklärte, Hunderte Menschen seien verletzt worden. Der Gesundheitsminister spricht später Unter den Verletzten seien auch Mitarbeiter der Deutschen Botschaft, wie das Auswärtige Amt am späten Abend mitteilte. Man prüfe derzeit, welche Hilfe man “unverzüglich” anbieten könne, heißt es weiter.

Merkel kündigt Hilfe nach Explosion im Libanon an

Am späten Abend äußerte sich auch Kanzlerin Merkel. In dem Statement heißt es: “Die Bundesregierung ist erschüttert über die Berichte und Bilder. Unsere Gedanken sind bei denen, die Angehörige verloren  haben. Den Verletzten wünschen wir eine schnelle Genesung. Wir werden dem Libanon unsere Hilfe anbieten.”

Augenzeugen berichteten von Leichen auf den Straßen und Menschen, die unter Trümmern verborgen seien. Das Rote Kreuz war mit 30 Teams im Einsatz. Die Armee half, Verletzte in Krankenhäuser zu bringen. Bürger wurden aufgerufen, Blut zu spenden. Regierungschef Hasan Diab kündigte an, die Verantwortlichen für die Katastrophe würden “zur Rechenschaft” gezogen werden und “den Preis bezahlen”. In einer Fernsehansprache bat er zudem alle befreundeten Staaten um Hilfe.

Hintergründe noch unklar

Die Hintergründe blieben zunächst unklar. Die staatliche Nachrichtenagentur NNA berichtete, am Hafen sei in einem Lagerhaus in Nähe mehrerer Getreidespeicher ein Feuer ausgebrochen. “Starke Explosionen” seien in Beirut und Vororten zu spüren gewesen. Einsatzkräfte der Feuerwehr kämpften gegen die Flammen. Der Hafen liegt nur wenige Kilometer von der Innenstadt Beiruts entfernt.

Nach Angaben der Sicherheitsbehörden könnten die Explosionen zudem durch altes Sprengmaterial verursacht worden sein. Es könnte sich um schon “vor Jahren konfisziertes Sprengmaterial” gehandelt haben, das in einem Gebäude im Hafen gelagert worden sei, sagte Sicherheitschef Abbas Ibrahim am Dienstag. “Es war anscheinend hochexplosives Material”, fügte er vor Journalisten hinzu. Nach Angaben eines AFP-Reporters stand ein Schiff im Hafen von Beirut in Flammen.

Dringlichkeitssitzung des libanesischen Verteidigungsrats einberufen

Hinweise auf einen Anschlag oder einen politischen Hintergrund gab es zunächst nicht. Wenige Kilometer vom Ort der Explosion entfernt waren 2005 der damalige libanesische Ministerpräsident Rafik Hariri und 21 weitere Menschen bei einem Sprengstoffanschlag getötet worden. Die Residenz seines Sohnes, der frühere Ministerpräsident Saad Hariri, wurde bei der Explosion am Dienstag beschädigt.

Regierungschef Hassan Diab erklärte den Mittwoch zum Tag landesweiter Trauer in Gedenken an die Opfer. Präsident Michel Aoun berief eine Dringlichkeitssitzung des Nationalen Verteidigungsrats ein.

Nach Explosionen in Beirut: EU stellt Libanon Hilfe in Aussicht

Die EU hat dem Libanon nach der schweren Explosion in Beirut Beistand in Aussicht gestellt. “Die Europäische Union ist bereit, Hilfe und Unterstützung zu leisten”, teilte EU-Ratspräsident Charles Michel am Dienstagabend mit. Seine Gedanken seien beim libanesischen Volk und den Familien der Opfer.

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell schrieb: “Die Europäische Union bekundet ihre uneingeschränkte Solidarität und ihre volle Unterstützung für die Familien der Opfer sowie für das libanesische Volk und die libanesische Behörden.” Zur möglichen Ursache der Katastrophe äußerten sich die EU-Politiker nicht.

Angler freut sich über Riesenfang, bis der Hai aus dem Wasser schießt

cvh/til/mit AFP/dpa


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