Fed-Chef Powell stimmt USA auf lange Krise ein | Aktuell Amerika | DW

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Unter der Annahme, dass es keine zweite Pandemie-Welle gebe, rechne er mit einer stetigen Erholung der amerikanischen Konjunktur im zweiten Halbjahr dieses Jahres, sagte der Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) dem Sender CBS in einem Interview. Bis zur vollständigen Erholung könne es allerdings bis Ende 2021 dauern, schränkte Jerome Powell ein. Er schloss nicht aus, dass eine Voraussetzung dafür ein Impfstoff gegen das Virus sein könnte. “Damit sich die Wirtschaft vollständig erholen kann, müssen die Menschen volles Vertrauen haben.”

Die Chefs der US-Notenbank wenden sich vergleichsweise selten öffentlich an ein größeres Publikum. Powells Auftritt in der CBS-Sendung “60 Minutes” ist bereits sein zweites Fernsehinterview, seitdem die Fed den Kampf gegen die Corona-Folgen aufgenommen hat.

Powell hatte zuletzt vor einer langen Durststrecke der US-Wirtschaft gewarnt und damit die Börsen aufgeschreckt. Die Federal Reserve hat ihren Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld auf die Spanne von null bis 0,25 Prozent gesenkt und umfangreiche Unterstützungsprogramme für die Wirtschaft in Billionenhöhe aufgelegt. Sie steht unter Druck der US-Regierung, weitere Maßnahmen zu ergreifen: Präsident Trump fordert Negativzinsen.

Trump: “Wir sind zurück”

Zur Entwicklung eines Impfstoffes hatte der Präsident zuletzt gesagt, er hoffe, dass ein solches Mittel im Kampf gegen Corona bis spätestens Ende des Jahres zur Verfügung stehe. Am Freitag hatte Trump jedoch auch deutlich gemacht, dass ein Impfstoff aus seiner Sicht nicht Voraussetzung für eine Erholung der US-Wirtschaft ist. “Impfstoff oder kein Impfstoff: Wir sind zurück”, hatte er mit Blick auf die von ihm angestrebte Lockerung der Corona-Beschränkungen und die Wiedereröffnung der Wirtschaft gesagt.

Obama: Verantwortliche wissen nicht, was sie tun

Scharfe Kritik an der Corona-Politik der US-Regierung hat der frühere Präsident Barack Obama geübt: “Diese Pandemie hat vor allem unsere Überzeugung zunichtegemacht, dass die Leute, die in der Verantwortung stehen, wissen, was sie tun.”

Die Krise legt nach Obamas Ansicht aber nicht nur die Ahnungslosigkeit von Regierenden offen. “Viele von ihnen tun nicht einmal so, als hätten sie die Verantwortung”, setzte er in einer Videorede für eine Uniabschlussfeier noch eins drauf. Dabei nannte der demokratische Ex-Präsident keine Namen. Es gilt aber als sicher, dass die Kritik seinem republikanischen Amtsnachfolger Trump galt.

Obama ist seit dem Ende seiner Amtszeit im Januar 2017 nur selten öffentlich aufgetreten. Er fühlt sich nach eigenen Angaben der Tradition verpflichtet, dass ein früherer Präsident die Arbeit seines Nachfolgers nicht öffentlich bewertet.

Mehr als 88.000 Corona-Tote in den USA

Die Vereinigten Staaten sind das mit Abstand am härtesten von der Pandemie betroffene Land der Welt. Nach neuen Zahlen der Johns-Hopkins-Universität haben sich in den USA mittlerweile mehr als 1,46 Millionen Menschen mit dem Virus SARS-CoV-2 infiziert, mehr als 100.000 kamen allein in der vergangenen Woche hinzu. Mehr als 88.000 Menschen starben in Verbindung mit einer Corona-Infektion.

qu/rb (rtr, dpa, afp)



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