“Fleisch-Lobby steht Wandel im Weg”: Warum Klöckner an Preisschraube drehen muss

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FOCUS Online: Obwohl ein Lebensmittelskandal den nächsten jagt, nimmt der Fleischkonsum in Deutschland nur leicht ab. Woran liegt das? Ist Massentierhaltung beim Verbraucher gar nicht so verpönt, wie man glaubt?

Eike Wenzel: Der Gesellschaft ist schon bewusst, was es bedeutet, eine Billigfleisch-Kultur zu haben. Also dass die Folgen für Umwelt und Klima gravierend sind. Und wenn die Verbraucher gefragt werden, ob sie gerne ökologischer einkaufen würden, schreien alle ‚ja‘. Doch da Verhaltensänderungen extrem schwierig sind, führen sie sogenannte Behelfsargumente an, um ihre Essgewohnheiten zu rechtfertigen. Häufig wird dann die Begründung vorgeschoben, dass man sich hochwertige Lebensmittel nicht leisten könne beziehungsweise diese zu teuer seien.

Marktforscher sprechen in diesem Zusammenhang von einer normativen Verzerrung. Auf Umfragen kann man sich daher nur bedingt verlassen. 93 Prozent der Deutschen sagen momentan, dass sie mehr Geld für Fleisch ausgeben würden. Doch sobald die Debatte um die Corona-Massenausbrüche in der Fleischindustrie wieder abgeflaut ist, liegen im Sommer auch wieder die Billigwürstchen auf dem Grill.

FOCUS Online: Was braucht es jetzt für einen echten Bewusstseinswandel in unserer Gesellschaft?

Wenzel: Gerade Krisen wie Corona bieten eine enorme Chance für Veränderungen. Weil sie uns Situationen und Verhaltensweisen vorführen, die äußerst fragwürdig sind. Viele wollen aktuell zurück in die Vergangenheit, doch das, was da Normalität war, ist vielfach auch krankhaft gewesen. Das müssen wir begreifen. Doch dieser Bewusstseinswandel kann sich nicht allein aus der Gesellschaft hinaus von unten nach oben entfalten.

Zwar können die Verbraucher etwa übers Internet Druck auf die Fleischindustrie ausüben und bestimmte Produkte boykottieren. Doch gleichzeitig brauchen wir auch die Medien, die das Thema noch stärker in das Bewusstsein der Menschen bringen – und vor allem die Politik. Sie muss vernünftige Richtlinien, Regulierungen und Gesetze auf den Weg bringen.

“Landwirtschaftsministerium verlängerte Werkbank der Fleischlobby”

FOCUS Online: Es braucht also eine dreistufige Strategie…

Wenzel: Und Frau Klöckner. Denn bislang ist ihr Landwirtschaftsministerium die verlängerte Werkbank der konventionellen Fleischlobby und die Ministerin selbst ihr Funkenmariechen.

FOCUS Online: Das sind deutliche Worte.

Wenzel: Ja, aber die braucht es bei diesem Thema auch. Denn ohne klare Ideen und Vorgaben aus dem Landwirtschaftsministerium, das einen nachhaltigen Wandel in der Fleischindustrie vorgibt, geht es nicht. Um unser Klima zu retten, müssen wir Wege aus dem aktuellen Massenkonsum finden.

FOCUS Online: Welche Schritte müssen konkret auf diesem Weg gegangen werden?

Wenzel: Wir müssen jetzt die Politik auf die ökologische Wende der gesamten Fleischindustrie festnageln, also auf einen sogenannten ‚Green New Deal‘. Dafür müssen wir zunächst einmal die Landwirtschaft verändern. Große Chancen bietet vor allem die Digitalisierung, aber ohne eine geringere Fleischproduktion geht es auch nicht. Deshalb müssen Anreize geschaffen werden für die Landwirte, weniger zu produzieren oder unter artgerechten und umweltschonenderen Bedingungen.

Gleichzeitig müssen beim Umbau der gesamten Industrie neue Arbeitsplätze geschaffen werden für die Menschen, die in der Branche arbeiten und eine andere Form der Produktion lernen. Dieser Wandel wird eine Menge Geld kosten, keine Frage – doch die ‚Roadmap‘ ist klar.

FOCUS Online: Kritiker werden fragen, woher wir das ganze Geld für diesen Wandel nehmen sollen.

Wenzel: Wenn man guckt, wie mit welchen Summen die Bundesregierung die ganze industrielle Landwirtschaft subventioniert, dann wird deutlich: Wir haben das Geld. Bei der Fleischproduktion gibt es eine Kette von acht bis zehn Produktionsschritten und da müssen in jedem Produktionsschritt Veränderungen herbeigeführt werden.

“Geht um das Eiweiß der Zukunft”

FOCUS Online: Schon heute wird weltweit ja auch viel über Alternativen zum Fleisch nachgedacht. Insekten zum Beispiel sind ein großes Thema. Welche Chance bieten solche unkonventionellen Ideen auf dem Food-Markt mit Blick auf einen sorgsameren Umgang mit unseren Ressourcen?

Wenzel: Solche Alternativen geistern schon seit Jahren durch die Branche und da wird auch nach wie vor viel experimentiert, etwa mit Insekten, Algen und Flüssignahrung. Doch es geht auch weniger außergewöhnlich, wie die veganen Fleischersatzprodukte von Beyond Meat zeigen. Die gehen gerade durch die Decke.

Das Beispiel zeigt aber auch, vor welchen Herausforderungen Innovationen stehen: Denn Beyond Meat ist nicht nur sehr teuer in der Herstellung, sondern war am Anfang auch gar nicht so nachhaltig, weil die Produkte zunächst nicht in Europa produziert worden sind. Trotzdem sind Innovationen auf dem Food-Markt wichtig. Kurz gesagt, geht es darum, wie das Eiweiß der Zukunft aussieht und wie es zu erschwinglichen Preisen für den Verbraucher erhältlich ist.

FOCUS Online: Was kann unternommen werden, damit sich auch Geringverdiener eine gesunde Ernährung leisten können?

Wenzel: Ich glaube daran, dass wir die Lebensstile ändern können, aber dafür muss die Politik den Veränderungsprozess meines Erachtens noch viel stärker kommunikativ begleiten und natürlich auch an der Preisschraube drehen, damit gesunde Ernährung für jeden von uns bezahlbar ist. Denn zur Erinnerung: Momentan sterben mehr Menschen an zu fetter und süßer Nahrung als an Hunger.

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