Geld- & Job-Beratung: “Darf ich im Job eine Atemschutzmaske tragen?”

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Das Coronavirus ist in Deutschland angekommen. Immer klarer wird auch: Es kommt am Arbeitsplatz an, auf dem Konto, im eigenen Geldbeutel. Bei FOCUS Online beantworten Börsenexperten und Redakteure Ihnen alle Fragen rund um Corona-Folgen für Ihr Geld und Ihren Job.

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Sie haben eine Frage zum Corona-Crash? Formulieren Sie ihr Anliegen und schicken Sie uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff “Meine Frage” an meine-frage@focus.de.

Aktuelle Frage von Simone E.: Darf ich im Arbeitsumfeld eine Atemschutzmaske tragen?

Rechtsanwalt Christian Solmecke, Wilde, Beuger, Solmecke: Diese Frage ist derzeit rechtlich umstritten. Klar zu beantworten und zu bejahen ist die Frage lediglich für Hochsicherheitszonen wie Quarantäne-Stationen in Krankenhäusern. Darüber hinaus ist Arbeitnehmern, die keinen Kundenkontakt haben, das Tragen von Atemschutzmasken wohl kaum rechtlich zu verbieten.

Etwas anderes gilt, wenn Arbeitnehmer Kundenkontakt haben, sei es im Hotel, als Vertreter oder Verkäufer. Hier muss der Arbeitgeber zwischen geschäftlichen Interessen und den Arbeitnehmerinteressen abwägen.

Aufgrund der Vielzahl von Fragen haben wir sie in thematische Blöcke gegliedert:

A) Fragen zur Börse und Geld

B) Fragen zum Job

C) Fragen zu Reise und Versicherung

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A) Fragen zur Börse und Geld

  • Heidrun F. fragt: Ich habe zwei Fonds mit jeweils 10.000 Euro als Geldanlage. Soll ich diese jetzt auflösen oder besser halten?

    FOCUS Online-Redakteurin Isabella-Alessa Bauer: Wenn Sie einen langfristigen Anlagehorizont haben, sollten Sie nach Meinung der Experten nicht verkaufen. Auch wenn nicht alle Folgen der Coronavirus-Krise komplett eingepreist sind, wird die Krise ihren Horizont früher oder später überschritten haben.

    Rober Halver von der Baader Bank erklärte gegenüber “boerse.ard”: “Langfristige Anleger sollten jetzt nicht mehr rausgehen. Warum nun verkaufen, wenn man das Geld kurzfristig nicht braucht? Auch Kleinanlegern rate ich zum Durchhalten, am liebsten mit regelmäßigen Sparplänen. Selbst bei der Coronavirus-Krise gilt: Jede Krise wird an den Börsen wieder aufgeholt.

  • Inge H. fragt: Ich bin gebranntes Kind, habe ich doch 2007/2008 die Hälfte meiner Altersvorsorge verloren. Danach habe ich mich nie mehr getraut zu investieren und mache mir nun mit 76 Jahren Sorgen, mit dem Rest auszukommen, da es auch keine Zinsen mehr gibt.

    Deshalb würde ich gerne noch etwas “verdienen” und frage mich, ob ich gerade jetzt, da viele Aktien günstiger zu haben sind, welche kaufen sollte. Oder wird es noch weiter bergab gehen?

    FOCUS Online-Redakteurin Isabella-Alessa Bauer: Ob es noch weiter bergab gehen wird, lässt sich nicht vorhersagen, dazu sind zu viele Unbekannte im Spiel. Klar ist, dass es jetzt Gelegenheit gibt, günstig zu kaufen. Die weitere Entwicklung an den Märkten hängt allerdings entscheidend davon ab, ob es den Regierungen und der Weltwirtschaft gelingt, die Lage zu stabilisieren.

  • Sandra E. fragt: Wie geht es jetzt in der Wirtschaft weiter? Ich habe Angst um meinen Job und muss eine kleine Wohnung abzahlen. Ich fürchte, dass ich zu teuer gekauft habe. Sind Immobilien noch sicher oder werden die viel billiger?
  • FOCUS-Online-Redakteur Volker Tietz: Die Erfahrungen nach der Finanzkrise haben gezeigt, dass die Anleger in das sogenannte Betongold geflüchtet sind, also vermehrt  Immobilien gekauft haben. Die Preise sind dann natürlich gestiegen. Das kann auch diesmal passieren. Das ist aber nur die kurzfristige Sichtweise.

    Über einen längeren Zeitraum betrachtet hängt vieles davon ab, wie stark die Wirtschaft einbricht. Wenn es zu einer massiven Rezession kommt und Jobs verloren gehen, können auch die Immobilienpreise fallen.

    • Peter F. fragt: Ich habe Panik und traue mich gar nicht mehr, auf mein Depot zu schauen. Können Sie mir helfen?

    FOCUS Online-Redakteur Volker Tietz: Menschen reagieren sehr ähnlich, das zeigt sich in Extremsituationen. Aber zu Panik besteht kein Anlass, sie hilft auch nicht. Einer unserer Autoren hat ein sehr gutes Stück zum Thema Panik geschrieben – lesen Sie bitte Crash, Panik, Verzweiflung: Wenn Sie auf diese 5 Phasen achten, schützen Sie Ihr Geld. Dort können Sie auch sehen, in welcher Phase wir uns befinden. Meiner Ansicht nach noch in Phase 4, aber langsam nähern wir uns dem Bereich der Kapitulation der Phase 5 – mit einem heftigen und finalen Ausverkauf.

    • Rudi R. fragt: Ist es möglich, einen Crash früher als andere zu erkennen und mit Absicherungssystemen rechtzeitig darauf zu reagieren?

    Börsenexpertin Beate Sander: Erfahrene Börsenteilnehmer erkennen Krisenherde oft früher. Vor allem aber reagieren sie klug und rasch, wenn aufgrund eines unerwarteten Schreckensszenarios die Kurse einbrechen. Absicherungsstrategien kosten unnötig viel Geld und bringen meistens nichts oder wenig. Daran verdienen nur die Anbieter, während Sie in der Regel verlieren – noch mehr als mit Strafzinsen.

    Finden Sie sich damit ab, dass auch die Wissenschaft den von wiederkehrenden menschlichen Verhaltensweisen und Herdentrieb geprägten Crash nicht vermeiden kann. Für mich selbst gilt: „Ein Crash ist gut – für Leute mit Mut!“ Ich kaufe günstig zu, finanziere dies mit Dividenden und Teilverkäufen von Aktien, die gar nicht oder kaum verloren haben. Dies gibt es immer.

    Über die Expertin:

    Beate Sander hat sich lange Zeit nur theoretisch mit Aktien beschäftigt – als Realschullehrerin für die Fächer Wirtschaft und Sozialwesen. Erst mit Ende 50 fing sie selbst an zu investieren: Mit nunmehr 82 Jahren gilt sie als zweifache Selfmade-Millionärin. Die Börsenexpertin hat mehr als 50 Fachbücher geschrieben und ist als Kommentatorin, Moderatorin und Interviewpartnerin gefragt. Für FOCUS Online schreibt sie exklusiv die Serie “Beate Sanders innovative Aktienwelt”.

    • Herbert M. fragt: Ist an den Börsen jetzt schon der beste Zeitpunkt, um wieder einzusteigen?

    Börsenmillionärin Beate Sander: Ob jetzt der beste Zeitpunkt für Einstieg und Zukauf ist, weiß auch ich erst hinterher. Aber Sie machen als Anleger fast alles richtig, wenn Sie auch bezüglich des Zeitpunkts streuen.

    Wer immer nur abwartet, verpasst beste Gelegenheiten. Das Glück gehört dem Tüchtigen und Mutigen! Nehmen Sie Ihre Chancen wahr! Lassen Sie sich nicht vom Herdentrieb vereinnahmen! Für mich gilt gerade jetzt: Ein Crash ist gut – für Leute mit Mut!

    • Lara Y. fragt: Kann Bargeld das Coronavirus übertragen?

    FOCUS-Online Redakteurin Isabella-Alessa Bauer: Mark Witchi, Seuchenschützer der Schweiz, hat zu diesem Thema eine sehr klare Meinung. Gegenüber der “WirtschaftsWoche” sagte er: “Viren auf Banknoten können eine Gefahr darstellen, wenn man sich nach dem Anfassen nicht die Hände wäscht und ins Gesicht greift.” Influenzaviren können laut dem Experten bis zu 17 Tage auf Geldscheinen überleben. Verantwortlich dafür ist laut Witchi die Beschichtung der Banknoten, diese scheint die Überlebensfähigkeit von Viren zu fördern.

    Für Geld, das aus Corona-Regionen kommt, empfiehlt der Schweizer eine Quarantäne von zehn Tagen – und rät, aktuell lieber kontaktlos mit der Karte oder dem Handy zu zahlen. Die Weltgesundheitsorganisation ist ähnlicher Meinung: Die WHO erklärt, dass das Coronavirus mehrere Tage auf Geldscheinen überleben könne. Anders sieht es die Deutsche Bundesbank. Dort geht man nicht davon aus, dass das Coronavirus via Bargeld übertragbar ist.

    So oder so: Waschen Sie sich nach dem Nutzen von Bargeld regelmäßig die Hände, damit senken Sie das Risiko einer Ansteckung in jedem Fall.

    • Karin R., Harald L. und Andreas S. fragen: Wie weit fallen die Märkte noch? Und was mache ich mit meinen Aktien, wie muss ich mich verhalten?

    Vermögensverwalter Stefan Eberhardt, Eberhardt & Cie. Vermögensverwaltung GmbH: Wie weit die Märkte noch fallen weiß keiner. Jede konkrete Prognose entspricht einer „Nebelstocherei“.

    Sowohl die weitere Verbreitung des Virus als auch der Umgang der Menschen damit sind ungewiss. Entsprechend verhalten sich auch die Kapitalmarkt-Akteure. Ob wir in eine tiefe Rezession rutschen oder mit einem blauen Auge davon kommen wird sich erst in den nächsten Wochen zeigen.

    Für Sie als Anlegerin gilt: Ruhig bleiben und nicht in Panik geraten. Extremsituationen treten an den Kapitalmärkten zwar selten auf, sind jedoch ganz normal. Eine langfristige solide Strategie ist immer die beste Medizin.

    Über den Experten:

    Stefan Eberhardt ist Geschäftsführer der Eberhardt & Cie. Vermögensverwaltung GmbH mit Sitz in Villingen-Schwenningen.

    B) Fragen zum Job

    • Jörg F. fragt: Darf ich von zu Hause aus arbeiten?

    Rechtsanwalt Christian Solmecke, Wilde, Beuger, Solmecke: Sofern bloße Angst vor Ansteckung der Grund ist, sind Arbeitnehmer nicht berechtigt, nicht zur Arbeit zu erscheinen. Ob Arbeitnehmer von zu Hause aus arbeiten dürfen, entscheidet allein der Arbeitgeber.

    Über den Experten:

    Christian Solmecke hat sich als Rechtsanwalt und Partner der Kölner Medienrechtskanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE auf die Beratung der Internet und IT-Branche spezialisiert. Neben seiner Tätigkeit als Rechtsanwalt ist Solmecke vielfacher Buchautor und als Geschäftsführer der cloudbasierten Kanzleisoftware Legalvisio.de auch erfolgreicher LegalTech Unternehmer.

    Sofern es bei Ihrem Arbeitgeber eine solche Sonderregelung wegen des Coronavirus derzeit nicht gibt, gilt als Arbeitsort weiterhin der vertraglich vereinbarte Ort, welcher im Zweifel der Betrieb ist. Erscheint man nicht zur Arbeit, kann der Arbeitgeber abmahnen und letztlich sogar kündigen.

    • Kirsti S. fragt: Wenn Aufträge wegbrechen und Arbeitnehmer krank oder in Quarantäne sind – wie kann der Selbstständige seine Fixkosten, Versicherungen und Kredite bedienen?

    Rechtsanwalt Dr. Michael S. Braun, Rödl & Partner: Auch Selbstständige haben nach dem Gesetz zur Verhütung und zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen („IfSG“) Anspruch auf Verdienstausfall sowie Ersatz der nicht gedeckten Betriebsausgaben, wenn deren Erwerbstätigkeit aufgrund des Infektionsgesetzes verboten wird.

    Im Zusammenhang mit der Sicherung ihrer Liquidität können Unternehmen aktuell im Rahmen der Stufe 1 des 3-Stufenplans des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) auf etablierte Unterstützungsinstrumente wie die KfW-Unternehmer- oder auch die ERP-Gründerkredite, Betriebsmittelfinanzierungen über Landesförderinstitute und auch Bürgschaften für Betriebsmittelkredite für Unternehmen mit fehlenden oder nicht ausreichenden banküblichen Sicherheiten zurückgreifen.

    Über die Experten:

    Dr. Michael S. Braun leitet die Praxisgruppe Arbeitsrecht bei der Wirtschaftskanzlei Rödl & Partner. Schwerpunkte seiner Tätigkeit bilden die Beratung im Arbeitsrecht und im Gesellschaftsrecht. ​Zu seinem Team gehören unter anderem die Rechtsanwältinnen Franziska Merkl und Katja Müller, die mittelständische und große Unternehmen außergerichtlich und gerichtlich in arbeits- und mietrechtlichen Streitigkeiten beraten.

    Daneben gibt es weitere Maßnahmen wie die Entgeltfortzahlung, Krankengeldbezug sowie das Kurzarbeitergeld. Bei Fragen hierzu hat das BMWi eine Hotline für kleine und mittelständische Unternehmen eingerichtet (030/18615-1515, Mo-Fr., 9 bis 17 Uhr). Gerne können Sie aber auch uns kontaktieren.

    • Claudia B. fragt: Mein Mann ist selbstständig mit einem Fitness Studio. Was ist, wenn auch die schließen müssen? Zu dem Ausfall der Mitglieder-Beiträge kommt ja noch die monatliche Miete der Räume. Wie soll das funktionieren und wirtschaftlich weitergehen?

    Rechtsanwältin Katja Müller, Rödl & Partner: Die Betriebsschließung kann von der Behörde aufgrund spezialgesetzlicher Eingriffsbefugnisse beziehungsweise allgemeinem Ordnungsrecht angeordnet werden.

    Hierfür muss die Gefahr für die öffentliche Gesundheit, die von dem Coronavirus ausgeht, eine Betriebsschließung rechtfertigen. Nach § 56 Infektionsschutzgesetz können bei einer Existenzgefährdung die während der Verdienstausfallzeiten entstehenden Mehraufwendungen auf Antrag in angemessenem Umfang von der zuständigen Behörde erstattet werden.

    Selbstständige, deren Betrieb während der Dauer einer solchen Maßnahme ruht, können auf Antrag von der zuständigen Behörde Ersatz der in dieser Zeit weiterlaufenden nicht gedeckten Betriebsausgaben in angemessenem Umfang verlangen. Die Angemessenheit bestimmt sich dabei nach den Umständen des Einzelfalls. Betriebsschließungsversicherungen beziehungsweise Betriebsausfallversicherungen können beispielsweise für Folgen des Coronavirus einen Versicherungsschutz bieten. Ob die Versicherung zur Leistung verpflichtet ist, hängt jedoch maßgeblich von den Versicherungsbedingungen und den konkreten Umständen des Einzelfalls ab.

    Panik an der Börse: Vermögensverwalter erklärt seine Strategie für die Krise

    • Jörg. S. fragt: Ich gehöre nachweislich zu einer Risikogruppe bei einer Infektion mit dem Coronavirus. Ab wann und unter welchen Voraussetzungen ist es mir nicht mehr zuzumuten meinen Arbeitsplatz aufzusuchen?
    • Simone C. fragt: Meine Schwiegertochter hatte Krebs und besitzt nur noch eine Leber  und hat sowieso ein schlechtes Immunsystem. Sie arbeitet trotzdem noch im Pflegebereich. Darf sie zuhause bleiben und bekommt ihr Geld weiter, ohne sich krank schreiben zu lassen?

    Rechtsanwältin Franziska Merkl, Rödl & Partner: Es besteht grundsätzlich kein Anspruch auf eine Dienstbefreiung oder Home Office, solange keine konkrete Ansteckungsgefahr vorliegt. Arbeitnehmer sind daher zunächst weiterhin verpflichtet, ihre arbeitsvertraglichen Pflichten zu erfüllen und dem Direktionsrecht des Arbeitgebers Folge zu leisten.

    Wer zu Hause bleiben möchte, kann – unter Berücksichtigung der dienstlichen Belange – Urlaub, Zeitausgleich nehmen oder in Abstimmung mit dem Arbeitgeber im Home Office arbeiten.

    Im Fall einer erhöhten Gesundheitsgefahr bei Ansteckung mit dem Coronavirus sind in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erforderliche Maßnahmen abzustimmen, zum Beispiel kein Publikumsverkehr.

    Anders kann es aber dann aussehen, wenn eine begründete und akute Ansteckungsgefahr besteht oder wenn entsprechende behördliche Anordnungen, wie beispielsweise eine Quarantäne, befolgt werden müssen. Im Falle einer begründeten und akuten Ansteckungsgefahr ist aber zu beachten, dass der Arbeitnehmer das Risiko trägt, die tatsächliche Ansteckungsgefahr falsch einzuschätzen.

    “Fällt jetzt meine jährliche Lohnerhöhung aus?”

    • Hussein L. fragt: Fällt in diesem Jahr wegen Corona meine Lohnerhöhung aus?

    Konjunkturexperte Prof. Dr. Roland Döhrn, RWI Essen: Soweit Tariflohnerhöhungen vereinbart wurden, dürften diese auch umgesetzt werden. Eine Ausnahme kann es dann geben, wenn die Tarifverträge Öffnungsklauseln enthalten, die Abweichungen zulassen.

    Wird in einem Bereich in diesem Jahr neu verhandelt, so kann ich mir vorstellen, dass die Erhöhung geringer als in den vergangenen Jahren ausfällt, oder dass es sogar Nullmonate gibt, der neue Vertrag also später in Kraft tritt als der alte ausläuft. Davon abgesehen könnten übertarifliche Leistungen gestrichen werden oder kleiner ausfallen.

    Über den Experten:

    Prof. Dr. Roland Döhrn ist Leiter des Kompetenzbereichs “Wachstum, Konjunktur, Öffentliche Finanzen” am RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung.

    • Christine W. fragt: Durch die aktuelle Situation, wurde bekannt, dass mein Arbeitgeber im Arbeitsvertrag eine Klausel eingefügt hat, in der im Falle einer Epidemie, einer Pandemie, von höherer Gewalt, keine Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber stattfindet. Eigentlich müsste er für die ersten sechs Wochen doch einspringen. Ist diese Klausel rechtens?

    Rechtsanwalt Christian Solmecke, Wilde, Beuger, Solmecke: Muss ein Unternehmen auf Anordnung einer Behörde den Betrieb einschränken oder gar schließen, muss der Arbeitgeber die Vergütung grundsätzlich weiter an die Mitarbeiter zahlen, sofern diese arbeitsfähig und arbeitsbereit sind.

    Die ausgefallene Arbeitszeit muss auch nicht nachgearbeitet werden. Hier trägt der Arbeitgeber das Betriebsrisiko, worunter auch höhere Gewalt, also von außen auf den Betrieb einwirkende Umstände sowie die Einstellung des Betriebs im Anschluss an eine behördliche Anordnung fallen.

    Sofern ein Unternehmen jedoch bereits durch das Coronavirus wirtschaftlich so massiv angeschlagen ist, dass die Existenz auf dem Spiel steht, können Ausnahmen gelten. Die Anforderungen an Ausnahmen des Betriebsrisikos sind jedoch ungemein hoch.

    • Uschi B. fragt: Kann ich als Arbeitnehmer verlangen, dass mir ein Mundschutz gestellt wird?

    FOCUS Online-Redakteurin Isabella-Alessa Bauer: Rechtsanwalt Christian Solmecke verweist hier auf seiner Website (https://www.wbs-law.de), auf die Pflicht der Arbeitgeber, ihre Mitarbeiter vor ernsthaften körperlichen Bedrohungen zu bewahren.

    Dazu zählt laut Solmecke „auch, bei Bedarf entsprechende Schutzkleidung zur Verfügung zu stellen“. Wer aber im Büro arbeitet oder Verkäufer in einem Warenhaus ist, der ist nicht mehr gefährdet, als privat auch. Arbeitnehmer in normalen Berufen können laut dem Arbeitsrecht-Spezialisten also keine Schutzkleidung verlangen.

    • Sören A. fragt: Ich habe Angst, mich mit dem Coronavirus anzustecken – muss ich zur Arbeit gehen?

    FOCUS Online-Redakteur Volker Tietz: Der Rechtsanwalt und Arbeitsrecht-Spezialist Christian Solmecke hat eine eindeutige Antwort auf diese Frage – er schreibt auf der Website seiner Kanzlei (https://www.wbs-law.de): Arbeitnehmer sind zur Arbeit verpflichtet.Allein die Befürchtung sich anzustecken reicht nicht aus, um der Arbeit fernzubleiben. Der Arbeit fernbleiben dürfen Arbeitnehmer nur, wenn sie auch tatsächlich arbeitsunfähig sind. Die Angst vor einer Ansteckung auf der Arbeit oder dem Weg dorthin, das alleine ist nicht ausreichend.

    • Hans M. fragt: Bin ich während der Quarantäne krankgeschrieben oder muss ich im Home Office arbeiten?

    Rechtsanwalt Tobias Törnig, Wirtschaftskanzlei FPS: Sind Sie als Arbeitnehmer ohne Symptome und nur vorbeugend unter Quarantäne, sind Sie grundsätzlich arbeitsfähig. Soweit Home Office nach den vertraglichen Regelungen zulässig und tatsächlich möglich ist, kann der Arbeitgeber dann auch verlangen, dass der Arbeitnehmer von zuhause aus arbeitet.

    Über den Experten:

    Tobias Törnig ist Jurist und hat sich auf Arbeitsrecht spezialisiert. Er arbeitet im Düsseldorfer Büro der Wirtschaftskanzlei FPS.

    • Mike K. fragt: Muss ich wegen Corona Angst haben, meinen Job zu verlieren?

    Konjunkturexperte Prof. Dr. Roland Döhrn, RWI Essen: Entlassungen größeren Umfangs sind erst einmal nicht zu erwarten, da die von rückläufigen Aufträgen getroffenen Unternehmen zunächst Kurzarbeitsregeln in Anspruch nehmen dürften.

    Allerdings werden sie wohl vorerst keine Neueinstellungen vornehmen. Die so gestörte Dynamik am Arbeitsmarkt kann zu einem moderaten Anstieg der Arbeitslosigkeit führen.

    Bereits betroffen von der Corona-Krise ist der Dienstleistungssektor: Hotelgewerbe, Fluggesellschaften, Catering, Messebau, Taxigewerbe. Von hier dürften auch die ersten Anträge auf Kurzarbeit eingehen. Im verarbeitenden Gewerbe dürften die Folgen der Krise etwas verzögert auftreten, wenn Zulieferungen aus China und anderen Ländern ausbleiben und Vorräte an Vorprodukten aufgebraucht sind.

    Probleme sind hier vor allem in der Automobilindustrie zu erwarten. Ihr fehlen womöglich nicht nur Zulieferungen, für sie ist auch China ein wichtiger Absatzmarkt.

    “Die anordnende Behörde muss Ihr Gehalt bezahlen”

    • Sarah L. fragt: Wer bezahlt mein Gehalt, wenn ich unter Quarantäne stehe und nicht arbeiten darf?

    FOCUS-Online Redakteurin Isabella-Alessa Bauer: Während einer Quarantäne haben Sie keinen Anspruch auf Zahlung Ihres Gehalts durch den Arbeitgeber. Das ist aber kein Grund zur Sorge. Der Lohn wird dennoch bezahlt:

    Egal ob die Quarantäne für die eigenen vier Wände oder einen anderen Ort angeordnet wird – es greift das Infektionsschutzgesetz. Dieses besagt, dass die Behörde des jeweiligen Bundeslandes das Gehalt bezahlen muss, die die Maßnahme angeordnet hat – zum Beispiel das Gesundheitsamt.

    Damit kein Lohnausfall entsteht, muss der Arbeitgeber in Vorzahlung gehen, allerdings nur für die Dauer von sechs Wochen. Dauert die Quarantäne länger, erhalten Sie eine Entschädigung in Höhe des Krankengeldes direkt von der zuständigen Behörde.

    Der Angestellte muss arbeiten – auch wenn die KiTa zumacht

    • Mira K. fragt: Was mache ich, wenn die KiTa meiner Tochter schließt, ich aber arbeiten muss?

    FOCUS Online-Redakteur Volker Tietz: Wenn die Kita wegen des Coronavirus schließt, müssen sich arbeitende Eltern um eine Alternative kümmern. Das “Handelsblatt” hat dazu mit dem Rechtsanwalt Christian Solmecke gesprochen. Er stellt klar heraus, dass “ein Arbeitnehmer grundsätzlich seine Arbeit schuldet, unabhängig davon, ob das Kind betreut ist oder nicht”.

    Bei kleineren Kindern kann laut Solmecke aber ein “Leistungsverweigerungsrecht” für ein Elternteil bestehen. Dann müsse der Arbeitgeber im Zweifel den Arbeitnehmer freistellen – allerdings unentgeltlich, das heißt, Sie erhalten für diese Zeit keinen Lohn.

    C) Fragen zu Reise und Versicherung

    • Gunter S. fragt: Wir habe ein Hotel gebucht, das sich nicht stornieren lässt. Wegen der Coronavirus-Entwicklung möchte ich die Reise nicht antreten, ich bin Risikopatient. Was kann ich tun, um die Hotelkosten zu sparen?

    Rechtsanwalt Christian Solmecke, Wilde, Beuger, Solmecke: In diesem Fall ist man auf die Kulanz des Hotelbetreibers angewiesen. Die Situation ist rechtlich anders zu bewerten, als wenn am Reiseziel das Coronavirus grassiert und die Dienstleistung des Hoteliers deshalb unmöglich wird beziehungsweise die Geschäftsgrundlage für den Vertrag entfällt.

    Dass man selbst Risikopatient ist, kann nicht dem Hotelier zum Nachteil gereichen, schließlich bietet er seine ihn treffende Verpflichtung aus dem Vertrag, die Übernachtungsmöglichkeit, noch an.

    “Wer kümmert sich, wenn ich in Quarantäne komme?”

    • Lisa Z. fragt: Wer kümmert sich um mich, wenn ich unter Quarantäne stehe? Habe ich Anspruch darauf, dass meine Familie mich versorgt?

    Rechtsanwalt Tobias Törnig, Wirtschaftskanzlei FPS: Meine Versorgung zum Beispiel mit Lebensmitteln muss ich während der häuslichen Quarantäne im Prinzip selbst organisieren, etwa durch Verwandte, Freunde oder auch Lieferdienste. Wer dazu nicht in der Lage ist, wird über das Gesundheitsamt sicherlich Hilfe finden, zum Beispiel durch Organisationen wie das Deutsche Rote Kreuz. Aber: Da Sie ja nicht krank sind, haben Sie keinen Anspruch auf Übernahme der Kosten.

    • Jessica S. fragt: Angenommen mein Arzt verordnet Quarantäne – wie lange muss ich denn dann zuhause bleiben?

    Rechtsanwalt Tobias Törnig, Wirtschaftskanzlei FPS: Ich muss mich solange an die angeordnete Quarantäne halten, wie diese von der zuständigen Behörde angeordnet wird. Dabei wird sich die Behörde in der Regel an den derzeitigen Erkenntnissen über die maximale Inkubationszeit des Virus orientieren. Das Robert-Koch-Institut zum Beispiel spricht von 14 Tagen.

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    • Susanne H. fragt: Kann ich meine geplante Reise nach Rom kostenlos stornieren?

    FOCUS Online-Redakteurin Isabella-Alessa Bauer: Italien wird inzwischen als ganzes Land als Risikogebiet eingestuft – inklusive der Hauptstadt Rom. Laut Deutschem Reiseverband ist es ausgeschlossen, Urlauber in solche Risikogebiete zu schicken. In der Regel bieten Fluglinien und Veranstalter die Möglichkeit, kostenlos umzubuchen oder zu stornieren. Auf jeden Fall, macht es Sinn, sich direkt mit dem Reisebüro, dem Hotel oder der Airline in Verbindung zu setzen.

    Die Lufthansa beispielsweise  erklärt auf Ihrer Website eine neue Kulanzregelung für bestehende Buchungen: Diese gilt weltweit für alle bis zum 5. März gebuchten Flüge mit einem Abflugdatum bis zum 30. April 2020. Umbuchbar sind bestehende Tickets innerhalb dieses Zeitraums. Passagiere können einmal ohne Umbuchungsgebühr auf ein neues Datum bis zum 31. Dezember 2020 umbuchen – unabhängig vom Buchungstarif.

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