Gesundheits-App sorgt für Aufregung in China | Aktuell Asien | DW

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In China gibt es, verglichen mit Europa, wenig Bedenken über den Schutz persönlicher Daten. Was die Behörden sich jetzt für die Zeit nach der Corona-Pandemie überlegt haben, ist aber offensichtlich sogar vielen Chinesen nicht geheuer.

Der Mensch, bewertet auf einer Hundert-Punkte-Skala

Die neue Gesundheits-App, die in der Wirtschaftsmetropole Hangzhou im Osten Chinas entwickelt wird, soll nach Behördenangaben die Rauch- und Trinkgewohnheiten, die sportlichen Aktivitäten und das Schlafverhalten der Nutzer überwachen. Auf der Grundlage dieser Daten soll die Gesundheit der Nutzer auf einer Hundert-Punkte-Skala bewertet werden.

Laut Screenshots, die die Gesundheitskommission von Hangzhou auf ihrer Internetseite veröffentlichte, soll die App alle Bewohner der Stadt anhand ihres Punktestands einstufen. Der Punktestand verändert sich mit den Aktivitäten: Wer ein Glas Weißwein trinkt, verliert 1,5 Punkte. Wer nachts sieben Stunden schläft, bekommt einen Punkt gutgeschrieben.

Zugriff auf die Daten sollen laut den Plänen auch Wohnungsgesellschaften und Unternehmen haben, die etwa wissen wollen, wie viele Stunden ihre Mieter oder Angestellten durchschnittlich schlafen, wie viele Schritte sie am Tag zurücklegen und ob sie an chronischen Krankheiten leiden.

Die App ist den Angaben zufolge noch in der Entwicklungsphase, könnte aber schon im Juni zur Verfügung stehen. Viele Einzelheiten etwa zur Erhebung der Daten sind aber noch unklar.

Massiver Eingriff in die Privatsphäre

Auf der Twitter-ähnlichen chinesischen Internet-Plattform Weibo löste der Hinweis auf die neue Gesundheits-App einen Sturm der Entrüstung aus und heizte eine Debatte über Datenschutz und Datensicherheit an. “Meine Gesundheit ist privat, warum sollen staatliche Stellen Informationen sammeln und eine Rangliste aufbauen dürfen”, fragt ein Nutzer auf Weibo. “Warum sollte es meine Firma etwas angehen, wenn ich einen Arzt aufsuche”, fragen sich viele andere.

Corona-Gesundheits-Codes dienen als Vorbild

China setzt bereits bei der Eindämmung der Infektionen mit dem Virus SARS-CoV-2 massiv auf Technologie: Vor dem Betreten vieler öffentlicher Orte müssen die Chinesen einen Gesundheits-Code auf ihrem Handy vorzeigen. Ein QR-Code in den Farben Grün, Gelb oder Rot gibt Auskunft darüber, ob sich der Handynutzer an Orten mit einem hohen Infektionsrisiko aufgehalten hat oder Kontakt zu einem Infizierten hatte.

Die Elf-Millionen-Einwohner-Stadt Hangzhou, wo unter anderem der Internetriese Alibaba seinen Sitz hat, war eine der ersten Städte, die die Ampel-App einführte. Die nun entwickelte neue App würde die Gesundheit der Menschen noch viel stärker überwachen.

qu/se (afp, rtr)



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