Hass-Video gegen Berlin – doch viele Italiener nehmen Deutsche in Schutz

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Die Zahlen sprechen für sich: Knapp 85.000 mit dem Coronavirus Infizierte gibt es derzeit in Deutschland (Stand 3. April), 1107 Menschen sind bislang daran gestorben. Mit rund 115.000 Infizierten und fast 14.000 Toten ist die Lage in Italien ungleich dramatischer.

Neben den verzweifelten medizinischen Anstrengungen versuchen alle betroffenen Länder und die EU, Hilfsinstrumente zu mobilisieren, die die wirtschaftlichen Folgen minimieren können. Und genau an diesem Punkt scheiden sich immer stärker die Geister zwischen den verantwortlichen Politikern in Italien und Deutschland. Kern des Streits sind die so genannten „Eurobonds“, mit dem die Schulden der einzelnen Länder in der EU vergemeinschaftet würden. Viele sehen in Italien darin das passende Instrument, die deutsche EU-Kommissionspräsident Ursula von der Leyen und auch Kanzlerin Angela Merkel (beide CDU) lehnen sie bislang ab.

Komiker Solenghi: “Die Deutschen würden heute in Slums leben”

Zehntausendfach geteilt wurde inzwischen in sozialen Netzwerken ein Videobeitrag von Tullio Solenghi, der zu Italiens bekanntesten Komikern gehört. Er sagt darin unter anderem: „Die Deutschen haben noch immer ihre gnadenlose Arroganz. Heute in wirtschaftlicher Hinsicht. Sie halten sich noch immer für die Herrenrasse.“ Zudem erinnert Solenghi die Deutschen daran, dass sie für zwei Weltkriege und den millionenfachen Tod von Juden verantwortlich seien. „Wenn man die effektiven Kosten für den Krieg von den Deutschen gefordert hätte, würden die Deutschen heute in Slums leben“, wütet der Komiker. Und schließt seine Hasstirade mit den Worten: „Ja, wir sollen Faulenzer und Mafiosi sein, sagen die Deutschen. Aber wir sind empathisch, wir sind menschlich. Daher danke, dass wir Italiener sind und nicht Deutsche.“

Doch die Italiener stehen keinesfalls geschlossen hinter solchen Verbal-Attacken. Zwar gibt es immer wieder Zuspruch. “Er hat absolut recht, leider lehrt uns das die Geschichte”, schreibt beispielsweise eine Nutzerin auf Facebook. Und ein anderer empfiehlt einen “totalen Boykott aller deutschen Produkte”. Aber es gibt auch scharfen Gegenwind. “Leute wie Sie ruinieren das Land”, wendet sich ein anderer Nutzer gegen Solenghi. “Die Schuld haben immer die anderen. (…) Wenn Italien ein bisschen von der deutschen Mentalität und Politik hätte, dann wären wir das reichste Land der Welt.” Und ein ander Nutzer schreibt zu Solenghis Video: “Alles Blödsinn! Viele Deutsche lieben Italien, es reicht zu sehen, wie viele zu uns in den Ferien kommen.”

 

Börsenaufsichtschef vergleicht Merkel-Kurs mit Hitler-Minister

Zwar gibt es auch hochrangige Politiker wie Paola Savona, Chef der italienischen Börsenaufsicht und in der ersten Regierung von Premierminister Giuseppe Conte Europaminister, von der fremdenfeindliche Lega Matteo Salvinis nominiert. Savona ließ sich dazu hinreißen, Nazi-Jargon zu bemühen, um das deutsche Agieren in der Coronakrise auf EU-Ebene zu kommentieren. Er verglich das Handeln der Bundeskanzlerin mit den Plänen von Hitlers Wirtschaftsminister Walther Funk, der 1940 ein Konzept vorgestellt hatte, dass die ökonomische Unterwerfung Europas nach einem militärischen Sieg des Deutschen Reichs vorgesehen hatte. Und auch Salvini, gescheiterter Innenminister im ersten Conte-Kabinett, stimmt lautstark ein in anti-deutsche Stimmung. „Abscheu und Verachtung für dieses Europa. Dies ist keine ‚Union‘, sondern eine Höhle von Schlangen und Schakalen. Zuerst besiegen wir das Virus, dann überdenken wir die EU. Und wenn nötig, verabschieden wir uns. Ohne Dank und Gruß”, kommentierte er am 27. März die Absage der EU und “Corona-Bonds”.

Premier Conte: “Es gibt keinen antideutschen Geist”

Doch Premierminister Conte bemühte sich erst kürzlich, in einem Interview mit der ARD den Eindruck zu zerstreuen, dass es in Italien einen antideutschen Geist gebe. Die wirtschaftlichen und kulturellen Systeme der beiden Länder seien stark miteinander verbunden, die deutsche Kultur habe Italien “bereichert”, so Conte. „Zu denken, es gebe in Italien einen antideutschen Geist – das stimmt absolut nicht“.

Deutsche Hilfsbereitschaft bleibt unerwähnt bei Kritikern

Kein dankbares oder anerkennendes Wort hingegen hört man bei den schärfsten Kritikern über tatsächlich angebotene Hilfen wie beispielsweise den Schutzschirm des „Europäischen Stabilitätsmechanismus“ (ESM). Und auch die Lockerung der Regeln für Staatsbeihilfen durch die EU-Kommission, die angekündigte Arbeitslosenrückversicherung und Hilfe durch die Europäische Investitionsbank (EIB) werden nicht erwähnt. Ebenso wenig wie die medizinischen Hilfslieferungen von Deutschland nach Italien. Auch das Einfliegen von schwerkranken italienischen Corona-Patienten nach Deutschland bleibt bei ihnen unerwähnt, selbst wenn das angesichts der dramatischen Zahlen in Italien nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist.

Wirtschaftsforscher wirft Italienern “Moralisierung der Politik” vor

Für Wirtschaftsforscher wie Thomas Meyer von der Universität Witten/Herdecke jedoch steht fest, dass die Italiener mit ihrem Drängen auf die Vergemeinschaften der Schulden in Form von Corona-Bonds“ nichts weiter als eine „Moralisierung der Politik“ betreiben. Und zwar auf eine Art und Weise, die die deutsche Hilfsbereitschaft zu Unrecht diskreditiert. Denn die Europäische Zentralbank stelle den Euro-Staaten allein in diesem Jahr als Reaktion auf die Coronakrise über Anleihenkäufe 1,11 Billionen Euro neues Geld zur Verfügung, schreibt Meyer in einem Gastbeitrag für die „Welt“. „Bezieht man noch die großzügigen Kreditprogramme für die Banken ein, sollte man meinen, dass es keinen Euro-Staat an Geld zur Bekämpfung der Corona-Pandemie mangeln würde.“

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