Home-Office: So agieren Behörden in der Pandemie-Krise

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Deutschland in Corona-Zeiten: Kurzarbeit, Home-Office, Schließungen – und was machst du genau, lieber Staat?

Millionen Beschäftigte arbeiten im Homeoffice, viele sind in Kurzarbeit. Unternehmer, vor allem Soloselbständige, fürchten um ihre Existenz: Deutschland im Corona-Ausnahmezustand. Und wie halten es staatliche Stellen? Viele Beschäftigte dort rödeln in der Krise bis zum Umfallen. Manches wiederum geht selbst in Extremzeiten fast den gewohnten Gang. Homeoffice? Ist oft technisch gar nicht möglich. Deutschland im Frühjahr 2020.

Die meisten Straßen sind leergefegt. Homeoffice ist das Arbeitsmodell der Stunde. Polizisten schufften bis zum Anschlag. Sie kontrollieren jetzt auch Grenzen und überwachen Schließungen von Bars. Krisenstäbe arbeiten rund um die Uhr. Und in Gesundheitsbehörden ist die Hölle los. Arbeitspensum XXL. Ganz Deutschland im Ausnahmezustand. Ganz Deutschland?

„Meiden Sie Sozialkontakte, wo immer es geht“, fordert der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, seit Tagen. Doch ausgerechnet da, wo der Staat selbst als Arbeitgeber gefragt ist, gibt es erstaunliche Lücken. Aus mehreren Bundesministerien melden Mitarbeiter heute, dass bei ihnen auf den Fluren und in den Büros noch ziemlich reger Betrieb ist. Homeoffice – ein Traum.

Jedes Ministerium entscheidet für sich

Im Kanzleramt und im Bundespresseamt „wird von den vorhandenen Möglichkeiten für Telearbeit und mobilem Arbeiten von zu Hause größtmöglich Gebrauch gemacht“, berichtet ein Regierungssprecher. Doch jedes Ministerium entscheidet für sich. Im Innenministerium, das in diesen Tagen der Krise eine Schlüsselrolle spielt, entscheidet jeder Leiter einer Organisationseinheit nach seiner Verantwortung, wer unbedingt vor Ort sein muss. Was mobil geht, soll mobil erledigt werden.

In anderen Häusern aber sieht es ziemlich finster aus.

Oft fehlt es schon am Laptop

Eilig müssen viele Mitarbeiter überhaupt erst mit Hardware ausgerüstet werden – von Software ganz zu schweigen. Für Assistentinnen, die von zu Hause aus arbeiten könnten, fehlt es oft schon an einem Laptop, wie FOCUS Online von Ministeriumsmitarbeitern erfuhr. Und so gehen dann viele – Krise hin, Corona her – wie gewohnt ins Büro. Einzelne bleiben auch schlicht zu Hause, haben Dienstbefreiungen bekommen. Ohne Arbeitsgerät keine Arbeit.

Der Staat kann das, was er seinen Bürgern so dringend ans Herz legt, selbst oft gar nicht sicherstellen.

Ein Vorteil der Ministerien: Viele Mitarbeiter hier haben das Privileg, in Einzelzimmern zu arbeiten. Das immerhin mindert die Infektionsgefahr und erweist sich als Vorteil gegenüber vielen in der „freien Wirtschaft“, in denen Großraumbüros oft die Regel sind.

Doch ziemlich viele gehen immer noch wie gewohnt ins Büro. Was für Außenstehende nach bedenklicher Leichtfertigkeit aussieht, erweist sich bei genauem Hinsehen als Ergebnis technologischer Rückständigkeit, und dies auf breiter Front.

Homeoffice – bei der IT-Architektur?

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Beamtenbundes, Ulrich Silberbach, berichtet: „Die Kolleginnen und Kollegen im öffentlichen Dienst, egal ob Ausführende oder Vorgesetzte, versuchen im Moment alles, mit der Krise klar zu kommen und beim Thema Homeoffice und flexibles Arbeiten so innovativ und digital wie möglich zu sein.“ Doch auch er weiß nur allzu gut: Die Technik setzt Grenzen. „Der öffentliche Dienst hinkt beim Thema Homeoffice der Privatwirtschaft deutlich hinterher“, sagt Silberbach. Der 58-Jährige sieht durchaus, dass es einige unvermeidliche Gründe gibt: Datenschutzerwägungen, bestimmte Akten oder Bescheide dürfen nicht einfach mit nach Hause genommen werden, manch hoheitliche Dienstleistung muss „auf der Dienststelle“ erledigt werden.

 

„Viel ärgerlicher sind die selbstverschuldeten Hindernisse“, klagt Silberbach. Seit Jahren fordert der Beamtenbund eine Digitalisierungsoffensive für den öffentlichen Dienst. „Schauen Sie mal in Bürgerämtern, Schulen, Finanz-, Kommunal- oder Polizeibehörden vorbei. Die technische Ausstattung und IT-Architektur sind oft furchtbar veraltet.“ Da könnten die Beschäftigten digitales und mobiles Arbeiten an vielen Arbeitsplätzen schlicht nicht umsetzen: „Dort gibt es dann natürlich auch weniger Möglichkeiten zum Homeoffice“, so der Gewerkschafter.

Wenn der Chef auf Direktkontakt besteht

Auch mental liegt bei manchen Behörden offenkundig noch einiges im Argen. Mitarbeiter mehrerer Bundesministerien, die nicht unmittelbar mit der Bewältigung der Krise befasst sind, berichten, dass bei einzelnen Führungsleuten Homeoffice „nicht als richtige Arbeit gilt“ oder „doch irgendwie nicht gern gesehen wird“. Die Mitarbeiter möchten nicht genannt werden oder erkennbar sein. Und im Laufe der Gespräche wird auch deutlich, warum. Da gibt es zum Beispiel einen Unterabteilungsleiter, der darauf besteht, Besprechungen persönlich abzuhalten. Kollegen, die im Homeoffice ihren Job machen, fühlen sich unter verschärftem Rechtfertigungsdruck. In Zeiten von Corona ist das nicht nur ärgerlich, sondern bedenklich.

Krise auch als Chance zur Digitalisierung?

Die Pandemie mit den vorhandenen Mitteln zu managen hat gerade „absoluten Vorrang“, betont Gewerkschafter Silberbach. Akut geht es also darum, das, was an Personal und Technik da ist, möglichst effizient einzusetzen. Darüber hinaus aber sieht er die aktuelle Corona-Krise auch als Chance, die Digitalisierung zu beschleunigen. „Die Politik sollte einsehen, dass Ressourcen, die sie jetzt einsetzt, um die flächendeckende Digitalisierung des öffentlichen Dienstes wirklich in Angriff zu nehmen, sowohl für die zukünftige Krisenprävention als auch für die generelle Verbesserung öffentlicher Dienstleistungen ,gewinnbringend‘ angelegt sind“, meint Silberbach.

Ein Dreh- und Angelpunkt, an dem vieles hängt: eine eigene Cloud für alle staatlichen Verwaltungen, bei Bund, Ländern oder Gemeinden.

„Ohne eine solche Cloud, auf die von überall in Deutschland sicher zugegriffen werden kann, gibt es auch kein flächendeckend mobiles Arbeiten im öffentlichen Dienst“, erklärt Silberbach. Er findet es plausibel, dass staatliche Dokumente, darunter auch geheime Unterlagen, nicht bei Microsoft oder Apple „abgelegt“ werden. Gerade deshalb aber hält Silberbach es für dringend angezeigt, dass Deutschland „bald eine eigene Speicherlösung aufbaut, sonst fällt der Staat bei der Digitalisierung nur noch weiter zurück“.

Die Gefahr der USB-Sticks

Welche Probleme sich in der Praxis aus schlechter technischer Ausrüstung ergeben können, hat gerade die Senatsverwaltung für Justiz in Berlin vor Augen geführt. Wegen der Pandemie hat die Behörde „USB-Sticks für die häusliche Arbeit“ angeschafft, um Daten vom Büro ins Homeoffice zu übertragen. Dies berichtete der „Tagesspiegel“. Um Virenbefall zu verhindern, sollen die Daten dann per Mail zurückgeschickt werden. Offenbar aber werden – entgegen dem Verbot – fleißig Daten zwischen Dienst- und Privatrechner hin- und hergeschickt. Erst Ende vorigen Jahres gab es eine massive Daten-Attacke auf das Netz des Berliner Kammergerichts. Es versteht sich von selbst, dass es hier um höchstsensible Daten geht.

Dass auch technologische Rückständigkeit sich als Leichtfertigkeit erweisen kann, könnte eine der bitteren Lehren dieser Tage sein. Drei Fragen, drei Antworten: Johannes B. Kerner meldet sich aus Quarantäne


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