Homeoffice: Motivation und Produktivität fliegen uns um die Ohren, warnt Experte

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FOCUS Online: Homeoffice lautet die Devise, seit sich das Coronavirus rapide ausweitet – mit Sicherheit ein guter Plan, um die Gesundheit der Mitarbeiter zu schützen. Aber wie wirkt sich massenhaftes Homeoffice auf die Firma insgesamt aus?

Florian Becker: Wir haben insgesamt ein Problem in Sachen Mitarbeitermotivation. Studien zeigen, dass Angestellte schon 20 Prozent online verbringen mit arbeitsfremden Inhalten. Je höher die Qualifikation, desto größer übrigens dieses Problem, denn es fällt dann weniger auf. Auch die übrige Zeit verbringen viele mit allem Möglichen, nicht nur mit den eigentlichen Aufgaben. Dieses menschliche Problem wird nochmal größer, wenn man zu Hause arbeitet.

Nur eine Minderheit ist hochmotiviert

FOCUS Online: Große Teile der Arbeitszeit? Sind wir einfach so faul, oder lassen wir uns nur zu leicht ablenken?

Becker: Grundsätzlich zeigen die Studien, dass nur eine Minderheit der Angestellten hochmotiviert ist. Im Homeoffice sagen also nicht viele: Juhu, endlich kann ich in Ruhe etwas schaffen! Zusätzlich sollte man die Angestellten aber auch in Schutz nehmen. Es ist ja nicht per se so, dass die Arbeit gar nicht motiviert, sondern eher, dass andere Dinge eben immer besser motivieren. Versierte Experten werden gut dafür bezahlt, möglichst interessante Online-Inhalte zu erstellen, die Menschen lange und intensiv binden sollen. Dafür geben Konzerne Millionen aus und dafür sind leider viele empfänglich. Uns fehlt hier die nötige Selbstbeherrschung.

FOCUS Online: Das bedeutet dann, dass wir zu Hause eigentlich viel mehr Ablenkung haben – nicht nur verschiedene Apps, sondern auch den Fernseher, das private Telefon, Familienangehörige…

Becker: Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf Freiraum. Im Homeoffice hängt die Produktivität noch extremer vom eigenen Charakter ab, man ist stark auf sich selbst gestellt.

Es gibt Arbeitnehmer, die sich nicht ablenken lassen. Sie bleiben fokussiert und organisiert, sind in der Lage Ziele und Prioritäten zu setzen und festzulegen, was wann zu tun ist.

Nicht wenige Mitarbeiter reagieren auf Freiraum aber anders. Man könnte annehmen, jeder Angestellte freut sich über die Gelegenheit, Verantwortung zu übernehmen – nur täuscht man sich da leider. Viele Arbeitnehmer wünschen sich auch jemanden, der sie an der Hand nimmt und ihnen sagt, was sie tun sollen. Sie scheuen die Verantwortung und brauchen ein Umfeld, das sie motiviert.

Und dann gibt es natürlich auch immer einen Prozentsatz, der die Situation ausnutzt und sich denkt: Jetzt kann ich endlich machen, was ich will – und das ist nicht die Arbeit.

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Situation im Homeoffice ist ungewohnt, Routinen fehlen

FOCUS Online: Dann beantworte ich mir die Eingangsfrage kurz selbst: Der Output einer Firma wird unter dem erzwungenen Massen-Homeoffice leiden.

Becker: Definitiv wird die Produktivität stark sinken, wenn schlagartig Mitarbeiter, die es nicht gewohnt sind, von zu Hause arbeiten sollen. Schon alleine deshalb, weil die Situation ungewohnt ist und erst Arbeitsroutinen entwickelt werden müssen. Der Koordinations- und Interaktionsaufwand steigt, Führung und Motivation werden wesentlich anspruchsvoller.

FOCUS Online: Also werden die Chefs spätestens nach der Akutphase des Coronavirus entscheiden: Meine Leute tun zu Hause weniger, das war‘s mit Homeoffice und schöner neuer Arbeitswelt!

Becker: Die Situation wird wohl eher nicht die Initialzündung nach dem Motto „Hey, warum haben wir die nicht schon immer nur zu Hause arbeiten lassen?“. Ein gewisser Teil an dafür geeigneten Aufgaben kann und sollte natürlich von dafür geeignete Mitarbeitern von zu Hause aus erledigt werden – wenn dort eine entsprechend gute Situation geschaffen wurde.

Dieser Satz zeigt schon: Man gerät schnell an Grenzen. Aufgabe, Mitarbeiter, Situation zu Hause – das alles muss passen. Nur dann macht Homeoffice Sinn. Produktivität, Motivation und Interaktion fliegen uns sonst schnell um die Ohren. Und die Kundenzufriedenheit sinkt, das sehen wir auch an den Studenten – die wollen auch nicht nur E-Learning, sondern meist lieber jemanden persönlich präsent, der eine Veranstaltung hält. Schlagartiges Ausweiten von Homeoffice kann nur eine Notlösung sein – das werden die Produktivitätseinbußen zeigen, die dadurch entstehen.

Digitalisierung macht Homeoffice möglich – und notwendig

FOCUS Online: Also nach Corona alles auf Anfang?

Becker: Der Anfang liegt natürlich schon viel länger zurück als diese Krise. Es gibt drei entscheidende Treiber, die dazu führen, dass Homeoffice ohnehin zunehmend im Alltag der Unternehmen einzieht: Digitalisierung, Globalisierung und vor allem der Fachkräftemangel: Zumindest in einigen Branchen, zum Beispiel in der Informatik, haben Bewerber oft eine sehr gute Verhandlungsposition – sie fordern durchaus, von zu Hause aus zu arbeiten. Dieses zu Hause ist dann oft aber ein schöner Platz an der Sonne im Ausland.

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