“Ich bin nicht mehr so begeistert von Bitcoin”

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Cointelegraph hat mit Roger Ver gesprochen, einem Bitcoin-Liebhaber, der an der Gründung vieler früher Bitcoin-Startups beteiligt war. Mittlerweile ist er in der Krypto-Community überwiegend als Galionsfigur von Bitcoin Cash bekannt, einem Ableger der marktführenden Kryptowährung.

Roger Ver ist ein Freigeist, was sich in seinen libertären und anarchokapitalistischen Ansichten widerspiegelt. Allerdings geriet ihm dies auch schon zum Nachteil, da Roger Ver bereits wegen unerlaubtem Verkauf von Feuerwerkskörpern ins Gefängnis musste. Nachdem er seine Zeit abgesessen hatte, ist Ver nach Tokio gezogen und hat seine amerikanische Staatsbürgerschaft abgelegt. Bis August 2019 war er anschließend Geschäftsführer von Bitcoin.com, einem Krypto-Nachrichtenportal, das auch als Kryptobörse und Wallet-Service fungierte. Inzwischen ist er als Vorsitzender der Seite tätig und ist zudem einer der fünf Gründerväter der Bitcoin Foundation.

Auf welche Evolutionsstufe befinden wie uns? 

Cointelegraph: Hallo Roger! Du hast die darwinistische Evolutionstheorie mal auf Kryptowährungen bezogen. [Laut Darwin entwickelt sich die Gesamtheit aller Organismen im Laufe der Zeit durch natürliche Selektion weiter, wobei sie jeweils kleine Entwicklungsschritte machen, die ihnen einen Wettbewerbsvorteil im Kampf ums Überleben verschaffen – CT]. Das aktuelle Corona-Virus hat heftige Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, weshalb die Aktienmärkte in den Keller gegangen sind und auch die Kryptomärkte stark verloren haben. Glauben Sie, dass jede Finanzkrise als ein Ergebnis der darwinistischen Evolutionstheorie gesehen werden kann?

Roger Ver: Ich würde nicht sagen, dass jede Finanzkrise das Ergebnis darwinistischer Evolutionstheorie ist, sondern vielmehr ein Teil des Prozesses der Evolution.

Ein Pessimist würde jetzt sagen, dass das Einzige, was wir aus der Geschichte lernen, das ist, dass wir eben nichts aus der Geschichte lernen. Ich bin allerdings ein ewiger Optimist. Deshalb bin ich der Meinung, dass wir aus der Geschichte lernen können und die Systeme, in denen wir leben, zum Besseren verändern können. Jedes Problem ist auch eine Geschäftsgelegenheit, durch die es gelöst werden kann. Das Coronavirus und dessen Auswirkungen auf die Märkte sind zwar Probleme, bieten aber gleichzeitig auch neue Geschäftsgelegenheiten, die zur Lösung des Problems beitragen.

CT: Ergänzend zur ersten Frage, wie sieht es für die Kryptomärkte aus? Die jüngsten Turbulenzen haben die Kryptomärkte arg gebeutelt und uns stehen dieses Jahr noch die „Halvings“ [Halbierungen der Anstiegsraten] für acht große Kryptowährungen bevor. Wie sehen Sie die weitere Entwicklung für 2020?

RV: Ich gebe keine kurzfristigen Prognosen ab und kann das auch nur schlecht einschätzen, aber ich bin überzeugt davon, dass die Nutzbarkeit im Einzelhandel langfristig dafür sorgen wird, dass die Marktkapitalisierung der Kryptomärkte steigt. Ich achte deshalb besonders darauf, wie sehr Krypto im Einzelhandel und im Darkweb als Zahlungsmittel genutzt wird, dies ist ein wichtiger Indikator.

Bitcoin Cash wird zum Beispiel weltweit bei mehr Einzelhändlern akzeptiert als jede andere Kryptowährung und wahrscheinlich wird sie auch bei mehr Online-Shops akzeptiert. Außerdem ist sie die einzige neuere Kryptowährung, die im Darkweb genutzt wird. Das sind für mich zwei starke Indikatoren.

CT: Befinden wir uns noch in einer frühen Evolutionsstufe der Kryptomärkte?

RV: Ja, wir befinden uns noch in einer sehr, sehr frühen Phase, aber eine breite Annahme wurde ja auch durch die mangelnde Skalierbarkeit verzögert.

Bitcoin Cash und unser Finanzsystem

CT: Am 12. März haben Sie auf Twitter geschrieben:

„Das ultimative Ziel für #Bitcoin Anleger ist, ihr Vermögen irgendwann zu einem möglichst hohen Kurs in Fiatgeld umzutauschen.

Das ultimative Ziel für #BitcoinCash Nutzer ist es, das Finanzsystem vollständig zu ersetzen und Fiatwährungen irrelevant zu machen.“

Allerdings ist Bitcoin zur gleichen Zeit als Bitcoin abgerutscht ist, auch um 30 % gefallen. Was sagt uns das? Sind Sie der Meinung, dass Bitcoin Cash schon bereit ist, das Finanzsystem abzulösen, oder stehen wir noch am Anfang dieses Prozesses? 

RV: Für die gesamte Menschheit ist es schade, dass das Experiment einer elektronischen direkten Peer-to-Peer-Währung namens Bitcoin durch eine künstlich begrenzte Blockgröße zum Scheitern verurteilt wurde. BTC hat zwar den Markennamen Bitcoin, allerdings ist es nicht die Version von Bitcoin, die die Menschen und Unternehmen wie Microsoft, Dell und Steem von 2009-2015 so begeistert als Geld genutzt haben.

Bitcoin ist die einzige Kryptowährung in der Geschichte, die absichtlich volle Blöcke beinhaltet, die absichtlich hohe Gebühren nach sich ziehen und unzuverlässige Transaktionen verursachen. Genau aus diesem Grund sehen wir die darwinistische Diversifikation aus der so viele Altcoins entstanden sind.

Bitcoin Cash und so gut wie jeder andere Altcoin werden gegen Bitcoin gehandelt, da Bitcoin schlicht als erstes auf dem Markt war. Das hat zur Folge, dass wenn sich der Bitcoin-Kurs bewegt, auch jede andere Kryptowährung, die dagegen gehandelt wird, in die gleiche Richtung geht. Wenn man die historischen Zahlen betrachtet, dann sieht man, wenn Bitcoin hochgeht, geht Bitcoin Cash noch mehr hoch. Wenn man also sowohl Bitcoin als auch Bitcoin Cash optimistisch sieht, dann ist es sinnvoller, den größeren Teil in Bitcoin Cash zu investieren.

Zum Glück gibt es aber immer mehr Kryptobörsen, die Ether und Bitcoin Cash als Basiswährung für Währungspaare anbieten. Damit wird der Einfluss von Bitcoin auf das gesamte Krypto-Ökosystem wenigstens etwas verringert.

Voluntarismus und Krypto

CT: In einigen anderen Interviews haben Sie sich als Libertärer und Voluntarist bezeichnet, wobei Sie mehr zum Voluntarismus tendieren, da Ihnen die moderne Interpretation des Libertarismus in den USA nicht gefällt. Was bedeutet das für dein Alltagsleben und besonders dein Geschäftsleben? Können die Ideen des Voluntarismus mit Hilfe von Kryptowährungen umgesetzt werden?

RV: Voluntarismus ist das, was ohnehin schon fast jede Person auf der ganzen Welt im alltäglichen Leben lebt. Niemand zwingt seinen Nachbarn, gegen seinen Willen ein Produkt zu kaufen.

Starbucks zwingt niemanden, ihren Kaffee zu trinken oder in ihren Läden zu arbeiten. Die einzigen Menschen, die anderen Menschen nicht auf freiwilliger (volontärer) Basis begegnen, sind Einbrecher, Vergewaltiger, Mörder und die Regierung. Jedem ist klar, dass es falsch ist, wenn Einbrecher, Vergewaltiger oder Mörder Gewalt gegen andere Menschen anwenden, aber viele Leute sind durch eine Gehirnwäsche so manipuliert worden, dass sie die Gewalt, die vom Staat ausgeht, nicht als Gewalt empfinden, weil sie gewählt haben oder weil die regierenden Politiker tolle Kleidung tragen und in Gebäuden arbeiten, vor denen eine Flagge steht.

CT: Sind Sie der Meinung, dass es der Kryptobranche gut tun würde, wenn sich mehr Leute aus der Branche nach den Ideen des Voluntarismus ausrichten, anstatt auf ihr persönliches Einkommen zu gucken?

RV: In den Anfangstagen von Bitcoin hatte fast jeder aus der Branche diese Weltanschauung. Wir waren von Kryptowährungen begeistert, weil keine Gewalt der Welt ein mathematisches Problem lösen kann, weshalb auch keinerlei Gewalt eine Krypto-Transaktion rückgängig machen kann.

CT: Sie sind im März 2011 in Bitcoin eingestiegen und waren einer der ersten, der die Massentauglichkeit von Bitcoin gepusht hat. Wie sehen Sie die damalige Zeit im Vergleich zu heute? 

RV: Ich bin immer noch genauso begeistert von elektronischen Peer-to-Peer-Währungen wie damals, ganz egal in welcher Form. Allerdings bin ich nicht mehr so begeistert von Bitcoin, da sie aufgehört frei zugängliches Geld zu sein, nachdem die Blöcke voll waren. Momentan bin ich von Bitcoin Cash am meisten begeistert, da sie die besten Voraussetzungen hat, um frei zugängliches Geld für die gesamte Welt zu werden. Aber auch andere Krypto-Projekte, die auf freie Zugänglichkeit setzen, finde ich toll, weshalb ich viele verschiedene Altcoins besitze.

Rogers Investitionen 

CT: Sie sind zudem als Investor in viele verschiedene Blockchain-Unternehmen und -Startups bekannt, darunter Bitinstant, Bitpay, Blockchain.info, Kraken, Ripple und weitere. Was waren Ihre wichtigste Investition im Blockchain-Bereich? Werden Sie 2020 wieder investieren und wenn ja, was sind Ihre Kriterien, nach denen Sie sich entscheiden?

RV: Ich glaube, ich muss dringend mal meine Webseite rogerver.com aktualisieren, denn seitdem habe ich bestimmt schon mehr als 100 weitere Investitionen getätigt, aber ich habe nur ein Paar davon aufgeführt. Am meisten Spaß macht mir davon bitcoin.com, da ich die Seite nutzen kann, um Tools zu bauen, die der Welt mehr wirtschaftliche Freiheit bringen. Ich bin bis heute immer noch als Investor aktiv. Eine meiner jüngsten Investitionen ist gocrypto.com, von der ich sehr angetan bin. Außerdem liebe ich unsere internen Projekte wie local.bitcoin.com, mint.bitcoin.com und die Bitcoin Cash Register App.

CT: Was war Ihre erfolgreichste Investition hinsichtlich des erzielten Gewinns?

RV: Von noch keinem Unternehmen, in das ich investiert habe, habe ich meine Anteile bisher verkauft. Ich vermute, dass meine Anteile an Blockchain.com den höchsten Wert haben.

CT: Und auf welche Investition sind Sie am stolzesten?

RV: Ich denke am stolzesten bin ich auf meine gesamte Investition in das Ökosystem. Ich habe quasi ganz allein die finanzielle Starthilfe geleistet, um das Ding aus der Taufe zu heben. Das hat wirklich geholfen, die nötige Aufmerksamkeit zu schaffen.  

CT: Sie wurden unter dem Spitznamen „Bitcoin-Jesus“ bekannt, aber Ihnen gefällt der Name nicht, weil es für Jesus kein gutes Ende genommen hat. Sie sehen sich mehr als die fiktive Figur Johnny Appleseed, ein ökologischer Missionar, der die Menschen glücklich macht. Was ist die Rolle von Johnny Appleseed in der heutigen Kryptobranche?

RV: Es ist schon 35 Jahre her, seit ich Johnny Appleseed gelesen habe bzw. seit es mir vorgelesen wurde. Er ist ja dafür bekannt, dass er in großen Teilen Nordamerikas Apfelbäume gepflanzt hat. Ich würde mich freuen, wenn ich irgendwann dafür bekannt bin, dass ich die Peer-to-Peer-Version von Bitcoin in die Welt gebracht habe.

CT: Sie bevorzugen also die Währung, die einen praktischen Nutzen hat und deshalb bewerben Sie nicht mehr Bitcoin, sondern Bitcoin Cash. Warum hat Bitcoin Cash denn einen größeren praktischen Nutzen? Was muss in der Weltwirtschaft geschehen, damit Kryptowährungen von der breiten Masse angenommen werden?

RV: Jeder, der schonmal Bitcoin und Bitcoin Cash genutzt hat, wird merken, wie viel schneller, günstiger und zuverlässiger, die Transaktionen über Bitcoin Cash sind. Die einzigen Leute, die weiterhin Bitcoin bevorzugen, sind diejenigen, die damit keine Transaktionen abwickeln.


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