Inflation: Bringen die Billionen gegen die Krise die große Geldentwertung?

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Zwecks Eindämmung der globalen Corona-Pandemie wurden von vielen Staaten drastische Einschränkungen des privaten und öffentlichen Lebens verordnet. Der resultierende parallele Angebots- und Nachfrageschock betrifft alle Regionen weltweit und nahezu jedes Segment der betroffenen Volkswirtschaften.

Um die wirtschaftlichen Schäden einzugrenzen, wurden global innerhalb kürzester Zeit enorme Unterstützungspakete von Geld- und Fiskalpolitik initiiert. Allein in Deutschland beträgt der Gegenwert der bisherigen fiskalischen Maßnahmenpakete im Vergleich zum gesamten Bruttoinlandsprodukt eines Jahres mehr als 20 Prozent. Die Europäische Zentralbank EZB wird über Wertpapierkäufe mehr als eine Billion Euro Liquidität in die Kapitalmärkte pumpen. Wird diese massive Geldflut die vielfach befürchtete große Inflation auslösen?

Virus löst Wirtschaftskrise aus, viel Geld soll helfen

Gegen einen größeren Inflationsschub spricht, dass die Liquidität der Abwehr einer besonderen wirtschaftlichen Notsituation dient, nicht aber für konsumtive Zwecke ausgegeben wird. Unternehmen sollen in die Lage versetzt werden, ihre laufenden Kosten trotz eines abrupten Umsatz- und Ertragseinbruchs zu decken, um Insolvenzen zu verhindern. Zudem soll die Entstehung einer Krisenkaskade und damit eines systemischen Risikos vermieden werden, indem ein Übergreifen des Corona-bedingten Wirtschaftseinbruchs auf den Bankensektor mit der möglichen Folge einer Staatsschulden- und Vertrauenskrise abgewendet wird. Generell kann überflüssige Liquidität nach der Überwindung der Krise auch wieder abgeschöpft werden, etwa durch höhere Leitzinsen, höhere Eigenkapitalvorschriften für Unternehmen oder steigende Steuern.

Alle wirtschaftlichen Entwicklungen lesen Sie im News-Ticker zum Corona-Crash.

Drei Phasen der Corona-Krise

Aus volkswirtschaftlicher Perspektive können drei Phasen der Coronakrise mit jeweils unterschiedlichen Wirkungen auf die Inflation unterschieden werden:

1. Die Akutphase

Sie ist geprägt durch den plötzlichen Stillstand der Produktion und den nahezu kompletten Ausfall der volkswirtschaftlichen Nachfrage. Da selbst bereits produzierte Waren keine Abnehmer mehr finden, entsteht derzeit eher ein deflationärer Druck. Ausnahme sind einige Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs, deren Preise aufgrund temporär sprunghaft gestiegener Nachfrage und/oder wegen begrenzter Produktions- bzw. Erntekapazitäten kurzfristig ansteigen könnten (z.B. Schutzutensilien, Desinfektionsmittel oder Gemüse).

Zusätzlich deflationär wirkt aber der aufgrund des Konjunktureinbruchs und wegen der Streitigkeiten zwischen Saudi-Arabien und Russland kollabierte Rohölpreis. Diese Effekte waren anhand der jüngsten März-Daten zu den Preissteigerungen in Deutschland und der Eurozone bereits erkennbar, die mit 1,4 bzw. 0,7 Prozent (im Vergleich zum Vorjahr) jeweils unter ihren Vormonatswerten lagen.

2. Die Stabilisierungsphase

In dieser Phase wird durch eine sukzessive Öffnung der Ausgangsbeschränkungen und damit eine langsame Rückkehr der Nachfrage sowie eine Wiederbelebung der wirtschaftlichen Aktivität geprägt sein. Hier wäre temporär ein etwas stärkerer Inflationsanstieg möglich, wenn die Nachfrage nach einzelnen Gütern sehr schnell wieder ansteigt und die Produktion diese ggf. über einen längeren Zeitraum nicht komplett bedienen könnte, etwa weil Lieferketten noch unterbrochen sind oder Fabriken aufgrund zunächst weiter bestehender Beschränkungen noch nicht wieder voll nutzbar wären.

Die Aussicht auf eine zunehmende Konjunkturdynamik könnte zudem die Ölpreise wieder ansteigen lassen. Andererseits sind die Produktionskapazitäten der in der Akutphase knappen Güter mittlerweile angepasst worden, so dass bei diesen Produkten der Nachfrage- sogar in einen Angebotsüberhang übergehen wird. Vom Dienstleistungssektor hingegen dürfte kaum ein inflationärer Druck ausgehen. Solange die Verrichtung einer Dienstleistung nicht gestattet ist, besteht auch keine Nachfrage. Sobald diese wieder angeboten werden kann, werden auch die ursprünglichen Kapazitäten wieder schnell verfügbar sein.

3. In der Normalisierungsphase

Nun werden sowohl das aggregierte Angebot als auch die Nachfrage überwiegend wieder auf ihre Vorkrisenniveaus zurückkehren. Allerdings ist davon auszugehen, dass einige Sektoren noch längere Zeit Überkapazitäten vorhalten werden, weil die Nachfrage doch länger – möglicherweise sogar dauerhaft – geringer ausfällt, bspw. bei Flug- und Bahnreisen oder Restaurant- und Kinobesuchen. In dieser Phase werden aber auch schon vor der Krise langfristig wirkende Faktoren wieder eine gewichtige Rolle spielen, die überwiegend deflationäre Wirkung entfalten. Vor allem die Digitalisierung von Produktions- und Kommunikationsprozessen bekommt als direkte Auswirkung der jüngsten Krisen-Erfahrungen einen noch stärkeren Anschub.

Die verstärkte Nutzung von Robotik, Automatisierung, 3D-Druck und Künstlicher Intelligenz wird die Produktionseffizienz in den kommenden Jahren steigern, indem sie Kosten drückt. Vor allem Lohnkosten werden wieder deutlicher eingespart, vergleichbar mit der Globalisierungswelle der letzten Jahrzehnte. Selbst wenn als Reaktion auf krisenbedingt weggebrochene Lieferketten und angesichts offensichtlicher Schwächen der „just-in-time“-Produktion wieder verstärkt kostenintensive Lagerhaltung betrieben wird und Zulieferer möglicherweise zu Lasten einer maximalen Kosteneffizienz diversifiziert werden, dürften diese Effekte durch die Effizienzgewinne der digitalisierten Produktion überkompensiert werden.

Zumindest in vielen westlichen Industrienationen wirkt zudem die demografische Entwicklung deflationär, denn älter werdende Bevölkerungen neigen zu verstärktem Sparen und geringerem Konsum. Möglicherweise werden sogar breite Bevölkerungsschichten ihren Konsum über einen längeren Zeitraum einschränken, um einen größeren Anteil an „Vorsichtskasse“ zwecks Krisen-Vorsorge aufzubauen. Die Nachfrage nach Büroimmobilien könnte aufgrund der verstärkten Nutzung von dezentralen Arbeitsplätzen nachlassen und so ebenfalls deflationär wirken.

Inflationserwartungen gesunken

Insgesamt überwiegen die Argumente gegen eine ausufernde Inflation als Folge der Coronakrise. Selbst jahrelange ultra-expansive Geldpolitik nach der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 und der wirtschaftliche Boomzyklus bis 2007 mit der Folge eines stark ausgelasteten Arbeitsmarktes und eines ausgeprägten Fachkräftemangels konnte keinen inflationären Druck entfalten. Im Gegenteil sind die Inflationserwartungen global kontinuierlich gesunken. Es sieht derzeit nicht danach aus, als ob dieser Trend durch die Coronakrise nachhaltig verändert werden würde.

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Aus Sicht der Europäischen Zentralbank EZB wäre ein leicht erhöhtes Inflationsniveau sogar wünschenswert, wenn die Erreichung des EZB-Inflationsziels von nahe aber unter 2 Prozent dadurch erreicht werden könnte. Da sie angesichts massiv ausgeweiteter Staatsschulden voraussichtlich noch längere Zeit durch Wertpapierkäufe die Nominalzinsen in der Eurozone auf niedrigsten Niveaus stabilisieren wird, wären auch aus dieser Perspektive höhere Inflationsraten wünschenswert, denn ein negativer Realzins kommt Schuldnern entgegen. Es besteht somit kaum eine Veranlassung auf inflationsbedingt höhere Zinsniveaus in den kommenden Jahren zu hoffen.

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