Insolvenz: Wie ein Rentner fast 450.000 Euro durch den Wirecard-Betrug verlor

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Shootingstar ist insolvent: Absturz von Wirecard: Wie ein Rentner fast 450.000 Euro durch den Betrug verlor

Tausende Anleger – große Investoren wie private Sparer – haben durch den Bilanzskandal bei Wirecard und die folgende Insolvenz viel Geld verloren. Einer der Geschädigten packt gegenüber FOCUS Online aus, wie ihn jahrelanges Vertrauen in den Zahlungsdienstleister am Ende hunderttausende Euro gekostet haben.

Er geht auch mal gerne Risiko. Wolfgang Sundern (Name geändert) macht keinen Hehl aus seinem Faible für das Börsenparkett. Wenn der ehemalige Steuerberater aus Berlin über seine Einsätze am Aktienmarkt erzählt, schwirren Zahlen, Kurswerte, Namen renommierter Unternehmen durchs Telefon. Zurzeit läuft es allerdings überhaupt nicht für den 80-jährigen Privatier. Erst die Corona-Krise: „Ich habe Lufthansa-Papiere, die liegen wie Blei in meinem Depot.“ Am meisten aber ärgert sich Sundern im Gespräch mit FOCUS Online über sein finanzielles Engagement beim abgestürzten Finanzdienstleister Wirecard .

Anfangs hatte er noch Gewinne gemacht. Selbst als die ersten kritischen Berichte der “Financial Times” Anfang 2019 über den Ticker liefen, glaubte Sundern noch an vorübergehende Probleme oder künstlich inszenierte üble Nachrede, um den Aktienkurs zu drücken. „Der Kurs sank ja auch 2019 von 185 auf 100 Euro, da habe ich nochmal zugeschlagen.“ Ein Glücksgriff, bald erholte sich die Aktie wieder und Sundern stieß sein Wirecard-Portfolio mit Gewinn ab. Rund 50.000 Euro Gewinn sprangen heraus.

Erste Hinweise auf Bilanzmanipulation

Und so versuchte der Pensionär es später noch einmal, die Prognosen schienen günstig. Die Geschäftsidee der kostenlosen Zahlwege boomte. Jahrelang hatte die renommierte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) dem Konzern positive Testate für seine Jahresbilanzen ausgestellt. „Warum sollte man da Schlimmes befürchten?“, dachte sich Privatanleger Sundern und investierte erneut eine halbe Million Euro in die Aktien des DAX-Konzerns.

Just in jener Phase tauchten erste Hinweise auf Bilanzmanipulationen bei dem Zahlungsabwickler aus Aschheim bei München auf. Eine Sonderprüfung durch die Wirtschaftsprüfergesellschaft KMPG Ende 2019 nährte die Zweifel am dubiosen Geschäftsgebaren bei Wirecard.

Aktienkäufer Sundern glaubte in jener Phase immer noch an bewusst gestreute Gerüchte. Zumal Wirecard-Chef Markus Braun versuchte, die Gemüter zu beruhigen. Tenor: Alles in Ordnung.

Die Horrornachricht im April weckt erste Zweifel

Sunderns Vertrauen schwand erst, als im April 2020 eine Horrornachricht den Kurs der Wirecard-Aktie massiv einbrechen ließ. Der Verdacht verstärkte sich, dass Bankguthaben bei Geschäftspartnern in Asien nicht existierten. Der Konzern begann schwer zu schlingern. Ende Mai 2020 wurde die Jahreshauptversammlung verschoben.

Zu allem Überfluss verweigerten die Prüfer von EY, seit Jahren mit den Konzernabschlüssen befasst, das Testat für die letztjährige Bilanz. Aus dem Konzern sollen hohe Beträge in Steueroasen abgeflossen sein. Führende Protagonisten tauchten ab, die Staatsanwaltschaft durchsuchte die Büroräume wegen des Verdachts falsch veröffentlichter Adhoc-Mitteilungen durch den Vorstand, um die Talfahrt an der Börse zu stoppen. Schließlich folgte die Insolvenz.

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450.000 Euro mit Wirecard-Aktien verloren

„Ich habe die Wirecard-Aktie für 50 Euro gekauft“, seufzt der Berliner Privatinvestor Sundern, „heute ist sie gerade mal um die zwei Euro und ein paar Gequetschte wert.“ Den derzeitigen Verlust beziffert der Rentner auf etwa 450.000 Euro. „Alle Gewinne durch meine Aktiengeschäfte in den vergangenen Jahren sind futsch.“

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Sundern will auf Schadenersatz klagen. Er hat sich dem Sammelverfahren der Anwälte Wolfgang Schirp und Marc Liebscher angeschlossen. Da bei Wirecard wohl nicht mehr viel zu holen ist, verklagen die Juristen die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young, einem der Big-Four der Branche. „Wenn man sich anschaut, was EY bei seinen Testaten alles falsch gemacht hat, steht einem der Mund offen“, meint Schirp. So habe man etwa bei den Jahresabschlüssen zwischen 2016 bis 2018 Treuhandguthaben in Dubai, Singapur und auf den Philippinen in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro testiert, „obwohl keine Bestätigungen der kontoführenden Banken vorlagen“. Schirp spricht vom kleinen „Einmaleins des Wirtschaftsprüfer-Geschäfts.“

Auf EY rollt nach Insolvenz eine riesige Klagewelle zu

Aus Sicht der Anwälte rollt auf Ernst & Young eine riesige Klagewelle zu, „die sich zur größten in der deutschen Geschichte auswachsen könnte“. Nach eigenen Angaben vertreten beide Kanzleien inzwischen 7000 bis 10.000 Mandanten in der Causa. „Am Ende kommt ein Schadenvolumen von 1,5 Milliarden Euro auf EY zu“, erläutert der promovierte Jurist Schirp.

Erste Klagen haben die Juristen bereits am Landgericht Stuttgart, dem Hauptsitz von Enst & Young eingereicht. So sollen die EY-Kontrolleure etwa den Konzernabschluss 2018 abgesegnet haben, obwohl die Wirecard AG den Kassenbestand deutlich überhöht dargestellt hatte. In ihrer Argumentation stützen sich die Kläger vor allem auf das Sondergutachten von KMPG. In dem Report, so heißt es in einer Klageschrift, „stellte KPMG Sachverhalte fest, die zwingend darauf schließen lassen“, dass der Bestätigungsvermerk der Kollegen von EY „grob falsch und Angaben ins Blaue hinein enthält, die wesentlich sind für die unrichtige Finanzsituation der Wirecard AG“.  

Zum Schuldbeweis zitieren die Kläger aus dem Abschlussbericht der EY-Prüfer im Jahr 2018: Seinerzeit sollen die Kontrolleure der Wirecard AG quasi einen Persilschein ausgestellt haben. Angesichts der Ertragslage, so das Fazit im EY-Abschlussreport, „vermittelt der beigefügte Konzernlagebericht ein zutreffendes Bild“ von der Unternehmenssituation. Am Ende heißt es: „Wir tragen die alleinige Verantwortung für unsere Prüfungsurteile.“

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Wirecard-Kontrolleure sehen sich als Aufklärer

Bei EY wehrt man sich gegen die Vorwürfe. Tenor: Man kann nur die Dinge kontrollieren, die das Unternehmen preisgibt. „Es gibt deutliche Hinweise, dass es sich um einen umfassenden Betrug handelt, an dem mehrere Parteien rund um die Welt und in verschiedenen Institutionen mit gezielter Täuschungsabsicht beteiligt waren“, erklärte die WP-Gesellschaft kürzlich in einer Stellungnahme. Konspirativer Betrug, der darauf abziele, die Investoren und die Öffentlichkeit zu täuschen, gehe oft mit umfangreichen Anstrengungen einher, systematisch und in großem Stil Unterlagen zu fälschen, führen die Wirtschaftsprüfer aus. „Auch mit umfangreich erweiterten Prüfungshandlungen ist es unter Umständen nicht möglich, diese Art von konspirativem Betrug aufzudecken.“

Die Wirecard-Kontrolleure sehen sich gar als Aufklärer: „Im Rahmen der Abschlussprüfung für das Geschäftsjahr 2019 hat EY entdeckt, dass gefälschte Saldenbestätigungen und weitere gefälschte Unterlagen für die Treuhandkonten vorgelegt wurden.“ Wie die Argumente auch ausgetauscht werden: Am Ende werden wohl die Gerichte das letzte Wort in diesem Fall haben.

Auch der Staat soll zur Rechenschaft gezogen werden

Die Anwälte der angeschmierten Wirecard-Anleger um Wolfgang Schirp gehen noch einen Schritt weiter. Sie wollen den Staat ebenfalls zur Rechenschaft ziehen. „Sowohl Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) als auch der Chef der Finanzaufsicht Bafin, Felix Hufeld, haben bereits ein Versagen der staatlichen Aufsicht eingeräumt“, erläutert der Berliner Anwalt sein Vorhaben. Inzwischen hat Minister Scholz zwar angekündigt „die Schutzmechanismen zu überprüfen und zu verbessern”, aber den Anwälten reichen derart salbungsvolle Worte nicht aus.

Die Juristen bereiten derzeit so genannte „Amtshaftungsklagen“ vor, um die Finanz-Aufseher hierzulande in Regress zu nehmen. Schirp: „Insbesondere ausländische Investoren sind fassungslos über das Versagen des deutschen Staates und suchen gerichtliche Hilfe.“ Der Fall Wirecard steht erst am Anfang einer Finanzaffäre, die bis in die Politik hinein ihre Opfer sucht.

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