Juneteenth: Befreiungstag der Schwarzen in den USA | Amerika – Die aktuellsten Nachrichten und Informationen | DW

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Der vierte Juli ist in den USA einer der höchsten Feiertage. Am Nationalfeiertag haben viele Menschen frei, man kommt mit Familie und Freunden zusammen, es wird gegrillt und abends schauen sich alle das Feuerwerk an, das jeder noch so kleine Ort zur Feier der Unabhängigkeit von den britischen Kolonialherren in den Himmel schießt.

Aber für wen galt die Unabhängigkeit von fremden Herren, die am 4. Juli 1776 mit der Unterzeichnung der Declaration of Independence – der Unabhängigkeitserklärung – ins Leben gerufen wurde und seitdem jedes Jahr gefeiert wird? Frederick Douglass, der selbst Sklave war und später Anti-Sklaverei Aktivist und Schriftsteller, brachte es in einer Rede 1852 auf den Punkt. “Dieser vierte Juli ist eurer, nicht meiner”, sagte Douglass auf einer Unabhängigkeitsfeier am 5. Juli im Bundesstaat New York. Für die schwarzen Sklaven galt Freiheit und Unabhängigkeit nicht.

Frederick Douglass (Collection of the Smithsonian National Museum of African American History and Culture)

Frederick Douglass war einer der bedeutendsten US-amerikanischen Redner und Schriftsteller seiner Zeit

Sie mussten bis 1865 warten, zumindest in Texas. Die Sklaverei fand offiziell zwar schon zweieinhalb Jahre vorher ihr Ende. Präsident Abraham Lincoln hatte alle Sklaven ab dem 1. Januar 1863 für frei erklärt. Nur in Texas waren so gut wie keine Soldaten vor Ort, um das neue Gesetz durchzusetzen. Doch am 19. Juni 1865 traf die Armee der Nordstaaten in Texas ein, verkündete die frohe Botschaft und setzte sie gegen den Widerstand der damaligen “Sklavenbesitzer” um. Seitdem feiern Afroamerikaner den 19. Juni als Juneteenth, eine Kombination aus June und Nineteenth als Befreiungstag. Noch nie gehört? Das geht vielen weißen US-Amerikanern auch so.

Juneteenth – ein wichtiges Stück US-Geschichte

Wie viele den Feiertag und seine Bedeutung kennen, hängt auch davon ab, wo in den USA man sich befindet. “Ich wohne jetzt seit 15 Jahren in Maryland”, sagt Melvin Edwards, Sprecher für den Anne Arundel Schulbezirk in der Nähe von Baltimore. “Es gibt nicht viele Leute hier, die Juneteenth kennen, jedenfalls nicht viele Weiße.” Edwards Vorfahren waren Sklaven in Texas, er selbst ist ebenfalls im Lone Star State aufgewachsen. “Juneteenth ist ein Feiertag in Texas, also wissen hier mehr Leute darüber Bescheid.”

Die Emanzipationserklärung des Präsidenten der Vereinigten Staaten 1863 (Collection of the Smithsonian National Museum of African American History and Culture)

Lincolns Emancipation Proclamation bedeutete offiziell das Ende der Sklaverei

Dass der Tag der Befreiung der letzten Sklaven im Vergleich zum Unabhängigkeitstag so unbekannt ist, hat einen einfachen Grund, sagte Edwards der DW. “Das wird nicht unterrichtet.” Selbst im “Black History Month” Februar, in dem Schüler aller Klassenstufen im ganzen Land mehr über schwarze Geschichte und Traditionen lernen, spiele der Juneteenth keine große Rolle.

Wer in der Schule nichts von dem Feiertag hört und in einem größtenteils weißen Umfeld aufwächst, hat wenig Berührungspunkte, durch die er vom “schwarzen Unabhängigkeitstag”, wie Juneteenth auch genannt wird, erfahren könnte.  Dabei sei es für alle Schüler wichtig, die Bedeutung des 19. Juni 1865 zu kennen – es sei ein wichtiges Stück US-amerikanische Geschichte, sagt er. “Ich will nicht, dass das nur auf die schwarze Community beschränkt wird”, sagt Edwards. “Wir alle sind Teil der USA, also sollten wir alle die Geschichte kennen.”

Stolz auf die eigenen Wurzeln

Das National Museum for African American History and Culture (NMAAHC) in Washington DC erinnert auf acht Etagen an die Geschichte der Afroamerikaner. Auch wenn das Museum aktuell wegen der Coronavirus-Pandemie geschlossen hat: Am Juneteenth können Interessierte auf der Website des Hauses Präsentationen über die Geschichte des Feiertags ansehen oder an einem Online-Workshop zur Familien- und Herkunftsforschung teilnehmen.

Joanne Hyppolite ist Kuratorin am NMAAHC und Expertin für Kulturgeschichte. “In Texas wurde Juneteenth bereits ein Jahr nach der Befreiung der letzten Sklaven gefeiert”, erzählt sie der DW. Dass ehemalige Sklaven aus den Südstaaten nach dem Ende der Sklaverei in große Städte im Norden und Westen des Landes zogen hatte großen Einfluss darauf, wie und wo der Feiertag im Rest des Landes wahrgenommen und begangen wurde. Bis sich Juneteenth in der schwarzen Community als Feiertag etablierte dauerte es aber um die 100 Jahre. “Nach der Bürgerrechts- und der Black Power-Bewegung in den 1960ern und 1970ern wollten Afroamerikaner ihre Geschichte würdigen und stolz auf ihre Wurzeln blicken. Der Juneteenth war eine gute Gelegenheit dafür”, sagt Hyppolite. Seit den 1970ern sei der 19. Juni ein für Schwarze wichtiger Tag im Kalender.

Heute wird Juneteenth mit speziellen Gottesdiensten oder Grillfesten gefeiert, im Kreise der Familie oder auch mit der ganzen Nachbarschaft. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Farbe Rot – warum, wisse sie nicht, sagt Hyppolite mit einem Lachen. Aber viele der Feiernden tragen rote Kleidung und serviert werden rote Lebensmittel wie Erdbeer-Softdrinks oder der US-amerikanische Klassiker Red Velvet Cake.

USA Pennsylvania Juneteenth Jahrestag (picture alliance/AP Images)

Bei der Juneteenth Parade im Juni 2018 erinnerte die schwarze Gemeinde in Pittsburgh an den 17-jährigen Afroamerikaner Antwon Rose, der von einem weißen Polizisten erschossen wurde.

“Es geht nicht darum, was Weiße denken”

Aber auch Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt gehören seit Jahren zum Juneteenth. Melvin Foote ist der Präsident der in Washington DC ansässigen politischen Organisation “Constituency for Africa”, die US-amerikanischen Bürgern und Politikern Themen aus und über den Kontinent Afrika näher bringt. Für Foote ist Juneteenth ein Tag der Reflexion, an dem die Menschen darüber nachdenken sollen, wie weit das Land seit der Befreiung der Sklaven schon gekommen ist – aber auch daran, was sich noch ändern muss.

Dieses Jahr gebe es besonderen Grund zum Nachdenken, nicht nur aufgrund der Polizeigewalt, die zu George Floyds Tod und landesweiten Black Lives Matter Protesten geführt hat. Die andauernde Coronavirus-Pandemie habe aufgezeigt, wie groß die Ungleichheiten im US-Gesundheitssystem seien. Wenig sensibel sei auch der Plan von US-Präsident Donald Trump gewesen, am Juneteenth seine erste große Wahlveranstaltung nach dem Corona-Lockdown abhalten zu wollen – und das in Tulsa, dem Ort, an dem 1921 eines der schlimmsten Massaker an Schwarzen in der US-Geschichte stattfand. Nachdem die Ankündigung für Entsetzen gesorgt hatte, verschob Trump das Event um einen Tag. All das habe für “mehr Aufmerksamkeit” für Juneteenth gesorgt, sagt Foote.

Es sei zwar positiv, wenn immer mehr Menschen von der Bedeutung des Feiertags wüssten. Am Juneteenth solle sich die schwarze Community aber vor allem auf sich selbst besinnen. “Es geht nicht so sehr darum, was weiße Menschen denken, sondern darum, was wir denken”, sagte Foote der DW. “Was denken wir über uns selbst, was denken wir über unsere Kinder, über unsere Community. An diesem Juneteenth wird es darum gehen, dass wir aufstehen.”



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