Karstadt und Galeria Kaufhof: 82 Filialen machen zu – diese Städte trifft es

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Zusätzlich zur geplanten Schließung von Dutzenden Filialen der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof sollen auch 20 der 30 Niederlassungen der Tochter Karstadt Sports dicht machen. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Samstag. Die Verhandlungen hätten bis zum frühen Morgen gedauert, hieß es. Zuvor hatte der “Kölner Stadt-Anzeiger” darüber berichtet.

Karstadt Sports: Wo Filialen nun geschlossen werden sollen

Nach Informationen der Zeitung sollen unter anderem die Standorte in Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen, Hamburg und München sowie die Hauptverwaltung von Karstadt Sports in Essen geschlossen werden. Der “Spiegel” berichtet zudem, dass auch die Standorte in Wiesbaden, Frankfurt am Main, Kiel, Hanau, Rosenheim und Norderstedt betroffen seien. Die Geschäftsleitungen der Filialen seien am Nachmittag informiert worden.

Insgesamt sollen 700 Arbeitsplätze betroffen sein. Eine komplette Liste, welche Filialen dicht gemacht werden sollen, lag der dpa zunächst nicht vor.

62 Karstadt-Kaufhof-Filialen machen dicht

Der angeschlagene Warenhauskonzern hatte am Vortag die Schließung von 62 seiner 172 Häuser angekündigt. Nach Angaben des Gesamtbetriebsrates werden dadurch insgesamt 5317 Mitarbeiter ihre Arbeit verlieren. Der Konzern hat derzeit noch 28 000 Beschäftigte. Ursprünglich hatte die Geschäftsführung sogar bis zu 80 Geschäfte dicht machen wollen.

Die Geschäftsführung von Galeria Karstadt Kaufhof hatte die Maßnahmen am Freitag als unvermeidlich bezeichnet. “Wir wissen, was dies für die betroffenen Mitarbeiter bedeutet. Aber dieser Schritt ist ohne Alternative, weil diese Filialen den Gesamtbestand des Unternehmens gefährden”, sagte der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz.

Angesichts der angekündigten Schließungen warnen Kommunen und Politik vor einem Aussterben der Innenstädte. “Die betroffenen Kommunen müssen gemeinsam mit dem Handel und den Immobilieneigentümern Zukunftsstrategien erarbeiten”, sagte der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, der “Passauer Neuen Presse” (Samstag). Eine zentrale Rolle komme den Immobilieneigentümern zu.

Diese Filialen von Galeria Kaufhof und Karstadt sollen schließen

Bayern:

  • Ingolstadt (Galeria Kaufhof) 694
  • München Am Nordbad (Karstadt Warenhäuser) 172
  • München OEZ (Karstadt Warenhäuser) 170
  • München Stachus (Galeria Kaufhof) 326
  • Nürnberg (Karstadt Warenhäuser) 176
  • Nürnberg Langwasser (Karstadt Warenhäuser) 179

Baden-Württemberg:

  • Göppingen (Galeria Kaufhof)  306
  • Leonberg (Karstadt Warenhäuser) 188
  • Mannheim N7 (Galeria Kaufhof) 737
  • Singen (Karstadt Warenhäuser) 230
  • Stuttgart Bad Cannstatt (Galeria Kaufhof) 449

Berlin:

  • Berlin Charlottenburg (Karstadt Warenhäuser) 352
  • Berlin Gropius-Passage (Karstadt Warenhäuser) 050
  • Berlin Hohenschönhausen (Galeria Kaufhof) 594
  • Berlin Müllerstraße (Karstadt Warenhäuser) 110
  • Berlin Ringcenter (Galeria Kaufhof) 586
  • Berlin Tegel (noch nicht eröffnet) 229
  • Berlin Tempelhof (Karstadt Warenhäuser) 111

Brandenburg:

  • Potsdam (Karstadt Warenhäuser) 324

Bremen:

  • Bremen (Galeria Kaufhof) 745
  • Bremerhaven (Karstadt Warenhäuser) 108

Hamburg:

  • Hamburg AEZ (Galeria Kaufhof) 519
  • Hamburg Bergedorf (Karstadt Warenhäuser) 349
  • Hamburg Mönckebergstraße (Galeria Kaufhof) 343
  • Hamburg Wandsbek (Karstadt Warenhäuser) 150

Hessen:

  • Frankfurt Hessen-Center (Galeria Kaufhof) 524
  • Frankfurt Zeil (Karstadt Warenhäuser) 025
  • Schnäppchencenter Frankfurt NZW (nur temporärer Betrieb) 178
  • Fulda (Galeria Kaufhof) 504
  • Schnäppchencenter Gießen 084
  • Sulzbach MTZ (Karstadt Warenhäuser) 057

Mecklenburg-Vorpommern:

  • Neubrandenburg (Galeria Kaufhof) 592

Niedersachsen:

  • Braunschweig (Galeria Kaufhof) 755
  • Goslar (Karstadt Warenhäuser) 142
  • Hannover Georgenstraße (Karstadt Warenhäuser) 151
  • Osnabrück (Galeria Kaufhof) 716

Nordrhein-Westfalen:

  • Bielefeld (Karstadt Warenhäuser) 103
  • Bonn (Karstadt Warenhäuser) 353
  • Brühl (Galeria Kaufhof) 595
  • Dortmund (Galeria Kaufhof) 445
  • Dortmund (Karstadt Warenhäuser) 119
  • Düsseldorf Schadowstraße (Karstadt Warenhäuser) 121
  • Düsseldorf Wehrhahn (Galeria Kaufhof) 347
  • Essen (Galeria Kaufhof) 764
  • Essen (Karstadt Warenhäuser) 118
  • Gummersbach (Karstadt Warenhäuser) 231
  • Gütersloh (Karstadt Warenhäuser) 333
  • Hamm (Galeria Kaufhof) 518
  • Iserlohn (Karstadt Warenhäuser) 154
  • Köln Weiden (Galeria Kaufhof) 307
  • Leverkusen (Galeria Kaufhof) 517
  • Mönchengladbach Rheydt (Karstadt Warenhäuser) 237
  • Neuss (Galeria Kaufhof) 596
  • Witten (Galeria Kaufhof) 738

Saarland:

  • Neunkirchen (Galeria Kaufhof) 548

Sachsen:

  • Chemnitz (Galeria Kaufhof) 549

Sachsen-Anhalt:

  • Dessau (Karstadt Warenhäuser) 275
  • Schleswig-Holstein:
  • Flensburg (Karstadt Warenhäuser) 219
  • Lübeck (Karstadt Warenhäuser) 165
  • Neumünster (Karstadt Warenhäuser) 334
  • Norderstedt (Karstadt Warenhäuser) 298

Rheinland-Pfalz:

  • Landau (Galeria Kaufhof) 513
  • Mainz (Karstadt Warenhäuser) 053
  • Trier Simeonstraße (Karstadt Warenhäuser) 261
  • Worms (Galeria Kaufhof) 506

Vermieter will Gespräche führen

Der Center-Manager ECE als einer der großen Vermieter kündigte weitere Gespräche an. “Solange noch nichts endgültig entschieden ist, wollen wir versuchen, weiter mit Karstadt Kaufhof zu verhandeln und für die Standorte zu kämpfen”, sagte Steffen Eric Friedlein, Geschäftsführer Vermietung der ECE, am Samstag in Hamburg. 12 der 172 Standorte des Konzerns befinden sich – oftmals schon seit Jahrzehnten – in verschiedenen von der ECE betriebenen Shopping-Centern und seien zu einem großen Teil von den Schließungsplänen betroffen.

“Wir haben in den letzten Wochen mit viel Engagement und großem Einsatz zwischen Galeria Karstadt Kaufhof und den Eigentümern unserer Center vermittelt und sehr weitreichende Lösungsangebote erarbeitet, um Standortschließungen in unseren Centern zu vermeiden und die Arbeitsplätze in den Filialen zu erhalten”, sagte Friedlein.

Die Grünen forderten, die Bundesregierung müsse “Kauf-vor-Ort”-Gutscheine einführen, um den stationären Einzelhandel sowie örtliche Dienstleistungen und Gastronomie zu unterstützen. “Innenstädte und Ortskerne dürfen nicht aussterben. Die Bundesregierung muss deshalb die Überbrückungshilfen dringend über August hinaus verlängern”, sagte die wirtschaftspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Katharina Dröge.

“50.000 Einzelhändler vor der Pleite”

Landsberg sagte der “Passauer Neuen Presse”, Galeria Karstadt Kaufhof stehe stellvertretend für die Krise vieler stationärer Händler, die durch die Corona-Pandemie verschärft worden sei. “Nach Schätzungen von Handelsexperten stehen 50 000 Einzelhändler vor der Pleite.” Im Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Samstag) betonte er, die Corona-Pandemie biete aber auch eine Chance: “Es muss uns gelingen, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln – zum Beispiel Gemeinschaftskonzepte zwischen Handel, Gastronomie, Kultur, aber auch Büronutzungen.” Weitere Schließungen müssten verhindert werden.

Das Wohnen in Innenstädten könne attraktiver werden, zumal wegen des Trends zum Homeoffice weniger Büroräume gebraucht würden. “Ziel muss es sein, dem drohenden Ausbluten unserer Innenstädte aktiv zu begegnen”, so Landsberg. Hierfür müssten sich Kommunen, Unternehmen, Insolvenzverwalter und Immobilieneigentümer an einen Tisch setzen.

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