Kinderbonus wird ab jetzt ausgezahlt, welche Familien ihn als erstes bekommen

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Dieser Text ist bereits am 5. Juni bei FOCUS Online erschienen. Da der Kinderbonus ab 7. September an Millionen Eltern erstmals ausgezahlt wird, haben wir ihn noch ein mal für Sie aktualisiert.

Anfang Juni hatte die Bundesregierung angesichts der Corona-Krise viele positiv mit ihrem milliardenschweren Konjunkturprogramm überrascht – auch Familien. Sie können sich ab morgen über zusätzliches Geld vom Staat freuen. 300 Euro gibt es einmalig für jedes Kind, ausgezahlt wird es in zwei Raten im September (200 Euro) und im Oktober (100 Euro).

Wer profitiert vom Kinderbonus?

Weil der Bonus jedoch bei der Steuererklärung mit dem Kinderfreibetrag verrechnet wird, profitieren Familien jedoch nur bis zu einem gewissen Einkommen. Laut dem Familienministerium erhält ein zusammenveranlagtes Elternpaar mit drei Kindern beispielsweise bis zu einem Einkommen von 67.816 Euro in voller Höhe den Kinderbonus für alle drei Kinder.

Oberhalb dieser Höhe wird der Bonus allmählich abgeschmolzen. Das Ministerium schreibt: „Im Ergebnis erhalten rund 80 Prozent der Kinder die volle Entlastung durch den Kinderbonus, rund 20 Prozent werden nur teilweise oder nicht entlastet.“

Wann wird der Kinderbonus im September ausgezahlt

Das Geld geht zusammen mit der monatlichen Kindergeldzahlung auf dem Konto ein und muss in den meisten Fällen nicht extra beantragt werden. Wann konkret das der Fall ist, hängt von der Endziffer der Kindergeldnummer ab. Steht dort eine Null, gehört man zu den ersten und ist am 7. September dabei. Für die Endziffern 1 bis 9 wird im September nach und nach von den Familienkassen überwiesen.

Der Anspruch auf den Bonus gilt für jedes Kind, das in diesem Jahr kindergeldberechtigt ist oder war. Gezahlt wird also auch für Kinder, die bis zum 31. Dezember geboren werden oder für diejenigen, deren Kindergeldanspruch in den vergangenen Monaten seit Januar bereits erloschen ist oder bis Ende des Jahres erlischt.

Wohlfahrtsorganisationen begrüßen den Kinderbonus

Viele Wohlfahrtsorganisationen begrüßen den geplanten Bonus. Er sei sozial gerecht und familienfreundlich. Doch nach der Anfangseuphorie, dass sozial benachteiligte Familien nicht leer ausgehen, kündigen sich bei vielen gemeinnützigen Vereinen, die sich soziale Fürsorge und Armutsbekämpfung auf die Fahne geschrieben haben, auch Bauchschmerzen an.

Der Grund: Der Kinderbonus mag vielleicht in den kommenden Monaten erste Symptome der Krise lindern, der aktuell hohen Belastung von Eltern dürfte er am Ende aber nicht gerecht werden. Denn besonders sozial benachteiligte Familien und deren Kinder haben in den Wochen, in denen Schulen, Tafeln und soziale Einrichtungen schließen mussten, extrem gelitten.

Armutsforscher findet Kinderbonus reicht nicht aus

Das betont auch der Armutsforscher Christoph Butterwegge im Gespräch mit FOCUS Online und kritisiert: „Der Staat stiehlt sich mit einer Einmalzahlung aus der Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass insbesondere Familien im Transferleistungsbezug (Anmerkung der Redaktion: Staatliche Leistungen wie Hartz IV) gut durch diese längere Krise kommen.“

Die zusätzlichen Kosten, die in den vergangenen Wochen und Monaten durch den Lockdown entstanden seien, könne der Kinderbonus nicht abfedern, so Butterwegge. „Da eine gemeinschaftliche Mittagsverpflegung nicht möglich ist, hat die Bundesregierung im Sozialschutzpaket II zwar festgelegt, dass Essen zu den sozial benachteiligten Familien nach Hause geliefert werden kann. Doch in der Praxis funktioniert das kaum, weil die Träger der Betreuungseinrichtungen und Schulen dazu meist gar nicht in der Lage sind“, erläutert er.

Arche will Kindereinkommen einführen

Bei der Arche begrüßt man den geplanten Kinderbonus zwar, doch hier betont man ebenfalls, dass der Bonus gerade mit Blick auf die Kinderarmut in Deutschland nichts beitrage. „Im Prinzip ist das natürlich schön, dass eine Familie 300 Euro bekommt pro Kind“, sagt Wolfgang Büscher zu FOCUS Online. Seit 16 Jahren ist er Pressesprecher bei dem christlichen Kinder- und Jugendhilfswerk, das sich besonders für Kinder aus sozial benachteiligten Verhältnissen engagiert. Es sei richtig, dass der Kinderbonus nicht auf die Grundsicherung angerechnet werde. Allerdings wäre er für sozial benachteiligte Kinder lediglich „ein Tropfen auf den heißen Stein“.

„Wir haben das einmal ausgerechnet: Einer alleinerziehenden Mutter mit drei Kindern fehlten in der Corona-Krise auf einmal 240 Euro im Monat. Und wenn man fast nichts hat, dann geht das an die Substanz“. Der Kinderbonus sei zu spät eingeführt worden, sagt er.

Daneben sieht Büscher noch ein weiteres Problem: „Kindergeld und Kinderbonus gehören den Eltern und nicht den Kindern. Das Geld wird nicht zwingend zugunsten der Kinder und ihrer Bedürfnisse investiert. Deshalb fordern wir eine Grundsicherung für Kinder“, erklärt er. Die Idee dahinter: Alle Kinder erhalten unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern ein Gehalt in Höhe von 600 Euro pro Monat. Dieses Geld wird auch anders als das Kindergeld nicht auf den Hartz-IV-Satz der Eltern angerechnet.

Das Geld soll vom ersten bis zum 27. Lebensjahr ausgezahlt werden. Das Besondere an dem Einkommen ist, dass eine Hälfte des Geldes an die Schule oder die Kita gehen soll. Die andere Hälfte bekommt die Familie. So sollen Kinder früh gefördert werden und beispielsweise an Klassenfahrten teilnehmen oder Nachhilfe bekommen, die von der Schule organisiert wird.

Kindereinkommen würde rechtlich den Kindern zustehen

„Wenn Kinder aus sozial benachteiligten Familien nicht besser gefördert werden, scheitern die meisten von ihnen“, so Büscher. Das Kindereinkommen hätte den Vorteil, dass das Geld rechtlich den Kindern und nicht den Eltern zusteht.

Somit könnten sie sogar theoretisch klagen, wenn es nicht für sie ausgegeben wird, sondern beispielsweise für neue Gebrauchsgegenstände oder Konsumgüter wie eine neue Waschmaschine. Der Druck sei für die Eltern so erheblich größer, betont Büscher.

Gerade angesichts der aktuellen Krise sei es wichtiger denn je, dass Kindereinkommen einzuführen, das die Arche schon länger fordert. „Die Familien bei uns sind in eine unvorstellbar schwierige Situation gerutscht. Das Schulessen ist ausgefallen. Arche- und Tafelbesuche waren nicht mehr möglich“, berichtet er und appelliert: „Kinder sind keine Zukunft, Kinder sind Gegenwart. Gerade in schwierigen Zeiten brauchen wir ein eigenes Einkommen für Kinder, damit wir sie nicht ausgrenzen.“ Für mehr Chancengleichheit müssten Kinder unabhängiger von ihren Eltern werden.

Armutsforscher Butterwegge will Regelsatz anheben

Armutsforscher Christoph Butterwegge mahnt hingegen, dass der Staat gerade in der Pandemie passgenau helfen müsse – anders als das beim Kindereinkommen der Fall sei. „Das heißt: Nicht über alle mit der Gießkanne denselben Betrag ausschütten, sondern die jeweiligen Lebensumstände berücksichtigen“, so Butterwegge. Langfristig müsste vielmehr der Fokus daraufgelegt werden, dass die soziale Bildungs- und Betreuungsinfrastruktur verbessert werde.

„Die Bundesrepublik ist vielleicht kein Schlusslicht mehr, aber im Vergleich zu anderen EU-Mitgliedsstaaten noch immer ein Nachzügler. In skandinavischen Ländern, wo in Schulklassen nur 15 Schülerinnen und Schüler sitzen, es auch häufig Teamteaching mit zwei Lehrern sowie Schulpädagogen und -psychologen gibt, existieren aktuell viele Probleme gar nicht, die es bei uns spätestens seit den Corona-Beschränkungen gibt.“

Butterwegge mahnt: Schon vor der Pandemie hätten fast zwei Millionen Kinder mit Hartz IV gelebt, wegen der Coronakrise und ihren wirtschaftlichen Folgen dürfte die Anzahl nun weiter steigen. Der Armutsforscher fordert deshalb, dass die Grundsicherung angehoben wird, Hartz-IV-Empfänger mehr Geld erhalten. „Mit den aktuellen Regelsätzen kann man sein Kind weder gesund ernähren noch gut kleiden und ihm erst recht keine guten Chancen im Bildungsbereich eröffnen.“ Gerade beim E-Learning und digitalem Unterricht seien sozial benachteiligte Kinder derzeit besonders abgehängt.

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