Konjunktur: Wie es mit der Weltwirtschaft weitergeht

0
81
Werbebanner

Das klassische „V“: Zu Beginn der Coronavirus-Pandemie stellten Ökonomen einen raschen Einbruch und eine rasche Erholung in Aussicht. Damals waren es einige hunderttausend Infizierte. Nun, mit 18 Millionen Fällen weltweit, deutet sich immer stärker an, dass die Weltwirtschaft länger unter der bisher größten Krise des 21. Jahrhunderts leiden wird.

So hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Prognosen gehörig nach unten korrigiert. Für 2020 rechnet der IWF in seinem Juni-Bericht mit einem Rückgang des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 4,9 Prozent. Das sind 1,9 Prozentpunkte weniger als in der April-Prognose.

Die jüngsten BIP-Zahlen der größten Volkswirtschaften bestätigen diese düsteren Aussichten. Massiv brach die Wirtschaft auf der ganzen Welt wegen der Corona-Maßnahmen ein. Vielerorts hat allerdings auch schon eine Erholung der Konjunktur wieder eingesetzt. Ein Überblick:

Deutschland: Die Hälfte ist schon wettgemacht

Nie nahm die Wirtschaftsleistung der Bundesrepublik so rapide ab wie im zweiten Quartal. Dem Statistischen Bundesamt zufolge sank das deutsche Bruttoinlandsprodukt um 10,7 Prozent zum Vorquartal – ein Einbruch, der mühelos das Minus der Finanzkrise ab 2007 von 4,7 Prozent in den Schatten stellt.

Noch vor diesen Daten hatte der IWF seine Prognose für Deutschland nach unten geschraubt. Noch im April ging der IWF von einem Jahresminus von 7,0 Prozent aus. Zuletzt waren es minus 7,8 Prozent. Dafür soll unsere Wirtschaft im kommenden Jahr mit 5,4 Prozent wachsen, immerhin 0,2 Prozentpunkte mehr als bei der vorigen Prognose.

Wenngleich das Katastrophen-Quartal ein nie dagewesenes Minus mit sich brachte, merkten Volkswirte an, dass die Erholung hierzulande bereits eingesetzt hat. Darauf wiesen die Commerzbank-Ökonomen Jörg Krämer und Ralph Solveen vergangenen Donnerstag hin: „Der natürliche Schaffensdrang der Menschen bricht sicher wieder Bahn. Mittlerweile dürfte die Wirtschaft mehr als die Hälfte des vorherigen Einbruchs wettgemacht haben“, schrieben die Experten. Sichtbar sei dies etwa am seit Ende April sprunghaft angestiegenen Lkw-Verkehr, wenngleich sich die Erholung im Juni abschwächte.

Indikatoren des Londoner Analysehauses Capital Economics unterstreichen das. So lag der Stromverbrauch Deutschlands zuletzt nur noch gut zehn Prozent unter dem Vorjahr, nach zeitweiligen Einbrüchen von bis zu 20 Prozent. Zugleich zeigen sich deutsche Verbraucher wieder konsumfreudiger. Die Restaurantbesuche lagen im Juli sogar gut 20 Prozent über dem Vorjahr, so Daten von Capital Economics.

Auch die Marktforscher der GfK vermeldeten jüngst eine wiederaufkeimende Konsumlust der Deutschen. „Für das Konsumklima zeichnet sich gegenwärtig eine V-förmige Entwicklung ab“, hieß es bei der Verkündung der jüngsten Verbraucher-Indikatoren. Dem GfK-Konsumexperten Rolf Bürkl zufolge zeige die temporäre Mehrwertsteuer-Senkung Wirkung: „Die Verbraucher beabsichtigen offenbar, geplante größere Anschaffungen vorzuziehen, was dem Konsum in diesem Jahr hilft.“

Trotz der katastrophalen BIP-Zahlen kämpft sich Deutschlands Wirtschaft also bereits wieder aus der Krise heraus. Die Commerzbank-Experten sind darum weniger pessimistisch als der IWF. Sie erwarten einen Rückgang von 5,5 Prozent im Gesamtjahr 2020.

Eurozone: 15 Jahre Konjunktur in zwei Quartalen einfach verpufft

Nach den deutschen BIP-Zahlen vermeldete das europäische Statistikamt Eurostat vergangene Woche ebenfalls einen beispiellosen Einbruch. In der Eurozone sank das Bruttoinlandsprodukt um 12,1 Prozent zum Vorquartal – mehr als dreimal so stark wie im ersten Quartal, als das BIP um 3,6 Prozent schrumpfte, was damals schon ein neuer Negativrekord war.

Einer Analyse der DZ Bank zufolge sank die Wirtschaftsleistung dadurch auf das Niveau des Jahres 2005 ab. Anders ausgedrückt: „15 Jahre Konjunkturgeschehen wurden innerhalb von nur zwei Quartalen zurückgesetzt.“ Aufs Gesamtjahr gesehen dürfte das BIP laut IWF-Prognose um 10,2 Prozent sinken. Das sind nochmals 2,7 Prozentpunkte mehr als im April vorausgesagt wurden. 2021 soll das Euroraum-BIP wiederum um 6,0 Prozent wachsen. Diese Prognose schraubte der IWF damit um 1,3 Prozent nach oben.

Diese Momentaufnahme des Euro-BIPs täuscht ebenso darüber hinweg, dass sich die Konjunktur seit geraumer Zeit wieder erholt. „Wie in Deutschland verdecken die katastrophalen Zahlen für den Quartalsdurchschnitt, dass die Erholung der Wirtschaft bereits im Verlauf des zweiten Quartals begonnen hat und in einigen Ländern bereits ein beträchtlicher Teil des Einbruchs wieder wettgemacht wurde“, kommentierten Commerzbank-Experten die Zahlen.

Auch die DZ Bank verwies darauf, dass der „Tiefpunkt der aktuellen Krise erstmal durchschritten ist“. Andere Datenpunkte bestätigen dies. Öffentliche Verkehrsmittel etwa werden in den größten Metropolen Europas – Rom, Paris, Madrid – wieder vermehrt genutzt. Zwar liegt das Niveau, so die Daten von Capital Economics, noch gut 40 Prozent unter dem Niveau vor der Krise. Doch das sind satte 40 Prozentpunkte mehr als noch zu Beginn der Pandemie.

Zudem steige das Verbrauchervertrauen im Euroraum wieder, vermeldete jüngst die Europäische Kommission. Im Euroraum stieg der Economic Sentiment Indicator im Juli um 6,5 auf 82,3 Zähler und arbeitet sich damit wieder an das langfristige Mittel von 100 Punkten an. Damit habe der Indikator etwa die Hälfte der Verluste der Monate März und April mittlerweile wieder wettgemacht, so die EU-Kommission.

USA: In ein tiefes und dunkles Loch gefallen

Auf der anderen Seite des Atlantiks scheint die Lage dramatischer. Die USA verzeichnen die mit Abstand meisten Fälle und Verstorbenen der Pandemie, wie Daten der Universität John Hopkins zeigen. Ein Abflauen der Pandemie ist nicht in Sicht. Vielmehr stieg der Schnitt der Neuinfektionen auf über 60.000 Fälle pro Tag, höher als je zuvor, bezeugt eine Datenaggregation der Universität Oxford.

Entsprechend stark brach das dortige BIP im zweiten Quartal an. Die Wirtschaftsleistung sank um satte 32,9 Prozent zum ersten Quartal, wobei diese Rate aufs Jahr hochgerechnet ist und damit nicht direkt mit den europäischen Zahlen vergleichbar ist. „[Der Report] zeigt, wie tief und dunkel das Loch ist, in welches die Wirtschaft gefallen ist“, sagte Moody’s-Chefökonom Mark Zandi gegenüber „CNBC“ zu den Zahlen, und fügte an: „Wir arbeiten uns da raus, aber es wird eine lange Zeit dauern, bis wir draußen sind.“

Der IWF war indes schon vor den Daten pessimistischer für die USA geworden. Die Jahresprognose 2020 für die USA liegt bei minus 8,0 Prozent, nochmals 1,9 Prozentpunkte tiefer als im April. Die Erholung dürfte indes weniger kräftig ausfallen als in Europa. Für das Jahr 2021 rechnet der IWF mit einem BIP-Zuwachs von 4,8 Prozent.

Zwar merken Ökonomen auch bei den Vereinigten Staaten an, dass die Erholung längst begonnen hat. „Parallel zu der Lockerung der Kontaktbeschränkungen [im April] geht es seitdem auf breiter Front wieder aufwärts, wie etwa die Einzelhandelsumsätze, die Industrieproduktion und die Baubeginne im Mai und Juni zeigen“ schrieb Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz.

Anders als in Europa aber zeigen aktuellere Daten ein gemischtes Bild. „Hochfrequenzdaten zur Beschäftigung, Restaurantbesuchen, Hotelübernachtungen und der Mobilität deuten darauf hin, dass die neuerliche Infektionswelle viele Verbraucher wieder zögern lässt“, merkte Balz an, wobei es tatsächlich sogar scheint, als habe die USA noch nicht einmal die erste Welle der Pandemie überstanden.

Die Konsumfreude in den USA nahm zuletzt tatsächlich wieder ab. Das von der Universität Michigan erhobene Verbrauchervertrauen sank im Juli überraschend von 73,2 auf 72,5 Punkte ab. Noch im Juni war der Indikator sprunghaft wieder angestiegen, mittlerweile scheinen viele US-Konsumenten wieder unsicherer. Noch vor der Krise hatte der Index bei über 100 Zählern notiert.

Dennoch ist die Erholung auch in den USA im Gange. Ein Indiz dafür ist der BIP-Indikator „GDPNow“ der Notenbank Federal Reserve in Atlanta – eine Art „Schnappschuss“ des momentanen Wachstums, basierend auf den aktuellsten Daten. Zuletzt deutete der Indikator ein Wachstum von annualisiert 11,9 Prozent an.

China: Der Drache wächst auch dieses Jahr

Als einzige der großen Volkswirtschaften hat China – Ursprung und erstes Epizentrum der Pandemie – Mitte Juli bereits wieder Wachstum vermeldet. Demnach wuchs die chinesische Wirtschaft um 3,2 Prozent zum Vorjahr. Im ersten Quartal noch war die Wirtschaftsleistung um 6,8 Prozent geschrumpft, der erste Rückgang seit mindestens 1992, dem Beginn der quartalsweisen Erhebung.

Nur für China sagt der IWF für das laufende Jahr noch Wachstum voraus, wenngleich nur um ein Prozent. 2021 soll es dann prompt wieder um 8,2 Prozent nach oben gehen. Beide Prognosen sind nur minimal schlechter als noch im April. Ob sich der „Drache“ tatsächlich so gut in der Krise schlägt, ist fraglich – wieder und wieder äußerten Ökonomen außerhalb Chinas Zweifel an den Daten der Volksrepublik.

Übertrieben scheint die Konjunktur dort unter Berücksichtigung anderer Daten aber nicht unbedingt. Laut Capital Economics liegen beispielsweise das Passagieraufkommen und die Immobilienverkäufe seit Anfang Juni sogar oberhalb des Niveaus zum Jahresbeginn. Bekräftigt werden diese Indikatoren durch deutsche Firmen in China. Diese nämlich sind größtenteils wieder auf Normalbetrieb, wie eine Umfrage der Außenhandelskammer zeigt.

So gaben 80 Prozent der Firmen an, zumindest bei der Produktion am Standort China bereits wieder zur Normalität zurückgekehrt zu seien. Größtes Hindernis bleiben indes die Reisebeschränkungen. Achim Haug, Asien-Experte der deutschen Außenhandelsagentur GTAI, betonte das ebenso: „Einkäufer beispielsweise, die in China etwa verarbeitete Güter oder Vorprodukte beschaffen wollen, können nicht einmal eben dorthin. Es gibt zwar Charterflüge, doch dafür braucht es ein Visum, das es nur mit Einladungsschreiben der Behörden dort gibt.“

Das stellt beispielsweise deutsche Branchen wie den Maschinenbau vor Herausforderungen, deren Angestellte nun nicht einfach für Montage oder Wartung einreisen können. Auf der anderen Seite ist der deutsche Export nach China stabil. China könnte so in diesem Jahr Frankreich und die USA bei den Ausfuhren überholen und erstmals wichtigstes Exportland für Deutschland werden. China stelle laut Haug einen „Stabilitätsanker für Deutschlands Wirtschaft“ dar, insbesondere für Schlüsselindustrien wie den Autobau.

Wie stark Chinas Erholung ist, unterstrich erst am Montag der Caixin-Einkaufsmanagerindex des herstellenden Gewerbes. Dieser stieg von 51,2 auf 52,8 Zähler im Juli. Damit toppte der Indikator nicht nur die Erwartungen, sondern stieg auch auf den höchsten Wert seit über neun Jahren, wie Capital Economics anmerkte.

Schwellenländer: Der Wachstumsmotor der Welt ist bedroht

Nicht nur die Industrieländer sind für die Weltwirtschaft wichtig, wenngleich ihr Anteil am globalen BIP am größten sind. Gerade beim Wachstum aber spielen die Schwellenländer, auch „Emerging Markets“ genannt, eine nicht unerhebliche Rolle.

Tatsächlich dürften diese Volkswirtschaften nicht ganz so deutlich unter Pandemie leiden wie beispielsweise Deutschland oder die USA. Der IWF geht für die Gesamtheit der Schwellenländer von einem BIP-Minus von nur 3,0 Prozent im laufenden Jahr aus – deutliche 1,9 Prozentpunkte weniger als für das globale BIP. Den Ausschlag dürfte hier aber ebenfalls China machen, denn der IWF zählt das Land zur Gruppe der „Emerging Markets“.

Allerdings kristallisieren sich enorme, regionale Unterschiede heraus. Indiens Wirtschaftsleistung beispielsweise dürfte nur um 4,5 Prozent fallen, während der IWF in Brasilien und Mexiko mit Einbrüchen von 9,1 respektive 10,5 Prozent rechnet. Immerhin: Im kommenden Jahr dürften die Schwellenländer sich mit 5,9 Prozent BIP-Wachstum ähnlich stark erholen wie die Eurozone.

Es gibt jedoch auch warnende Stimmen. So wies der Vorsitzender der Notenbank von Singapur, Tharman Shanmugaratnam, darauf hin, dass zwei Drittel des globalen Konjunkturwachstums aus den Schwellenländern stammen, und warnte: „Wenn wir an die Zukunft der Weltwirtschaft denken, geht es fundamental darum, ob die Schwellenländer weiter aufwärts streben oder abtauchen.“ Shanmugaratnam zufolge gebe es ein reales Risiko, dass die Schwellenländer durch die Krise alle Errungenschaften der vergangenen zwei bis drei Jahrzehnte verlieren – und die ganze Welt die Konsequenzen spürt.

Die Signale der Erholung mehren sich – doch mit dem V wird es wohl nichts

Das zweite Quartal mag die schlimmsten BIP-Einbrüche aller Zeiten mit sich gebracht haben. Das täuscht jedoch darüber hinweg, dass die Wirtschaft vielerorts im gleichen Quartal schon wieder auf Erholungskurs gegangen ist. Keine Frage: Es wird Jahre dauern, ehe die Krise vollständig verdaut sein wird.

Und obschon sich die Zeichen der Erholung mehren, so bleibt ein großes Fragezeichen: Schwappt doch noch eine zweite Welle der Pandemie über die Weltwirtschaft? In den USA ist noch nicht einmal die erste Welle überstanden, und sowohl in Europa als auch in China klettert die Zahl der Neuinfektionen wieder, wenngleich auf einem relativ betrachtet niedrigen Niveau.

Einen zweiten Crash der Konjunktur befürchten die Volkswirte aber nicht, auch nicht bei einer zweiten Welle. „Es dürfte noch lange dauern, bis die Wirtschaft wieder ihr Vorkrisenniveau erreichen wird. Eine zweite Infektionswelle dürfte diesen Prozess weiter verlängern“, schrieb etwa Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. Statt der Erholung in Form eine Vs tendieren viele Ökonomen zu einem anderen Bild: dem Wurzelzeichen aus der Mathematik. Das heißt: Nach ein Einbruch und rascher Erholung steht der Wirtschaft nun eine Phase des langsamen Wachstums bevor.

Zum Thema:

[Coustom ad_2]
Dieser Beitrag ist ein öffentlicher RSS Feed. Sie finden den Original Post unter folgender Quelle (Website) .

Krypto-Nachrichten ist ein RSS-Nachrichtendienst und distanziert sich vor Falschmeldungen oder Irreführung. Unser Nachrichtenportal soll lediglich zum Informationsaustausch genutzt werden.

Werbebanner

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

2 × vier =