Kreml-kritischer Blogger Jegor Schukow bei Angriff in Moskau schwer verletzt | Aktuell Europa | DW

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In Moskau ist der kremlkritische Aktivist und Journalist Jegor Schukow bei einem Angriff schwer verletzt worden. Der 22-Jährige musste wegen Platzwunden im Gesicht und wegen Verdachts auf ein Schädel-Hirn-Trauma in ein Krankenhaus, wie der Radiosender Echo Moskwy berichtet. Schukow, der in Russland ein bekannter Blogger ist, arbeitet für den Sender, seit ihm der Staat verboten hatte, selbst weiter einen Videokanal im Internet zu betreiben.

Die Sendungen Schukows haben hohe Einschaltquoten. So interviewte er unter anderen den Oppositionsführer Alexej Nawalny, der nun wegen schwerer Vergiftungserscheinungen in Berlin in der Charité behandelt wird.

Noch am Boden weiter geschlagen

Schukows Team veröffentlichte in den sozialen Netzwerken Bilder von den bei der Attacke erlittenen Verletzungen. Demnach wurde weiter auf den Kopf des jungen Mannes eingeschlagen, als er schon am Boden lag.

Schukow erstattete nach Angaben des Echo-Moskwy-Chefredakteurs Alexej Wenediktow Anzeige bei der Polizei. Zwei unbekannte Männer sollen dem Aktivisten am Sonntag nach einer Sendung vor seiner Wohnung aufgelauert und ihn dann zusammengeschlagen haben. Immer wieder kommt es in Russland zu schweren Angriffen auf Andersdenkende, die kaum je aufgeklärt werden.

Jegor Schukow auf der Anklagebank während des Prozesses gegen ihn im vergangenen Jahr in Moskau (Foto: Reuters/E. Novozhenina)

Jegor Schukow auf der Anklagebank während des Prozesses gegen ihn im vergangenen Jahr in Moskau

Schukow gilt als talentierter und extrem schlagfertiger politischer Kopf und zugleich als eine Symbolfigur der jungen russischen Protestbewegung. Er hatte auch einmal gesagt, dass er russischer Präsident werden wolle. Er ist ein scharfer Kritiker von Kremlchef Wladimir Putin.

Unterstützung von Studenten, Publizisten und Priestern 

Schukow war im vorigen Jahr als Student der angesehenen Elite-Universität Higher School of Economics auch bei Oppositionsprotesten in Erscheinung getreten. Ein Gericht verurteilte ihn wegen Aufrufs zu Extremismus zu drei Jahren Haft auf Bewährung und untersagte ihm, für zwei Jahre eigene Webseiten im Internet zu betreiben. Während des Prozesses hatten sich andere Studenten und auch Publizisten für ihn eingesetzt. Selbst 123 russisch-orthodoxe Priester forderten in einem offenen Brief, die Vorwürfe gegen die Angeklagten der jungen Protestbewegung fallen zu lassen. Sie schrieben von “Einschüchterung” und riefen die Behörden zu “Barmherzigkeit” auf. Der Sender Echo Moskwy nahm ihn schließlich nach dem Urteilsspruch in die Redaktion auf.

sti/rb (dpa, Echo Moskwy, SZ)



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