Kultur-Hunger wird größer sein – Bildschirm ersetzt Atmosphäre nicht

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Selbst dort, wo sonst mit Leidenschaft Kultur gelebt und Zukunftsmusik gespielt wird, gibt im Moment der Infektionsschutz den Ton an. Konzertsäle, Opern und Musikclubs, Theater, Kinos und andere Kulturorte sind im Stillstand.

Sie alle holen uns in normalen Zeiten heraus aus dem Alltag, hinein in eine Welt der Möglichkeiten. Mögliches sichtbar zu machen und Wirklichkeit veränderbar zu zeigen, gehört zu den künstlerischen Kernkompetenzen. Kunstwerke und Kulturorte schaffen Raum für Utopien – allein schon dadurch, dass sie Menschen über alle Grenzen hinweg verbinden.

In der Dunkelheit eines Kinosaals, im Bann des Bühnengeschehens erfahren wir, dass alles anders sein könnte als wir es wahrnehmen. Und manchmal spüren wir lesend oder lauschend, mitfühlend und mitfiebernd die Sehnsucht nach einer besseren Welt, nach einem anderen Leben.

Doch gleichzeitig scheint der Kunst und Kultur in diesen Corona-Zeiten genau das zum Verhängnis zu werden, was sie der Politik und Wirtschaft, der Sprache der Macht und des Geldes voraus hat: dass sie Menschen buchstäblich in Fühlung miteinander bringt. Solange Abstandhalten Bürgerpflicht in der Corona-Prävention ist, bleiben kulturelle Gemeinschaftserlebnisse in ausverkauften Sälen wirklichkeitsferne Wünsche – um nicht zu sagen: Zukunftsmusik…

Kunst als unverzichtbare Seelennahrung

Was das für Künstlerinnen und Künstler, für Kultureinrichtungen und Unternehmen der Kulturbranche bedeutet, weiß ich nicht zuletzt aus den unzähligen Telefongesprächen und Briefen, in denen Betroffene mir in den vergangenen Wochen ihre Situation geschildert haben. Ich kenne die Verzweiflung. Ich kann die Existenzangst nachempfinden. Ich leide selbst – als Mensch, als begeisterte Kulturliebhaberin und als Politikerin.

Ich bin in tiefer Sorge auch um die kulturelle Vielfalt, die in Deutschland über Jahrzehnte gewachsen ist – übrigens nicht zuletzt dank einer staatlichen Kulturförderung, die weltweit ihresgleichen sucht. Und doch bin ich der Meinung, dass nicht Defätismus, sondern Pragmatismus in dieser Situation die erste Geige spielen muss: zu schauen, was geht, statt zu beklagen, was gerade alles anders sein muss.

Schauen, was geht: Künstlerinnen und Künstler und zahlreiche Kultureinrichtungen haben mit genau dieser Haltung und bewundernswerter Kreativität in den vergangenen Wochen die häusliche Isolation für viele Menschen erträglicher gemacht. Wohl nie zuvor bot das Internet Kulturgenuss in dieser Bandbreite und Qualität – vom Livestreamkonzert über Lesungen aus dem heimischen Wohnzimmer bis zum virtuellen Theaterabend. Über das analoge Stammpublikum hinaus dürfte dabei auch so mancher Online-Zufallsbesucher auf den Geschmack gekommen sein. Kunst jedenfalls erwies sich für viele Menschen einmal mehr als unverzichtbare Seelennahrung.

Corona-Krise hat auch schöpferische Kräfte

Diese Wertschätzung wird sich, davon bin ich überzeugt, nach der Coronakrise für Künstlerinnen und Künstler auszahlen. Der Hunger nach Kultur im öffentlichen Raum wird größer sein als je zuvor. Viele sehen jetzt, dass Kultur als Bildschirmerlebnis das Gemeinschaftserlebnis nicht ersetzen kann. Die Resonanz ist eben doch eine andere im öffentlichen Raum.

Als Zuhörer und Zuschauer lauscht man konzentrierter, und mag die heimische Couch auch noch so bequem sein: Beglückender ist es, Emotionen mit anderen zu teilen. Viele (auch ich!) können es deshalb kaum erwarten, endlich wieder im Konzert, im Theater, im Kino zu sitzen – selbst wenn es manchmal bedeutet, den Stiernacken des Vordermanns im Blickfeld oder Popcorngeknusper von rechts hinten im Ohr zu haben.

Schauen, was geht, und tun, was getan werden kann: Diese Haltung bestimmt auch den politischen Umgang mit der Corona-Krise und ihren Auswirkungen auf Kunst und Kultur. Aus anderen Ländern blickt man durchaus mit Neid auf den Rettungsschirm aus Soforthilfen, den die Bundesregierung in Deutschland für Selbstständige und Kleinstunternehmen auch der Kultur- und Kreativbranche gespannt hat – über Unterstützungsprogramme der einzelnen Bundesländer hinaus, in deren Zuständigkeit die Kultur in Deutschland liegt.

Er setzt sich im Wesentlichen aus fünf Bestandteilen zusammen:

  1. Den Lebensunterhalt soloselbständiger Kreativer sichern der erleichterte Zugang zu einer Grundsicherung mit deutlich verbesserten Leistungen sowie eine Regelung, die es Kultureinrichtungen erlaubt, Ausfallhonorare als Kompensation für entgangene Gagen zu zahlen.
  2. Kulturelle Einrichtungen wie Theater können Angestellte dank der Flexibilisierung des Kurzarbeitergelds über Schließzeiten hinweg halten.
  3. Für Betriebskosten wurden Soforthilfen bereitgestellt, von denen zum Beispiel Buchhandlungen sowie Kino- und Musikclubbetreiber genauso profitieren wie Künstler mit eigenem Atelier.
  4. Für gezielte Hilfsmaßnahmen zur Krisenbewältigung stehen Mittel aus meinem Kulturetat bereit, beispielsweise in einem Hilfsprogramm für freie Orchester und Ensembles oder im Programm NEUSTART für coronabedingte Umbaumaßnahmen.
  5. Die Gutscheinlösung als Ersatz für Tickets bei abgesagten Veranstaltungen trägt dazu bei, mit den Konzert- und Festivalveranstaltern einen weiteren Kulturbereich durch die Corona-Krise zu retten. Zu diesen bereits beschlossenen Maßnahmen kommt ein umfassendes Programm, mit dem ich die kulturelle Infrastruktur in Deutschland retten und den Neustart des kulturellen Lebens unterstützen will. Kinos und Musikclubs, Gedenkstätten und Galerien, Museen und Theater und viele andere Kultureinrichtungen werden Finanzhilfen erhalten, um nach der Corona-Zwangspause so früh wie möglich wieder ihre Tore zu öffnen. Denn die Erhaltung der kulturellen Infrastruktur ist der Schlüssel, um Arbeitsmöglichkeiten und damit Einkommen für Künstlerinnen und Künstler wie auch alle anderen im Kulturbereich Tätigen zu garantieren.

All das darf zuversichtlich stimmen, dass die Coronakrise nicht nur zerstörerische, sondern auch schöpferische Kräfte mobilisiert. Politisch jedenfalls tun wir dafür unser Möglichstes – in der Überzeugung, dass wir der Kunst wie auch der Kultur- und Kreativwirtschaft jene Inspiration und Irritationen verdanken, aus denen Innovationen entstehen, und in der Überzeugung, dass gerade in der Kultur die Zukunftsmusik spielt.

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