Laufkolumne: Mitten in der Krise zeigen mir meine Hunde, was uns wirklich fehlt

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Der Frühling ist da. Die wohl wundervollste Zeit des Jahres, um zu laufen. Nicht zu heiß, nicht zu kalt, und die Sonne hat unendlich viel Kraft. Die Natur erwacht, das zarte Grün überall, mich motiviert diese Jahreszeit in der Regel unheimlich. Ich könnte vor Freude fast spontan einen Marathon laufen, weil ich nicht müde werde, verliebte Paare zu sehen.

Überall. Und das Sahnehäubchen sind für mich Läuferinnen und Läufer, Pärchen die zusammen laufen. Nah beieinander, so dass man das Gefühl hat: Zwischen diese beiden passt kein Laufschuh-Schnürsenkel. Schon im Winter freue ich mich bei meinen Läufen auf diese Szenen.

Dieses Jahr ist alles anders. Die Sonne scheint, alles ist wie immer zu dieser Jahreszeit – und doch ist alles ganz anders. Ein unsichtbarer Feind lauert hinter jedem Busch, hinter jedem Baum. Ein Feind, der tödlich sein kann. Während uns die Sonne freundlich anlacht. Absurd. Das tut weh. Das macht viel mit uns. Ob Läufer oder nicht.

Die Blicke der Läufer sind besorgt

Wenn ich laufe, sehe ich viele „neue“ Läuferinnen und Läufer. Sie laufen alleine. Und ihre Blicke sind besorgt. Im Frühling habe ich meist freudige und gut gelaunte Läufer gesehen. Bisher. Gerade jetzt fühlt es sich so an, als ob viele nicht nur alleine laufen, sondern auch alleine sind. Einsamkeit tut uns Menschen nicht gut. Das ist soweit nicht neu.

Brutal ist es aber, wenn man eigentlich gar nicht einsam ist. Weil es Freunde gibt. Weil da Familie ist. Weil alle erreichbar sind, aber nicht näher als zwei Meter an uns heran dürfen. Die absolute Höchststrafe scheint aber eine Situation zu sein, die ich mir kaum vorstellen mag. Wer in der Krise zudem noch Single ist, für den wird der Frühling wahrscheinlich zur Qual. Da bleibt nicht viel mehr übrig, als wegzulaufen. Vor dem Frühling, vor sich selbst, vor dem Schmerz.

Vor einigen Tagen war ich mit den Hunden unterwegs. Sie waren bereits von der Leine ab. Plötzlich tauchte eine Läuferin auf, sie lief die Straße hoch, die wir gerade hinunter gingen. In der Regel haben meine Hunde verstanden, dass sie Menschen, die sie nicht kennen, ignorieren sollen. Das haben sie durch das Laufen mit mir gelernt, was für alle Seiten stressfreier ist. Sie machen allerdings dann eine Ausnahme, wenn sie etwas Besonderes spüren.

Wenn sie merken, dass es dort einen Menschen gibt, der ihnen zugewandt ist. Der von sich aus ausstrahlt, dass eine Begrüßung durch die Hunde gewünscht ist. Und genau das strahlte die Läuferin aus. Spagna und Bilbo waren mit zwei Tatzensprüngen an ihrer Seite. Besonders der große Bilbo, der gerade kiloweise sein weißes langes Winterfell verliert, hatte es ihr angetan.

„Du beschissene Corona-Krise“

Nicht jeder Mensch verkraftet es gut, wenn die schwarze Laufhose plötzlich weiß ist. Dieser Frau schien das komplett egal. Sie und Bilbo waren eins. Der große Hund schmiegte sich an die kleine Frau, die immer wieder tief Luft holte. Ihre Hände verschwanden in Bilbos Fell. Immer wieder senkte sie ihren Kopf, um ihm noch ein wenig näher zu sein. Bilbo drückte sich mehr und mehr an ihre Knie. Und dann diese Sätze, die ich bestimmt sehr, sehr lange nicht vergessen werde: „Wenigstens habe ich jetzt mal so jemanden. Wenigstens ein paar Minuten Nähe. Wenigstens ist jetzt mal kurz jemand für mich da.“

Kennen Sie das? Wenn einem die Tränen der Rührung einfach – ohne dass man das steuern kann – wie ein Sturzbach in die Augen schießen? Und man große Mühe hat, sie zurückzuhalten? Wenn man in einem einzigen Moment in nur wenigen Sekunden einfach alles sieht? Einem alles klar wird? Das war so ein Moment.

„Du beschissene Corona-Krise, du Drecksding, ich hasse dich“, hätte ich laut schreien wollen. „Nicht genug, dass diese Läuferin keinen hat, nicht genug, dass sie das schmerzt. Du Corona, du machst sie noch einsamer. So einsam, dass gerade mein Hund sie wenigstens ein bisschen rettet. Schlimm ist das! Das Letzte ist das“, hätte ich ergänzen wollen.

Wir trennten uns. Sie lief weiter den Berg hoch. Sehr viel Bilbo-Liebe klebte an ihrer Laufhose. Wir gingen spazieren. Ich bedankte mich gedanklich bei Spagna und Bilbo.

Sie hatten wirklich alles richtig gemacht.

Alles.

So läuft es.

Lesen Sie hier alle Kolumnen von Mike Kleiß.

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