Laufkolumne: Wer Diversität lernen will, muss laufen

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Unterschiede zwischen Frauen und Männern existierten für mich nie. So bin ich erzogen worden. Daher gibt es für mich kaum etwas, was mich mehr nervt, als die Debatten um Diversität. Dass wir in 2020 überhaupt noch ein Label, ein Modewort für die Gleichstellung von Frauen und Männern brauchen, finde ich nicht würdig.

Wir wollen modern sein, wir wollen in unserer Gesellschaft offen und gleich sein, und kriegen die einfachsten Dinge nicht hin. Bitter. Fernab der unsäglichen Tatsache, dass Frauen im Job anders als Männer behandelt werden, müssen sie sich gegen sexistische Übergriffe von Männern im Alltag wehren. Deutschland 2020.

Diversität ist als Wort innerhalb kurzer Zeit schon sehr abgenutzt. Vielleicht auch deshalb, weil Diskussionen schnell in eine Gender-Debatte münden. Dabei ist Diversität weitaus mehr als das. Zur Vielfalt gehört für mich viel mehr. Was ist mit verschiedenen Hautfarben? Was ist mit verschiedenen Sprachen und Kulturen, was ist mit gleichgeschlechtlicher Liebe?

Knapp ein Viertel der deutschen Bevölkerung hat einen Migrationshintergrund. Auch das ist Deutschland 2020. Und es wichtig, dass wir uns weiterhin um das Thema Vielfalt kümmern. Denn in der Diversität liegen so viele Chancen.

Beim Laufen ist die Vielfalt längst angekommen

Wer regelmäßig Lauf-Wettkämpfe bestreitet, der weiß: Wenn man Diversität finden will, wenn man sie hautnah erleben will, muss man einfach nur einen Halbmarathon oder Marathon laufen. Egal in welchem Land man das tut, man stellt fest: Hier ist Vielfalt längst angekommen.

Hier wird Diversität längst gelebt. Wenn wir beim Marathon am Start stehen, sind wir alle gleich. Wir haben alle dasselbe Ziel, und es ist ein unausgesprochenes Gesetz: Jeder hilft dem anderen, wenn Hilfe benötigt wird. Das bedeutet ganz klar: Ein Marathon ist nicht nur gelebte Diversität, ein Marathon ist auch Solidarität.Surftipp: Alle Neuigkeiten zur Corona-Pandemie finden Sie im News-Ticker von FOCUS Online

Dabei spielt weder das Geschlecht eine Rolle, noch die Hautfarbe. Laufen ist das Bindungsglied zwischen den Kulturen, Religionen, Kulturen und Sprachen. Und das Beste ist: Niemand macht sich eigentlich darüber ernsthaft Gedanken. Man nimmt den Läufer so wie er ist. Und lässt ihn wie er ist. Vielfalt auf seine entspannteste Art. Auch deshalb laufe ich so gerne.

Andere Kulturen sind uns in so vielen Dingen Kilometer weit voraus. Gerade in Sachen gelebter Diversität. Kaum eine Situation ist mir so sehr ans Herz gegangen wie ein Laufmoment in Südafrika. In kaum einem anderen Land ist der Konflikt zwischen Schwarz und Weiß derart eklatant.

Beim Laufens spielt ein anderer Hintergrund keine Rolle

Noch heute, 26 Jahre nach Ende der Apartheid, sind Weiße so viel besser gestellt als Schwarze. Einige Tage vor dem Two Oceans Ultra Marathon in Kapstadt absolvierte ich noch einige Trainingsläufe. Lief an der Küste entlang, und kam mir unendlich schäbig vor. In neuen Laufschuhen, teuren Laufsachen war ich unterwegs, während viele Schwarze in Sandalen und Jeans joggten.

An einem wundervollen Morgen startete ich meinen letzten Entspannungslauf vor dem Ultra Marathon. Ich zog ein schnödes Baumwoll-Shirt an, auf der Brust das Logo der Band „RUN DMC“, im Kopfhörer dröhnte laut ihr Hit „Walk This Way“. Den brauchte ich an diesem Morgen, es war sehr früh, und meine Aufregung wegen des Marathons einige Tage später, stieg von Minute zu Minute.

Nach dem Song lief es bei mir. Und ich steckte die Kopfhörer in die Hosentasche. Auf der Höhe von Camps Bay kamen mir einige schwarze Läufer entgegen. In Jeans. Auf Sandalen. Die Sonne brannte bereits um 6 Uhr, und ich hatte meine Trinkflasche vergessen. Ich stoppte kurz und japste nach Luft.

 

Plötzlich stoppte die schwarze Läufer-Crew und einer lachte mich an und sagte: „Hey, Mr. Run DMC. Come On. Run. Run. Und reichte mir eine Glasflasche mit Wasser.“ Ich nahm einen beherzten Schluck, hinterher erfuhr ich, das er jeden Morgen mit seinen Kumpels zur Arbeit joggt. Sein Essen und sein Wasser trägt er dabei über 15 Kilometer in den Händen. 30 Kilometer jeden Tag, unvorstellbar.

Es wäre natürlich zu einfach gedacht zu sagen: Lauf an der Küste von Kapstadt und Diversität ist erlebbar. Zu viel der Romantik. Was aber deutlich ist: Überall auf der Welt laufen Menschen. Sie alle haben einen anderen Hintergrund.

Sie alle haben ihre Geschichte, ihre Sorgen und Nöte. Im Moment des Wettbewerbs, im Moment des Laufens spielt jedoch genau das keine Rolle mehr.

Denn das einzige was in der Luft liegt ist Respekt. Und Menschlichkeit. Und Verbundenheit.

Dazu braucht es keinen Begriff. Denn hier wird Diversität längst gelebt.

So läuft es.

Lesen Sie hier alle Kolumnen von Mike Kleiß.

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