Maskenpflicht in Deutschland: 5 Gründe sprechen dafür, 3 dagegen

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Ein kleines Stück Stoff, getragen über Mund und Nase, spaltet seit Sonntag erneut die Nation: Während die einen heilfroh sind, dass sich der Großteil der Menschen in Deutschland mittlerweile einigermaßen zuverlässig an die Maskenpflicht hält, drängt Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe auf ein baldiges Ende derselben. „Wenn das Infektionsgeschehen so gering bleibt, sehe ich keinen Grund, länger an der Maskenpflicht im Handel festzuhalten“, erklärt der CDU-Politiker in der „Welt am Sonntag“.

Sein niedersächsischer Amtskollege Bernd Althusmann pflichtet ihm kurz darauf bei, fordert, die „strikte Maskenpflicht im Einzelhandel in den kommenden Monaten in eine Empfehlung“ umzuwandeln, sofern das Infektionsgeschehen dies zulasse.

Merkel hält an Maskenpflicht fest – auch wenn sie viele nervig finden

Beide haben ihre Regierungschefs inzwischen wieder zurückgepfiffen. Im Umgang mit dem Coronavirus sei weiterhin Vorsicht geboten, heißt es etwa aus der Staatskanzlei in Hannover. Auch die Bundesregierung hat der Fantasie eines baldigen Endes der Maskenpflicht am Montag eine klare Absage erteilt. Kanzlerin Merkel lehne dies strikt ab. Überall dort, wo im öffentlichen Leben der Mindestabstand nicht gewährleistet sein kann, seien Masken „ein wichtiges und aus heutiger Sicht auch weiter unverzichtbares Mittel“, heißt es.

Gefühlsmäßig ist der Wunsch nach der Abschaffung der Maskenpflicht indes verständlich. Die Barriere vor Mund und Nase nervt, ist vor allem bei Hitze unangenehm zu tragen. Man schwitzt darunter, versteht sein Gegenüber schlechter. Die Brille kann beschlagen und dran denken, die Maske mitzunehmen, muss man auch noch. Zudem hielten Robert-Koch-Institut (RKI) und Gesundheitsämter sie vor wenigen Woche doch noch für weitgehend unwirksam und sinnlos.

Diese Einschätzung hat sich mittlerweile jedoch massiv gewandelt. Die Maskenpflicht ist aus Vernunftperspektive notwendig – wenngleich sich auch mit heutigem Wissensstand Argumente für beide Seiten finden lassen. Der Pro-Contra-Überblick.

Pro Maske für alle: Was für die Maskenpflicht spricht

Argument 1: Masken verringern das Ansteckungsrisiko via Tröpfchen.

„Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung im öffentlichen Leben kann dazu beitragen, die Ausbreitung von Covid-19 in der Bevölkerung zu verlangsamen und Risikogruppen vor Infektionen zu schützen“, begründet das RKI seine Empfehlung für das Tragen einer Maske. Insbesondere gelte das in Situationen, in denen mehrere Menschen in geschlossenen Räumen zusammenträfen und Mindestabstand von anderthalb Metern zu anderen Personen nicht eingehalten werden könne.

Die Mund-Nasen-Bedeckungen wirkten dann als mechanische Barriere für die kleinen Tröpfchen, die beim Husten, Niesen oder Sprechen entstehen, bestätigt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZfgA). Sowohl selbstgenähte Behelfsmasken aus Baumwolle als auch ein umfunktioniertes Halstuch bremsten die Viruspartikel aus – und können zumindest einen Großteil der ausgestoßenen Partikel abfangen, bevor sie in die Schleimhäute anderer Menschen gelangen. Die Folge: Die Infektionsgefahr sinkt.

Argument 2: Masken reduzieren das Ansteckungsrisiko über die Luft durch sogenannte Aerosole.

Zu Beginn der Epidemie kaum berücksichtigt, ist die Ansteckung über die Luft, via sogenannter Aerosole, in den vergangenen Wochen zunehmend in den Fokus der Wissenschaft gerückt. Wie Studien etwa aus Hongkong gezeigt haben, spielen sie im Infektionsgeschehen eine zentrale Rolle. Auch Deutschlands Chef-Virologe Christian Drosten hält die Übertragung über die Luft seit einiger Zeit für hochrelevant für die Ausbreitung von Sars-CoV-2. Er gehe mittlerweile davon aus, dass fast die Hälfte der Sars-CoV-2-Infektionen auf Aerosole zurückzuführen sei, wie er bereits im Mai im NDR-Podcast ausführte.

Sich vor den Schwebepartikelchen in der Luft zu schützen, ist dabei allerdings noch schwieriger als vor einer Infektion per klassischer Tröpfcheninfektion, die oft auch der Übertragungsweg herkömmlicher Erkältungsviren ist. Der aus seiner Sicht wirksamste Hebel, um die Partikel aus der Luft zu vertreiben: regelmäßiges und effektives Lüften – und das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung.

Denn die Masken können eine Ansteckung zwar nicht gänzlich verhindern, dafür sind die Viruspartikel zu fein, die Poren der verwendeten Stoffe zu grob. Aber sie bieten einen Strömungswiderstand, wie Christian Kähler vom Institut für Strömungsmechanik und Aerodynamik an der Universität der Bundeswehr München erklärt. „Anstatt dass man Partikel weit nach außen pustet, halten sie sich nah am Kopf.“ Und damit verhindert man, dass sich die potenziell infektiösen Teilchen ungehindert im Raum verteilen. Die Folge: Die Infektionsgefahr sinkt.

Argument 3: Masken verringern das Risiko einer Schmierinfektion.

Virologen schreiben der Infektion über kontaminierte Oberflächen etwa im Supermarkt oder im Bus zwar eine eher geringe Bedeutung zu. Allerdings reduzieren Masken auch dieses Risiko. Die Barriere vor Mund und Nase erschwert den Kontakt mit den Schleimhäuten genau dort. Viren gelangen dadurch schwerer in den Organismus. Die Folge: Die Infektionsgefahr sinkt.

Argument 4: Masken schärfen das Bewusstsein für die weiterhin bestehende Ansteckungsgefahr.

In den westlichen Ländern ist das Tragen von Masken unüblich. Genau deshalb erinnern sie uns immer wieder daran, dass (noch) keine Normalität im gesellschaftlichen Leben herrscht – und Abstand halten, besonders regelmäßiges und gründliches Händewaschen sowie generelle Vorsicht bei Symptomen wie Husten oder Fieber Pflicht bleibt. Die Folge: Die Infektionsgefahr sinkt.

Argument 5: Bloße Empfehlungen der Gesundheitsbehörden reichen nicht – das zeigt der Blick ins Ausland.

Manche kritisieren die Bundesregierung dafür, dass die Masken verpflichtend zu tragen sind und favorisieren einen weniger reglementierten Umgang und leidglich eine Empfehlung, die auf Eigenverantwortlichkeit der Bürger setzt statt auf pauschalen Zwang. Wie sehr darauf allerdings vertraut werden kann, scheint fraglich.

So hatte Bulgarien seine Maskenpflicht Mitte Juni schon aufgehoben, aufgrund von massenhaften Verstöße gegen die Corona-Regeln allerdings nur eine Woche später wieder eingeführt.

Contra Maske für alle: Was gegen die Maskenpflicht spricht

Argument 1: Die Behelfsmasken können ein trügerisches Sicherheitsgefühl erzeugen, das Menschen unvorsichtig handeln lässt.

Community-Masken und chirurgische Mund-Nasen-Schutze aus der Apotheke schützen den Träger nicht vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus, sondern vor allem andere. Darauf weisen Infektiologen nimmermüde hin. Trotzdem kann die Maske dazu verleiten, sich in falscher Sicherheit zu wägen, warnt die BZfgA.

Auch Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery begründet damit seine Kritik an der Maskenpflicht. Wer eine Maske trage, wähne sich sicher und vergesse den entscheidenden Mindestabstand, glaubt er.

Argument 2: Etliche tragen ihre Maske falsch und erhöhen ihr Ansteckungsrisiko damit.

Damit die Masken zu weniger Ansteckungen führen, müssen sie sachgemäß getragen werden. Das bedeutet: vor dem Anziehen Händewaschen, die Masken enganliegend über Nase, Mund und Wangen stülpen, regelmäßig austauschen und bei mindestens 60 Grad waschen. Auch wenn die Maske durch den Atem bereits durchfeuchtet ist, hilft sie kaum gegen die Weitergabe des Virus.

Dennoch hält sich längst nicht jeder an diese Regeln. Manche tragen ihren eigentlichen Mund-Nasen-Schutz pseudo-wirksam am Kinn, andere nutzen eine Woche lang die gleiche Maske, ohne sie auch nur einmal von den darinhängenden Krankheitserregern zu befreien. Das Risiko, sich über den dann möglicherweise auch virenverseuchten Stoff anzustecken, steigt, folgert Weltärztepräsident Montgomery. „Schneller kann man sich kaum infizieren.“

Argument 3: Masken dämpfen Kaufimpuls und schaden Handel und Wirtschaft.

„Wir stellen fest, dass Masken die Shoppinglust der Kunden hemmen“, erklärt ein Sprecher des Handelsverbands Deutschland (HDE) im Interview mit der „Rheinischen Post“ vom Dienstag. Man fände es daher „schön, wenn es keine Maskenpflicht mehr gäbe“.

Als vollwertiges Argument greift dies aber zu kurz. Denn bricht eine zweite Corona-Welle aus, würde das Handel und Wirtschaft als Ganzes deutlich stärker zusetzen als das temporäre Beibehalten der Maskenpflicht. Der Handelsverband plädiert deshalb selbst nur dann für eine Aufhebung, „wenn der Punkt erreicht sei, an dem das gesundheitlich geboten ist“, präzisiert der Sprecher.

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