Maybrit Illner: Ärztechef schimpft über „Multispreader“ – „Haben wir so erzogen“

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Krise ist, wenn ein langjähriger Interessensvertreter der Ärzte urplötzlich anfängt, die Gesundheitspolitik zu loben. Die Lage ist offensichtlich überaus ernst – und selten lag es in den Händen so vieler, wie schwer Corona Deutschland letztlich treffen wird. Es geht um Solidarität. Doch sind junge Leute dazu erzogen?

Deutschland ist gesund, zumindest als Staatswesen. Genau das zeigt sich in Zeiten der großen Krankheit. Maßnahmen werden beschlossen, und das schnell. Maßnahmen werden umgesetzt werden, und das konsequent. Dies macht eine Extra-Ausgabe der Talksendung „Maybrit Illner“ deutlich, und das nur eine Stunde vor Mitternacht, bevor also das öffentliche Leben im Land noch deutlich stärker eingeschränkt werden wird: keine Restaurants am Abend, keine Kinos und keine Veranstaltungen, kein Bummel durch Geschäfte.

Jetzt geht es um die Krise. Nicht um Kritik

„Jens Spahn hat von Anfang an einen guten Job gemacht“, lobt Frank Ulrich Montgomery. Dieses Lob wäre in normalen Zeiten kaum vorstellbar. Der Vorsitzende des Weltärztebundes war fast zwei Jahrzehnte lang Chef der Ärztegewerkschaft Marburger Bund – und damit, systembedingt, heftiger Kritiker der Gesundheitspolitik im Allgemeinen und des Gesundheitsministers im Besonderen.  Jetzt hält er sich auffallend zurück. Jetzt geht es um Krise, nicht um Kritik. Es geht, und das wird in dieser Sondersendung überdeutlich, im Moment auch nicht in erster Linie um den Menschen. Es geht um das Gesundheitswesen. „Wir müssen alle gemeinsam darauf achten“, sagt Helge Braun, Bundesminister für besondere Aufgaben, „dass wir das Gesundheitssystem nicht überlasten.“ Zwar werde man alles tun, um die Zahl der Intensivbetten in Deutschland zu verdoppeln. Dennoch bleibt sehr offensichtlich nur die Hoffnung auf die eingeleiteten Maßnahmen und deren Wirkung, „dass die Kurve sich abflacht“.

 

„Unser amerikanischer Freund hat keine Ahnung“

Sehr klar äußert sich der Vorsitzende des Weltärztebundes gegenüber anderen Ländern. „Unser amerikanischer Freund, den wir alle so sehr lieben“, schimpft er ironisch auf Donald Trump, „hat keine Ahnung, wie viele Erkrankte er in den USA hat.“ Warum in Italien so außergewöhnlich viele Erkrankte nach der Corona-Infektion sterben, werde ein Thema sein für zukünftige Untersuchungen: „Keiner kann erklären, warum die Letalität dort so hoch ist.“ Und in Deutschland? „Die Zahl der Infizierten wird stark nach oben gehen“, prognostiziert Montgomery. „Wir sind an dem Punkt, wo es richtig spannend wird.“

„Passierscheine sind ein probates Mittel“

Viele also werden erkranken. Der „spannende Punkt“ wird sein, wie das deutsche Gesundheitssystem damit zurechtkommt. „Wir müssen damit rechnen, dass unsere Krankenhäuser ausgelastet sind mit schweren Fällen“, sagt Helge Braun. Der Minister hält die Nutzung von Hotels in dieser Zeit für Leichterkrankte möglich. Und noch einmal fasst er das Ziel aller Maßnahmen sehr einfach zusammen: „Wir brauchen einen kleinen Zeitvorsprung durch Verlangsamung.“ Auf dem Weg dorthin versichert ihm Jörg Radek, stellvertretender Vorsitzender der Polizeigewerkschaft, klare Unterstützung. Die Polizei werde Strafen, wenn sie gefordert sind, auch umsetzen. Und er hält noch härtere Maßnahmen für möglich: „Passierscheine und Berechtigungsscheine sind ein probates Mittel.“ Der Polizeihauptkommissar kündigt sehr klar auch an: „Wir werden Corona-Partys auflösen!“

„Es sind unsere Kinder, die haben wir so erzogen“

Die 20- bis 30-Jährigen gelten aktuell als „Multispreader“, die das Virus besonders stark verbreiten und besonders viele Gesunde anstecken. Den Punkt greift Frank Ulrich Montgomery noch einmal auf. „Es sind unsere Kinder, die haben wir so erzogen“, schimpft er auf diese Verantwortungslosigkeit und die Menschen, die diese Verantwortungslosigkeit leben: „Wir brauchen Solidarität.“


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