Mord an Walter Lübcke: NDR zeigt verstörende Verhörvideos des Verdächtigen Ernst

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Der Mord am Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke, der am 1. Juni 2019 vor seinem Haus erschossen wurde, hat im vergangenen Jahr großes Entsetzen im ganzen Land ausgelöst. Das Entsetzen wuchs jedoch noch einmal erheblich, nachdem schon wenig später bekannt worden war, dass es sich bei dem Haupttatverdächtigen um einen Rechtsextremen handelt. Denn würde Stephan Ernst  in dem gerade begonnenen Prozess verurteilt werden, wäre es das erste Mal seit dem Ende der Nazi-Zeit, dass ein Rechtsextremer einen Politiker aus politischen Motiven getötet hat.

Zwar widerrief der Tatverdächtige Stephan Ernst ein halbes Jahr nach dem ersten Geständnis bei zwei weiteren Aussagen seine erste Version, nachdem er den Mord in allen Einzelheiten beschrieben hatte. Doch ein nun veröffentlichtes Video zeigt eindrücklich, wie unterschiedlich Geständnis und Widerruf von Stephan Ernst abgelaufen sind.

Ernst vermeidet beim Geständnis Blickkontakt mit den Ermittlern

Einem NDR-Reporterteam des Youtube-Formats „STRG­_F“ sind die Video-Aufnahmen zugespielt worden. In einer 25-minütigen Sendung geben die Reporter seltene Einblicke in den Verhöralltag von Mordermittlern, die normalerweise nie den Weg an die Öffentlichkeit finden.

Den größten Teil räumen die Autoren den Aufnahmen vom Geständnis ein, das der inzwischen 42 Jahre alte Ernst am 25. Juni 2019 in einem Verhörraum zwei Ermittlern gegenüber gemacht hat. Ernst sitzt ohne Anwalt in einem Zimmer, an der Wand hängen vollgestellte Regale, in einer Ecke ist Spielzeug aufgebaut. Die beiden Ermittler sitzen an einem Schreibtisch. Ernst trägt ein rotes T-Shirt, seine Handschellen baumeln lose von einem Gürtel.

Schon bei den ersten Szenen fällt auf, dass Ernst, der die Unterarme auf die Tischkante gelegt hat, Blickkontakt mit den beiden Beamten vermeidet. Er starrt vor sich nach unten auf die weiße Tischplatte und antwortet sehr ausführlich und detailliert auf die Fragen der Ermittler.

An mehreren Stellen weint Ernst – wegen Opfern islamistischer Anschläge

Das gilt ganz besonders für die Schilderung, wie genau er den 63 Jahre alte CDU-Politiker an jenem Abend des 1. Juni gegen 23 Uhr auf der Terrasse seines Einfamilienhauses bei Kassel ermordet haben will. Bereitwillig steht Ernst auf, um den Ermittlern zu simulieren, wie genau er auf den Regierungspräsidenten geschossen hat. Lübcke war in das Visier des Rechtsextremisten geraten, weil er sich der CDU-Politiker für Flüchtlinge eingesetzt hatte.

Ernst zeigt, in welcher Position er die Waffen gegen Lübcke gehalten und dann abgedrückt hat. „Er hat mich noch gesehen“, sagt der 42-Jährige. „Er wollte schauen, in dem Moment ist der Schuss gefallen“. Ernst erzählt den Ermittlern, dass er mit gespanntem Hahn auf den CDU-Politiker gezielt und „auf Kopfhöhe“ abgedrückt habe.

An einer Stelle ist Ernst sogar zu sehen, wie er in Tränen ausbricht, als er vom islamistischen Attentat in Nizza erzählt. Nach Angaben der NDR-Reporter gibt es mehrere Szenen, in denen Ernst vor den Ermittlern weint. Dabei soll es sich meist um Augenblicke handeln, in denen Ernst über die Motivation für seine Tat berichtet, merken die Reporter verwundert an – und nicht über den Tod des CDU-Politikers.

Bei den Schilderungen macht Ernst immer wieder kurze Denkpausen, beantwortet die Fragen dann aber fließend, nickt immer wieder bestätigend mit dem Kopf, ohne den Blick den Beamten zuzuwenden. Immer wieder schnieft er mit der Nase.

Wanldung zum Rechts-Terroristen fand im bürgerlichen Milieu statt

Einen großen Raum nimmt bei der ungewöhnlichen Dokumentation auch die Radikalisierung von Ernst ein. Ernst schildert den Ermittlern klar und deutlich, dass es ab 2015 nicht mehr Nazigruppen gewesen seien, sondern Gespräche mit Arbeitskollegen oder Bekannten, die ihn zur Radikalisierung getrieben hätten.

Auch die AfD spielt dabei eine Rolle. Die Reporter zeigen Bilder von Ernst auf AfD-Demos und erzählen, wie er aktiv bei Veranstaltungen mitgeholfen hat. In den Fokus von Ernst gerieten immer mehr Flüchtlinge und Migranten, für die Lübcke sich in öffentlichen Auftritten immer wieder eingesetzt hatte. Zu den Personen, die ihn öffentlich bei den Veranstaltungen angingen, gehörte auch Ernst selbst, wie er den Ermittlern gesteht.

Ernst über Politiker: „Ich möchte, dass der Tod zu ihnen kommt“

Als „Schlüsselmoment“ für den Anschlag auf Lübcke nennt Ernst den Anschlag von Nizza, bei dem ein islamistischer Attentäter mit einem Lkw am 14. Juli 2016 auf der Uferpromenade 87 Menschen tötete. Als er sich dann am 1. Juni 2019 in der Nähe des Hauses von Lübcke eine Kirmessfeier angeschaut habe, habe er gedacht: „Schau sie dir an, die feiern, und um uns herum sterben doch die Leute. Ich möchte, dass der Terror zu ihnen kommt.“

Ermittlungsrichter zu Widerruf: “Irgendwas passt da nicht, vorne und hinten”

Bei Ernst hat sich nach dieser Vernehmung ein Sinneswandel eingestellt. Denn bei zwei weiteren Vernehmungen Anfang 2020 schildert er den Ermittlern eine ganz andere Version der Tat. Angeblich sei der Tod Lübckes nicht geplant gewesen, die Waffe hätte zudem sein Kumpel Markus H. in der Hand gehalten, der Schuss habe sich „aus Versehen“ gelöst.

Bei dem Widerruf seines Geständnisses trägt Ernst eine dunkle Sportjacke mit weißgoldenen Streifen. Es fällt auf, dass er dabei den Blick nicht mehr gesenkt hält, sondern neben seinem damaligen Anwalt aufrecht sitzt, flüssiger erzählt, bestimmter spricht. Er vermeidet nicht mehr den Blickkontakt mit den Ermittlern, sondern schaut sie bei ihren Fragen und seinen Antworten meist an.

Der Ermittlungsrichter wird auch von den Reportern befragt und verhehlt nicht, was er von der Aussage-Wende hält: „Irgendwas passt da nicht, vorne und hinten, sage ich ihnen mal ganz ehrlich.“ Nach wir vor gilt Ernst als Hauptverdächtiger in dem laufenden Mordprozess um den Tod von Walter Lübcke, während Markus H. als  Helfer vor Gericht steht.

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