Mutmaßlichem US-Spion droht Straflager in Russland | Aktuell Europa | DW

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Paul Whelans Anwalt, Wladimir Scherebenkow, sagte in Moskau, die Anklagebehörde sei davon überzeugt, dass Whelan Mitglied des amerikanischen Militär-Geheimdienstes DIA sei, “mindestens im Rang eines Oberst”. Whelan bestreitet die Vorwürfe. Er gibt an, in eine Falle gelockt worden zu sein. “Er hat nicht spioniert und keine geheimen Informationen gesammelt”, bekräftigte sein Anwalt und zeigte sich von der Forderung der Staatsanwaltschaft “schockiert”.

Auch Zeugen hätten bestätigt, dass Whelan weder Informanten angeworben noch geheime Informationen gesammelt habe. Sein Mandant habe die “sehr harte” Forderung dennoch ruhig aufgenommen. Der Prozess findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Ein Urteil wird laut Scherebenkow am 15. Juni erwartet.

In eine Falle gelockt?

Whelan, der neben der amerikanischen auch die irische, die kanadische und die britische Staatsbürgerschaft besitzt, war im Dezember 2018 in Moskau festgenommen worden. Der 50-Jährige leitete damals die Sicherheitsabteilung eines US-Autozulieferers und gab an, er sei wegen einer Hochzeit in Russland gewesen. Während seines Aufenthalts habe ihm ein Bekannter einen USB-Stick gegeben – er sei davon ausgegangen, dass sich auf dem Datenträger Urlaubsfotos befanden.

Moskau PK Familie Pilot Konstantin Jaroschenko (Imago/ITAR-TASS)

Möglicher Gefangenenaustausch: Mutter und Ehefrau des Piloten Konstantin Jaroschenko kämpfen seit Jahren für dessen Freilassung (Archivbild)

Die USA haben die Festnahme Whelans kritisiert. Es lägen keine ausreichenden Beweise gegen ihn vor. Das Verfahren belastet die bereits angespannten Beziehungen zwischen den USA und Russland weiter. Der Fall hat gleichzeitig Spekulationen befeuert, beide Länder könnten sich auf einen Gefangenenaustausch vorbereiten. In den USA wird der russische Pilot Konstantin Jaroschenko wegen mutmaßlichen Drogenschmuggels festgehalten.

Immer wieder gibt es viel beachtete Spionagefälle zwischen den USA und Russland. Ob es dabei stets um echte oder vielleicht nur vermeintliche Agenten geht, ist kaum überprüfbar. Russlands Präsident Wladimir Putin, selbst ein ehemaliger Geheimdienstchef, hatte im vergangenen Jahr vor ausländischen Spionageangriffen auf sein Land gewarnt. Demnach wurden allein 2018 mehr als 460 Spione enttarnt.

uh/qu (afp, dpa)



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