“Nichts wird mehr sein wie es war”: 3 Alltags-Geschichten, die uns Mut machen

0
134
Werbebanner

Gefühle in Zeiten von Corona: “Nichts wird mehr sein wie es war”: 3 Alltags-Geschichten, die uns Mut machen

Montag, 13.04.2020, 07:15

„Corona – Nichts wird mehr sein wie es war“ – in diesem Buch, das die schönsten Mutmacher-Geschichten bündelt, die ErzählerInnen auf der Plattform Story.one gepostet haben, werden Geschichten aus dem neuen Alltag, den das Coronavirus mit sich bringt, erzählt.

Die Menschen schreiben über ihre Gefühle, Ängste, Zukunftsvorstellungen und alles, was sie bewegt – und ihnen Mut macht. Drei dieser Geschichten lesen Sie hier.

1. Corona – nichts wird mehr sein, wie es war

(Von Sonja Schiff)

Corona wird uns verändern, jeden Einzelnen und unsere Gesellschaft. Da bin ich mir sicher.

Es gibt plötzlich eine Solidaritätswelle, Menschen helfen sich gegenseitig, achten aufeinander, machen sich Mut. In Italien fangen die in ihren Wohnungen isolierten Menschen an, auf den Balkonen zu singen und miteinander zu musizieren. Sie gehen in Kontakt, winken sich zu, nehmen sich wieder wahr, ein neues Nachbarschaftsgefühl entsteht. Über Facebook und YouTube geben Menschen gerade Konzerte, sie lesen aus ihren eigenen Büchern oder Lieblingsbüchern, rezitieren Gedichte, geben Trommelunterricht. Über Twitter wird Nachbarschaftshilfe organisiert und Menschen, die ihre Einsamkeit äußern, wird von wildfremden Menschen angeboten, mit ihnen zu skypen.

Über die Autorin

Sonja Schiff ist 1990 nach einer Pflegeausbildung per Zufall in der Altenpflege gelandet. 2014 hat sie darüber ihr erstes Buch geschrieben: „10 Dinge, die ich von alten Menschen über das Leben lernte“. Sie arbeitet außerdem als selbständige Alternswissenschaftlerin, immerwährende Pionierin, überzeugte Netzwerkerin und leidenschaftliche Schreiberin.

Die Natur bekommt grad eine Pause und zeigt ihre Freude darüber. In Triest schwimmen Delfine nach Jahren wieder nah an die Stadt, weil keine Schiffe mehr da sind, und die Menschen jubeln darüber, freuen sich aus vollem Herzen. In den Kanälen von Venedig werden gerade tausende Fische geboren im plötzlich wieder klaren Wasser…und ich bin mir sicher, da wird noch viel passieren die nächsten Wochen.

Wir erfahren gerade, wie unwichtig und dumm eigentlich dieser ganze Konsum ist, wie er uns von uns selbst und der Natur entfernt hat. Wir werden gerade reduziert auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben, auf die geliebten Menschen, auf das Miteinander, das Füreinander, das Zueinander. Auf das Eingebundensein und Getragenwerden in und von einer Gesellschaft. Und wir erkennen wieder unsere Stärken als Menschheit. Werte wie Solidarität wer- den gerade selbstverständlich von vielen gelebt und mit der Kraft von Kreativität schaffen wir Energie, um uns dieser großen Herausforderung zu stellen.

Ich sehe so viele Menschen, die eigentlich verzweifelt sein müssten, Unternehmer, denen grad der gesamte Jahresumsatz verloren geht etwa, deren wirtschaftliche Existenz im Moment zusammenbricht. Trotzdem erlebe ich

hier Ruhe, so etwas wie Zuversicht. Und auch in mir, die ich eigentlich als Kleinunternehmerin im Kreis gehen müsste vor Sorgen, ist Heiterkeit, Kraft, Mut und eine große Portion Gelassenheit. Ja irgendwie sogar Freude ob der plötzlichen Freizeit und Möglichkeit, längere Zeit innezuhalten. Ich war auf alle Fälle noch selten in meinem Leben so sehr bei mir wie jetzt.

Corona bringt das Leben irgendwie auf den Punkt.

Irgendwann, liebe Leute, in absehbarer Zeit, wird es heißen: Wir haben es geschafft, das Virus ist verdrängt. Und ihr werdet sehen, dann werden wir auf die Straßen laufen, uns umarmen, miteinander weinen, lachen und feiern.

Corona wird uns alle, jeden Einzelnen von uns, uns miteinander, verändern. Nach Corona ist nichts mehr, wie es war. Da bin ich mir si-cher.

Und meine Hoffnung ist groß, dass wir uns dann auch jenen Menschen gegenüber solidarisch zeigen, die uns schon seit Jahren um Hilfe anflehen: Menschen in Not, egal welcher Art von Not und woher sie kommen.”

2. Der Grund für unsere Hoffnung

(Von Uwe Böschemeyer)

“In diesen seltsamen Tagen, in denen die Welt nur ein Thema zu kennen scheint, kam mir die Erinnerung an die Zeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Ganz Deutschland lag in Schutt und Asche. Ich war sechs Jahre alt. Die Bilder, die sich damals meiner Seele einprägten, bin ich nicht mehr losgeworden: nicht nur die der zerbombten Häuser und Straßenzüge, sondern auch jene anderen: Frauen mit ihren Kopftüchern, die Steine schleppten, von denen ich sogar als Kind dachte, die seien für sie viel zu schwer. Manchmal jedoch hielten sie einen Augenblick inne, wischten sich den Schweiß von der Stirn und lächelten der Nachbarin zu.

Über den Autor

Uwe Böschemeyer (* 1939 in Oranienburg) ist ein Psychotherapeut der Schule Viktor Frankls und der Entwickler der „Wertimagination“ und der „Wertorientierten Persönlichkeitsbildung“. Seit 1975 ist Böschemeyer daneben als freier Mitarbeiter des Hamburger Abendblatts und seit 2013 als Kolumnist der Salzburger Nachrichten tätig. 

Oder: Morgens wurde von Haus zu Haus mitgeteilt, am Abend sei ein Tanzfest angesagt. Wer etwas mitbringen wolle, könne das gern tun. Irgendjemand spielte Akkordeon, nicht konzertreif, aber mit großer Leidenschaft, zum Beispiel: „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern.“

Die Stimmung hätte nicht großartiger sein können.

Was hat das mit dem Thema unserer Zeit zu tun? Viel, ganz viel.

Damals gab es Menschen, die sich angesichts der scheinbar aussichtslosen Situation (was für ein riesiges Maß an Zerstörung, und zwar in allen Bereichen!) überhaupt nicht vorstellen konnten, Deutschland werde wieder heilen können – und deshalb resignierten.

Und dann gab es andere, die über das Ende des entsetzlichen Krieges heilfroh waren und sich entschlossen an den Wiederaufbau machten. Sie ließen sich nicht „unterkriegen“ und sangen mit Witz (ich erinnere mich gut und gern an den Schlager über die drei deutschen Zonen): „Wir sind die Eingeborenen von Trizionesien.“

FOCUS-Online-Aktion #CoronaCare: Deutschland hilft sich!

Die Corona-Pandemie schränkt den Alltag der Menschen in Deutschland ein. Vor allem für gefährdete Gruppen wie Senioren sind auch alltägliche Aufgaben mit einem Ansteckungsrisiko verbunden. Daher ist nun Solidarität gefragt! FOCUS Online hat deshalb die Aktion “#CoronaCare: Deutschland hilft sich” gestartet. Machen Sie mit! Alle Informationen finden Sie hier.

Schließlich kommt mir auch die Erinnerung an meinen langen Fußmarsch mit einer schweren Aktentasche von der Schule zum Bus – durch die noch immer teilweise „kaputte“ Stadt Osnabrück. Unglücklich war ich nicht.

Als ein inzwischen sehr alt gewordener Psychotherapeut habe ich die Erfahrung gemacht, dass der viel zu leicht dahingesagte Satz „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ so wahr ist wie der Klimawechsel in unserer Zeit – vorausgesetzt, wir richten uns auf die Hoffnung aus! Nicht illusionär oder gar schwärmerisch, sondern mit einer Mischung aus Nüchternheit, Zuversicht und Mut. Gibt es denn für Hoffnung einen Grund auch in dieser Zeit? Aber gewiss!

So wichtig es ist, sich auf die Bedrohung durch das Coronavirus mit allen Konsequenzen einzustellen, so wichtig ist es, das Angenehme, Schöne und Sinnvolle in diesen Tagen zu sehen, zu erkennen, wahrzunehmen und die Freude darüber zuzulassen. Denn die Freude ist neben der Hoffnung eine bedeutende Lebenskraft.

Darf ich Ihnen darüber hinaus meine persönliche Antwort zumuten? Ich glaube, dass mir selbst und allem anderen Leben letztlich nichts widerfährt, was die Zollstelle des großen Sinngebers passiert.”

3. Geht’s ham!

(Von Ferdinand F. Planegger)

 

“Einige meiner Leser wissen es: Ich war ein- mal ein Sandler. Wie meinen …? Der Ausdruck ist zu hart? Okay – ich korrigiere –, ich war lange Zeit obdachlos, nichtsesshaft oder behördlich: unstet. Das war nicht wirklich schön, aber es gab ja den Alkohol, damit kann man sich nicht nur seine Umwelt schön saufen, sondern praktischerweise auch die ganze andere Misere namens Leben. Das gilt übrigens immer noch – auch für gesellschaftlich anerkannte Tschecheranten im Nadelzwirn.

Über den Autor

Ferdinand Planegger kommt aus der Steiermark. Mit 20 verfällt er dem Alkohol und wird obdachlos. Er bekämpft seine Alkoholsucht, wird Chef eines erfolgreichen Fliesenfachbetriebs und absolviert nach seiner Pensionierung die Literatur-Akademie. Seither widmet er sich dem Geschichtenerzählen.

Warum ich das schreibe? Nein – kein Fischen nach Komplimenten. Nachdem ich es ja offen- sichtlich geschafft habe, diesem Teufelskreis zu entkommen. Außerdem ist es zu lange her, um damit Eindruck zu schinden. Nein, das ist es nicht. Es sind vielmehr meine Gedanken, die in Tagen des Innehaltens in meinem Kopf herum- geistern. Zunächst sind da die von der Tagesaktualität überrollten und vergessenen Flüchtlinge, die mit dem Rücken zur Wand im Dreck zwischen den Fronten stehen. Eine Situation, die mit dem Wort „schlimm“ nur unzureichend be- schrieben ist und von neoliberalen Gemütern hierzulande gerne übergangen wird. Denn – wir haben selber Probleme – und genug zu tun, um das heimtückische Virus in den Griff zu kriegen.

 

 
 

…aber ich schweife ab, wollte eigentlich von den entwurzelten Sandlern schreiben, die nirgends zu Hause sind.

Wir haben im Moment ein Ausgangsverbot. Allein spazieren gehen, mit dem gebotenen Ab- stand zu anderen Personen, ist aber erlaubt. Ich gehe, frische Luft kann nicht schaden, denke ich. Von meinem eigentlichen Ziel erzähle ich niemand, auch nicht meiner Frau. Sie würde mich für verrückt erklären, wüsste sie von meinem Plan, mich in die Aura von Verlierern zu begeben. Noch dazu als Teil der Risikogruppe Ü70. In dieser sensiblen Zeit, wo von allen möglichen Menschen eine Infizierung droht. Unverantwortlich – würde sie sagen. Darum erzähle ich nichts davon und begebe mich vorsichtig dahinschlendernd in die Stadt. Ich um- kreise die ehemaligen Hotspots der Szene, in der Hoffnung, alten Kumpanen zu begegnen – Fehlanzeige. Hinter der Kirche treffe ich auf ein

paar junge Giftler, die mir den Tipp geben, bei den alten Marktbuden nachzuschauen, da würden sich der alte Bobby und andere Obdachlose gerne aufhalten.

Bobby ist der letzte Übergebliebene aus meiner Zeit vor vielen Jahren, seine Kollegen kenne ich nicht.

„Hey Bobby, altes Haus“, begrüße ich ihn. Er hebt ein Augenlid, schenkt mir einen trüben Blick – erst skeptisch, aber dann ein kaum sicht- bares Lächeln des Erkennens.

„Ferdl? Was willst du hier?“

„Schauen, wie es euch geht“, sage ich grinsend. „Keine Angst vorm Virus?“

Bobby lädt mich auf einen Schluck aus dem Tetrapak ein, ich lehne höflich ab. Plötzlich lacht er sarkastisch: „Bist jetzt auch einer von den Guten, die Angst haben müssen, gell. Wir Sandler haben es jetzt besser als du mit deinen neuen Freunden. Sie reden ohne zu denken und sagen zu uns: ,Geht’s ham!‘, und machen einen Bogen um uns. Wir haben jetzt noch weniger Kontakte. Gut für uns!”

Angaben zum Buch: Sonja Schiff (Hrsg.): „Corona – Nichts wird mehr sein wie es war. 17 Geschichten die jetzt Mut machen“

ISBN 978-3-99087-141-6


Emotionale Videobotschaft: DFB-Star Gündogan überrascht Klinikpersonal in Nürnberg

ujo

[Coustom ad_2]
Dieser Beitrag ist ein öffentlicher RSS Feed. Sie finden den Original Post unter folgender Quelle (Website) .

Krypto-Nachrichten ist ein RSS-Nachrichtendienst und distanziert sich vor Falschmeldungen oder Irreführung. Unser Nachrichtenportal soll lediglich zum Informationsaustausch genutzt werden.

Werbebanner

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

7 + 13 =