Niedriglohn: Hunderttausende Alten-Pflegekräfte können von Gehalt kaum leben

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Arm trotz Corona-Helden-Job: Zahlen zeigen Desaster der Altenpfleger: Hunderttausende müssen für Niedriglohn arbeiten

Altenpflegekräfte werden händeringend gesucht – und in Zeiten von Corona als Heldengelobt. Doch wenn’s ums Geld geht, sieht es gleich ganz anders aus. Das zeigen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Teilweise schuften demnach vier von fünf Altenpflegern für ein Mini-Gehalt – trotz Krisen-Bonus.

Demnach verdienen bundesweit 28,3 Prozent der vollzeitbeschäftigten Altenpflegekräfte einen Niedriglohn. Große Unterschiede gibt es dabei zwischen Ost- und Westdeutschland: In Westdeutschland liegt der Anteil der Niedriglohnbeschäftigten bei mit 25,3 Prozent etwa einem Viertel. Im Osten beträgt der Anteil 40,7 Prozent.

Zum Niedriglohnbereich gehört, wer als Vollzeitbeschäftigter weniger als zwei Drittel des Medianentgelts aller Vollzeitbeschäftigten in seiner Branche erzielt. Das Medianentgelt entspricht einer Einkommenshöhe, bei der genau die Hälfte der Beschäftigen mehr bzw. die andere Hälfte weniger Geld bekommt. Es handelt sich also um den einen Durchschnittswert.

Beschäftigte ohne Ausbildung besonders betroffen

Von niedrigen Löhnen besonders betroffen sind Altenpflegehelfer, die keine oder nur eine eingeschränkte Ausbildung vorweisen können. Hier arbeiten 58 Prozent im Niedriglohnsektor. Im Osten liegt der Anteil sogar bei 78,5 Prozent.

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Besonders häufig sind davon ausländische Pflegekräfte betroffen: Bundesweit arbeiten 25,6 Prozent der vollzeitbeschäftigten deutschen Altenpfleger im Niedriglohnsektor, aber 42,6 Prozent der Ausländer.

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Laut Bundesagentur gibt es insgesamt rund 601.000 Vollzeitbeschäftigte in der Altenpflege. Davon sind 314.000 als examinierte Fachkraft tätig, 287.000 gehen einer Tätigkeit als Altenpflegehelfer nach. Erschwerend bei der Betrachtung der Gehälter kommt hinzu, dass 56 Prozent aller Altenpflegekräfte in Teilzeit tätig sind.

Hohes Risiko der Altersarmut

„Die Beschäftigten im gesellschaftlich enorm wichtigen Tätigkeitsfeld der Altenpflege tragen ein überdurchschnittliches Risiko, trotz Arbeit arm zu sein“, hieß es im vergangenen Jahr in einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Das sei eine schwere Hypothek für die Arbeitskräftesicherung in der Altenpflege. Allen Beobachtern ist klar: Die geringen Arbeitsentgelte führen im Alter auch zu geringen Renten. Für viele Betroffenen werden die Altersrenten kaum ausreichen, um damit ihre Lebenshaltungskosten bestreiten zu können.

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Dass das so ist, hängt auch mit dem zerklüfteten Markt der Altenpflege zusammen: Anbieter sind Kommunen, Wohlfahrtsverbände und Kirchen; knapp die Hälfte der Pflegeheime ist in privater Trägerschaft, darunter börsennotierte Konzerne, aber auch kleine Familienbetriebe. Anders als in anderen Branchen gibt es keinen Flächentarifvertrag und keine starken Arbeitgeberverbände und Arbeitnehmerorganisationen, die in eigener Verantwortung Tarifverträge aushandeln. Bislang arbeiten laut Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) nur 20 Prozent der Beschäftigten in der Altenpflege tarifgebunden – plus diejenigen, die nach einem kirchlichen Tarif bezahlt werden.

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Fest steht allerdings auch: Statistisch haben die Löhne in der Altenpflege zuletzt zugelegt – prozentual etwas stärker als andere Berufe. Nach dem von der Bundesagentur für Arbeit im Sommer veröffentlichten Entgeltatlas ist der durchschnittliche Lohn für vollzeitbeschäftigte Altenpflegefachkräfte von 2877 Euro (2018) auf 3032 Euro (2019) um 5,39 Prozent gestiegen. Für Altenpflegehelfer belief sich das mittlere Entgelt auf 2146 Euro. Damit bewegt sich die Altenpflege weiterhin deutlich unter der Krankenpflege und auch unter dem mittleren Gehalt für alle Branchen. Es lag 2019 bei 3401 Euro.

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Mindestlohn steigt in kommenden Jahren kräftig

Dazu kommt, dass im Januar 2020 die Mindestlohnkommission einen deutlichen Anstieg der Mindestlöhne in der Altenpflege beschlossen hat. Der Mindestlohn für Hilfskräfte soll in vier Schritten bis zum 1. April 2022 auf 12,55 Euro angehoben werden. Die seit Langem geforderte Ost-West-Angleichung soll zum 1. September 2021 auf dann 12 Euro erfolgen. Ab dem 1. Juli 2021 soll es zudem erstmals einen Mindestlohn für Pflegefachkräfte von 15 Euro geben.

Aus Sicht des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) wird der Markt es richten: Der Wettbewerb und der Mangel an Pflegekräften werde auch in Zukunft für höhere Löhne in der Altenpflege sorgen – und damit den Pflegeberuf in der alternden Gesellschaft attraktiver machen, heißt es. Die privaten Arbeitgeber wenden sich deshalb kategorisch gegen die Einführung eines flächendeckenden Tarifvertrags, auf den auch die Bundesregierung setzt.

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mbe/kna


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