Nord Stream 2: Sassnitzer Bürgermeister: “Lassen uns nicht einschüchtern”

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Trump will Nord Stream 2 verhindern: Ostsee-Bürgermeister trotzt USA im Gas-Streit: „Lassen uns nicht einschüchtern“

Mit allen Mitteln versuchen die USA, Nord Stream 2 aufzuhalten. Mittendrin: Der Bürgermeister von Sassnitz. Der hat mit großer Weltpolitik eigentlich nichts zu tun, ist wegen seines Amts aber im Visier der Sanktionen – und stemmt sich weiter gegen die Weltmacht.

Als vor zwei Wochen der Brief bei ihm eintrudelte, hatte Frank Kracht mit der großen Weltpolitik wenig zu tun. Als Bürgermeister der Gemeinde Sassnitz auf Rügen regiert er über nicht einmal 10.000 Einwohner und einige tausend Touristen. Doch dann schrieben ihm drei Senatoren aus den USA. Ted Cruz, Tom Cotton und Ron Johnson drohen darin Kracht persönlich.

US-Sanktionen gegen Nord Stream 2 wirken bis nach Sassnitz

Der Bürgermeister ist qua seines Amtes Gesellschafter der Fährhafen Sassnitz GmbH. Die macht überhaupt keine Geschäfte mit den USA und hat nichts mit Politik zu tun. Doch die drei Senatoren reden von „vernichtenden rechtlichen und wirtschaftlichen Sanktionen“. Kracht würde „das zukünftige finanzielle Überleben“ seines Unternehmens zerstören.

Das angebliche Verbrechen des Bürgermeisters ist es, dass im Sassnitzer Fährhafen ab und an russische Schiffe vor Anker liegen, die mit dem Bau der umstrittenen Ostsee-Pipeline Nordstream 2 zu tun haben. Die Unterseeleitung soll von Russland aus Erdgas nach Lubmin an der mecklenburgischen Küste liefern.

„Lassen uns nicht einschüchtern“

Doch nicht, wenn es nach den USA geht. Sie sehen in der Pipeline einen Angriff auf die Energiesicherheit Europas, eine zu große Abhängigkeit von Russland. Eigentlich wollen sie auch, dass Deutschland lieber sein Erdgas in den USA einkauft, aber das wird nicht so offen kommuniziert. Im Kampf um die Pipeline hat die Weltmacht Sanktionen verhängt. Sie sollen alle Firmen treffen, die beim Bau der Röhren helfen – und dazu zählt nach Ansicht der drei US-Senatoren auch der Fährhafen Sassnitz.

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„Solche Weltpolitik gehört doch gar nicht zu meinem Tagesgeschäft“, sagt Kracht. Der 53-Jährige ist parteilos. Seit fünf Jahren ist er in Sassnitz Bürgermeister, er hat für die Partei Die Linke kandidiert. Bedrohen lassen will er sich von den Konservativen aus den USA nicht. „Wir müssen der Welt beweisen, dass wir uns nicht einschüchtern lassen“, sagt er der „Süddeutschen Zeitung“ („SZ“) gegenüber kämpferisch.

Russisches Verlegeschiff seit Mai in Sassnitz

Im Fährhafen Mukran Port liegt schon seit Mai die „Akademik Tscherski“, eines von zwei russischen Schiffen, die die fehlenden 160 Kilometer Pipeline verlegen sollen. Das andere wartet in Rostock. Neben US-Sanktionen verzögert sich der Bau auch wegen Umweltproblemen. Eigentlich sollte die Pipeline schon Ende vergangenen Jahres in Betrieb genommen werden. Das Verlegeschiff mussten die Russen aus dem Japanischen Meer nach Sassnitz verlegen, eine Schweizer Firma war zuvor vor den US-Drohungen eingeknickt.

Wenn Kracht sich nicht fügt, so haben ihm die US-Senatoren angedroht, dann dürfe er nicht mehr in die USA einreisen. Außerdem würde jegliches Vermögen der Fährhafen-Gesellschaft, auf das die USA Zugriff haben, eingefroren. Das ist besonders blöd, weil Sassnitz eine Partnerstadt in den USA hat. Port Michigan am Lake Michigan in Wisconsin hatte Kracht zuletzt 2017 besucht, er wurde sehr nett empfangen. Ron Johnson ist ausgerechnet Senator für diesen Bundesstaat. „Das ist der Gipfel der Unverfrorenheit“, schimpft Kracht.

Landespolitiker setzen sich für Fertigstellung von Nord Stream 2 ein

Der Sassnitzer Bürgermeister will nicht klein beigeben gegen die Drohungen. Und er will auch nicht auf das Geld verzichten, das die Pipeline seiner Stadt einbringen könnte. Das kleine Sassnitz kann schließlich nicht nur vom Tourismus leben.

Unterstützung bekommt er aus der Landespolitik: Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hatte den Drohbrief aus den USA schon am Tag danach als „absolut inakzeptabel“ bezeichnet. Die Empörung reichte sogar bis nach Berlin. Niels Annen, Staatssekretär im Auswärtigen Amt, nannte den Drohbrief „völlig unangebracht“. Sein Ministerium habe das auch den Kollegen in den USA klar gemacht.

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Von noch höherer Stelle gibt es bisher keinen Kommentar. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schweigt zu dem Drohbrief, wenngleich Sassnitz Teil ihres eigenen Wahlkreises ist. Dafür zeigen jetzt CDU-Lokalpolitiker aus Sassnitz Eigeninitiative. Sie haben die Drohungen vergangenen Freitag mit einer Einladung an US-Präsident Donald Trump nach Rügen beantwortet. Kommen wird der wohl kaum – aber man könne den Brief ja auch nicht unbeantwortet lassen, sagte Ingo Trusheim, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes, gegenüber dem NDR.

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