“Notenbanken, Staaten und Ökonomen unterschätzen Lage”, warnt Finanzprofi

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Interview mit Ralf Borgsmüller: Börsenprofi warnt: “Notenbanken, Staaten und Ökonomen unterschätzen die Lage”

Immer deutlicher werden die wirtschaftlichen Folgen des Corona-Virus. Eine Rezession droht und die Aktienmärkte haben massiv verloren. Notenbanken und Staaten legen erste Hilfspakete aus. Der Vermögensverwalter Ralf Borgsmüller kritisiert sie im FOCUS-Online-Interview als viel zu gering.

FOCUS Online: Der Absturz an den Börsen in den vergangenen Tagen war ausgesprochen heftig. Woran liegt das?

Ralf Borgsmüller: Die Finanzmärkte waren schon länger vorbereitet für große Schwierigkeiten. Das habe ich in meinen letzten Interviews an dieser Stelle ja immer wieder betont. Es fehlte nur noch der Auslöser, der die Lawine ins Rollen bringt.

FOCUS Online: Was meinen Sie damit?

Borgsmüller: Auf der einen Seite waren Aktien bereits vor dem Einbruch sehr hoch bewertet, vor allem in den USA. Besonders Tech-Aktien waren extrem teuer. Hinzu kam eine historisch einmalige Konzentration der Anleger in nur ganz wenigen Aktien. So entfiel noch vor wenigen Wochen 20 Prozent der Marktkapitalisierung des amerikanischen S&P 500 Index auf nur fünf Unternehmen: Apple, Amazon, Google, Facebook und Microsoft. Das war eine gewaltige Euphorie und die Bewertungen hatten nichts mehr mit der Realität zu tun.

Auf der anderen Seite sind die Gesamtschulden der Welt – Staaten, Unternehmen, Finanz- und Konsumschulden – zum Jahresende 2019 auf einen neuen Höchststand von 250 Billionen Dollar gestiegen und liegen damit 50 Prozent über dem Niveau vor der letzten Finanzkrise 2008.

FOCUS Online: Der Auslöser für die aktuellen Kurseinbrüche war jetzt der Corona-Virus.

Borgsmüller: Ja, der Virus ist ein schwerwiegender Auslöser für Probleme, die wir schon vorher hatten. Es hätte aber auch ein anderes Ereignis sein können.

“Wenn jetzt auch Gold fällt, ist das kein gutes Zeichen”

FOCUS Online: Jetzt fallen aber nicht nur die Aktienmärkte. Auch Gold verliert.

Borgsmüller: Zunächst einmal ist der Goldpreis seit Anfang 2020 trotz der Kurseinbrüche an den Aktienmärkten auch per heute noch mit ca. vier Prozent im Plus. Wenn beiden aktuellen Marktturbulenzen aber auch Gold verliert, ist das kein gutes Zeichen. Investoren trennen sich nur von solchen sicheren Anlagen, wenn sie dazu gezwungen sind. Viele Marktteilnehmer müssen liquidieren, um nicht bankrott zu gehen. Womöglich werden wir in den nächsten Monaten auch noch Aktienliquidationen im großen Stil sehen, denn In den USA sind Kredite im Wert von 580 Milliarden Dollar auf Aktien beliehen. Wenn die verkauft werden müssen, weil die Banken nervös werden und die Werte der Aktien unter die Kreditwerte fallen, kann es noch mal turbulent werden.

Gold in Euro
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Außerbörslich

FOCUS Online: Die Aktienmärkte sind ja so in Panik wegen des Corona-Virus, weil sie schwerwiegende wirtschaftliche Folgen fürchten. Ökonomen gehen hingegen von einer schnellen Erholung aus.

Borgsmüller: Notenbanken, Politiker und die meisten Ökonomen schätzen das Problem völlig falsch ein. Die derzeit in die Wege geleiteten Rettungspakete sind bisher viel zu klein. Die Verluste in der Weltwirtschaft gehen schon jetzt in den Billionenbereich und der Höhepunkt der Krise steht uns noch bevor, weil die Epidemie zeitversetzt um die Welt wandert. Nach China ist jetzt Europa dran und wieder etwas zeitversetzt die USA. Tausende von Geschäftsmodellen stehen schon kurzfristig auf der auf der Kippe, weil die Menschen Ihren nicht mehr ausgehen und ihren Konsum massiv einschränken. So sind Hotels, Bars und Restaurants häufig leer und oftmals stürzt der Umsatz von 100 auf unter 30 Prozent. Wir werden einen massiven Konsumrückgang erleben, der die konsumabhängige westliche Welt in eine schwere Rezession stürzen wird. Dazu kommen noch die Probleme auf der Seite der Unternehmen, weil die Logistikketten zusammenbrechen und der Nachschub fehlt. Die Weltwirtschaft wird eine schwere Rezession erleben, das ist hochwahrscheinlich.

FOCUS Online: Können die Probleme auch auf den Immobilienmarkt übergreifen?

Borgsmüller: Natürlich. Schlittern wir in eine Rezession mit steigender Arbeitslosigkeit, wird sich das auch auf die Mieten und auf die Immobilienpreise negativ auswirken.

“Wir brauchen schnell massive Rettungspakete der Regierungen und Notenbanken”

FOCUS Online: Was muss jetzt geschehen, um die Situation zu beruhigen?

Wir brauchen schnell massive Rettungspaket der Regierungen und Notenbanken, vor allem für die riesige Zahl an notleidenden kleinen und mittleren Unternehmen. Keine Regierung kann sich heute Massenpleiten und Massenarbeitslosigkeit mehr leisten. Die Staaten und Notenbanken müssten mit drei- bis vierstelligen Milliardenprogrammen der Wirtschaft durch diese Zeit helfen. Vor allem sind jetzt die Notenbanken gefordert. Sie werden erneut Staaten massiv Geld geben und viele Unternehmen retten müssen. Auch eine neue Bankenkrise ist denkbar, denn die Unternehmensschulden sind weltweit auf einen neuen Höchststand von 75 Billionen Dollar gestiegen. Viele Unternehmen werden in den nächsten Quartalen Ihre Kredite nicht mehr bedienen könne. Die Notenbanken sind die einzigen Institutionen, die wirklich handlungsfähig ist. Ich kann mir sogar auch vorstellen, dass wir Helikoptergeld sehen werden, so wie die Menschen in Hong-Kong im Februar 2020.

 

 
 

FOCUS Online: Wird die Corona-Krise schlimmer als die Finanzkrise von 2008?

Borgsmüller: Sie kann in den nächsten Quartalen zumindest auch zu einer systemischen Krise werden. Damals waren es die Privatschulden durch uneinbringliche Immobilienschulden, die das Bankensystem an den Rand des Kollapses brachten. Dieses Mal könnten es die Unternehmensschulden sein. Alles hängt davon ab, dass Politik und Notenbanken die Krise endlich in ihrer Dimension richtig einschätzen. Da muss viel, viel mehr passieren. Ich hoffe, dass die US-Notenbank Fed bei ihrer nächsten Sitzung nicht nur den Leitzins radikal senkt, sondern auch ein gewaltiges Gelddruck-Programm verkündet und damit zeigt: Wir haben verstanden. Das wenige, was die EZB bisher als Krisenreaktion machen will, zeigt, dass ihr die Dimension der aktuellen Entwicklungen noch nicht klar ist.

“Steigende Kurs zum Verkauf nutzen”

FOCUS Online: Wie sollten sich Anleger am besten verhalten?

Borgsmüller: Die Aktienmärkte sind weltweit kurzfristig total überverkauft. Deshalb kann es in den nächsten Wochen eine Kurserholung geben, die auch kräftiger ausfallen kann. Davon sollte man sich aber nicht täuschen lassen, sondern die steigenden Aktienkurse zum Abbau von Risiko nutzen und Aktien verkaufen. Anleger sollten darüber hinaus auch unbedingt noch die Qualität Ihrer Anleiheschuldner prüfen, da es zu einigen, auch größeren Bankrotten von Unternehmen kommen kann.

Aufgrund der Höchstverschuldung der Welt und vor allem der Unternehmen wird diese Krise nicht so schnell vorbei sein. Sie wird mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Weltrezession führen, die auch über das Jahr 2020 hinausgehen kann. Jetzt sind bei der Geldanlage Erfahrung und Vorsicht gefragt.

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