Obduzierte Tote: Covid-19 ist ernst, aber keine besonders gefährliche Erkrankung

0
275
Werbebanner

Klaus Püschel kennt das Coronavirus wie kein anderer. Tag für Tag untersucht der Hamburger Rechtsmediziner Leichen. Menschen, die nach einer Covid-19-Erkrankung gestorben sind. Und das tat er bereits schon lange, bevor das RKI Obduktionen befürwortete.

Anfangs hatten Virologen davon abgeraten, die Leichen zu untersuchen. Die Gefahr, sich mit dem Virus zu infizieren sei zu groß. „Das hielt ich jedoch für völlig übertrieben“, erklärt der Rechtsmediziner. Die Mitarbeiter der Pathologie seien mit Schutzkleidung ausgestattet, zudem ginge keine besonders große Infektionsgefahr von den Toten aus.

„Wir können von den Toten für die Lebenden lernen“

„Ich halt es jedoch für würdelos, die toten Körper einfach in Plastiksäcke zu verpacken und zu verbrennen“, betont Püschel. Das käme einer Beisetzung von Aussätzigen gleich, sei „irrational und nur auf Angst begründet.“

Trauernde sollten sich stattdessen in Würde von ihren Liebsten verabschieden können. „Zwar sollten sie diese nicht küssen, aber sie dürfen sie anschauen. Auch anfassen, sofern sie sich danach die Hände waschen“, erklärt der Rechtsmediziner. Mittlerweile befürwortet das RKI ausdrücklich Obduktionen – aus Forschungszwecken. „Das ist etwas, was mich bei meiner Arbeit täglich begleitet“, erklärt Püschel: „Wir können von den Toten für die Lebenden lernen.“ Das gelte auch beim Coronavirus.

„Wird Zeit, wieder Normalität zu schaffen“

Normalerweise würden Virusinfektionen von Menschen besiegt, dadurch, dass sich ihr Immunsystem mit ihnen auseinandersetze. „Die Liste der Viren ist lang, es gibt viele Infektionen, mit denen wir zu leben gelernt haben. Nach und nach entsteht dann für gewöhnlich eine Herdenimmunität“, erklärt der Rechtsmediziner. „Und ich hoffe, dass sich das Coronavirus baldmöglichst in die Liste dieser Infektionen einreiht.“

Um das zu erreichen, müsse man so schnell wie möglich wieder zu einem Normalzustand zurückkehren. Die Menschen sollten auf sich selbst und andere aufpassen – aber ohne Einschränkung ihrer Freiheitsrechte, mit vernünftigen staatlichen Regelungen.

Die Maßnahmen, die die Bundesregierung vor mehreren Wochen ergriffen hatte, hält der Rechtsmediziner für sinnvoll und angemessen. Andernfalls hätte das Virus das Gesundheitssystem zum Kollabieren gebracht. „Nun haben wir aber einen Weg gefunden, mit diesem Virus-Problem umzugehen. Jetzt wird es Zeit, dass wir so schnell wie möglich wieder Normalität schaffen“, betont er.

  • Alle Neuigkeiten zum Ausbruch des Coronavirus lesen Sie im News-Ticker

Andere Krankheiten sollen wieder normale Aufmerksamkeit bekommen

Insbesondere für das Gesundheitssystem sei es jetzt wichtig, zu einem Normalzustand zurückzukehren. „Es gibt sehr viele andere Krankheiten als das Coronavirus“, betont der Rechtsmediziner. „In 99 Prozent der Fälle sind es andere Erkrankungen – und die müssen wieder normale Aufmerksamkeit bekommen.“

Das gelinge nur, indem wir zuließen, dass sich mehr Menschen mit dem Virus infizierten. „Andernfalls, wenn wir keine großflächige Immunität schaffen, bedeutet das: Wir müssen uns für eine sehr lange Zeit isolieren.“

Dazu sei er persönlich nicht bereit, die meisten anderen Menschen ebenso wenig. „Bei den Kindern müssen wir besonders schnell damit anfangen“, meint Püschel. „Ich finde es unakzeptabel, dass sie eingesperrt werden. Dass sie aus ihren normalen Lebensbereichen ausgeschlossen werden.“ Zudem seien sie im Gegensatz zu anderen Gruppen weniger gefährdet, schwer an Covid-19 zu erkranken.

Alle Toten in Hamburg hatten Vorerkrankungen

Wichtiger sei es künftig hingegen, Risikogruppen zu schützen. Für diese bestünde immer ein Restrisiko. Dazu zählten Menschen mit Vorerkrankungen. Der Rechtsmediziner bemerkte bei der Untersuchung der Todesopfer so schwere Verläufe, dass „auch wenn es hart klingt, viele im Verlauf dieses Jahres ohnehin gestorben wären“. Alle diese Menschen litten an schweren Vorerkrankungen.

Dazu zählten etwa Erkrankungen des Herzkreislaufsystems wie Arteriosklerose oder Herzinfarkte. Auch schwere, chronische Lungenerkrankungen, von denen speziell Raucher betroffen seien. Ebenso litten die Menschen vor ihrem Tod an Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, hatten Krebserkrankungen, Leberzirrhosen oder Nierenschwächen. 

„All diese Krankheiten schwächen das Immunsystem“, erklärt Püschel. Viele der Toten hätten sogar mehrere Krankheiten gleichzeitig gehabt, waren letztendlich Lungenentzündungen und -embolien erlegen. Die rund 100 Menschen waren im Alter von 51 bis 99 gestorben, zählten also meist auch wegen ihres Alters zur Risikogruppe. 

Gesundheitssystem ist weit davon entfernt, zu kollabieren

Püschel möchte das Virus damit nicht verharmlosen. Dennoch ist es ihm wichtig, Sars-CoV-2 und seine Bedeutung für Deutschland richtig einzuschätzen. „Unser Gesundheitssystem ist weit davon entfernt, zu kollabieren“, betont er. In Deutschland gebe es eine verhältnismäßig geringe Anzahl an Sterbefällen. Politiker seien frühzeitig gut beraten worden und hätten somit verhindert, dass Krankenhäuser überlastet würden.

„Was die Experten den Politikern vor wenigen Wochen geraten hatten, war absolut richtig“, betont Püschel. „Jetzt ist die Zeit der Virologen jedoch vorbei.“ Man dürfe das Virus nun nicht mehr abstrakt betrachten. Stattdessen solle man sich mit der Realität in den Krankenhäusern auseinandersetzen. „Wir haben genug Betten, wir haben genug Kapazitäten, um Menschen zu beatmen“, erklärt Püschel.

Nun sei es an der Zeit, den Menschen zuzuhören, die sich tagtäglich mit der tatsächlichen Krankheit Covid-19 befassten. „Hausärzte, Infektiologen, Geriater, Intensiv- und Palliativmediziner, die insbesondere ältere Menschen betreuen: auf deren Ratschläge müssen wir nun hören.“ Ebenso auf die Wissenschaftler, die das Wesen der Krankheit untersuchten.

Deutschlands bewegendster Corona-Song: “Victoriam” – Hören Sie rein, wir unterstützen damit den guten Zweck

Wir lassen niemanden allein. Mit dem Song “Victoriam” unterstützt die Aktion #CoronaCare Tafeln in Deutschland.

„Keine besonders gefährliche Viruserkrankung“

Die relativ geringen Todeszahlen in Deutschland führt Püschel zum einen auf die politischen Maßnahmen zurück. Zum anderen würde in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern anders getestet werden, was andere Fallzahlen hervorrufe.

„In anderen Ländern wurden vorzugsweise Schwerkranke und Sterbende getestet“, erklärt er, „dort hat man weniger Daten von der Gesamtbevölkerung, die nicht schwer an Covid-19 erkrankt ist.“ Dadurch ergebe sich eine weit höhere Sterberate, ein ganz anderes Verhältnis von Erkrankten zu Toten.

Demnach handele es sich Püschel zufolge „um keine besonders gefährliche Viruserkrankung“. Zwar sei das Virus ernst, der Umgang damit hätte jedoch unverhältnismäßig viel Angst geschürt. „Wenn wir diesem Virus, dieser Angst so viel Raum geben, dann hat das am Ende größere gesellschaftliche und medizinische Folgen, als die Krankheit selbst“, betont der Rechtsmediziner.

Bundeskanzlerin Angela Merkel verglich das Virus etwa vor einigen Wochen mit „der größten Herausforderung seit Ausbruch des zweiten Weltkrieges“. „Ich verstehe, dass sie damit betonen wollte, wie ernst die Lage ist“, räumt Püschel ein. „Aber Aussagen wie diese machen den Menschen große Angst – unverhältnismäßig große Angst.“

[Coustom ad_2]
Dieser Beitrag ist ein öffentlicher RSS Feed. Sie finden den Original Post unter folgender Quelle (Website) .

Krypto-Nachrichten ist ein RSS-Nachrichtendienst und distanziert sich vor Falschmeldungen oder Irreführung. Unser Nachrichtenportal soll lediglich zum Informationsaustausch genutzt werden.

Werbebanner

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

5 − fünf =