Öffnungszeiten von Aldi, Rewe, Edeka, dm: So reagieren Supermärkte auf die Krise

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  • Es gibt Einlasskontrollen bei Supermärkten
  • Supermärkte und Discounter haben weiter geöffnet – jedoch nicht zusätzlich am Sonntag
  • Ältere und Menschen erhalten mancherorts Sondereinkaufszeiten

Supermärkte rüsten um – teilweise Einlasskontrollen

Neben Freude auf der einen Seite, werden zugleich auch strengere Regeln tagtäglich kommuniziert: Nach den strengeren Vorschriften für den Einzelhandel haben Supermarktketten begonnen, den Einlass in Märkte stärker zu reglementieren. Unter anderem in Nordrhein-Westfalen schreibt ein Erlass der Landesregierung nun vor, lediglich einen Kunden pro zehn Quadratmeter Ladenfläche zuzulassen, um die Ansteckungsgefahr mit dem neuartigen Coronavirus zu verringern.

“Wir sind derzeit in der Erarbeitung von Konzepten, die darauf abzielen, den Zugang zu den Märkten zu beschränken, wo der Kundenzulauf dies notwendig macht”, hieß es von der Rewe-Group, zu der auch die Penny-Märkte gehören, am Montag. Das könne etwa durch Einlasskontrollen oder eine beschränkte Anzahl an Wagen oder Einkaufskörben geschehen.

Aldi wies auf Anfrage darauf hin, es könne “mancherorts zu Einlasskontrollen oder Einlassbeschränkungen kommen” – etwa in Zeiten mit hohem Kundenaufkommen oder wenn der notwendige Abstand von 1,5 Metern zwischen den Personen nicht eingehalten werden könne.

Auch die Drogeriemarktkette Rossmann erklärte zuletzt: “In einigen Filialen haben wir bereits vermehrt Sicherheitskräfte im Einsatz. Diese unterstützen sowohl bei der Steuerung des Zutritts sowie der Vermeidung von Warteschlagen als auch beim Schutz unserer Kolleginnen und Kollegen.”

Öffnungszeiten: Das sagen Aldi, Rewe und Co. (wird laufend aktualisiert):

Aldi Nord: „Unsere Märkte sind aktuell wie gewohnt deutschlandweit geöffnet und unsere Mitarbeiter arbeiten unermüdlich daran, die Warenverfügbarkeit für unsere Kundinnen und Kunden sicherzustellen. Das Engagement unserer Mitarbeiter wissen wir sehr zu schätzen und bedanken uns für den Einsatz eines jeden Einzelnen. Im Rahmen von ‘ALDI liefert’ bieten wir unseren Kunden ausschließlich unterschiedliche Aktionsangebote aus dem Non Food-Bereich an. Wir können hier entsprechend keine Auswirkungen verzeichnen. Das Angebot auf ‘ALDI liefert’ steht unseren Kunden derzeit wie gewohnt zur Verfügung.“

Aldi Süd: „Aldi Süd plant aktuell keine erweiterten Öffnungszeiten. Um unsere Kunden bestmöglich zu versorgen und „Hamsterkäufe“ überflüssig zu machen, füllen wir unsere Bestände in den Filialen regelmäßig auf. Die verstärkte Belieferung und das Einräumen der Regale sind mit einem zusätzlichen logistischen Aufwand verbunden. Alle Mitarbeiter arbeiten derzeit auf Hochtouren, sowohl in den Filialen, als auch in der Logistik und in den Verwaltungen. In diesen herausfordernden Zeiten leisten die Kollegen Außerordentliches.“

Eine Aldi-Sprecherin betonte am Mittwoch, angesichts der aktuell hohen Belastung bräuchten die Mitarbeiter Ruhephasen, um Kräfte zu sammeln. Deshalb plane der Discounter weder verlängerte Öffnungszeiten noch einen Sonntagsverkauf.

Amazon Fresh: Verwies auf eine Zusammenstellung von Amazon-Kampagnen in den USA, möchte darüber hinaus aber keine Auskunft geben.

Edeka: „Wir halten eine Erweiterung der Öffnungszeiten nicht für notwendig. Schon jetzt sind viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Grenzen ihrer Belastbarkeit. Jetzt noch einen Tag länger zu öffnen, würde diese Situation weiter verschärfen. Die Versorgung unserer Kundinnen und Kunden mit Lebensmitteln ist auch mit den bestehenden Öffnungszeiten bundesweit sichergestellt. Wir beobachten zwar, dass es in einigen Sortimentsbereichen, etwa bei haltbaren Lebensmittel wie Nudeln und Konserven oder auch Hygieneprodukten, zu einer erhöhten Nachfrage kommt. Dennoch können wir die tägliche Belieferung der Märkte mit ausreichend Ware über unsere Logistikzentren weiterhin gewährleisten. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten mit großartigem Einsatz daran, die gewohnten Angebote und Leistungen für ihre Kunden aufrechtzuerhalten.“

dm: Bislang keine Auskunft.

Kaufland: „Wir prüfen aktuell die Möglichkeit, in Bayern unsere Ladenöffnungszeiten auf 22 Uhr auszuweiten. Da unsere Filialen laufend mit neuer Ware beliefert werden, ist die Warenversorgung auch weiterhin sichergestellt. Zudem bieten wir unseren Kunden in Bayern durch unsere bestehenden Öffnungszeiten von Montag bis Samstag von 7 bis 20 Uhr bereits ein großes Zeitfenster, um ihre Einkäufe zu erledigen.“

Lidl: „Zum jetzigen Zeitpunkt haben alle Filialen zu den gewohnten Öffnungszeiten geöffnet. Unsere Mitarbeiter leisten in dieser schwierigen Situation großartige Arbeit und geben Tag und Nacht ihr Bestes, damit unseren Kunden genug Waren zur Verfügung stehen, die sie für ihren Alltag benötigen. Auch in allen Bereichen der Logistiklager und der Verwaltung stellen unsere Mitarbeiter mit unermüdlichem Einsatz sicher, dass wir die Filialen stets mit Ware versorgen.“

Müller: Möchte aufgrund von Überlastung im Tagesgeschäft keine Auskunft geben.

Netto: „Aktuell kursieren Gerüchte in den Sozialen Medien, wonach die Bundesregierung angeblich weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens plane. So wird beispielsweise in einer Sprachnachricht auf WhatsApp vor einer unmittelbar bevorstehenden Schließung von Lebensmittelmärkten beziehungsweise einem eingeschränkten Angebot gewarnt – auch mit direktem Bezug auf Netto. Diese Gerüchte sind falsch und entbehren jeder Grundlage! Eine ausreichende Warenversorgung unserer Filialen ist auch weiterhin sichergestellt.“

Penny und Rewe: „Unsere Märkte sind regulär geöffnet. Beim Rewe Lieferservice verzeichnen wir – analog zum stationären Handel – eine erhöhte Nachfrage, die vereinzelt auch zu Wartezeiten von wenigen Tagen führen kann – dies ist aber kein bundesweites Bild.“ Rewe bittet zugleich um Verständnis für eventuelle Engpässe in einzelnen Märkten. Um die Mitarbeiter etwas zu entlasten, suchen Rewe und Penny übrigens Aushilfen: „Wer in unseren Märkten jetzt als Aushilfe tätig werden möchte, kann sich unkompliziert bewerben“, erklärte Rewe-Chef Lionel Souque in einer Pressemitteilung: „Studierende zum Beispiel, die wegen der aktuellen Schließung der Universitäten Interesse haben, bei Rewe oder Penny auszuhelfen.“ Bewerben könnten sich Interessierte demnach direkt in dem Markt, in dem sie tätig werden möchten.

Am Mittwoch schrieb Rewe-Chef Lionel Souque schrieb zudem in einem Brief an die selbstständigen Rewe-Kaufleute: „Mit dem gegenwärtigen Pensum verlangen wir den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Märkten bereits Erhebliches ab. Und wir haben aktuell wenig Grund zu der Annahme, dass sich daran binnen sehr kurzer Frist etwas verändert.“ Deshalb wolle Rewe auf die Sonntagsöffnung verzichten. Die bestehende Öffnung an sechs Tagen in der Woche erlaube es bereits, die Kunden bedarfsgerecht zu bedienen.

Rossmann: Bislang keine aussagekräftige Auskunft, informiert aber seine Kunden auf Rossmann.de. Danach werden die Filialen weiterhin regulär geöffnet sein. Zudem werden diese auch täglich beliefert. Indem jeder sich an die maximalen Abnahmemengen halte, könnten leere Regale vermieden werden, heißt es weiter. Zugleich stehen manche Angebote derzeit vor Ort nicht mehr zur Verfügung – aufgrund des Infektionssschutzes bietet Rossmann seinen Fotoservice derzeit nur im Internet an, Kaffeeautomaten und Wickelmöglichkeiten wurden abgebaut. Auch auf Testprodukte müssen Kunden aktuell verzichten.

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Wo Sie immer sonntags einkaufen können

Wer am Sonntag oder an Feiertagen einkaufen möchte oder gar muss: In vielen Bahnhöfen großer Städte wie in Berlin, Hamburg oder München sind Supermärkte und Discounter vertreten. Sie sind zumeist sieben Tage die Woche geöffnet.

Auch bieten viele Tankstellen – auch in dieser Zeit – eine Auswahl an Supermarkt-Produkten und sind ebenso am Sonntag geöffnet.

Supermärkte planen vorläufig keine Sonntagsöffnung

Die großen deutschen Supermarkt- und Discountketten wollen ihre Geschäfte ansonsten auch weiterhin nicht am Sonntag öffnen. Edeka, Rewe, Aldi und Lidl betonten bei einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur, an den gewohnten Öffnungszeiten von Montag bis Samstag festhalten zu wollen.

Rewe-Chef Lionel Souque begründete das in einem Brief an die selbstständigen Rewe-Kaufleute mit der ohnehin hohen Belastung der Beschäftigten: “Mit dem gegenwärtigen Pensum verlangen wir den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Märkten bereits Erhebliches ab. Und wir haben aktuell wenig Grund zu der Annahme, dass sich daran binnen sehr kurzer Frist etwas verändert”, schrieb er. Deshalb würden Rewe und die konzerneigene Discounttochter Penny auf Sonntagsöffnung verzichten. Die bestehende Öffnung an sechs Tagen in der Woche erlaube es, die Kunden bedarfsgerecht zu bedienen.

Auch Edeka und der zugehörige Discounter Netto planen keine Sonntagsöffnung. “Schon jetzt sind viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Grenzen ihrer Belastbarkeit. Jetzt noch einen Tag länger zu öffnen, würde diese Situation weiter verschärfen”, erklärte ein Unternehmenssprecher.

Auch Aldi betonte, die die Mitarbeiter bräuchten Ruhephasen, um Kräfte zu sammeln. Lidl verzichtet ebenfalls auf den zusätzlichen Verkaufstag.

Supermärkte öffnen für Senioren und Personen mit Handicap früher

Ein anderer Supermarkt in Hamburg nutzt die ausgeweiteten Ladenöffnungszeiten inzwischen dafür, dass Senioren in einem geschützten Rahmen einkaufen gehen können. Die Edeka-Filiale will während der Corona-Krise sonntags zwischen 12 und 14 Uhr ihre Pforten nur für Senioren öffnen.

 “Um unsere älteren Kunden zu schützen, Ihnen aber noch die Möglichkeit zu geben, ihren Einkauf zu erledigen, werden wir am Sonntag unseren Laden ausschließlich für diese öffnen”, heißt es in einem Post der Filiale in Hamburg-Altona.

Auch im Edeka Fleck im Stuttgarter Stadtteil Fasanenhof steht das Sortiment zwischen 7.00 und 8.00 Uhr nur Rentnern, Rollstuhlfahrern und anderen “Personen mit Handicap” zur Verfügung, wie ein Schild am Eingang erklärt. Üblicherweise öffnet der Markt erst um 8.00 Uhr.

“Die Aktion wird von den Kunden gut angenommen”, sagte der Marktleiter Julian Fleck am Dienstag. Der 92-jährige Kunde Willi Treppel freute sich über die frühere Öffnungszeit: “Es ist das erste Mal, dass ich mal wieder alleine einkaufen darf.” In den vergangenen Wochen habe sein Sohn ihn davon abgehalten.

Andere Supermarkt-Ketten bieten derlei Aktionen hierzulande vorerst nicht an. “In Anbetracht der aktuellen Situation einer stabilen Warenversorgung sehen wir keine Notwendigkeit, die Öffnungszeiten zu verändern”, erklärte ein Sprecher von Rewe. Die Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands Baden-Württemberg, Sabine Hagmann, sagte auf Anfrage: “In Baden-Württemberg hat die Regierung gesagt: Alle Gruppen, die gefährdet sind, sollen zu Hause bleiben. Ich finde, gerade auch ältere Kunden sollten sich dann daran halten.”

Alle Informationen zum Coronavirus finden Sie im News-Ticker von FOCUS Online.

Bayern hat Ladenöffnungszeiten verlängert

Trotzdem gilt: Jeder Bürger wird weiterhin und überall die Dinge einkaufen können, die er benötigt. Und das zu den ganz normalen Öffnungszeiten. Denn während etwa in Italien nur wenige Menschen gleichzeitig in die Supermärkte gehen dürfen und dies nur zu bestimmten Zeiten, ist für Deutschland bislang nichts ähnliches geplant.

Im Gegenteil: Am Montag, den 16.03. kündigte etwa Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) an, dass die im Freistaat vergleichsweise restriktiven Ladenöffnungszeiten gelockert werden sollen: Um die Versorgung mit Lebensmitteln zu gewährleisten, dürfen Lebensmittelhändler nun an Werktagen von 6 Uhr bis 22 Uhr öffnen sowie sonn- und feiertags von 12 Uhr bis 18 Uhr. Unter anderem dürfen auch Getränkemärkte, Drogerien, die Post oder Tankstellen geöffnet bleiben.

Hamsterkäufe und Hygiene: Mit diesen Maßnahmen reagieren Supermärkte noch auf die Corona-Krise

Wegen des Coronavirus gibt es in vielen Supermärkten auch neue Hygiene-, Sicherheits- und Abstandsregeln. Vor allem in gut frequentierten Supermärkten sorgen etwa Türsteher dafür, dass immer nur eine bestimmte Anzahl von Menschen in einem gewissen Abstand zueinander die Läden betreten.

Die “Hamburger Morgenpost” berichtet von einem Edeka in Hamburg Eimsbüttel. Dort klärt ein roter Zettel an der Eingangstür Kunden über neue Bestimmungen auf: „Bitte tätigen Sie Ihren Einkauf möglichst als Einzelperson! So vermeiden Sie größere Menschenansammlungen! Vielen Dank für Ihr Verständnis.”

Via Twitter schildern Supermarktbesucher ähnliche Erfahrungen: “Hier in Hamburg bei Edeka bekommt man einen desinfizierten Einkaufswagen”, schreibt ein Twitter-Nutzer. Außerdem gebe es Wartezonen vor den Kassen mit Abstandsaufklebern und Durchsagen, die dazu aufrufen würden, alleine zu kommen, wie der Nutzer weiter schreibt.

Plexiglasscheiben und Abstandsmarkierungen an den Kassen

Auch mit Abstandsmarkierungen am Boden, “Spuckschutz” an den Kassen, bargeldlosem Bezahlen sowie Desinfektionsmitteln und Handschuhen für Mitarbeiter wollen die Supermärkte die Ausbreitung des Virus eindämmen und ihre Kassierer vor einer Ansteckung schützen.

In vielen Filialen von Aldi, Lidl, Netto, Rewe und Penny würden derzeit Plexiglasscheiben an den Kassen installiert, teilten die jeweiligen Sprecher mit. Dieser sogenannte Spuckschutz soll die Kassiererinnen und Kassierer vor einer Tröpfcheninfektion mit dem neuartigen Virus Sars-CoV-2 bewahren. “Als eine von vielen Präventionsmaßnahmen werden kurzfristig zusätzliche Desinfektionsmittel sowie Einmalhandschuhe zum Schutz unserer Mitarbeiter zur Verfügung gestellt”, erklärte ein Sprecher von Aldi Nord. Das sind ebenfalls Maßnahmen, die auch die anderen Unternehmen getroffen haben. Überall werde den Kunden zudem empfohlen, möglichst ohne Bargeld zu bezahlen, sondern mit Karte – damit es wenig direkten Kontakt zwischen Menschen gibt. Kein befragtes Unternehmen gab jedoch an, dass Kundenströme durch Zutrittsbeschränkungen gedrosselt würden.

Zum Schutz der Kunden lassen die Ketten im Kassenbereich vieler Filialen Fußbodenmarkierungen verkleben, bei den Netto-Marken-Discount-Filialen einer Sprecherin zufolge beispielsweise im Abstand von zwei Metern. Ähnliche Hinweise werden in Aldi- und Lidl-Filialen angebracht. Die Netto-Sprecherin verwies zudem auf Selbstbedienungskassen in mehr als 100 Netto-Filialen.

Mitarbeiterbonus bei Rewe, Lidl, Kaufland, Real und Aldi

Sie helfen den Deutschen durch die Krise: Die Kassierer an den Kassen deutscher Supermärkte, Menschen, die die Regale auffüllen oder die Logistik dahinter betreiben. Dafür sagen die Arbeitgeber wohl nun Danke: Auch die Mitarbeiter von Aldi erhalten einen Bonus für ihren anstrengenden Einsatz in der Corona-Krise. Die Schwesterunternehmen Aldi Nord und Aldi Süd kündigten am Freitag an, dafür insgesamt 20 Millionen Euro auszugeben.

Zuvor hatten bereits Rewe, Lidl, Kaufland und Real Bonuszahlungen für ihre Mitarbeiter angekündigt. Die Prämien sollen auch bei Aldi aus steuerlichen Gründen in Form von Warengutscheinen ausgeschüttet werden. Die Bonuszahlungen variieren je nach Tätigkeit zwischen 100 und 250 Euro pro Kopf.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) kündigte nun an, Bonuszahlungen für Arbeitnehmer bis 1500 Euro steuerfrei stellen zu wollen. “Viele Arbeitgeber haben bereits angekündigt, ihren Beschäftigten einen Bonus zahlen zu wollen. Als Bundesfinanzminister werde ich am Montag die Anweisung erlassen, dass ein solcher Bonus bis 1500 Euro komplett steuerfrei sein wird”, versprach Scholz in der “Bild am Sonntag”.

Online-Lieferdienste immer beliebter – aber es gibt einen Haken

Die Angst vor dem neuartigen Coronavirus beschert den Online-Lieferdiensten von Rewe, Picnic, Getnow bis zu Amazon Fresh ungeahnte Wachstumsraten. Doch die Sache hat einen Haken. Wer heute Lebensmittel online bestellt, muss oft wochenlang auf die Lieferung warten.

  • Getnow
    Am 26. Februar sei der Run auf die Lebensmittellieferdienste ausgebrochen, sagte Thorsten Eder von Getnow – und das an allen Standorten des Online-Supermarktes gleichzeitig: in Berlin, München, Frankfurt, Hannover, Essen wie im Großraum Düsseldorf/Neuss. Die Folge: Die Zustellslots sind mittlerweile 14 Tage im Voraus ausgebucht. “Wir können nur einen kleinen Teil der Nachfrage abarbeiten. Dabei sind wir immer auf Volllast”, sagte Eder. Die Zahl der Bestellungen habe sich schlagartig verdoppelt. Die Zahl der Neukundenanmeldungen sei in einigen Städten um 500 Prozent gestiegen.
    Dabei hatte der Online-Händler, der sich seine Ware bei der Metro beschafft, mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie die stationäre Konkurrenz. So waren Toilettenpapier, Nudeln und Konserven zeitweise ausverkauft. Doch inzwischen sei die Zeit der Hamsterkäufe vorbei, sagte Eder. Den Bestellern gehe es mittlerweile offenbar weniger ums Hamstern, als darum, beim Lebensmitteleinkauf Kontakt zu anderen Menschen möglichst zu vermeiden. “Das hören wir viel von den Kunden.”
  • Picnic
    Auch Frederic Knaudt, der Deutschland-Chef des Online-Supermarkts Picnic, der im Ruhrgebiet und im Rheinland Kunden in 10 Städten beliefert, betonte: “Die Nachfrage hat sich bei uns mehr als verdoppelt.” Picnic habe seit Ende Februar fast 200 neue Mitarbeiter eingestellt. Dennoch könne das Unternehmen kaum mit der großen Nachfrage mithalten. Wurden sonst die Bestellungen in der Regel schon am Folgetag geliefert, so muss der Kunde jetzt in der Regel bis zur nächsten Woche warten. Und auch das nur als Bestandskunde.
    Wer das erste Mal bei Picnic einkaufen will, landet aktuell auf einer Warteliste. Dort stehen allerdings schon mehr als 70 000 Haushalte, wie Knaudt sagte. Picnic überlege deshalb, künftig die Ware auch am Sonntag zuzustellen. Das würde mehr Kapazitäten bringen.
  • dm
    Bei dm müssen die Kunden aktuell ebenfalls ziemlich lange auf ihre Bestellungen warten. Der Chef der Drogeriemarktkette, Christoph Werner, sagte dem “Handelsblatt”: “Wegen der enormen Nachfrage ist die Lieferzeit kurzzeitig von zwei bis drei Werktagen auf neun bis zwölf Werktage hochgeschnellt.” Einen Testlauf zur Abholung bestellter Waren in der Filiale habe man ausgesetzt, “weil die Mengen in den Märkten explodierten”.
  • Rewe
    Selbst Rewe kann den Kundenansturm in seinem Online-Shop nur mühsam schultern. Lieferfristen von ein bis zwei Wochen seien mittlerweile nicht ungewöhnlich, berichtete ein Unternehmenssprecher. Dabei ist Rewe mit seinem in 75 Städten verfügbaren Lieferservice einer der führenden Online-Lebensmittelhändler in der Bundesrepublik.
  • Amazon
    Auch der US-Internetgigant Amazon muss dem Kundenansturm Tribut zollen. Auf der Homepage seines Lebensmittel-Lieferdienstes Amazon Fresh warnt der Konzern unübersehbar: «Sortiment und Lieferung können aufgrund erhöhter Nachfrage vorübergehend eingeschränkt sein.»

Dabei hatten die Verbraucher in Deutschland vor der Corona-Krise wenig Interesse am Kauf von Lebensmitteln im Internet. Eine Umfrage im Auftrag der Unternehmensberatung AlixPartners ergab im vergangenen Jahr, dass nur jeder vierte Verbraucher schon einmal Lebensmittel online bestellt hat. Damit standen im Heimatland der Discounter und genossenschaftlich organisierten Supermärkte Lebensmittel als Produktkategorie ganz am Ende der Online-Wunschliste. Als Hauptgrund gaben 54 Prozent der Kunden ihre Bedenken bezüglich Qualität und Frische der Waren beim Online-Einkauf an.

Doch dürfte sich das jetzt nachhaltig ändern, ist der Handelsexperte Peter Heckmann von AlixPartners überzeugt. «Für den Online-Handel mit Lebensmitteln ist die aktuelle Lage eine große Chance, sich aus seiner Nische herauszubewegen. Nach der Krise wird der E-Commerce in diesem Bereich wohl eine größere Rolle spielen, weil viele Kunden jetzt merken, dass die Angebote attraktiv sind.»

Voraussetzung ist allerdings, dass die Online-Händler ihr aktuell größtes Problem in den Griff kriegen: die langen Lieferzeiten. “Lieferfristen von bis zu 14 Tagen sind viel zu lang. Das mag jetzt in der Krise funktionieren, weil es vielen Verbraucher darum geht, möglichst jeden Kontakt zu anderen Menschen zu vermeiden. Aber auf Dauer sind solche Wartezeiten nicht tragbar”, sagte Heckmann.

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